Nissan Ariya fahrend
© Erich Reismann
© Erich Reismann
Januar 2026

Viel Raum, wenig Ladung

Wie schlägt sich der vollelektrische Nissan Ariya im täglichen Einsatz? Von der Verarbeitung bis zur Ladegeschwindigkeit haben wir alles gecheckt.

Ein Jahr lang begleitete uns der 4,6 Meter lange Nissan Ariya durch alle Jahreszeiten, über zwanzigtausend Kilometer und in un­zählige Alltagssituationen. Design und Datenblatt des vollelektrischen SUV versprechen Platz, Komfort und moderne Technik. Doch hält der Japaner auch, was er verspricht?

Manche Anforderungen erfüllt er mit Bravour, an anderen Stellen offenbaren sich Schwächen, besonders die Balance zwischen futuristischem Anspruch und praktischer Bedienbarkeit gerät dabei ins Wanken. Gleichzeitig zeigt sich: Qualität und Verarbeitung befinden sich auf ­hohem Niveau. Die Materialien im ­Innenraum präsentieren sich hochwertig.

Auch nach einem Jahr Dauertest knistert oder scheppert nichts – das spricht für die hohe Verarbeitungsqualität. ­Diese Langzeitstabilität unterscheidet den Nissan von manchen Wettbewerbern, bei denen sich nach intensiver Nutzung Teile lockern.

Das Platzangebot ist sowohl vorne als auch in der zweiten Reihe üppig. Vor ­allem die Beinfreiheit für Passagiere auf den Rücksitzen fällt großzügig aus.

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Das Video zum Nissan Ariya

Der Ariya ist futuristisch, aber umständlich

Das Cockpit des Ariya gibt sich betont futuristisch: Zwei große Bildschirme ­dominieren das Armaturenbrett, Touch­flächen ersetzen klassische Schalter und Knöpfe, die Mittelkonsole lässt sich elektrisch verschieben. Optisch macht das durchaus Eindruck. Doch im Alltag offenbart sich eine zentrale Schwäche: „Die Bedienung der Touchflächen, vor allem jener unter dem mittleren Bildschirm, ist mühsam“, wie unser Test­tagebuch offenbart. Die Tester:innen mussten sehr genau treffen, was beim Fahren erheblich ablenkt.

Hier zeigt sich ein grundsätzliches Problem moderner Fahrzeuggestaltung: Design wird oftmals über die Funktionalität gestellt. Physische Tasten und Drehregler lassen sich blind bedienen. Touchflächen erfordern hingegen den Blick weg von der Straße. Besonders ärgerlich: Die Menüs für den Elektrobetrieb fallen vergleichsweise karg aus. So lässt sich keine Ladegrenze von z.B. 80 Prozent einstellen, obwohl diese Funktion zur Akku­schonung heute bei fast allen E-Autos Standard ist.

Auch der Geschwindigkeits­assistent nervt im Alltag: Er zeigt vielfach falsche, viel niedrigere Tempolimits an und warnt entsprechend. Da er, wie vor­geschrieben, bei jedem Fahrtbeginn akti­viert ist, muss er relativ mühsam via Lenkradtasten deaktiviert werden.

Dauertest-Abschluss des Nissan Ariya

Nissan Ariya stehend © Helmut Eckler
Der vollelektrische Ariya bietet hohen Fahrkomfort mit sehr guter Geräuschdämmung.
Nissan Ariya stehend © Günter Rauecker
SUV-Proportionen mit coupéartiger Dachlinie und klarem, aerodynamischem Design.
Nissan Ariya stehend © Helmut Eckler
Die glatte Front des Ariya integriert Markenlogo, Sensoren und Lichtsignatur in einer Fläche.

Der Nissan Ariya strahlt, ist aber kein Blender

Positiv hebt sich dagegen das LED-­Matrix-Licht ab. Es arbeitet zuverlässig und vermeidet jegliche Blendung des Gegenverkehrs – während des gesamten Testzeitraums wurden die Tester:innen von niemandem aus dem Gegenverkehr angeblinkt. Auch der Abstandstempomat überzeugt durchgehend: Es traten keine gefährlichen Fehlfunktionen auf.

Beim Fahren punktet der Ariya mit ausgewogenem Komfort. Der niedrige Schwerpunkt sorgt für eine solide Straßenlage ohne lästiges Karosserie-Wanken in Kurven.

Der Kofferraum erweist sich als ausreichend geräumig. Der höhenverstellbare und geteilte Boden lässt sich auch aufgestellt nutzen, um ein Verrutschen von Ladegut zu vermeiden.

Beim Verbrauch zeigt der Ariya eine große Bandbreite, die vor allem von der Temperatur abhängt. Im Winter braucht er etwa 28 kWh je 100 km. Steigen die Temperaturen auf Frühlingsniveau, kommt er auch an die 20-kWh-Grenze heran. Bei milden Temperaturen sind Reichweiten über 400 Kilometer möglich – ein praxistauglicher Wert für den Alltag und mittellange Strecken.

Der Nissan Ariya und die Kälte

Die Winterperformance liegt im üblichen Rahmen für E-Autos: Heizung und kalte Akkus fordern ihren Tribut. Wer den Ariya hauptsächlich im Stadtverkehr und auf Kurzstrecken bewegt, wird mit den Reichweiten gut zurechtkommen. Auf der Langstrecke wird jedoch die Lade­infrastruktur zum entscheidenden Faktor. Zwiespältig ist die Bilanz beim Laden. AC-Laden an der entsprechenden Wallbox funktioniert mit 22 kW – doppelt so viel wie normalerweise ­üblich. Für das Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz ist das ein echter Vorteil.

Die Schattenseite zeigt sich beim DC-Schnellladen auf der Langstrecke: Hier sind maximal 130 kW möglich. Verglichen mit anderen Fahrzeugen in dieser Preisklasse, in der mittlerweile 180 oder 200 kW üblich sind, ein magerer Wert.

Ladekurve

Ladekurve © auto touring
Die Schnellladekurve fällt nicht berauschend aus: Zwischen 10 und 90 Prozent erreicht der Ariya im Durchschnitt nur 106 Kilowatt, die Ladedauer beträgt 41 Minuten. Für Gelegenheits-Lang­streckenfahrer mag das akzeptabel sein, wer jedoch regelmäßig weite Strecken zurücklegt, wird die längeren Ladepausen als Nachteil empfinden. Moderne Wettbewerber laden in dieser Preisklasse deutlich schneller, was auf Langstrecken spürbar Zeit spart.

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