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Oktober 2020

Mein Dänemark

Hier ist es oft windig, meist kühl und häufig einsam. Uninteressant für viele. Perfekt für mich, für uns, inklusive Hund. Ein Erklärungsversuch in 10 Punkten.

Als ich 2008 zum ersten Mal hier war, war ich nicht verheiratet, hatte weder Kinder noch Haustiere, aber einen großen Drang draußen zu sein. Nach Natur. Nach Weite. Nach Einsamkeit und Kühle. Schon auch nach Sand und Strand, nach viel Strand, ewig lang, zum Entlangschlendern, gerne stundenlang. Aber eben mit wenigen Leuten darauf und möglichst wenigen Liegen drumherum.

Es ist nämlich so: Jahrelang zog es mich anfangs oder gegen Ende des Sommers auf irgendeine griechische Insel. Motorroller, Schnorchelzeugs, Handtuch, Wassermelonen und die Wunderbare an meiner Seite – mehr brauchte ich nicht für mein Sommerurlaubsglücksgefühlwohlbefinden.

Doch nach einigen Jahren griechischer Insel-Idylle begann sich eben dieses Sommerurlaubsglücksgefühlwohlbefinden abzunützen wie eine weiße Wohnzimmerwand, die über die Jahre immer mehr an Helligkeit einbüßt, bis sie irgendwann eigentlich nur mehr hellgrau ist. An diesem Punkt waren wir. Es wurde Zeit für einen neuen Anstrich. 

Dänemark? Dänemark! Der entscheidende Tipp kam von einem Kollegen mit norddeutschen Wurzeln. Was nämlich den Kärntnern und Tirolern die obere Adria ist, das ist vielen Norddeutschen Dänemark. Rein ins Auto, 2 bis 3 Stunden Autofahrt, und: „Hej Danmark!“

Ob Nord- oder Ostsee hängt sehr von den persönlichen Vorlieben ab; Nord ist halt eher rau und Ost eher cosy. Was der liebe Kollege glücklicherweise ebenso empfahl: Lieber ein, zwei Stunden länger fahren, denn weiter nördlich nimmt auch die Urlauber-Dichte pro Quadratkilometer spürbar ab. Und: "Seht euch die Nordsee-Seite von Jütland an, ich glaube, das ist genau das, wonach ihr sucht." 

Recht sollte er haben.

Als wir dann 2008 nach etwa 14 Stunden und rund 1.300 Kilometern Fahrt erstmals den Schlüssel ins Schloss unseres dänischen Ferienhauses steckten, fühlten wir vor allem Erleichterung. Die Fahrt war anstrengend: Wir navigierten noch mit Straßenkarten, fuhren durch Tschechien, mussten nächtens irgendwelchen Umleitungen folgen und zu guter Letzt auch noch das Ferienhaus suchen – da war es aber schon fast zwei Uhr morgens.

Vor allem diese Suche hatte es in sich. Es war stockfinster (die Straßen in den Ferienhaussiedlungen sind nur sehr spärlich beleuchtet), die dänischen Straßenschilder vergleichsweise klein, die Nummerierung willkürlich. Zwar hatten wir eine grobe Skizze der Ferienhaus-Position, mangels Taschenlampe und Navi mussten wir notgedrungen jedoch das Scheinwerferlicht des Autos bei der Suche einsetzen. Und so blieb uns nichts anderes übrig, als um zwei Uhr morgens gleich mehrere Wohn- und Schlafzimmer zu erhellen, bis wir endlich vor dem richtigen Haus standen. Die Neo-Nachbarn nahmen es dankenswerterweise mit Humor.

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Nordsee.
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Dünen mit Strand.
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Hinterland.

Kaum aus dem Auto draußen, blies uns der Wind auch schon eine zarte Brise salziger Meeresluft in die Nase. Sogar das Meer hörte man rauschen. Und im schwachen Licht des Mondscheins zeichneten sich im Hintergrund die Dünen ab – so schön. Für Freudensprünge waren wir zu erschöpft, aber im Glanz unserer Augen konnte man sie sehen, die Freude, die Begeisterung.

Und heuer war ich wieder hier, mittlerweile verheiratet mit der Wunderbaren, mit zwei Kindern und Hund im Schlepptau – und es wird nicht zum letzten Mal gewesen sein. An anderer Stelle schrieb ich über unser Dänemark schon einmal folgendes:

"Es ist nicht das erste Mal, dass wir nach Dänemark zurückkehren, und es wird vermutlich auch nicht das letzte Mal sein. Zurückzukehren fühlt sich richtig großartig an; ganz im Gegensatz zu zurücklassen. Schwer zu beschreiben, warum das so ist. Warum gerade bei uns das Gefühl so außerordentlich stark ausgeprägt ist. Aber man sagt doch auch: Wenn's passt, dann passt's. Und wer weiß, vielleicht ist Dänemark ja eine Maßanfertigung für unser höchst persönliches Seelenwohl?"

Daran hat sich nichts geändert – der Versuch einer Erklärung in 10 Punkten.

Nr. 1 – die Nordsee

Wellenspringen geht fast immer, mit dem Schwimmen hingegen ist das so ein Sache. Es gibt Strandabschnitte, da kann gefahrenlos in der stets kalten Nordsee gebadet werden – und es gibt Abschnitte mit starken Strömungen, wo sich nur geübte Schwimmer in die Wellen stürzen sollten. Daher bitte unbedingt vorab informieren.

Für länger andauernden Badespaß empfehlen wir das Tragen von Neoprenanzügen oder zumindest UV-fester Lycras. Wer Glück hat, kann beim Baden Seehunde entdecken. 

Die raue Seite der Nordsee wird – no-na – speziell bei schlechtem Wetter sichtbar. Wenn der Wind die landraubenden Wellen bis zu den Dünen treibt, bringt das auch die zahlreichen Bunker zum Versinken. Natürlich nicht von heute auf morgen. Zur Zeit der 2. Weltkrieges stand ein Bunker immer in Sichtweite des nächsten. Manche von ihnen ragen heute noch recht erhaben und imposant am Strand empor, manche andere hingegen sind mittlerweile soweit eingesunken, dass nur mehr die mächtige Betondecke zu sehen ist. 

Nr.2 – der Strand

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1 Viel Sand, viel Wind, viel Vergnügen. Wir empfehlen eine Strandmuschel, Sandspielzeug (falls Kinder dabei sind), einen Lenkdrachen zur Gaudi bzw. einen Kite zum Workout. Außerdem eine Haube (kein Scherz).  © Fischer

2 Ehrlich: Dieser Strandabschnitt war tatsächlich so menschenleer wie es auf dem Foto zu sehen ist, da wurde nichts retuschiert. Die Aufnahme passierte Mitte August um 19.30 Uhr.  © Fischer

3 Nach Regen folgt Sonnenschein, nach dem Sturm die Ruhe. Frisch geglätteter Strand und (vergleichsweise) kleine Wellen inklusive. © Fischer

Nr.3 – die Küste und ihre Dünen

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Mein_Daenemark_Küste_b_CMS.JPG Fischer 3

1 Wer vom Ferienhaus zum Meer will, muss über die Dünen drüber. Jeder Strandbesuch beginnt somit mit einem Panorama-Blick der Extraklasse. © Fischer

2 Ohne Befestigung geht es nicht. Würden die Dänen keine Schutzmaßnahmen treffen, würde sich die Nordsee Jahr für Jahr kontinuierlich ins Landesinnere vorarbeiten. Deswegen wird die Küste, werden die Dünen mit tonnenschweren Betonblöcken und Molen gesichert. © Fischer

3 Auch die Begrünung der Dünen hilft, den Landraub einzuschränken. Die weich wirkenden Grashalme sind äußerst robust, Vorsicht vor den Blattkanten: Wer die Finger unachtsam entlang gleiten lässt oder gar ein ganzes Grasbüschel ausreißen will, kann sich leicht eine Schnittwunde holen. © Fischer

Nr.4 – das Ferienhaus

Der klassische Dänemarkurlaub findet in einem Ferienhaus statt. Diese Ferienhäuser werden meist von Ferienhaus-Agenturen vermietet, eine kurze Suchanfrage in der Suchmaschine ihrer Wahl wird zahlreiche hilfreiche Ergebnisse bringen.

5 Anmerkungen zur Vermietung:

  1. Strom und Wasser sind extra zu bezahlen! Sollte ihr Wunschhaus also über einen Whirl- oder gar Indoor-Pool verfügen, können mitunter beträchtliche Nebenkosten entstehen. Wieviel für eine Kilowattstunde Strom bzw. den Kubikmeter Wasser berechnet wird, steht in der Regel im Mietvertrag bzw. auf der Website des Vermieters.
  2. Das Haus muss am Ende des Urlaubs gereinigt übergeben werden – wer nicht selbst putzen will, bestellt die Endreinigung gleich mit.
  3. Bettzeug muss entweder selbst mitgebracht oder zuvor beim Vermieter bestellt werden.
  4. Ein Tipp für Allergiker: In viele Ferienhäuser darf das eigene Haustier mitgenommen werden – was natürlich die Haustier-Besitzer freut, für Allergiker allerdings unangenehme Folgen haben kann. Bei den meisten Buchungsportalen kann mittlerweile zwischen "Haustier erlaubt" und "Haustier nicht erlaubt" gewählt werden.
  5. Wer zeitlich flexibel ist, für den lohnt sich ein Blick in den Vermietungskalender. Zwischen Haupt- und Nebensaison bestehen teils beträchtliche Preisunterschiede.

Was außerdem zu sagen ist: Es gibt eine ungeschriebene Regel, die besagt, dass den nachfolgenden Urlaubern so etwas wie eine Notration an Dingen hinterlassen wird, die man nicht unbedingt mit nach Hause nehmen muss, also z.B.ein bisserl Salz (Küchengewürze), ein paar Geschirrspültabs, Seife, Klopapierrollen, Brennholz, Anzünder etc.

Und, ganz wichtig: Dänische Türen und Fenster lassen sich anders schließen (und öffnen) als österreichische – der Türgriff beispielsweise muss über die waagrechte Stellung hinaus nach oben gedreht werden. Beim Fenstergriff hingegen muss zum Öffnen der Griff in die senkrechte, zum Kippen in die waagrechte Position gebracht werden (bei uns ist's genau umgekehrt).

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Der Klassiker: Ziegelwand mit Reetdach.
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Die meisten Ferienhäuser sind in privater Hand. 
Mein_Daenemark_Ferienhaus_CMS.JPG  Fischer © Fischer
Haus mit viel Grund drumherum. Perfekt.

Nr.5 – der Leuchtturm

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1 Leuchttürme sind wahrlich keine Seltenheit in Dänemark, man findet sie an den Küsten der Nord- und Ostsee ebenso wie an jenen der Fjorde. Dieser hier hat es uns besonders angetan, er steht hier © Fischer

2 Als der Bovbjerg Fyr für die Schifffahrt gar keine so große Bedeutung mehr hatte, sollte er geschlossen werden. Doch eine engagierte Gruppe Ehrenamtlicher übernahm ihn und macht seitdem das Beste daraus – einen herrlichen Platz zum Verweilen, Erfrischen, Laben und Gustieren. Denn seither beherbergt der Fyr ein kleine (aber feine) Galerie sowie ein Café, in dem hauptsächlich Selbstgebackenes angeboten wird. In Vor-Corona-Zeiten gab es sonntags außerdem ein fulminantes Torten-Buffet – nirgendwo sonst in Dänemark kamen wir der lokalen Süßspeisen-Küche näher als hier. © Fischer

3 Schön und still: der windgeschützte Innenhof. © Fischer

Nr. 6 – das Gummistiefel-Wandern

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Mein_Daenemark_Gummistiefel_c_CMS.JPG Fischer 3

1 Bei unserem allerersten Dänemark-Urlaub hatten wir noch keine Gummistiefel mit. Weil die Wiesen aber manchmal derart morastig sind, einige Routen unmittelbar am Wasser entlang oder über sumpfige Weiden führen, mussten wir unsere Wanderungen immer wieder abbrechen und umdrehen. Seitdem gehören die Gummistiefel zu unserer Dänemark-Urlaub-Grundausrüstung, sind immer im Auto drinnen. © Fischer

2 Tipp: Gummistiefel so groß kaufen, dass sie auch mit dicken Stutzen (Skisocken) getragen können. Denn nach einiger Zeit kriecht die Kälte des Wassers auch nach innen. © Fischer

3 Wer die Gummistiefel vergessen hat: Sie sind in beinahe jedem dänischen Schuhgeschäft vorrätig, die Auswahl ist definitiv größer als hierzulande.  © Fischer

Nr. 7 – die Hundefreundlichkeit

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Mein_Daenemark_Hund_c_CMS.JPG Fischer 3

1 Was die Hundefreundlichkeit in Dänemark betrifft, gehen die Meinung teilweise arg auseinander. Fest steht: Es gibt eine Liste an Hunderassen, die gar nicht einreisen dürfen, auch im Umgang mit Hunden gibt es einige Vorgaben – nachzulesen in der Länderinfo des ÖAMTC bzw. hier. © Fischer

2 Aber: Es gibt wenige Urlaubsländer in Europa, wo der mitreisende Hund derart akzeptiert ist. Sei es bei der Ferienhaus-Vermietung, sei es beim Besuch von Museen, anderen touristischen Attraktionen oder am Strand. Es gibt sogar eigene, sehr große und eingezäunte Waldabschnitte, wo der Hund von der Leine gelassen werden kann – vorausgesetzt natürlich, dass der Hund sofort auf den Rückruf reagiert. Grob gesagt gilt: Wo man als Familie hin darf, darf man auch mit Hund hin.  © Fischer

3 Hängt natürlich vom Hund auch ab, aber unserer war (zumindest bilden wir uns das ein) ob des olfaktorischen Tapetenwechsels höchst erfreut; Hafen und Strand standen ganz oben in der Schnüffel-Gunst.   © Fischer

Nr. 8 – wenig los

Die beiden folgenden Bilder entstanden Mitte August in der Kommune Lemvig, die zur Region Midjytland zählt. So – geographisch gesehen – relativ weit oben ist die Touristendichte überschaubar klein. Gedränge gibt's hier definitiv keines, aber eben auch kein Nachtleben. Dafür viele Familien (in der Hauptsaison) bzw. Pensionisten (in der Nebensaison).

Nr. 9 – die Sprache

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Mein_Daenemark_Sprache_b_CMS.JPG Fischer 3

1 Wir behaupten: Dänisch zu lesen ist leichter als dänisch akustisch zu verstehen, speziell wenn es um banale Alltagsdinge geht. So aus dem Bauch heraus beschrieben wirkt das Dänische wie eine Mischung aus Englisch, Niederländisch und Deutsch. Zumindest im Supermarkt findet man sich mit ein wenig Sprachgefühl und Ratefreude zurecht – hier zum Beispiel: Schokomandeln mit Lakritz-Geschmack.   © Fischer

2 Hier ist's besonders leicht: Apfelsaft © Fischer

3 Und hier: Milch mit 3,5% Fett. Interessant in diesem Zusammenhang: Die Auswahl an Milchsorten mit unterschiedlichem Fettanteil ist deutlich größer als bei uns. Ebenfalls groß ist das Angebot an gesalzener Butter. Wer hingegen ungesalzene Butter mag, muss suchen.  © Fischer

"Es ist nicht das erste Mal, dass wir nach Dänemark zurückkehren, und es wird vermutlich auch nicht das letzte Mal sein. Zurückzukehren fühlt sich richtig großartig an; ganz im Gegensatz zu zurücklassen."

Alexander Fischer, Redakteur mit ausgeprägter Schwäche für das nordseeseitige Midjytland

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