Verbrauchsfahrt_Porsche_eSoul_er264_CMS.jpg  © Erich Reismann

Redakteur Christian Stich zu Beginn einer auto touring-Normverbrauchsrunde.

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Redakteur Christian Stich zu Beginn einer auto touring-Normverbrauchsrunde.

© Erich Reismann
Februar 2020

Die wahren Werte

Die auto touring-Verbrauchsrunde: So wird mit einer genormten Messfahrt ermittelt, wieviel Benzin, Diesel oder Strom Autos wirklich verbrauchen. 

Wenn die auto touring-Testredakteure ein Auto übernehmen, dann nicht, um damit spazierenzufahren. Sondern um das Fahrzeug auf Herz und Nieren zu untersuchen. Dementsprechend nüchtern lesen sich auch die Berichte, die sie darüber veröffentlichen: Statt blumiger Satzkreationen oder Worten der Begeisterung gibt es vor allem harte Fakten, denen ein genormtes und reproduzierbares Test-Procedere zu Grunde liegt.

Klar, dass gleich nach der Fahrzeug-Übergabe (die Autos werden im Regelfall auf Anfrage von den Importeuren zur Verfügung gestellt) zuerst einmal das Maßband zum Einsatz kommt: Alle Angaben der Hersteller werden überprüft. Aus gutem Grund: Beim Nachmessen ergeben sich mitunter einige Diskrepanzen. Gemessen (auf nicht öffentlichem Gelände) werden aber auch Beschleunigung und – noch viel wichtiger – die Bremsleistung.

Das Herzstück eines auto touring-Tests ist aber die Verbrauchsrunde. Denn der Verbrauch eines Fahrzeugs ist für einen potenziellen Käufer der Schlüssel zu den künftigen Unterhaltskosten. Damit ÖAMTC-Mitglieder exakt kalkulieren können, benötigen sie verlässliche Verbrauchsangaben. Und die liefert der Bordcomputer, wie hunderte Vergleiche in den letzten Jahren gezeigt haben, leider nicht. In den meisten Fällen liefert er bessere Werte – die der Realität nicht standhalten. Was also tun?

Gemeinsam mit den ÖAMTC-Technikern haben die Test-Redakteure des auto touring eine idealtypische Verbrauchsrunde erarbeitet, die möglichst nah am Fahrprofil der Mehrheit der österreichischen Autofahrer liegt. 

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Video: So läuft eine Verbrauchs-Messfahrt des auto touring ab

Los geht’s!

Begleiten Sie unsere Test-Redakteure Christian Stich und Günter Rauecker auf der auto touring-Verbrauchsrunde! Christian startet in einem neuen Porsche 911 (Bild unten), Günter in einem Kia e-Soul – einem Elektroauto. Die Messrunde für E-Autos unterscheidet sich von der für Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor. Sie ist nicht 200 Kilometer lang, sondern "nur" 150. Und sie beginnt (und endet) nicht bei einer Tankstelle, sondern auf dem Parkplatz des ÖAMTC-Mobilitätszentrums in der Wiener Baumgasse. Der Grund: Dank eigener Ladestationen können E-Autos hier "vollgetankt" starten und nach Absolvieren der Runde wieder voll geladen werden. Eine konventionelle Tankstelle ist auf dem Gelände des Clubs in Erdberg nicht vorhanden...

Verbrauchsfahrt_Porsche_eSoul_er044_CMS.jpg Erich Reismann © Erich Reismann

An der Tankstelle

Die auto touring-Tester könnten gern gesehene Kunden an ihrer Stamm-Tankstelle sein, sie kommen ja im Rahmen ihrer Verbrauchs-Messfahrten ziemlich oft vorbei. Doch sie zählen nicht zu den beliebtesten Stammkunden – denn sie brauchen zu viel Zeit zum Tanken. Konkret: bis zu einer Viertelstunde. Nicht, weil sie im Tanken ungeübt sind, ganz im Gegenteil: Sie machen den Tank wirklich voll. "Blattlvoll", wie man in Wien sagt. Für Nichtwiener: "Randvoll". Dieses Wort nehmen sie wirklich wörtlich.

Zuerst wird in der Stadt gefahren

Sinn und Zweck der auto touring-Verbrauchsrunde ist es, einen möglichst realistischen Wert zu erhalten, der auch den durchschnittlichen Fahrgewohnheiten der Clubmitglieder entspricht. Klar, dass im urbanen Umfeld der Anteil der im Stadtverkehr zurückgelegten Kilometer überwiegen kann, dass im ländlichen Raum weniger Stop-and-go gefahren wird und dass Außendienst-Mitarbeiter/-innen überproportional oft Autobahnen nutzen.

Testautos mit Verbrennungsmotor fahren die ersten 25 ihrer rund 200 Kilometer langen Messfahrt stets auf der gleichen Strecke durch den Stadtverkehr. Für E-Autos beträgt der Stadt-Anteil 28 von insgesamt 150 Kilometern. Dabei spielt selbstverständlich auch die Uhrzeit eine Rolle: Die extremen Stoßzeiten bis 9 Uhr vormittags und ab 15 Uhr 30 nachmittags werden genauso vermieden wie die Abend- und Nachtstunden.

"Und wenn wir im Stadtverkehr doch einmal in einen extrem zähen Stau geraten, der etwa durch Aufräumungsarbeiten nach einem Unfall oder eine gerade eingerichtete Baustelle verursacht wurde, heißt es: Zurück an den Start!", so Günter Rauecker. Also: nochmals Tanken oder Aufladen und einen weiteren Versuch starten.

Dann geht es auf die Autobahn

Auf den Stadtverkehr folgt der Autobahn-Abschnitt der Messrunde – etwa 105 Kilometer fahren die Verbrenner im hochrangigen Straßennetz, rund 80 Kilometer die Elektroautos. "Ganz gleich welcher Antrieb, wichtig ist dabei, dass wir gleichmäßig und vorausschauend fahren", erklärt Christian Stich.

Das Tempo wird übrigens nicht über den Tacho gemessen, sondern über ein eigens dafür eingesetztes GPS-basiertes Tool. "Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass der Tacho beim Autobahn-Limit von 130 km/h bis zu 10 km/h abweichen kann", so Stich. Nachsatz: "Nach oben."

Prinzipiell vermeiden es die auto touring-Tester, bei ihrer Verbrauchsfahrt abrupt zu bremsen oder zu beschleunigen. Sie fahren fließend und zügig, vermeiden dabei Windschattenfahrten. Und dass Überhol-Duelle für sie ein absolutes No-go sind, liegt auf der Hand.

Zum Schluss auf die Landstraße

Auf der Hand liegt auch, dass sich die auto touring-Tester während der Verbrauchsrunde auf der Landstraße (rund 70 Kilometer im Falle von Verbrennern, 42 für E-Autos) ans jeweils gültige Tempolimit halten.

Die Routenführung dabei ist so gewählt, dass nicht nur gerade Strecken in der Ebene vertreten sind, sondern auch Haarnadel-Kurven im Hügelland. Was die Fahrweise auf diesem Streckenabschnitt betrifft, so gilt hier eine uralte ÖAMTC-Devise: Gleiten statt Hetzen.

Und danach wieder zur Zapfstelle

Ganz gleich ob mit Verbrennungsmotor oder mit Elektroantrieb: Am Ende der Verbrauchsrunde wird ganz genau geprüft, wieviel Energie das Fahrzeug für die Runde gebraucht hat.

Verbrauchsfahrt_Porsche_eSoul_er224_CMS.jpg Erich Reismann
© Erich Reismann

Beim Porsche, einem Benziner, endet die auto touring-Messfahrt daher wieder an der Tankstelle – mit der gleichen umfangreichen Prozedur wie anfangs beschrieben. Das, was nach Minuten des Ausliterns, wenn der Kraftstoff sichtbar am oberen Ende des Einfüllstutzens erscheint, hineingegangen ist, wird durch die Anzahl der gefahrenen Kilometer geteilt und mit 100 multipliziert.

Das Ergebnis: 8,2 l/100 km.

Das Elektroauto wird am Ende seiner Messfahrt wieder im ÖAMTC-Mobilitätszentrum in der Wiener Baumgasse mit Strom versorgt. Aber nicht einfach nur angesteckt...

Der elektrische Kia e-Soul benötigte auf der auto touring-Verbrauchsrunde 20,2 kWh für 100 Kilometer, und das bei einer Außentemperatur von 6 Grad. Gerade bei E-Autos spielt die Temperatur eine große Rolle, was deren Verbrauch und damit Reichweite betrifft. Gefahren werden Elektroautos auf der Messrunde übrigens mit einer Innenraum-Klimatisierung, die auf 22 Grad eingestellt ist – im Sommer wie im Winter.

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