Der Akku eines Smartphones büßt meist schon nach ein bis zwei Jahren große Teile seiner Kapazität ein. Insofern wäre es nur logisch, wenn es bei den Batterien von E-Autos ganz ähnlich abliefe, nicht wahr? So wird oft argumentiert, wenn es um ältere Stromer geht, vor allem beim Kauf elektrischer Gebrauchter. Horrorgeschichten über Reichweiten, die nach wenigen Jahren im Keller sind, kursieren zuhauf. Der ÖAMTC hat mit seinem Partner und Batterietest-Experten Aviloo die Daten aus über 1.200 Batterie-Diagnosen ausgewertet. Fakt ist: Die realen Zahlen sprechen eine ganz andere Sprache als die Gerüchte.
E-Auto-Akkus im Langzeit-Test
Viele glauben, dass die Batterien von Elektroautos mit der Zeit immer mehr Leistung einbüßen. Doch stimmt das? Eine Auswertung von über 1.200 Batterie-Tests.
Die Auswertung im Detail
Im Zeitraum von 2019 bis 2025 wurden an ÖAMTC-Stützpunkten mehr als 1.200 Antriebsbatterien von E-Autos verschiedenster Hersteller mit Laufleistungen von bis zu 200.000 Kilometern getestet (siehe Kasten rechts). Das Ergebnis dieser Tests dürfte E-Auto-Skeptiker überraschen: Im Schnitt haben selbst die Akkus mit 160.000 km Laufleistung einen State of Health (SoH) von rund 85 % ihrer ursprünglichen Kapazität. Bei jüngeren Fahrzeugen mit 60.000 km liegt der Durchschnittswert leicht über 90 % SoH. Generell gilt, dass der Leistungsabfall mit der Zeit eher abflacht, plötzliche Verluste bei höheren Laufleistungen sind also nicht zu erwarten.
Das Alter der Fahrzeuge spielt beim Zustand der Batterie zwar eine Rolle, in der Auswertung zeigt sich jedoch vor allem: Je höher die Laufleistung, desto weiter sind die SoH-Werte gestreut. Das liegt primär am Lade- und Nutzungsverhalten der Fahrzeughalter:innen.
Aber Achtung: Die Durchschnittswerte sind zwar solide, doch es gibt eine relativ breite Streuung. Schon bei rund 50.000 km finden sich einige wenige Fahrzeuge, deren SoH unter 70 % liegt. Klingt dramatisch, dabei handelt es sich allerdings um Garantiefälle. Umso wichtiger sind regelmäßige Batterietests.
© Aviloo/auto touring
Batterie kaputt – was tun?
Mittlerweile geben alle Hersteller eine Garantie auf ihre Akkus. Diese gilt in der Regel rund acht Jahre beziehungsweise 160.000 Kilometer und wird schlagend, wenn zum Beispiel 70 % der ursprünglichen Batteriekapazität unterschritten wird. Mit Euro 7 werden Werte in diesem Bereich auch vom Gesetzgeber verlangt. Vereinzelte Hersteller bieten von sich aus schon jetzt noch großzügigere Garantien von bis zu zehn Jahren an. Falls im Garantiezeitraum der SoH des Akkus unter den versprochenen Wert fällt, wird er meist ohne Mehrkosten für die Nutzer:innen getauscht oder repariert. Oft sind einzelne beschädigte Zellen schuld. Diese können modulweise ersetzt werden, sodass kein Kompletttausch nötig ist.
So einen Garantiefall verlässlich zu erkennen, ist nur mit objektiven und unabhängigen Batterietests – wie jenen beim ÖAMTC – möglich. Regelmäßige Checks sind schon lange vor Ablauf der Garantie sinnvoll, um Ausreißer frühzeitig zu identifizieren und rechtzeitig beheben zu können. Ein abschließender Batterietest kurz vor Garantie-Ende sichert zusätzlich ab. Falls der State of Health dann unter 70 % liegt, kann der Akku noch im Rahmen der Garantie instand gesetzt werden. Wer diesen Zeitpunkt verpasst, bleibt auf den Kosten sitzen. Darüber hinaus ist es auf jeden Fall sinnvoll, die Antriebsbatterie eines E-Autos auch im Alltag richtig zu pflegen.
Akku schonen – wie geht das?
- Wer sich einige Verhaltensweisen angewöhnt, kann die Lebensdauer der Antriebsbatterie eines E-Autos deutlich verlängern.
- Ladebeschränkung auf 80 % nutzen, sofern keine lange Fahrt geplant ist.
- Viel zu Hause oder an AC-Säulen laden, DC-Schnelllader nur bei Bedarf.Nach Ladung auf 100 % das Auto nicht lange Zeit stehen lassen.
- Die Batterie möglichst zwischen 20 und 80 % Ladestand belassen. In den Bereichen darüber und darunter ist die Belastung für den Akku höher.
Was die Zukunft bringt
Aktuelle Fahrzeuge verfügen über ein immer ausgeklügelteres Thermo-Management, das die Haltbarkeit der Antriebsbatterie weiter verbessert. E-Auto-Akkus schaffen in der Regel inzwischen zumindest 2.000 Ladezyklen, bevor ihre Kapazität unter 70 Prozent fällt. Das sind bei einem E-Auto mit 400 Kilometer Reichweite rund 800.000 km. Eine Laufleistung, die die allerwenigsten Autos jemals überhaupt erreichen.
Die Entwicklung der Akkus macht außerdem immer noch große Sprünge. In Zukunft dürfen Nutzer:innen also mit weiteren Verbesserungen rechnen. Unterm Strich bestätigen die Daten der Auswertung der ÖAMTC-Batterietests: Elektrische Gebrauchte sind schon jetzt eine echte Alternative.
ÖAMTC-Batteriediagnose
Der ÖAMTC bietet an ausgewählten Stützpunkten präzise Batterie-Diagnosen für E-Autos an. Nach Installation eines Aviloo-Datenloggers wird die Antriebsbatterie binnen maximal einer Woche im realen Fahrbetrieb von ca. 100 % auf 10 % (SoC) entladen. Die Auswertung ergibt anschließend den exakten Gesundheitszustand (SoH) der Antriebsbatterie. Bei Kaufüberprüfungen ist ein Schnelltest zur ersten Einschätzung bereits inkludiert. Standorte und Infos: www.oeamtc.at/batterie-diagnose
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