Großes, schwarzes SUV
© Helmut Eckler
© Helmut Eckler
Januar 2026

Europa im Fokus

Neuer Plug‑in‑Hybrid aus China zielt auf etablierte Kompakt‑SUV:
der markante Jaecoo 7 im Test.

Der chinesische Hersteller Jaecoo betritt mit dem neuen Jaecoo 7 selbstbewusst die europäische Bühne. Das SUV-Modell positioniert sich im boomenden Segment der kompakten Premium-Geländewagen – mit modernem Design, hochwertiger Verarbeitung und klarem Fokus auf Technologie und Komfort.

Doch hält das China-SUV auf der Straße, was das aufregende Design und die ambitionierten Versprechen aus China andeuten? Wir haben den Newcomer getestet und zeigen Euch, ob Jaecoo tatsächlich das Zeug hat, die europäischen Platzhirsche herauszufordern.

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1 Der Jaecoo 7 wirkt trotz seiner moderaten Außenlänge von 4,5 Metern deutlich größer, als er tatsächlich ist. © Helmut Eckler

2 Markant ist der sehr große Kühlergrill mit vertikalen Lamellen und scharf gezeichneten LED-Scheinwerfern. © Helmut Eckler

3 Optisch unspektakuläres Heck, auffallend breite Schultern. © Helmut Eckler

Jaecoo und Omoda als neue Player

Hinter dem Markennamen Jaecoo verbirgt sich übrigens der staatliche chinesische Konzern Chery Automobile mit Sitz in Wuhu, der seit Ende der 1990er-Jahre Fahrzeuge produziert und heute zu den größten Autoexporteuren des Landes zählt. Die Markenstrategie sieht vor, mit Jaecoo vor allem robuste, SUV-orientierte Modelle mit leicht offroad-orientiertem Image anzubieten, während die Schwestermarke Omoda stärker design- und lifestyleorientiert positioniert ist.​

Das Design des Jaecoo 7 wirkt wie eine Mischung aus modernem, kantigem Offroad-Look und etwas edel angehauchtem Stadt-SUV. Markant ist der sehr große Kühlergrill mit vertikalen Lamellen und scharf gezeichneten LED-Scheinwerfern, die dem Auto einen recht kräftigen Auftritt verleihen. Kantig ist auch die Seitenansicht mit vielen Geraden, flachem Dach und auffallend breiten Schultern. Die automatisch versenkbaren Türgriffe funktionierten im Test auch nach Eisregen und dick vereister Karosserie problemlos.

Im Innenraum wagen die Chinesen keine Experimente, der ist optisch nämlich ganz im Stile eines modernen Mittelklasse‑SUV. Soll heißen: aufgeräumtes, relativ minimalistisches Cockpit mit großem, hochkant stehenden Touchscreen und digitalem Kombiinstrument. Bei den Materialien dominieren Kunstleder‑Bezüge, Softtouch‑Kunststoffe im oberen Bereich und härtere Kunststoffe weiter unten. Insgesamt wirkt der Innenraum wertig und an Premium‑SUV angelehnt, haptisch bleibt er aber klar im Mittelklasse‑Segment.

Das Video zum Jaecoo 7

Erwartbares und neues im Jaecoo 7

Die Bedienung konzentriert sich stark auf den großen, hochformatigen Touchscreen, mit nur wenigen klassischen Tasten. Das sieht zwar modern aus, ist aber nicht immer intuitiv, weil viele Funktionen wie Klima, Assistenten oder auch das Radio über Menüs und kleine Icons auf dem Display gesteuert werden müssen. Ein Umstand, der mittlerweile aber auch bei zahlreichen anderen Herstellern zum Alltag gehört.

Auffallend: Im Jaecoo 7 gibt es keine Taste für die elektrische Handbremse. Diese löst sich erst, wenn der Fahrer angeschnallt ist. Gewöhnungsbedürftig: das Handling der Fensterheber-Tasten. Die grundsätzlich straff gepolsterten Sitze im Jaecoo 7 sind ausreichend bequem, auf längeren Strecken könnte die Schenkelauflage aber etwas länger sein.

Für die Insassen bietet der Jaecoo 7 reichlich Platz, selbst in der zweiten Reihe können auch Großgewachsene bequem sitzen. Der Kofferraum ist mit 500 Litern bei aufgestellten Rücksitzlehnen angemessen geräumig und konventionell mittels geteilt umlegbarer Lehnen erweiterbar. Sinnvoll: das große Fach unterm Ladeboden.

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Jaecoo-7-Cockpit: Hochwertig-minimalistisch, aber nicht immer intuitiv zu bedienen.

Gelassen im Jaecoo 7

Auch beim Fahren kann sich das chinesische Kompakt-SUV durchaus behaupten. Der Jaecoo 7 fährt insgesamt komfortorientiert, mit weicher Abstimmung und wenig sportlichem Anspruch. Er punktet mehr mit Gelassenheit als mit Dynamik oder besonders präzisem Fahrverhalten. Vor allem die um die Mittellage indirekte Lenkung und die spürbare Wankbewegung der Karosserie in flott gefahrenen Kurven lässt nicht sonderlich viel Fahrspaß aufkommen.

Der Plug‑in‑Hybrid-Antrieb beschleunigt kräftig und fährt im E‑Modus angenehm leise und sanft.​ Unter Last kann der Verbrenner allerdings etwas angestrengt klingen, die Geräuschdämmung ist bei gleichmäßiger Fahrt auf Landstraße oder Autobahn aber angenehm leise.

Der Jaecoo 7 trotzt der Kälte

Der Plug‑in‑Hybrid kombiniert einen 1,5‑Liter‑Turbo‑Benziner mit 143 PS mit einem 204 PS starken Elektromotor und einer gut 18 kWh großen Batterie, die rund 90 Kilometer reine E‑Reichweite nach WLTP ermöglichen soll. Im Alltag fährt der Wagen je nach Batteriestand entweder rein elektrisch, mit Verbrennerunterstützung oder als klassischer Hybrid, wobei das System automatisch zwischen E‑Fahren, Boost durch den Elektromotor und Rekuperation (Energierückgewinnung beim Bremsen) wechselt. Die Räder werden übrigens direkt vom Benzinmotor über ein Siebengang‑
Doppelkupplungsgetriebe angetrieben – er ist also nicht nur ein Generator wie bei einem Range‑Extender.

Der Verbrauch auf unserer Testrunde kann mit 5,8 Liter Benzin und 8,8 kWh, jeweils pro 100 Kilometer, angesichts klirrender Kälte um den Gefrierpunkt, als absolut solide bezeichnet werden. Rein elektrisch schaffte der Jaecoo 7 dabei ordentliche 63 Kilometer. Die maximale Reichweite liegt damit bei 775 Kilometern. Geladen wird einphasig, an einer 11 kW-Ladesäule mit 3,3 kW, an einer 22 kW-Säule mit 6,6 kW Gleichstrom, CCS-Schnellladen mit 40 kW Wechselstrom.

Attraktive Alternative

Preislich positioniert sich der Jaecoo 7 in Österreich klar als günstigeres Plug‑in‑Hybrid-SUV im Vergleich zu den etablierten Marken. Knapp unter 40.000 Euro sind zwar immer noch viel Geld, angesichts der überkompletten Serienausstattung in der getesteten „Premium“-Version aber mehr als eine ernsthafte Konkurrenz.

Unmittelbare Mitbewerber wie der VW Tiguan, Hyundai Tucson oder der BMW X1 sind teurer, lediglich der chinesische Konkurrent MG HS+ kann preislich mithalten. Fein: Sieben Jahre Garantie und fünf Sterne im Euro-NCAP-Crashtest.

Alternativ gibt es beim Jaecoo 7 noch eine Benziner-Variante mit 147 PS und Allradantrieb, ebenfalls vollausgestattet um 36.490 Euro.

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