Kapsel_Franz Viehboeck.JPG  © Franz Viehböck
© Franz Viehböck
© Franz Viehböck
Juli 2022

Ein Österreicher im All

Es ist 1991, die Sowjetunion Geschichte, ganz Europa befindet sich im Umbruch. Und einer bereitet sich auf die Mission seines Lebens vor: Franz Viehböck fliegt als erster Österreicher ins Weltall.

Er ist unser Mann im All: Franz Viehböck. Vor 31 Jahren fliegt er im Rahmen der AustroMir 91-Mission mit zwei Kosmonauten als erster Österreicher ins All. Acht Tage dauert die legendäre Mission, deren Start live im österreichischen Fernsehen übertragen wird. Mehrere Experimente und Termine muss der damals 31-Jährige im Weltraum absolvieren, unvergessen etwa die Live-Videokonferenz aus der Raumstation – Anfang der 90er-Jahre technisch bahnbrechend.

Wie war das damals und was ist von der Mission übrig geblieben? Im Rahmen unserer Kinder-Sonderbeilage auto touring extra JUNIOR* trafen wir den bislang einzigen "Austronauten" und plauderten über seine Erfahrungen, Weltraumtourismus und Rockstar-Feeling.

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*auto touring extra JUNIOR wird gemeinsam mit der Juli/August-Ausgabe des ÖAMTC-Mobilitätsmagazins an jene Mitglieder versendet, die mindestens ein als Gratis-Mitglied angemeldetes Kind im Alter der Zielgruppe (7–12 Jahre) haben. Zusätzlich sind Exemplare an allen Stützpunkten gratis erhältlich oder einfach eine E-Mail an autotouring.redaktion@oeamtc.at schicken, wir senden es gerne zu. Solange der Vorrat reicht.

Heft 22_CMS.jpg Andreas Kaleta © Andreas Kaleta
Mit dem auto touring extra JUNIOR geht es 2022 in den Weltraum: Mit vielen tollen Infos, Spiel und Spaß für kleine Raumfahrende und coolen Gewinnspielen.

— Wollten Sie schon immer Astronaut werden oder wieso haben Sie sich damals beworben?

Franz Viehböck: Ich habe als Kind die Mondlandung gesehen, mir aber keine große Karrierehoffnung im All gemacht. Das war aus österreichischer Sicht damals unrealistisch. Aber als junger und abenteuerlustiger Mensch, der gerade mit dem Studium fertig war, sah ich diese Gelegenheit, mich zu bewerben.

— Schließlich wurden Dr. Clemens Lothaller und Sie aus den österreichischen Kandidaten ausgewählt. Sie durften fliegen, wie lief das damals ab?

Franz Viehböck: Zunächst gab es fünf Monate vor dem Start die Entscheidung, zwei komplette Mannschaften, bestehend aus drei Personen, auszuwählen und aufzustellen. Eine Flugmannschaft und eine Reservemannschaft. Wenn zum Starttermin alles passt, dann fliegt die erste Mannschaft rauf. Wäre einer von uns kurzfristig krank geworden, dann hätte man gewechselt. Die Entscheidung war ein sehr langer Prozess.

— Bezeichnen Sie sich eher als Astronaut, Kosmonaut oder lieber "Austronaut"?

Franz Viehböck: In der englischen Version heißt es Astronaut, in der russischen Kosmonaut. Die Chinesen sagen Taikonaut, aber die Bedeutung ist überall die Gleiche. Meine Ausbildung war in Russland, mit einem russischen Raumschiff, ich bin also mehr Kosmonaut als Astronaut. "Austronaut" ist die richtige Bezeichnung (lacht).

— Sie sind auch noch der Einzige…

Franz Viehböck: Ja, noch bin ich der Einzige.

Der Wissenschaftler im All Franz Viehböck 1
Ein Manager am Boden Berndorf AG/Christian Husar 2
Austronauten-Selfie Lydia Silberknoll/auto touring 3

1 Mit 31 Jahren im All. Gestartet wurde mit einer Sojus-Rakete, ein Modell, das bereits beim russischen Kosmonauten Juri Gagarin verwendet wurde. © Franz Viehböck

2 Nach mehreren Jobs im In- und Ausland, unter anderem bei Boeing, ist Viehböck heute Vorstandsmitglied der Berndorf AG. © Berndorf AG/Christian Husar

3 Lydia Silberknoll mit Franz Viehböck. Als Kind hat die Autorin sein Abenteuer im Fernsehen miterlebt. © Lydia Silberknoll/auto touring

— Nicht nur der Flug ins All war ein Abenteuer: Auf der Erde hat Ihre Frau zu dieser Zeit entbunden...

Franz Viehböck: Als wir in Russland gestartet sind, hat meine Frau den Start in Österreich im Fernsehen gesehen und dann fingen die Wehen an. Ich selbst habe erst am nächsten Tag erfahren, dass ich Papa geworden bin. Bei uns oben war schon Nachtruhe und ich wurde nicht geweckt.

— Haben Sie damit gerechnet, dass es während Ihres Aufenthalts passiert?

Franz Viehböck: Nein, überhaupt nicht, meine Tochter ist drei Wochen zu früh gekommen.

— Sie hatten wenigstens die beste Entschuldigung, nicht dabei zu sein…

Franz Viehböck: (lacht) Ja, ich hatte die beste. Es ist interessant: Es gibt drei Mütter, die Kinder zur Welt brachten, während ihr Mann im Weltall war, zwei Amerikanerinnen und meine Frau. Wobei das Einzigartige bei uns war, dass meine Tochter genau am Tag des Starts geboren wurde.

Video: Viehböcks Ankunft auf der Raumstation MIR

— Sie haben sich mit einem 18-monatigen Intensivtraining auf die Mission vorbereitet. Was wurde dabei trainiert und wieso benötigen Weltraumtouristen heute das nicht?

Franz Viehböck: Im Unterschied zu Weltraumtouristen, die nur hinauffliegen und nichts machen müssen, haben wir dort gearbeitet. Die "Touristen" müssen nur gesund sein, haben aber keine Tätigkeiten zu verrichten. Bei uns war es anders, wir hatten einiges zu tun.

Ich war Teil der Mannschaft während des Fluges und des Betriebs der Raumstation. Das heißt, ich hatte meine Aufgaben, für die ich verantwortlich war, und musste genau wissen, was in Notsituationen zu tun ist. Zudem war meine besondere Aufgabe, auf der Raumstation mehrere wissenschaftliche Experimente durchzuführen. Das muss man erst erlernen. Daher war unser Training dementsprechend lange. Auch auf die körperliche Fitness kam es an, da mussten wir viel trainieren.

Kollegen2_Franz Viehboeck.JPG Franz Viehböck © Franz Viehböck
Diese Crew durfte an Bord der Sojus TM-13 ins All (von links): Franz Viehböck (Wissenschaftskosmonaut), Oberst Aleksandr Volkov (Kommandant) und Toktar Ongarbayevich Aubakirov (Bordingenieur).

— Wie war das in der Vorbereitung, wurden Sie wirklich einer Beschleunigung von 8G ausgesetzt?

Franz Viehböck: Man liegt in der Rakete am Rücken und wird hinaufgeschossen und ist einer hohen Beschleunigung ausgesetzt. Nicht 8G, sondern circa 4 bis 5G. Das bedeutet, dass zum Beispiel die Hand so schwer wird, dass man sie nur mühsam heben kann. Die Haut im Gesicht wird so gespannt, quasi wie ein Lifting (lacht). Bei den 8G in der Zentrifuge spürt man, wie der Druck auf das Brustbein so stark wird, dass das Atmen schwerfällt. Um diesen Druck auszuhalten, muss eine eigene Atemtechnik angewendet werden.

— Dabei wurden Menschen auch schon ohnmächtig?

Franz Viehböck: Das kommt aber nicht von Atemproblemen, sondern dabei passiert etwas Anderes, das kennen auch die Bundesheerpiloten: das sogenannte Black- oder Redout. Beim Blackout wird das Blut derartig stark vom Kopf in die Beine gedrückt, dass es zu einer Sehstörung kommt. Zunächst Greyout, dann Blackout und man sieht nichts mehr. Sobald die Belastung nachlässt, hört das wieder auf. Aus diesem Grund tragen die Jetpiloten eine "G-Hose", eine Art Kompressionshose. Das Redout gibt es in der Weltraumfahrt nicht. Das passiert, wenn das Blut in den Kopf gedrückt wird.

— Ihr Training war im "Sternenstädtchen" in Russland, damals ein Land im Umbruch. Wie groß war das Vertrauen in die Technik?

Franz Viehböck: Alle Infos zu den Experimenten erhielten wir in Österreich, daher sind wir immer wieder heimgekommen. Aber der größte Teil des Trainings war in Russland. Man hat das Ende der Sowjetunion stark gespürt, alles zerfiel, in den Geschäften hat es kaum etwas gegeben, die Straßen waren kaputt. Mittlerweile hat sich das komplett geändert, als ich 2021 dort war, konnte ich sehen, wieviel sich getan hat. Vor über 30 Jahren war das ganz anders.

Bei meinem ersten Besuch im Sternenstädtchen, ich war noch nicht ausgewählt, wurden die letzten sieben Kandidaten, darunter ich, in eine riesige Halle geführt. Ich will dort hineingehen, mache die Tür auf und habe tatsächlich die Türschnalle in der Hand. Da habe ich mir schon gedacht, na bumm… Aber sobald wir im Inneren waren, spürte man eine Art James Bond-Atmosphäre. Es war sauber, klimatisiert und alles hat gepasst. Der Widerspruch war sehr interessant.

Der Wunsch, erneut raufzufliegen, ist da, aber langsam steht mir die Biologie im Weg.

Franz Viehböck, Austronaut

— Nach dem langen Training ging es dann am 2. Oktober 1991 ins All. Welcher Teil Ihrer Reise war am spannendsten?

Franz Viehböck: Es gab mehrere Phasen, das ist schwierig zu beantworten. Aber die ganze Startphase ist hoch spannend. Das ganze Prozedere, vom Aufwachen bis zum Frühstück und alles, was man bis zum Einstieg über sich ergehen lassen muss. Das Abarbeiten der Checkliste und so weiter. Plötzlich wird es ernst. Die Startphase ist vielleicht auch deshalb so spannend, weil sie sehr gefährlich ist.

Aber auch die Landung ist spannend. Durch das Abbremsen ist man wieder hohen Belastungen ausgesetzt. Beim Eintritt in die Erdatmosphäre brennt es rundherum. Es ist vor allem körperlich ein Kampf, da man sehr geschwächt ist, obwohl man eh nur drinnen hockt und nichts tut (grinst).

— Wieso ist die Startphase so gefährlich?

Franz Viehböck: Ab dem Zeitpunkt, in dem man in der Rakete sitzt, bis zu dem Moment, in dem man den Orbit erreicht, ist es gefährlich. Während wir im Cockpit auf den Start warteten, wurde die Rakete mit Treibstoff befüllt. Wenn da etwas schief geht, das waren 300 Tonnen Treibstoff, dann… puh (macht eine Explosionsgeste). Nach dem Start wird auf 28.000 km/h beschleunigt und man ist innerhalb von neun Minuten im Orbit. Es wirken enorme Kräfte, alles muss in die richtige Bahn gelenkt werden und dabei kann viel schiefgehen. Sobald man von der Trägerrakete getrennt ist und die Erde umkreist, wird es angenehmer und man ist schwerelos.

Video: Startübertragung im TV von 1991

— Wie lange hat der Flug gedauert?

Franz Viehböck: Damals hat das fast zwei Tage gedauert. Mittlerweile ist man in vier bis sechs Stunden oben. Das liegt an den wesentlich genaueren Berechnungen, die heute möglich sind. Man muss sich das so vorstellen: Die Raumstation ist, ebenso wie die Erde, in ständiger Bewegung. Also muss man zum richtigen Zeitpunkt starten und sich dann an die Raumstation annähern und sie sozusagen einfangen. Es wurde alles gemessen und berechnet, wann genau der Schub erfolgen muss, um sich der Station zu nähern. Mittlerweile ist das schon Routine, man hat viel dazugelernt, und vor allem die Technik hat sich stark verändert.

— Zwei Tage Reisezeit sind recht lange, hatten Sie da die ganze Zeit den Raumanzug an?

Franz Viehböck: Nein, den konnte man nach dem Start ausziehen und gegen einen blauen Trainingsanzug tauschen. Der Raumanzug wird bei kritischen Manövern angezogen, damit man im Falle des Entweichens der Luft einen Schutz hat. Kritische Manöver sind beispielsweise Beschleunigungen und das Andocken an die Raumstation. Sobald das vorbei ist, braucht man ihn nicht mehr. Die ganze Zeit nur im Raumanzug, das wäre mühsam (lacht).

— Wie fühlt es sich in so einem Raumanzug an?

Franz Viehböck: Nicht sehr angenehm, es ist anstrengend, sich darin zu bewegen, und er muss andauernd belüftet werden, weil er luftdicht ist. Schwierig wird es, wenn um einen herum die Luft entweicht. Dann wäre man zwar im Raumanzug geschützt, darin ist man unter Druck, aber draußen entsteht ein Vakuum. Dadurch bläst sich der Raumanzug auf und Bewegungen fallen schwer. Das ist auch bei einem Weltraumausstieg so, da wird jeder Handgriff zur Herausforderung. Ich selbst habe keinen Ausstieg gemacht, aber dieses Gefühl beim Training und bei den Tests kennengelernt. Dabei wird immer wieder getestet, ob der Raumanzug dicht ist. Er wird aufgeblasen, es entsteht ein Überdruck und man ist mit einer ähnlichen Situation konfrontiert, wie sie im All herrschen würde.

— Stimmt das mit den Windeln?

Franz Viehböck: Im Raumanzug kann man nicht aufs Klo gehen. Da gibt's nur Windeln. Ansonsten gibt es in der Raumkapsel eine einfache Toilette, auch in der Raumstation gibt es ein Klo. Auch eine Dusche, aber das funktioniert nicht sehr gut. Die Wassertropfen schweben und wissen nicht, dass sie zum Abfluss müssen. Das WC funktioniert wie ein Staubsauger, das kommt in ein Sackerl und in einen Container.

— Was ist am unangenehmsten in der Schwerelosigkeit?

Franz Viehböck: Es gibt zwei Dinge in der Schwerelosigkeit, die sehr unangenehm sein können. Das eine ist die Weltraumkrankheit, bei der es zu einer Störung des Gleichgewichtsorgans und zu Übelkeit kommen kann, vergleichbar mit der Seekrankheit. Das hatte ich Gottseidank nicht.

Das zweite Problem, das auftreten kann, entsteht durch die Verschiebung der Körperflüssigkeit aufgrund der fehlenden Erdanziehungskraft. Dabei kommt es zu Kopfschmerzen, die ich die ersten drei, vier Tage hatte. Das vergeht auch wieder, wenn der Körper sich daran gewöhnt. Es hilft auch die Oberschenkel ein bisschen abzubinden, damit die Flüssigkeit nicht so leicht raufkommt.

— Hat man ein Gefühl von Tag und Nacht?

Franz Viehböck: Dadurch, dass sich die Raumstation so schnell bewegt, erlebt man 16 Mal Tag und Nacht in 24 Stunden. Aber man geht natürlich nicht 16 Mal schlafen (lacht). Wir haben dort oben nach Moskauer Zeit gelebt. So hatten wir denselben Zeitrhythmus wie die Bodencrew.

MIR_Franz Viehboeck.JPG Franz Viehböck © Franz Viehböck
Die Raumstation MIR 1991, aufgenommen von Viehböck.

— Wie lief so ein Tag auf der MIR ab?

Franz Viehböck: Man wird von der Basis geweckt und dann gibt es Zeit für die Morgentoilette und Frühstückszeit. Danach beginnt der Arbeitstag mit acht Stunden. Natürlich sind auch Abendessen, Zeit fürs Zusammenräumen und Sport eingeplant. Der Tag war ganz genau, manchmal sogar auf Sekunden genau, getaktet.

Meine Haupttätigkeit war die Arbeit an den Experimenten, danach hatte man abends Freizeit. Manchmal gab es auch geplante Aktivitäten. Damals, ich war ja nur relativ kurz oben, waren Sondertermine eingeplant wie Pressekonferenzen, ein Gespräch mit Bundespräsident Kurt Waldheim oder mit dem russischen Präsidenten, damals noch Michail Gorbatschow.

— Wie schläft man in der Raumstation?

Franz Viehböck: Ich hab' gut geschlafen (lacht). Es gibt kein Bett, sondern Schlafsäcke, die man festbinden muss, weil man sonst wegschweben würde. Es gibt keinen Polster, da der Kopf nirgends drauf liegt, und die Arme schauen aus dem Schlafsack raus.

— Was haben Sie alles mit hinauf genommen?

Franz Viehböck: An persönlichen Gegenständen? Eine Musikkassette mit Liedern von Gulda und Pink Floyd "Dark side of the moon", was noch… (überlegt). Ich habe als Student bei einem guten Freund gekellnert, der eine Heurigenhütte betrieben hat. Der hatte ein Spezialgetränk, den sogenannten Krawötzler, kreiert. Von dieser Eigenkreation habe ich ein Apothekertropferl in einem kleinen Flascherl mitgenommen und wieder runtergebracht. Ich hoffe, das gibt es noch, vielleicht hat es sich aber schon zersetzt, ist ja über 30 Jahre her (lacht). Und von offizieller Seite ist es Tradition, dass man ein Gastmahl mitbringt. Da waren Mozartkugeln, Schinkenspeck, Reisfleisch, Kaffee und solche Sachen dabei.

— Ich kann mich noch daran erinnern, dass Sie die Mozartkugel in der Schwerelosigkeit herumgeschossen haben. Haben Sie die auch gegessen?

Franz Viehböck: Ich esse zwar gerne Süßes, aber ich glaube, die habe ich bewusst den Kollegen überlassen. Hoffe ich zumindest (grinst).

— Wie hat das Astronautenessen geschmeckt?

Franz Viehböck: Ich muss ehrlich sagen, ich habe nicht darauf geachtet, wie es schmeckt. Es ist so wie beim Campen. Da ist man eher froh, dass man etwas zu Essen hat. Und dann schmeckt es auch (lacht)

— Sieht man da oben die Sterne?

Franz Viehböck: Ja, so wie hier von der Erde, aber viel klarer, da man außerhalb der Atmosphäre ist und keine Lichtverschmutzung hat.

— Funktionieren Handys im All?

Franz Viehböck: Handys nicht, aber das Internet. Telefonieren ist über Satelliten möglich.

— Was ist mit Ihrem Raumanzug passiert?

Der ist gemeinsam mit einigen Experimenten im Technischen Museum in Wien ausgestellt.

CMS_RaumanzugvonFranzViehbck.jpg Technisches Museum Wien © Technisches Museum Wien
Neben vielen anderen Ausstellungsstücken ist Viehböcks originaler maßgeschneiderte Sokol-Raumanzug im Technischen Museum Wien ausgestellt. 

— Wie war es in den Jahren nach der AustroMir-Mission, kann so ein Erlebnis überhaupt getoppt werden?

Franz Viehböck: Das kommt darauf an, was man sucht. Das Leben hat immer spannende Erlebnisse und Überraschungen zu bieten. Es wäre traurig, wenn mein Leben damals, ich war 31 Jahre alt, aufgehört hätte. Ich habe viele schöne Momente erlebt und auch viele Abenteuer. Ich genieße es, wenn ich tauchen gehe oder in Ruhe eine Skitour machen kann und erfreue mich an der Natur. Gottseidank, sonst wäre es fad.

— Stehen Sie noch in Kontakt mit Ihren Kollegen von damals?

Franz Viehböck: Ja, der Clemens und ich sind gute Freunde geblieben. Wir waren danach ja zwei Jahre in Österreich unterwegs und haben viele Vorträge gehalten.

— Wie schwer war es damals für Sie, mit dieser Popularität umzugehen?

Franz Viehböck: Das war keine Kleinigkeit, das musste man lernen und wir wurden damals wahrscheinlich zu wenig darauf vorbereitet. Ein paar Erlebnisse und glückliche Umstände sorgten dafür, dass ich das ganz gut gemeistert habe. Aber es war vor allem am Anfang so, dass man leicht die Bodenhaftung verlieren konnte. Ich habe sie aber schnell wieder gefunden.

— Haben Sie sich wie ein Rockstar gefühlt?

Franz Viehböck: Ja, aber ich habe bald mitbekommen, dass das zwei Seiten hat. Man vergisst, wenn man im Mittelpunkt der Öffentlichkeit steht, dass dies dauernd der Fall ist – und nicht nur dann, wenn es einem gerade passt. Dann stellt man fest, dass man dagegensteuern muss, um sich nicht zu verlieren.

Kollegen_Franz Viehboeck.JPG Franz Viehböck © Franz Viehböck
Die Kosmonautencrew auf der MIR: T. Aubakirov, F. Viehböck, A. Arzebarskij, A. Volkov, S. Krikaljov (von unten mitte im Uhrzeigersinn). Quelle: BMBWK, Wien

— War die Option, hauptberuflich Astronaut zu werden, je ein Thema?

Franz Viehböck: Der Wunsch, erneut raufzufliegen, ist da. Man ist von diesem Virus infiziert und würde es gerne nochmal machen. Damals hat das leider aus politischen Gründen bei der ESA (Europäische Raumfahrtbehörde) nicht geklappt. Wenn sich eine Gelegenheit ergeben würde und ich könnte wieder fliegen, dann würde ich mich bewerben. Aber schön langsam wird die Biologie ein bisschen ein Thema (lacht). Irgendwann kommt das Alter in die Quere.

— Geht es Ihnen manchmal auf die Nerven, dass Sie immer wieder darauf angesprochen werden?

Franz Viehböck: Ich würde sagen, es ist gerade in der Dosis, in der es mir nicht auf die Nerven geht (lacht). Ich steuere es natürlich auch sehr bewusst. Ich werde oft eingeladen, Vorträge zu halten, und es gab eine Phase, in der ich alles angenommen habe. Damals wurde es zu so einer Routine, dass ich gemerkt habe, ich verliere den Kontakt zu den Leuten. Das habe ich sehr reduziert und halte nur mehr wenige Vorträge über meine Weltraummission, dafür macht es mir wieder mehr Spaß. Ich spüre das gewisse Prickeln, das merken auch die Zuhörer. Es ist Gottseidank so, dass ich beruflich hier bei Berndorf eingesetzt bin, und ein Privatleben habe ich ja auch.

Vieboeck3_Berndorf AG_Fotograf Christian Husar.jpg Berndorf AG/Christian Husar © Berndorf AG/Christian Husar

— Wie ging es Ihnen beim kontrollierten Absturz der MIR 2001, waren Sie da wehmütig?

Franz Viehböck: Ja, schon. Schließlich verbrachte ich doch eine Woche meines Lebens drin, die ich nie vergessen werde. Ich war damals, 2001, auch live im ORF eingeladen. Ich kann mich erinnern, als wir damals im Sternenstädtchen trainierten, gab es für die Kosmonauten eine Lounge, in der man sich zur Kaffeepause getroffen hat. Dort trafen wir manchmal auf Crews, die gerade aus dem All retour gekommen sind. Dann kam immer die Frage: "Wie geht's der alten Oma?" Die MIR war die Oma (lacht).

— Wie groß war die MIR?

Franz Viehböck: 1991 hat sie wie ein T ausgesehen, das hat sich immer wieder geändert. Das ist auch bei der ISS so, sie fing klein an und später kamen immer mehr Module dazu. Der Durchmesser eines Moduls war drei Meter, die Länge der beiden Abschnitte der MIR war je 13 Meter. Der Längsbalken war ca. 20 Meter lang.

— Drei Meter klingt sehr wenig, ist das nicht sehr beengend?

Franz Viehböck: Nein, denn man muss daran denken, dass man die dritte Dimension nutzen kann. Wir sitzen hier am Boden und der riesige Raum hinauf zur Decke ist ungenutzt. Im Weltall kann man alles nutzen, man schwebt einfach hin und erreicht alles problemlos.

— Von Ihrer Forschung im Weltall, gibt es da etwas, das bis heute noch verwendet wird?

Franz Viehböck: Ja, gibt's. Ein neuer Ionenemitter wurde damals vom Forschungszentrum Seibersdorf entwickelt, den wir das erste Mal in der Schwerelosigkeit getestet haben. Dazu gab es zwei Experimente "Migmas-A" und "Logion", um zu sehen, ob das überhaupt funktionieren kann. Das wurde dann im Zuge von ESA-Projekten weiterentwickelt und weitergemacht. Seit circa sechs Jahren werden dank dieser Forschung in Wr. Neustadt vom Startup "Enpulsion" Ionentriebwerke für Micro- und Nanosatelliten produziert. Es ist für mich sehr erfreulich zu sehen, dass unser Grundlagenforschungsprojekt von damals in einer erfolgreichen Firma geendet ist.

— Glauben Sie eigentlich an Außerirdische?

Franz Viehböck: Nein, glaube ich nicht. Ich habe sie auch leider nicht gesehen (lacht). Ich kenne auch keinen anderen Astronauten, der welche gesehen hätte. Ich glaube schon daran, dass es andere Lebensformen gibt. Das muss man aber genau definieren – Lebensformen in der Form, wie wir es sind, daran glaube ich nicht. Aber dass es einfachste Lebensformen außerhalb der Erde gibt, das glaube ich schon.

— Würden Sie als Weltraumtourist noch einmal hinauffliegen?

Franz Viehböck: Eher nicht. Dieses einfach nur Hinauffliegen und wieder zurück, das ist für mich nicht spannend. Aber einen Flug zur Raumstation oder zum Mond – wenn ich das nötige Kleingeld hätte, dann würde ich das möglicherweise machen. Prinzipiell finde ich es gut, dass mehr Menschen die Möglichkeit haben, ins All zu reisen, und dass insgesamt Vieles entwickelt wird, das der Weltraumfahrt und den Menschen hilft. Man denke nur an Satelliten, Internet, Erdbeobachtung etc.

— Was ist Ihre schönste Erinnerung?

Franz Viehböck: Die Schwerelosigkeit und die tolle Aussicht.

www.franzviehboeck.com
www.austromir.at

Info:

  • Ausbildung: Elektrotechniker,
  • Geboren: 24.08.1960 in Wien
  • Familie: verheiratet, 4 Kinder. Tochter Carina Maria wurde geboren, als er im All war.
  • Studium der Elektrotechnik an der Technischen Universität Wien (Industrielle Elektronik und Regelungstechnik)
  • Assistent am Institut für Elektronische Messtechnik an der TU Wien
  • ab 1989: 18-monatiges Training für die AustroMir-Mission in Österreich und Russland
  • AustroMir-Mission: von 2.–10. Oktober 1991
  • danach zwei Jahre im Auftrag der österreichischen Regierung für das Projekt tätig.
  • 1994–1996 Program-Development Manager bei Rockwell Aerospace & Defense Group in den USA
  • 1996 Director for International Business Development, der "Space Systems Group" von Boeing in den USA
  • 1999–2002 Europaverantwortlicher der Boeing Space & Communications Division und Country Manager Boeing Österreich
  • ab 2000 Technologiebeauftragter des Landes Niederösterreich
  • 2002–2007 Geschäftsführer von Berndorf Band
  • seit 2008 Vorstandsmitglied der Berndorf AG
  • seit Juli 2020 Vorstandsvorsitzender der Berndorf AG

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