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Am Schulweg ist neben der Straße balancieren oder spielen ein „No-Go“. Kinder sollten lernen: Es ist einfach cooler, am Gehsteig innen zu bleiben.

© Roland Vorlaufer

Am Schulweg ist neben der Straße balancieren oder spielen ein „No-Go“. Kinder sollten lernen: Es ist einfach cooler, am Gehsteig innen zu bleiben.

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August 2020

Ab in die Schule!

Für die Kinder beginnt jetzt wieder der Schulweg – alleine dieser Gedanke bereitet vielen Eltern Bauchschmerzen. Doch viele Schülerinnen und Schüler sind schlauer, als man denkt. 

Der Unterricht startet, für die Taferlklassler ist das der erste Schritt in die Selbstständigkeit. Für die Eltern geht es jetzt darum, die Kinder auf die Herausforderungen des Schulwegs vorzubereiten. Und auch darum, dem Nachwuchs die Angst vor eigenen Entscheidungen zu nehmen. Kinder üben jetzt das richtige Verhalten im Straßenverkehr, Eltern lernen erstmals loszu­lassen und Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer Kinder aufzubauen. Beides funktioniert nur mit Vorbereitung und Training. Fragen stellen sich dabei viele. Und zwar nicht nur für Eltern und Erstklassler, sondern – nach den Ferien – auch für erfahrenere Schüler/-innen.  

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Wie übt man überhaupt richtig für den täglichen Schulweg?

Generell gilt, dass Kinder sehr gut durch Nachahmung und Beobachtung lernen. Eine Möglichkeit, Ihrem Kind das Erlernen der Verkehrsregeln zu erleichtern, ist ihm deutlich vorzuzeigen, was gemacht werden muss. Falls Ihr Kind Fragen haben sollte, bemühen Sie sich also besser, nicht zu kompliziert zu antworten. Zu viel Informa­tion und Strenge am Anfang könnte Kinder verunsichern.
Wichtig ist, dass Ihr Kind Gefahren erkennen kann, aber gleichzeitig im Straßenverkehr nicht zu ängstlich wird.
Ein weiterer Tipp ist, zu jenen Tageszeiten zu üben, in denen die Verkehrssituationen dem morgendlichen Alltag so ähnlich wie möglich sind. Nehmen Sie sich also am besten viel Zeit und vermeiden Sie zu strenge Zeitlimits für den Nachhauseweg. 
Sobald Ihr Kind ein wenig Übung hat, können Sie es selber erklären lassen, was es auf dem Schulweg tut und warum. Lob und Anerkennung motivieren, das richtige Verhalten beizubehalten. Fehlverhalten kann gleich an Ort und Stelle besprochen und korrigiert werden. Eine Hilfe zum besseren Verständnis der eingeschränkten Perspektive des Kindes ist es, beim Üben in die Hocke zu gehen. Haben Sie das gleiche Sichtfeld wie Ihr Kind, lassen sich Gefahren viel leichter erkennen.

Was sollte vorab besprochen werden?

Wichtig ist, dass am Schulweg weder gelaufen noch gedrängelt wird. Lassen Sie Ihrem Kind lieber einen kleinen Zeitpuffer für den Schulweg. So wird vermieden, dass es etwa dem Bus nachrennt, was dazu führen kann, dass es womöglich Gefahren übersieht.
Denken Sie beim Üben auch daran, genug Abstand zur Fahrbahn zu halten. Zebrastreifen und Ampeln sind zwar sicherere Querungsmöglichkeiten als ungeregelte Kreuzungen. Aber Stehenbleiben und Schauen sind an jeder Stelle vor dem Überqueren der Fahrbahn ein Muss. Überqueren andere Personen bei Rotlicht die Straße, könnte Ihr Kind sich das zum Vorbild nehmen. Erklären Sie daher bitte unbedingt die Gründe, warum eine rote Ampel ausnahmslos "stopp" bedeutet. 

Was kann ich tun, damit mein Kind nicht durch sein Handy vom Straßenverkehr abgelenkt wird?

Zum Beispiel indem das Handy auf dem Weg zur Schule im Rucksack bleibt. Hat das Kind das Gerät in der Hand, ist die Versuchung stärker, sich ablenken zu lassen. Braucht Ihr Kind die Kopfhörer tatsächlich in der Schule? Wenn nicht, bleiben diese besser zu Hause. Auf diese Weise läuft Ihr Kind erst gar nicht Gefahr, Verkehrsgeräusche zu überhören. 
Kinder unterschätzen ebenso wie viele Erwachsene die Gefahren, die eine Ablenkung durchs Smartphone mit sich bringen. Es ist oft hilfreich, Maßnahmen wie ein Handy­verbot auf dem Schulweg zu besprechen. Auf diese Art fällt es Ihrem Kind leichter, sich daran zu halten. Jedes Kind nimmt sich seine Eltern zum Vorbild. Seien Sie also beim richtigen Umgang mit dem Handy besser ein gutes Vorbild. 

Ich habe die Sorge, dass mein Kind irgendwann mit dem Bus nicht mehr weiterkommt.

Katharina Tschernitsch, Wien

Mein Kind will mit dem Roller in die Schule fahren. Was ist zu bedenken?

E-Roller dürfen erst ab zwölf Jahren ohne Aufsichtsperson genutzt werden, Tretroller ab acht Jahren. Mit E-Rollern muss auf der Fahrbahn oder Radwegen gefahren werden, außerdem müssen sie mit einer wirksamen Bremsvorrichtung, Rückstrahlern und Rückstrahlfolien in Weiß, Rot und Gelb ausgestattet sein. Helmpflicht besteht nur bis zum zwölften Geburtstag. 

Wie helfe ich dem Kind, auf unbekannte Herausforderungen richtig zu reagieren?

Kennt Ihr Kind noch einen zweiten Weg zur Schule, hat es die Möglichkeit, selbstständig auf Hindernisse wie etwa Baustellen zu reagieren. Es ist auch eine gute Idee, vorab Alter­nativverbindungen zu den gewohnten Öffi-Linien abzufahren – für den Fall einer Verspätung oder eines Ausfalls des Busses oder der Bahn. Auch hier können Sie das Kind wieder selbst beim Üben entscheiden lassen, was es bei einem versperrten Weg tun würde. So lernen Kinder mitzudenken und sind stolz, selbst eine sichere Lösung zu finden. 

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Beim Üben des Schulwegs kann man in der Hocke das Sichtfeld seines Kindes viel besser erkennen. Erklären Sie beim Üben genau, was Sie wann tun und warum.

Wie kann ich für Sicherheit beim Umgang meines Kindes mit Fremden sorgen?

Kinder fassen schnell Vertrauen. Das macht klare Regeln im Umgang mit Fremden umso wichtiger. In fremde Autos zu steigen ist eines der ersten Dinge, die man Kindern verbietet. Wenn aber einmal ein Unbekannter vor der Schule steht und sagt, dass die Mama im Krankenhaus ist und ihn geschickt hat, ­könnte Ihr Kind sich austricksen lassen.
Eine Möglichkeit, das zu verhindern, ist ein vorher mit dem Kind ausgemachtes Codewort.
Falls das Kind Hilfe benötigt, sollte es Fremde nur dann direkt ansprechen, wenn auch noch andere Personen anwesend sind. Noch ein Tipp: Schärfen Sie Ihrem Kind ein, Unbekannte immer mit "Sie" an­zusprechen, damit Mithörende wissen, dass es sich dabei um eine dem Kind fremde Person handelt.

Soll ich mein Kind da nicht besser immer selbst zur Schule bringen? Am besten gleich immer im eigenen Auto?

Nein! Der tägliche Schulweg ist wichtig für die Selbstständigkeit der Kinder. Das eigenständige Lösen von Problemen und verantwortungsbewusstes Handeln werden so trainiert. Sie können Ihr Kind nicht immer vor allem beschützen. Aber Sie werden erstaunt sein, wie selbstbewusst und achtsam Ihr Kind – bald ohne Hilfe – den Schulweg absolvie-ren wird. 

Ich muss mein Kind an einzelnen Tagen doch mit dem Auto zur Schule bringen, weil es organisatorisch einfach nicht anders möglich ist.

Falls Sie Ihr Kind doch einmal in die Schule chauffieren, lassen Sie es – wenn möglich – auf der Schulseite aus dem Auto aussteigen. 
Beim Abholen ist es sicherer, wenn Sie ­ohne Auto vor der Schule warten. Kinder rennen gerne auf ihre Eltern zu und konzen­trieren sich dabei nicht mehr auf den Verkehr. 
Falls Sie mehrere Kind mitnehmen, bedenken Sie bitte, dass Sie dann für die Sicherheit aller Insassen verantwortlich sind und für die entsprechenden Rückhaltevorrichtungen sorgen müssen. 

Das Wichtigste für uns ist, dass wir rechtzeitig aufstehen.

Sonja Kargl, Niederösterreich

Aufstehen, frühstücken – wie kann ich Stress in der Früh vermeiden?

Gewisse Vorbereitungen am Vorabend zu treffen und Wettervorhersagen zu berücksichtigen, kann im Morgenstress eine große Hilfe sein. Jause und Mittagessen können vorgeplant werden, am besten richten Sie auch am Abend davor die Schultasche mit Ihrem Kind her. Kinder vergessen oft, dass am nächsten Tag bestimmte Utensilien mitgebracht werden müssen, hier lieber öfter nachhaken. 
Stehen Sie selbst besser früher auf, um Stress bei Ihren eigenen Vorbereitungen und somit angespannte Stimmung zu vermeiden.

Es sieht nach schlechtem Wetter aus. Welche Risiken bestehen für mein Kind?

Bei starkem Regen oder Schneefall ist die Sicht sowohl für Autofahrer als auch Kinder schlecht. In diesem Fall ist ein größerer Zeitpuffer für den Schulweg ratsam, da die Kinder aufmerksamer sein müssen. Bunte auf­fällige Jacken und Reflektoren an der Schul­tasche erhöhen die Sichtbarkeit Ihres Kindes. Sicherheitsausrüstung gibt es in den ÖAMTC-Shops, Infos zu den Verkehrssicherheitsprogrammen bei den Landesclubs. Bei schlechtem Wetter gibt es bei öffentlichen Verkehrsmitteln oft Verzögerungen und Ausfälle. Ihr Kind muss vielleicht Alternativ-Verbindungen nutzen und darauf vorbereitet sein.

Worauf muss ich als Autofahrer/-in in der näheren Umgebung von Schulen achten?

Kinder könnten auf Schutzwegen, auch ohne vorher zu schauen, unerwartet die Straße überqueren. Vorsicht geboten ist auch bei parkenden Autos, Kinder werden zwischen den Fahrzeugen leicht übersehen und haben selber einen viel schlechten Blick auf die Fahrbahn. Fahren Sie sehr viel langsamer, können Sie leichter ein Auge auf den Gehsteig haben. Es könnten dort Kinder umhertoben und unerwartet auf die Fahrbahn stolpern oder springen. Insgesamt gilt: Tempo auf Schrittgeschwindigkeit reduzieren, höchste Vorsicht!  

  Roland Vorlaufer © Roland Vorlaufer
Lassen Sie sich von Ihrem Kind den Schulweg zeigen. So lernen die Kleinen, eigenständig Entscheidungen zu treffen. Und so können Sie überprüfen, ob es Missverständnisse gibt.

Was kann ich im Voraus tun, um meinem Kind bei Verletzungen zu helfen?

Für schnelle Akuthilfe ist ein kleines Erste-Hilfe-Set und eine Visitenkarte in der Schultasche ein Tipp. Wichtig ist, dass Ihr Kind auch weiß, was da drinnen ist und wofür es gut ist. So kann das Kind bei leichteren Verletzungen einen Helfer auf Pflaster und Desinfektionsmittel aufmerksam machen. 

Was soll mein Kind tun, wenn es sich am Schulweg verirrt?

Eine Möglichkeit ist natürlich, nach dem Weg zu fragen. Trotzdem darf auch hier Ihr Kind das Angebot, mit dem Auto zur Schule gebracht zu werden, niemals annehmen. Ist niemand in der Nähe, kann auch wieder das Smartphone als Wegweiser genutzt werden. Das Folgen von Routenführungen ist aber durch die volle Konzentration auf das Handy heikel. Bleiben Sie telefonisch erreichbar.

Wie kann ich Gruppenzwang vermeiden?

Der Schlüssel ist eigenständiges Denken und Handeln. Diese Grundregel am besten auch anwenden, wenn Sie mit dem Kind unterwegs sind. Lassen Sie es allein entscheiden, wann ein sicheres Überqueren der Fahrbahn möglich ist. So wird es einer Gruppe nicht mehr so schnell blind über die Straße folgen. 

Wir haben unsere Mädchen intensiv auf den Schulweg vorbereitet. Sie schaffen das gut!

Dasmir Izeri, Salzburg

Das Kind wird am Schulweg gemobbt. Was können die Eltern dagegen tun?

Sofortiges Einschreiten sowie ein tägliches Zur-Schule-Bringen sind nicht immer hilfreich. Das könnte zu erneuten Boshaftigkeiten anderer Kinder führen. Versuchen Sie zunächst, das Selbstvertrauen Ihres Kindes mit Übungen und viel Reden zu stärken. Wenn sich die Situation nicht verbessert, sprechen Sie mit schulischen Aufsichtspersonen. 

Und die Gefahren am Bahnhof?

Nehmen Sie dem Kind bei einem gemein­samen Besuch des Bahnhofs die Angst vor Konsequenzen, wenn ihm etwa das Handy aus der Hand rutscht und auf die Gleise fällt. Auf keinen Fall darf es versuchen, ein dorthin gefallenes Telefon selbst zu holen.

Link-Tipp: das große Schulweg-Extra

Ein interaktives Schulweg-Quiz mit zehn Fragen, ein Talk zum Thema mit der ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger, eine spannende Eye-Tracking-Untersuchung, die die unterschiedliche Wahrnehmung des Verkehrsgeschehens durch Kinder und Erwachsene zeigt, das ÖAMTC-Kinderbuch zum Download und Videos zum Schmunzeln (wie Kinder in Dingsda-Manier Begriffe beschreiben, die für ihren Schulweg relevant sind):

ÖAMTC Schulweg-Extra

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