Fragenkatalog zum ÖAMTC Winterreifentest 2016

ÖAMTC-Reifenexperte Friedrich Eppel gibt Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Winterreifentest.

Ist es nicht sinnvoller bzw. einfacher Ganzjahresreifen zu verwenden? Schneefahrbahn kommt in vielen Teilen Österreichs ohnehin nur mehr selten vor.

Dieses Verwendungs-Argument gilt wahrscheinlich für einige Regionen Österreichs oder auch dann, wenn man im Winter nicht unbedingt auf das Auto angewiesen ist. Der heurige Ganzjahresreifentest zeigt aber, dass nur ein getestetes Modell die dafür passenden Eigenschaften aufweist. Die meisten getesteten Modelle zeigen im Sommer bei höheren Temperaturen auf trockener Fahrbahn ähnliche Schwächen wie Winterreifen, zwei machen hingegen im Winter auf Schnee sogar guten Winterreifen Konkurrenz.

Wieso sind viele Winterreifen auf trockener Fahrbahn besser beurteilt als Ganzjahresreifen? Sind Ganzjahresreifen hier wirklich schlechter als Winterreifen?

Beim Ganzjahresreifentest des ÖAMTC und seiner Partner erfolgt die Bewertung so, wie es dem realen Einsatz dieser Reifenkategorie durch den Konsumenten entspricht. So wird z.B. das Verhalten auf trockener Fahrbahn bei höheren Temperaturen im Vergleich zu Sommerreifen, die Eigenschaften bei Schnee und Eis hingegen im Vergleich zu Winterreifen beurteilt.
Beim Winterreifentest werden hingegen die Modelle nur untereinander verglichen. Der Notenmaßstab auf trockener Fahrbahn ist daher beim Winterreifentest ein anderer als beim Ganzjahresreifentest.

Wieso sind einige neue Modelle bekannter Hersteller heuer nicht im Test vertreten?

Die ÖAMTC-Reifentests werden ausschließlich mit Reifen durchgeführt, die im normalen Handel erhältlich sind. Einige heuer neu oder verändert auf den Markt kommende Reifenmodelle bekannter Hersteller (z.B. von Continental, Michelin, Fulda und Sava) waren zu Testbeginn noch nicht in Serienausführung frei am Markt kaufbar. Semperit hat für heuer ein neues Modell angekündigt (daher wurde das alte nicht mehr in den Test aufgenommen), die Markteinführung wurde aber verschoben.

Wie werden die Testreifen eingekauft?

Es werden insgesamt 28 Reifen je Modell bei fünf Reifenhändlern eingekauft. Durch diesen weit gestreuten Einkaufsprozess an verschiedenen Orten wird sichergestellt, dass die getesteten Reifen dem Serienstand entsprechen. 
In weiteren Einkaufsschritten können zusätzlich Stichproben kurz vor Veröffentlichung gekauft und in einigen wenigen, aber aussagekräftigen Kriterien nachgetestet werden.

Wer sind die Partner beim ÖAMTC Reifentest?

Die Reifentests des ÖAMTC und seiner Partner sind ein europaweites Projekt, sie werden in einem internationalen Testkonsortium durchgeführt. Dieses Testkonsortium besteht aus europäischen Mobilitätsclubs und Konsumentenschutzorganisationen. Die in Österreich bekanntesten Partner sind – neben dem ÖAMTC – der deutsche ADAC, der schweizerische TCS und der österreichische Verein für Konsumenteninformation.
Die Projektleitung der Reifenvergleichstests hat das Technische Zentrum Landsberg des ADAC inne.

Wie werden die Modelle ausgewählt?

Die zu testenden Reifendimensionen werden im Testkonsortium diskutiert und festgelegt. Dabei spielen Kriterien wie Marktstärke oder Aktualität eines früheren Tests wichtige Rollen.
Auch die Auswahl der Reifenmodelle richtet sich nach den Verhältnissen am Markt. Ziel ist es, die gesamte Preisspanne von der Premiummarke bis zum günstigen Preissegment abzubilden.
Alle Modelle müssen frei am Markt erhältlich sein und einen Nassgriffindex laut EU-Reifenlabel von mindestens „C“ aufweisen.

Wie laufen die Reifentests ab?

Eine detaillierte Beschreibung des gesamten Reifentest-Ablaufs, von der Vorbereitung bis zur Auswertung, ist hier abrufbar.

Worauf muss ich achten, wenn ich mein Auto mit einer anderen Reifenbreite ausstatten will?

Es dürfen nur die in den Genehmigungsdokumenten (z.B. dem Typenschein) eingetragenen Reifen- und Felgendimensionen am Fahrzeug montiert werden. 
Auf jeden Fall muss geklärt werden, ob bei der gewünschten Reifenbreite weiterhin Schneeketten montiert werden können.

Ich habe eine andere Dimension als im Test angeführt, kann ich den Test trotzdem heranziehen?

Für benachbarte bzw. ähnliche Dimensionen kann man sich an den Ergebnissen bzw. Empfehlungen orientieren.
Bis ins letzte Detail gelten die angeführten Ergebnisse allerdings nur für die getestete Reifendimension. Da es sich bei den Testdimensionen um die meistverkauften Reifengrößen handelt, sind dies oft auch die Entwicklungsdimensionen der Hersteller. Dann sind ähnliche bzw. benachbarte Dimensionen davon abgeleitet und haben ähnliche Eigenschaften. 
Es lohnt aber sicher auch, bei älteren Reifentests nachzusehen, ob vielleicht gerade die benötigte Dimension dabei ist. Besonders bei ein bis zwei Jahre alten Tests sind viele der getesteten Modelle noch am Markt erhältlich.

Wie wird die Gesamtnote errechnet?

Die Gesamtnote resultiert prinzipiell aus den gewichteten Noten der Einzelkriterien.
Bei Reifen, die mit weniger als 4 Sternen beurteilt wurden, entspricht die Gesamtnote der schlechtesten Note der Prüfkriterien Trocken, Nässe, Schnee, Eis, Schnelllauf, Kraftstoffverbrauch und Verschleiß.

Wie erfolgt die Reihung der Reifenmodelle?

Die Reifenmodelle werden nach ihrer Gesamtnote gereiht. 
Bei gleicher Gesamtnote erfolgt die Reihung alphabetisch nach dem Herstellernamen.

Was ist das „Reifenlabel“?

Seit 1. November 2012 müssen alle in der EU verkauften Pkw-Reifen mittels Aufkleber oder durch Information im Verkaufsraum mit einem sogenannten „Reifenlabel“ gekennzeichnet werden. 
Auf diesem Reifenlabel ist, ähnlich der bekannten Energieverbrauchskennzeichnung bei Haushaltsgeräten, eine Einstufung des Rollwiderstandes (damit wird der Kraftstoffverbrauch beeinflusst) und des Bremsweges bei Nässe sowie ein Zahlenwert plus Symbol für die Geräuschemission des Reifens bei der Vorbeifahrt angegeben.
Die Angaben zur Reifenlabeleinstufung kommen von den Reifenherstellern selbst.

Warum werden die Reifenlabelwerte in den Tabellen angegeben?

Es hat sich gezeigt, dass am Markt Reifen gleicher Modell- und Dimensionsbezeichnung mit unterschiedlichen Reifenlabelwerten, und damit möglicherweise in unterschiedlichen Ausführungen, verfügbar sind. 
Die im Reifentest ermittelten Bewertungen und Beurteilungen gelten nur für Ausführungen mit den angegebenen Reifenlabelwerten.

Wieso kann ein gleiches Modell eine andere Bewertung als voriges Jahr erhalten?

Vergangenes Jahr wurden, wie üblich, andere Reifendimensionen als heuer getestet. Daher ist es durchaus nicht ungewöhnlich, dass es zu unterschiedlichen Beurteilungen kommen kann. 
Außerdem werden alle Bewertungen immer relativ zum gesamten Testfeld vorgenommen. Daher könnte ein Modell auch schlechter beurteilt werden, weil z.B. die Konkurrenzmodelle besser wurden.

Wieso ist die Verschleißprüfung beim Reifentest so wichtig?

Nur wenn, neben allen anderen getesteten Kriterien, auch die Verschleißfestigkeit überprüft wird, erhält der Konsument ein vollständiges und damit richtiges Bild der Eigenschaften des Reifenmodells. 
Sollten z.B. sehr gute Nassgriffeigenschaften durch eine Verringerung der Abriebsfestigkeit erreicht werden, ist das weder im Sinne des Konsumenten noch schont es Umwelt und Ressourcen.

Was ist der Unterschied zwischen der M+S-Kennung und dem Schneeflocken-Symbol?

Die M+S-Kennung ist derzeit die einzige in Europa rechtlich gültige Winterreifen-Kennzeichnung. Es gibt allerdings keine ausreichende Definition, welche Eigenschaften M+S-markierte Reifen aufweisen müssen. Daher können z.B. auch Sommerreifen ungestraft mit M+S gekennzeichnet werden.

Das Schneeflockensymbol (genauer: Schneeflocke in dreizackigem Berg) kennzeichnet Reifen, die nach einem Amerikanischen Testverfahren ein Mindestmaß an Schneegriffeigenschaften aufweisen müssen. Es hat in Europa noch keine rechtliche Bedeutung. Man kann aber davon ausgehen, dass mit diesem Symbol gekennzeichnete Reifen Winter- oder zumindest Ganzjahresreifen sind. Siehe Abbildung des Symbols, da etliche Reifenhersteller Schneeflocken in den unterschiedlichsten Formen auf der Reifenseitenwand abbilden:

Wie alt darf ein Reifen sein (Produktionsdatum), damit er auch verkauft werden darf?

Es gibt keine gesetzliche Regelung, wie alt ein Reifen beim Verkauf sein darf. 
Der ÖAMTC ist aber der Meinung, dass ein maximal drei Jahre nach Produktionsdatum sachgemäß gelagerter Reifen den Qualitätsansprüchen eines Neureifens gleichen Modells entspricht. Hier ist allerdings eventuell zu berücksichtigen, dass der Kunde bei solchen Reifen auf den Technologiefortschritt neuerer Reifenmodelle verzichten muss. 

Wo sind die „sehr empfehlenswerten“ Reifenmodelle erhältlich und warum sind keine Preisangaben beim Test angegeben?

Die meisten Reifenmodelle sind im Fachhandel, fast alle Modelle im Internethandel erhältlich. 
Preise sind häufig erheblichen Schwankungen unterworfen und können daher nicht verlässlich angegeben werden. Oft lohnt sich ein Preisvergleich verschiedener Händler.

In welchem Land werden welche Modelle hergestellt?

Als ergänzende Information ist beim Reifentest auf den Einzelseiten der Reifenmodelle das Herstellungsland der getesteten Reifen angeführt.
Viele Reifenhersteller haben aber Produktionsstätten in verschiedenen Ländern. Gleiche Modelle und Dimensionen werden daher oftmals in verschiedenen Ländern produziert. Es kann daher vorkommen, dass im Handel gleiche Modelle aus verschiedenen Produktionsländern angeboten werden.

Geschwindigkeitsindex Pkw-Reifen

Q 160 km/h

R 170 km/h

T 190 km/h

H 210 km/h

V 240 km/h

Crashtest 3. Sitzreihe

Thema Tests

Der ÖAMTC führt in regelmäßigen Abständen verschiedene umfangreiche Tests durch. Vom Crashtest über den Kindersitz- bis hin zu Reifentests. Der Club bietet Ihnen unabhängig alle notwendigen Informationen, um Ihre Entscheidung für ein Produkt zu erleichtern. Ein gutes Gefühl, beim Club zu sein.

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