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© Erich Reismann
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Februar 2022

"Ich bin hier der Chef"

Wenn sie den Raum betritt, spürt man sofort ihre Präsenz. Die Wienerin Proschat Madani überzeugt in jeder Rolle. Wir haben mit ihr geplaudert, gelacht und Überraschendes erfahren.

Wir kennen sie als strenge ORF-Chefin in "Walking on Sunshine", als toughe Anwältin in "Vorstadtweiber"und kompetente Psychologin in "Der letzte Bulle".

Doch wie ist Schauspielerin Proschat Madani wirklich? Lässt sie auch daheim die Chefin raushängen?

Wir treffen die 54-Jährige im Café Museum in Wien und merken gleich bei der herzlichen Begrüßung: Die gebürtige Iranerin hat mit ihren Filmrollen wenig gemein. Bei einem Kaffee plaudert sie offen übers Älterwerden, ihren Migrationshintergrund, warum Sie im wahren Leben keine Chefin sein möchte und wieso sie beim Radfahren so gar nicht elegant ist.

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1 Als strenge Wetter- und spätere ORF-Chefin Tilia demnächst wieder in der vierten Staffel von "Walking on Sunshine" zu sehen. (Im Bild mit Robert Palfrader.) © ORF/Hubert Mican

2 In "Der letzte Bulle" überzeugt sie als Polizeipsychologin an der Seite von Henning Baum. © ORF/Sevenone/Rottenkolber

3 Entspannt und witzig beim Interview. © Erich Reismann

— Wie kamen Sie zur Schauspielerei?

Proschat Madani: Das hat mich schon als Kind begeistert. Ich fand es groß­artig, dass im Film und Fernsehen Geschichten erzählt werden, die so gar nichts mit meinem Leben zu tun hatten.

Ich habe die Siebzigerjahre in Wien eher grau und freudlos in Er­innerung. Es war nicht einfach als Migrantenfamilie in einem fremden Land. Daher war dieses bunte Treiben im Film eine schöne Abwechslung.

Während es in der Kindheit eher eine Flucht aus dem Alltag war, habe ich später den Beruf schon so erlebt, dass man einerseits in eine Rolle flüchtet, sich aber immer vordergründig mit dem Leben beschäftigt.

Madani spricht über ihr Buch

— War das auch ein bisschen Therapie für Sie? Heimatsuche und Entwurzelung sind ein großes Thema in Ihrem Leben, dem Sie sich auch in Ihrem Buch "Suche Heimat, biete Verwirrung" gewidmet haben.

Proschat Madani:Nun ja. Das klingt jetzt alles sicherlich sehr wald- und wiesenpsychologisch (lacht), aber ich glaube, dass mein Wunsch, in verschiedene Rollen zu schlüpfen, auch mit meiner Entwurzelung zu tun hatte. Als Schauspielerin kann ich jemand anders sein und mir für kurze Zeit ein kleines Stück "fremde" Heimat gönnen.

Auch wenn es sehr einfach klingt, glaube ich, dass meine selbst zusammengebastelte Interpretation nicht komplett unrichtig ist. Aber wer weiß es schon… (zuckt mit den Schultern)

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Unglaublich lebendig, witzig, ...
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... freundlich und sympathisch im Gespräch.
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Aber der strenge Blick darf nicht fehlen. 

— Gab es eine bestimmte Rolle, die dabei geholfen hat?

Proschat Madani:Keine spezielle. Es ist der Beruf an und für sich, das ganze Prozedere, das damit verbunden ist.

Die Möglichkeit, in fremde Leben hinein zu schnuppern, sich fremde Biographien auszudenken und anzueignen. Das macht was mit einem.

Auf jeden Fall macht es einen toleranter. Sich und anderen gegenüber. Und mich hat es auch mutiger gemacht. Ich bin im Grunde ein sehr introvertierter Mensch. Mit der Schauspielerei gelingt es mir, das zu überwinden.

Da schlummern also zwei Seelen in meiner Brust, eine introvertierte und eine, die es liebt, vor Publikum, vor der Kamera zu stehen und im Mittelpunkt zu sein. Auch wenn mir das nach wie vor manchmal schwer fällt, so bin ich doch sehr froh, diesen Beruf gewählt zu haben. Er hindert mich daran, zum Einsiedler zu werden.

— Gibt es eine Rolle, die Sie auf gar keinen Fall spielen würden? Etwa eine Serienmörderin?

Proschat Madani:Eine Serienmörderin wäre super, das will jeder Schauspieler spielen, wenn er ehrlich ist (lacht).

Offensichtlich vermittle ich leicht das Gefühl "Ich bin hier der Chef".

Proschat Madani, Schauspielerin

Es gibt keine Rolle, die ich per se nicht spielen würde. Aber manchmal gibt es Drehbücher, die einfach nicht gut sind. Ich habe das Gefühl, es gibt keine schlechten Rollen, es gibt einfach schlecht geschriebene Rollen. Das ist schon ein Kriterium, nach dem ich urteile.

Was nicht heißt, dass ich nur in hochklassigen Projekten mitgearbeitet hätte. Dem ist nicht so. Irgendwie muss ich ja auch meine Miete bezahlen (lacht).

— Bekommt man eher verschiedene oder ähnliche Rollen angeboten?

Proschat Madani:Das Reizvolle an unserem Beruf ist ja, dass man so Verschiedenes wie möglich machen könnte. Aber beim Fernsehen wird man sehr schnell in eine Schublade gesteckt. Vor allem, wenn du einmal etwas gespielt hast, wie in meinem Fall die strenge Chefin, kannst du davon ausgehen, dass du wieder so gecastet wirst. Das beansprucht dann sehr viel Mut auf der Seite der Zuständigen, jemanden in anderer Rolle zu besetzen.

— Gibt es eine Rolle, die Sie nie vergessen werden?

Proschat Madani:Ja, es gab eine Rolle, die mir immer in Erinnerung bleiben wird. Weder davor, noch danach hatte ich dieses Gefühl der Leichtigkeit beim Spielen wie bei der "Mamba", einer Actionkomödie. Das war für mich neu und das würde ich gerne wieder erleben.

Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich arbeite. Ich habe geblödelt, dann fiel die Klappe, wir blödelten weiter und so ging es fließend weiter. Es war anstrengend, aber wir hatten unheimlich viel Spaß.

— Gab es zwischen Ihnen und Hauptdarsteller Michael Niavarani noch eine tiefere Connection, weil Sie beide Perser sind?

Proschat Madani:Auch wenn wir in der "Mamba" Perser gespielt haben, war das zwischen uns kein Thema. Aber er hat vor Jahren ein Kabarett mit dem Titel "Iranisch-österreichische Nacht" gemacht. Das war vor allem für Menschen wie mich, die aus dem Iran kommen und in Österreich aufgewachsen sind.

Mit diesem Kabarett ist ihm etwas gelungen, das weit über das Humorvolle hinaus geht. Er hat eine Identität für die iranisch-österreichischen Menschen geschaffen, weil er sich auf die liebenswürdigste Art und Weise über uns und unsere Eigenheiten lustig gemacht hat.

Und ich habe auf einmal entdeckt: Ich bin nicht allein, solche wie mich gibt es einige. Ich glaube, es war ihm damals in dem Ausmaß gar nicht bewusst, wie sehr das Stück berührt und ein Stück Heimat vermittelt hat. Das verbinde ich mit Michael, was das Persisch-Iranische anbelangt. 

— Sie spielen derzeit in "Walking on Sunshine" die ORF-Chefin Tilia. Wieviel Tilia steckt in Ihnen? Gibt es eine Rolle, die Ihnen sehr nahekommt?

Proschat Madani:Nein, erstaunlicherweise spiele ich hauptsächlich Rollen, die nichts mit mir zu tun haben. Warum, kann ich mir auch nicht erklären.

Mein Leben lang wundere ich mich über meine Außenwirkung, die so komplett anders ist, als ich mich selbst empfinde. Ich sehe mich als warmherzigen, empathischen, altruistischen Menschen. Ich mache mir Sorgen um andere und will, dass es allen gut geht.

Das ist natürlich meine Eigenwahrnehmung (lacht). Wenn du Chefin bist, musst du unter anderem auch Menschen entlassen. Das würde ich gar nicht können. Nichtsdestotrotz habe ich etwas an mir, das mich für diese Rollen besonders eignet. Offensichtlich vermittle ich leicht das Gefühl "Ich bin hier der Chef".

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1 Sie sieht sich selbst überhaupt nicht als Chefin, aber es fällt ihr leicht, eine darzustellen. (Im Bild: "Walking on Sunshine" mit Maya Unger.) © ORF/Hubert Mican

2 2019 erhielt sie eine Romy als beliebteste Schauspierin in einer Serie. (Im Bild: Szene aus "Walking on Sunshine" mit Harald Windisch.) © ORF/Hubert Mican

3 Proschat Madani wirkt souverän und elegant. (Szene aus "Der letzte Bulle".) © ORF/Sevenone/Rottenkolber

— Um bei dem Thema Herkunft zu bleiben: Ihre Mutter ist mit vier Kindern in die USA ausgewandert, während Ihr Vater im Iran geblieben ist. Hat der Iran noch eine große Rolle für Sie gespielt, sind Sie oft hingefahren?

Proschat Madani:Nein. Ich bin mit zwei Jahren weg und mit Mitte 30 das erste Mal wieder hingefahren, weil mein Vater im Sterben lag. Danach war ich noch einmal mit meiner Mutter dort, um Erbschaftsangelegenheiten zu klären. Das war ein kafkaesker Aufenthalt, nichts hat funk­tioniert und wir wurden von einer Behörde zur nächsten geschickt. Es war mühsam, aber gleichzeitig schön und spannend, in dem Land zu sein, in dem ich geboren wurde. Zu fühlen, dass es viel Vertrautes gibt, das man nicht erklären kann. Auch, dass dort alle so ausschauen wie ich, war für mich vertraut und neu zugleich (lacht).

— Aber dann waren Sie dort auch nicht exotisch…

Proschat Madani:Nein, gar nicht. Ich war nur exotisch in dem Moment, als ich meinen Mund aufgemacht habe. Dann hat sich jeder gewundert, warum ich nicht wirklich gut Farsi kann. Dieses Nicht-exotisch-Sein war auch einmal schön, weil man da in der Masse untergeht.

— Wieso hat Ihre Mutter damals den Iran verlassen?

Proschat Madani:Mein Vater hatte als Arzt ein Arbeitsvisum für die USA. Meine Mutter ist mit uns vier Kindern vorausgefahren. Meinen Vater hat dann letztendlich doch der Mut verlassen und er ist nicht nachgekommen.

Wir haben ein Jahr ohne ihn dort gelebt, dann lief das Visum aus. Meine Mutter wollte aber nicht zurück. Wir suchten in mehreren Ländern an und erhielten in Österreich eine Aufenthaltsgenehmigung. So kam ich hierher.

Wir waren keine Flüchtlinge, im Gegenteil. Meine Mutter kam aus einer sehr privilegierten Situation im Iran und hätte es in ihrem Land damals viel besser gehabt. Sie hat viel aufgegeben, weil sie wollte, dass ihre Kinder im Westen aufwachsen und studieren.

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Das Posieren lag ihr schon früh im Blut.
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Die vierjährige Proschat mit ihrer Mutter.
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Im Kindergartenalter schon in Österreich und in der Ballettschule (Mitte). 

— Was ist Ihre erste Erinnerung an Österreich?

Proschat Madani:Meine überhaupt erste Erinnerung ist mit der Ankunft in Wien verbunden. Wir waren damals im Hotel Kugel untergebracht, das gibt es heute noch.

Am Morgen nach der ersten Nacht hatte ich mein erstes österreichisches Frühstück: eine Buttersemmel mit Himbeermarmelade (lacht). Das ist ein kulinarisches Geschmackserlebnis, das mich mein Leben lang begleitet hat. Weil es absurderweise auch tatsächlich meine allererste bewusste Erinnerung ist (lacht). Und die hat mit Essen zu tun… da muss man sich auch fragen, was für ein verfressener Mensch ich bin (grinst).

— Das sieht man Ihnen gar nicht an…

Proschat Madani:Ja, aber ich esse schon wirklich wahnsinnig gern. Es ist etwas Herrliches, sehr Sinnliches.

— Der Migrationshintergrund war für Sie als Kind schwierig. Spüren Sie davon heute noch etwas?

Proschat Madani:Nein, weil ich mittlerweile in einer ganz anderen Situation bin. Ich bin hier aufgewachsen, spreche die Sprache, dann bin ich auch noch im Fernsehen. Es mag sein, dass ich für Leute, die mich nicht mögen, trotzdem genug Angriffsfläche biete, aber ich bin mittlerweile kaum mit Ausländerfeindlichkeit konfrontiert.

Ich kann mich aber an Episoden aus meiner Jugend erinnern: Als ich in eine neue Wohnung ziehen wollte und diese nicht bekommen habe, weil ich einen ausländischen Namen habe. Oder Banalitäten im Alltag, als ich in der U-Bahn gesessen bin und für den Führerschein gelernt habe. Mir gegenüber saß ein altes Ehepaar und der Mann sagte laut zu seiner Frau: "Stell dir vor, du hast mit so einer Ausländerin einen Autounfall." Solche Sachen eben.

Das ist aber schon sehr lange her. Allerdings hatte ich vor ein paar Jahren noch ein Erlebnis: Ich bin auf der Straße gegangen und da war eine Frau mit einem verschmutzen Jogginganzug, die mich angestarrt hat. Ich dachte mir, sie will Geld von mir, griff schon zu meiner Börse, als sie sagt: "Na, wann gehst denn du wieder hoam?"

Das war das erste Mal seit langer Zeit, das mir sowas aufgrund meines Aussehens passiert ist. Ich war sprachlos, habe meine Börse wieder eingesteckt und bin gegangen.

Mein Leben lang wundere ich mich über meine Außenwirkung, die so komplett anders ist, als ich mich selbst empfinde.
 

Proschat Madani, Schauspielerin

— Kommen wir zu einem erfreulicheren Thema. Wie entspannen Sie?

Proschat Madani:Ich bin ein großer Fan des absoluten Nichtstuns. Das Aufwachen an einem terminfreien Tag, das ist für mich schon Entspannung.

— Was tun Sie an so einem Tag?

Proschat Madani:Ich bleibe lange im Bett liegen, stehe nur auf, um was Gutes zu essen. Ich finde, man kann unfassbar viel im Bett machen: lesen, fern­sehen, schlafen, kuscheln, essen, telefonieren. Ich bräuchte eigentlich nur ein Zimmer mit einem Bett, das wär's (grinst).

— Dann haben Sie die Lockdowns genossen?

Proschat Madani:Ja. Ich war in der privilegierten Situation es zu genießen.

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Ein terminfreier Tag ist für sie Entspannung pur.

— Im Lockdown hatten die Friseure zu und viele Frauen kehrten zu ihrer natürlichen Haarfarbe zurück. Wie finden Sie Frauen, die zu ihren grauen Haaren stehen?

Proschat Madani:Super, wenn ich nicht vor der Kamera stehen würde, hätte ich sofort meine grauen Haare. Wobei ich natürlich vorausschicken muss, dass es einen großen Unterschied macht, ob Männer oder Frauen graue Haare haben. Ich finde, dass Männer mit grauen Haaren immer sexier werden und Frauen oft gleich um einige Jahre älter wirken.

Nichtsdestotrotz habe ich im Lockdown meine grauen Haare wachsen lassen. Ich fand das sehr befreiend.

— Wie gehen Sie als Schauspielerin generell mit dem Älterwerden um?

Proschat Madani:Ich hatte bis Ende 40 das Gefühl, dass das Älterwerden mein Leben nur besser macht. Auf eine wunderbare Art und Weise kam da alles zusammen. Die Leichtigkeit, die Entspanntheit, ich fand mich auch mit Mitte 40 am attraktivsten. Nicht jung und nicht wirklich alt. Meine Tochter war erwachsen.

Das waren ein paar Jahre der absoluten Freiheit, aber irgendwann merkst du: Jetzt wird es nicht besser, es stagniert (lacht). Und plötzlich sind Kreuzschmerzen da, immer mehr Falten, da und dort hängt ein bisserl was, damit muss man leben lernen. Daher hat sich ab 50 meine Einstellung geändert und ich konnte nicht mehr sagen: Ich finde das Älterwerden super, es wird alles besser (lacht).

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"Mit dem Alter ist es so eine Sache, irgendwann merkst du: Jetzt wird es nicht besser, es stagniert."

— Wie mobil sind Sie im Alltag, wann haben Sie den Führerschein gemacht?

Proschat Madani:Spät! Erst mit Mitte 20. Ich war am Schauspielhaus Graz und habe das alte Auto von einem Kollegen gekauft. Ich hatte erst kurz den Führerschein und bin damals wirklich sehr schlecht Auto gefahren. Ich kann mich erinnern, dass sich die Kollegen immer über mich lustig gemacht haben. 

— Da haben Sie das Klischee "Frauen können nicht gut Auto fahren" erfüllt?

Proschat Madani:Ich war, glaube ich, ein sehr gutes Aushängeschild dafür, auch wenn dieses Klischee natürlich nicht stimmt. Aber bei mir traf es damals leider zu. Einparken ging gar nicht. Das hat sich aber geändert! Ich kann mittlerweile sehr gut fahren.

— Wie steht's mit dem Radfahren?

Proschat Madani:Ganz schlecht! (lacht). Das habe ich erst mit 19 Jahren gelernt und bin nie eine wirklich gute Radfahrerin geworden. In Berlin bin ich zwar oft geradelt und gerade Strecken bewältige ich auch gut, aber in engen Kurven muss ich mich immer abstützen. Ich bin nicht besonders cool und elegant dabei (lacht).

Alles mit zwei Rädern ist nicht so meins. Da fällt mir "Bad Fucking" ein, dafür musste ich laut Drehbuch viel auf einem Motorroller fahren. Und ich dachte: In Berlin bin ich eh oft Rad gefahren, das kann nicht so schwer sein. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich der unbegabteste Mensch der Welt bin, um auf einem Motorroller zu fahren. Jeder kann das, nur ich nicht. Es war grauenhaft und da wurde viel rausgeschnitten (lacht).

— Also eine Rolle als wilde Motorradfahrerin würden Sie dann ausschlagen?

Proschat Madani:Ja, leider! Obwohl ich sie wahnsinnig gerne spielen würde, weil sie cool wäre. Aber das würde ich einer Filmcrew nicht antun wollen.

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Sie würde jede Rolle spielen, außer die einer Motorradfahrerin, da müsste sie leider passen.
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Gemütlich beim Fototermin und Interview im Café Museum in Wien.
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Nach Jahren des Pendelns zwischen Wien und Berlin ist sie mittlerweile in Wien angekommen. 

— Sie sind lange zwischen Wien und Berlin gependelt, was gefällt ihnen besser?

Proschat Madani:Die Kombination mag ich sehr gerne. Berlin hat das Raue, Spannende, Multikulturelle. Wien hingegen hat das Schöne, Gemütliche, diesen Zuckerguss. Ich wollte noch länger pendeln, doch da kam die Pandemie dazwischen. Jetzt bin ich in Wien angekommen.

— Reisen Sie generell gerne?

Proschat Madani:Das ist unterschiedlich. Es gab eine Phase, in der ich beruflich sehr viel gereist bin. Damals konnte und wollte ich keinen Flughafen oder Koffer mehr sehen. Nicht mehr ein- und auspacken. Da sehnte ich mich danach, einfach zu Hause zu sein und nicht reisen zu müssen. Jetzt in der Pandemie, wo ich nicht verreise, ist die Sehnsucht wieder groß.

— Haben Sie ein Traumreiseziel?

Proschat Madani:Ich finde, nach Italien kann man immer reisen. Das Essen ist herrlich. Etwas Besonderes habe ich mir zu meinem 50. Geburtstag gewünscht. Wir haben in Cornwall ein Haus für fast vier Wochen gemietet. Es war wunderschön, einfach lange woanders zu sein und viel Zeit zu haben und auch einmal nur in die Luft schauen zu können. Es ist halt eine andere Luft in Cornwall als in Wien (lacht). Das habe ich sehr genossen.

— Bei Cornwall denkt man immer gleich an Rosamunde Pilcher. Wäre das etwas für Sie, um wieder dort zu sein?

Proschat Madani:Also Rosamunde Pilcher steht auf meiner Liste zwar nicht ganz oben, aber ich sage zu nichts prinzipiell Nein. Wenn ich vier Wochen in Cornwall sein könnte, dann würde ich auch die böse Schwiegermutter bei der Pilcher spielen (lacht).

— Was drehen Sie als nächstes?

Proschat Madani:Es geht zunächst mit dem Münster "Tatort" weiter, dann mit "Walking on Sunshine". Gleichzeitig drehe ich im Frühjahr auch den Horrorfilm "Cuckoo", eine amerikanisch-europäische Koproduktion. Prominent besetzt mit John Malkovich und Hunter Schafer.

Auf diese Herausforderung, wieder auf Englisch zu drehen, freue ich mich schon sehr. Dann folgt ein weiterer Kinofilm, in dem es um eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen geht. Der muss allerdings noch gefördert werden, ist also noch nicht fix. Und noch ein paar Drehtage da und dort. Natürlich hängt auch alles von Corona ab. Man wird sehen. Es ist immer das selbe Problem, entweder kommt alles auf einmal oder man hat gar nichts.

Proschat Madani, Schauspielerin und Autorin

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