Renault_Twingo_2015-04_HH_4773_CMS.jpg  © Heinz Henninger

Machte viel Spaß, aber auch einiges an Kummer: Renault Twingo im auto touring-Dauertest.

© Heinz Henninger

Machte viel Spaß, aber auch einiges an Kummer: Renault Twingo im auto touring-Dauertest.

© Heinz Henninger
Juli 2016

Dauertest Renault Twingo: Licht und Schatten

Ansichtssache: Ein Jahr und knapp 30.000 Kilometer hat uns ein knallroter Renault
Twingo begleitet und dabei für ausreichend Gesprächsstoff in der Redaktion gesorgt.

Einfach sympathisch, der Kleine. Selten hat ein Redaktions-Testwagen in seinem Umfeld so viele positive Reaktionen wie der Renault Twingo hervorgerufen. Die Kombination von Form, Farbe und Größe macht ihn zur beliebten "Knutschkugel". 

Gemeinsam entwickelt und technisch ident mit dem Smart Forfour teilt sich der Twingo mit ihm viele Vor-, aber auch Nachteile. Vom Antriebskonzept her handelt es sich also um einen echten Heckantrieb: Motor und angetriebene Achse befinden sich hinten. Smart-like eben. 

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Renault_Twingo_2015-04_HH_4892_CMS.jpg  Heinz Henninger © Heinz Henninger
Brüder in der Technik: Links der technisch idente Smart Forfour, der gemeinsam mit dem Renault Twingo entwickelt wurde.
Renault_Twingo_2015-04_HH_4557_CMS.jpg  Heinz Henninger © Heinz Henninger
Selten wurden einem Dauertest-Wagen des auto touring von der Umwelt soviel Sympathie entgegengebracht.
Renault_Twingo_2015-04_HH_4596_CMS.jpg  Helmut Eckler © Helmut Eckler
Mit seiner Form, der Farbgebung und dem Stoffdach ist er ja auch einfach liebenswert.

Das Video zum Dauertest-Abschluss

Was uns gut gefiel.

Sein Revier ist die Stadt. Nicht nur in seiner Kürze (360 cm) liegt die Würze, auch der kleine Wendekreis (8,6 m) verblüfft immer wieder. Man muss sich richtiggehend erst einmal daran gewöhnen, dass man das Lenkrad so weit drehen kann. 

Der Motor. Das kleine Motörchen gefällt durch guten Antritt und Drehfreudigkeit. Drei Zylinder und nur 0,9 Liter Hubraum ergeben eine ordentliche Literleistung von 100 PS. Die mögliche Bandbreite beim Verbrauch reichte von 5,1 bis 8,6 Liter/100 km. Der Durchschnitt über die gesamte Distanz: 6,6 Liter. 

Das Fahrverhalten in Kurven. Man braucht übrigens keine Befürchtung zu haben, dass übermäßiger Leistungseinsatz den Twingo wegen seines Antriebskonzepts zur Heckschleuder macht. Die Elektronik in Form des ESP verhindert das zuverlässig.

Das Platzangebot. Raumwunder ist der Twingo auch innerlich. Legt man die Lehne des Beifahrersitzes nach vorne, ist Platz für 2,3 Meter lange Frachtstücke. Einem Besuch im Möbelhaus steht also nichts im Weg. Positive Rückmeldungen im Test-Tagebuch auch zum (aufpreispflichtigen) elektrischen Stoffdach: "Da kommt Cabrio-Feeling auf." Nachteil: die höhere Geräuschkulisse. Beim Starten des Motors klingt es, als ob hinten eine Tür offen wäre.

Renault_Twingo_2015-04_HH_4660_CMS.jpg Heinz Henninger 1
Renault_Twingo_2015-04_HH_4651_CMS.jpg Heinz Henninger 2
Renault_Twingo_2015-04_HH_4654_CMS.jpg Heinz Henninger 3

1 Das Handschuhfach birgt eine Überraschung. © Heinz Henninger

2 Man kann es herausziehen... © Heinz Henninger

3 … und als Handtascherl mitnehmen. © Heinz Henninger

Was uns weniger gut gefiel.

Auf der Autobahn. Unangenehm überrascht der Renault Twingo auf der Autobahn. Schon leichter Seitenwind oder sanfte Spurrillen beeinträchtigen den Geradeauslauf spürbar. Andauerndes Korrigieren ist angesagt. Dies dürfte aus dem geringen Gewicht auf der Vorderachse resultieren. Längere Autobahnetappen werden dadurch ziemlich mühsam.

Die Eco-Taste. Übertrieben hat Renault die Leistungsreduktion beim Drücken der Eco-Taste. Dadurch wirkt der Motor wie zugeschnürt. Das lässt die Motivation, im Eco-Modus zu fahren, gegen null sinken. Das aber konterkariert den Sinn eines Eco-Modus: Kraftstoff sparen. 

Die Hitze im Kofferraum. Ganz schön heiß wird es im Kofferraum. Der Motor strahlt so viel Wärme ab, dass Gepäckstücke geradezu erhitzt werden. Temperatur-Rekord nach sommerlichem Stop-and-go-Verkehr in der Stadt, gemessen unter einer Tasche im Kofferraum: 52 Grad.

Die Elektronik. Kopfzerbrechen bereitete manchmal auch die Elektronik. So gaukelte die Tankanzeige über Nacht wieder einen vollen Tank vor, obwohl am Vorabend schon einige Striche gefehlt hatten. Dann wiederum konnte Volltanken die Anzeige nicht dazu bewegen, dies auch entsprechend anzuzeigen. Erst ein Software-Update in der Werkstatt behob diesen unangenehmen Fehler. 

Auch andere Elektronik-Bereiche machten immer wieder Mucken. Zwar blieb der Twingo kein einziges Mal außerplanmäßig liegen, aber einmal nervte ein nicht mehr reagierendes Radio, dann wieder der Tempomat, der den Dienst verweigerte, oder das Navi, das nur mehr eine Sanduhr anzeigte. Abstellen des Motors und Neustart schafften öfters Abhilfe, manchmal verschwanden Fehler erst über Nacht. Solche Ärgernisse trübten den Spaß am Renault Twingo leider nachhaltig.

Unsere Erfahrungen in Wort und Bild

Bilanz und Abschluss-Check am ÖAMTC-Stützpunkt. Zeit, den Twingo noch ein letztes Mal zu überprüfen, Bilanz zu ziehen, die technischen Daten aufzulisten und die Kosten zu ermitteln. Nach einem Jahr hat der Renault einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Sympathisch, in der Stadt zu Hause und ein unglaubliches Raumangebot stehen auf der Haben-Seite. Ärgerlich manche Elektronik-Probleme, der Geradeauslauf auf der Autobahn sowie der sich durch den Motor stark aufheizende Kofferraum.

Technische Daten, Kosten und finaler Check

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