Lundbystrand im schwedischen Göteborg kann man sich ein bisserl so wie das Vienna International Center in Wien vorstellen. Breite Gassen, moderne Gebäude, viele Büros, wenige Wohnungen – und irgendwie auch wenig Leben. Ein klassischer Business District eben.
Erstkontakt mit Lynk & Co
Mit Lynk & Co startet ein weiterer Autohersteller in Österreich. Was die neue Marke kann, woher sie kommt und vor allem: wie sich ihre Produkte fahren.
Lynk & Co-Chefs sprechen über Marktsituation
In einem dieser modernen Gebäude sitzen drei Männer auf Hockern vor drei Fahrzeugen. Da ist David Green, Vice President von Lynk & Co, mit dem auto touring im Zuge der Vienna Drive bereits gesprochen hat (zum David Green-Interview). Nicolas López Appelgren, der die Europa-Geschäfte der Marke leitet. Und da sitzt auch Mathieu Spencer, der Marketing-Chef des Herstellers. Spencer hat wenige Minuten zuvor eine Rede gehalten und dabei den Nagel ziemlich genau auf den Kopf getroffen: "It's a bit crowdy", hat er gesagt, es ist viel los. Gemeint war nicht der Raum, in dem er gerade steht.
© Kevin Peng / Pm.Studio / Lynk & Co
Marke will dem Auto neue Bedeutung geben
BYD, MG, Nio, Omoda & Jaecoo und jetzt eben Lynk & Co: Die Chinesen kommen nicht nur nach Österreich – sie sind schon da. Und wollen ein Stück vom Kuchen. Aber ist von diesem überhaupt noch etwas übrig oder ist der Markt vielleicht schon übersättigt? Eben jene Frage stellt Spencer in dem Raum. Und beantwortet sie justament selbst: Ja, er ist schon gut gefüllt. Aber: "We are here to bring meaning back". Lynk & Co sei da, um dem Automobil wieder Bedeutung zu geben. Große Worte – was steckt dahinter?
© Kevin Peng / Pm.Studio / Lynk & Co
Diese Lynk & Co Modelle kommen nach Österreich
- Lynk & Co 01: Kompaktes SUV mit Plug-in-Hybrid-Antrieb
- Lynk & Co 02: Kompakter Elektro-Crossover
- Lynk & Co 08: SUV-Flaggschiff mit Plug-in-Hybrid-Antrieb
Zunächst einmal: Um was für eine Marke handelt es sich bei Lynk & Co denn eigentlich? Der Hersteller wurde 2016 gegründet, gehört zum chinesischen Geely-Konzern (u.a. Volvo, Polestar, Lotus, Smart), hat seinen Sitz aber im schwedischen Göteborg. Zum Start in Österreich bringt die Marke drei Modelle: den 01, den auto touring bereits ausführlich fahren konnte (zum Lynk & Co 01-Testbericht), den vollelektrischen 02 sowie das Flaggschiff 08. Während der 02 technisch eng verwandt mit Volvo EX30 und Smart #3 ist, teilt sich der 08 seine Plattform mit dem Volvo XC70. Zuerst da war allerdings der Lynk & Co.
Lynk & Co 08: So fährt sich das Flaggschiff
Angetrieben wird der 4,82 Meter lange Lynk & Co 08 von einem Plug-in-Hybrid-System, das seine Kraft an die Vorderachse schickt. Und das ist ziemlich viel Kraft: 345 PS erarbeiten der 1,5-Liter-Vierzylinder und die Elektro-Maschine gemeinsam. Dementsprechend zügig geht es von 0 auf 100 km/h, konkret dauert der Paradesprint 6,8 Sekunden. Weil die Elektronik eingreift, gibt es trotz viel Leistung auf nur einer Achse keine Traktionsprobleme. Fahrwerk und Lenkung sind stimmig: Sie sind zwar grundsätzlich auf der kommoden Seite, allerdings ist das Fahrgefühl keinesfalls indifferent oder entkoppelt.
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Rekord-Reichweite und schnelles Laden im 08
Das eigentliche Highlight des Lynk & Co 08 aber ist der elektrische Teil des dualen Antriebs. Der Akku im Auto verfügt über eine Kapazität von 39,6 kWh. Zum Vergleich: Ähnlich große Batterien haben reine (!) Elektroautos wie Leapmotor T03 oder Fiat 500 Elektro. Dementsprechend üppig ist auch die elektrische Reichweite des Lynk & Co 08: Sie liegt laut WLTP bei geradeaus 200 Kilometern. Und damit es nicht ewig lange dauert, bis diese nachgeladen ist, kann der 08 mit maximal 85 kW Leistung an der DC-Säule geladen werden – auch das ist kein gewöhnlicher Wert für ein Plug-in-Hybrid. Große Einbußen beim Tank (60 Liter) oder Kofferraum (540 Liter) muss man wegen des Akkus keine machen.
Wo der Lynk & Co 08 schwächelt
Schwächen? Einerseits sind das die zu sensiblen Assistenzsysteme, anderseits die Bedienung. Denn es gibt kaum analoge Tasten, das Fahrzeug wird überwiegend via 15,4-Zoll-Touchscreen gesteuert. Die Darstellung ist zwar gut lesbar, die Menüführung aber nicht immer nachvollziehbar, wichtige Funktionen befinden sich erst auf hinteren Ebenen. Außerdem verlor das Navigationssystem mehrmals unsere Position. Gut, Vorführeffekt, soll sein. Was aber wirklich unverständlich ist: Dass die Autoansicht zur "Autoa-nsicht" und die Kartenansicht zur "Kartena-nsicht" wird. Das macht die Erzählung des Herstellers, man höre auf die Kund:innen und binde sie aktiv ein, indem diese via App im Fahrzeug unkompliziert Feedback geben können, unglaubwürdig.
© Maximilian Barcelli
Lynk & Co 02: Erstes E-Auto für Europa
Auch ein vollelektrisches Modell hat Lynk & Co im europäischen Portfolio: Der 02 verfügt über einen Elektromotor an der Hinterachse, der 272 PS und 343 Nm Drehmoment bietet. Von 0 auf 100 km/h geht es in 5,5 Sekunden. Allzu häufig sollte man das aber nicht nutzen, da man ansonsten der Reichweite beim Schmelzen zusehen kann. Die beträgt laut WLTP maximal 445 Kilometer. Die Ladeleistung des 66-kWh-Akkus ist in Ordnung, sie beträgt 150 kW. Auch der 02 ist eher soft abgestimmt und so wie im 08 nerven die Assistenzsysteme mehr als sie helfen. Mit einer Länge von 4,46 Metern konkurriert der 02 etwa mit dem BMW iX1, Škoda Elroq oder Renault Scenic E-Tech.
© Kevin Peng / Pm.Studio / Lynk & Co
Lynk & Co: Die Preise in Österreich
Der Lynk & Co 02 startet bei 37.995 Euro, der 01 kostet mindestens 39.995 Euro und für den Lynk & Co 08 werden zumindest 54.995 Euro fällig. Übrigens: Warum die Marke Lynk & Co so heißt, wie sie nun mal heißt? Eine tiefere Bedeutung gebe es keine, sagt Vice President David Green, und zieht einen Vergleich mit der Modeindustrie: Pull & Bear, Abercrombie & Fitch – das klinge einfach gut. Wenngleich zumindest letztere Marke nach ihren Gründern David T. Abercrombie und Ezra Fitch benannt ist. Nur so als abschließender Fun Fact.
© Kevin Peng / Pm.Studio / Lynk & Co
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