Nicht immer müssen es die pulsierenden Metropolen sein. Manchmal lohnt es sich ganz besonders, die vielen kleineren Städte zu entdecken, an denen man meist nur vorbeifährt. Hier sind sieben davon, die in Deutschlands Mitte nicht allzu weit voneinander entfernt liegen, die ihre üppige Vergangenheit in die Gegenwart gerettet haben – und sich damit für einen überraschend faszinierenden Kulturtrip qualifizieren. Das Schöne dabei: Wenn man sich auf Details einlässt, kann diese Art von Reisen nachhaltig entschleunigen.
7 romantische Städte in Mitteldeutschland
Eine Zeitreise zum Nachbarn: Sieben oft unterschätzte Städte in Deutschlands Mitte – perfekt für alle, die ganz tief in Geschichte, Kunst und Kultur eintauchen möchten.
1. Hildesheim: Ein Marktplatz wie einst
Vom Tourismusbüro aus über den gepflasterten Marktplatz zu schreiten, wirkt wie eine Zeitreise. Dass die ihn umsäumenden Fachwerkhäuser nicht die Originale aus dem 14. bis 17. Jahrhundert sind, sondern perfekte Repliken, bekommt – zumindest von außen betrachtet – kaum jemand mit. Nur das Rathaus aus dem Jahr 1268 überlebte den Zweiten Weltkrieg. Von hier aus führt ein zwei Kilometer langer Rundweg zu zwei Kirchen, die zum UNESCO-Welterbe zählen.
Zuerst geht es zu St. Michaelis – frühromanisch und 1.000 Jahre alt – mit einem monumentalen Deckenbild aus 1.300 Eichenbrettern, das den Stammbaum Christi zeigt. Danach führt der Weg zum Mariendom, der im Jahr 852 begründet wurde. Im benachbarten Dommuseum fasziniert der Domschatz mit einzigartigen sakralen Kunstschätzen.
2. Wolfenbüttel: Casanova und Lessing
Wer in die 53.000-Einwohner-Stadt kommt, den zieht es zuerst zu dem prächtigen roten Barockschloss. Es waren die Braunschweiger Welfenherzöge, die ab dem Jahr 1432 eine unscheinbare Wasserburg zu einer repräsentativen Residenz umbauten. Sie bezahlten ihre Beamten im 18. Jahrhundert so gut, dass diese sich schmucke Fachwerkhäuser leisten konnten. Rund 1.000 von ihnen prägen heute den Stadtkern. Das schmalste misst zur Straßenseite hin gerade einmal etwas über zwei Meter.
Giacomo Casanova, eher als Frauenheld denn als Intellektueller bekannt, bestaunte es sicher, als er 1764 acht Tage in Wolfenbüttel verbrachte. Doch nicht etwa die Damenwelt zog ihn hierher, sondern die damals drittgrößte Bibliothek der Welt. Hier fand er Aufzeichnungen, die ihm halfen, Ilias und Odyssee besser zu verstehen. Sieben Jahre nach seinem Aufenthalt trat ein neuer Bibliothekar seinen Dienst an. Sein Name: Gotthold Ephraim Lessing. Er schrieb rund 200 Briefe nach Wien an Eva König, eine befreundete Witwe mit vier Kindern, die er 1776 hier heiratete. Das Paar lebte in dem kleinen Barockhaus zwischen Schloss und Bibliothek – heute ein Museum, das dem Dichter gewidmet ist.
3. Braunschweig: Mitten im Mittelalter
1944 zerstörte ein Feuersturm nach einem Bombenangriff fast die gesamte Altstadt von Braunschweig. Heute sind ihre Juwelen längst wieder authentisch aufgebaut. Darum lässt es sich entspannt im mittelalterlichen Flair am Burgplatz, der Bühne der Stadt, flanieren. Das dort auf einem Denkmal den Platz überblickende Wappentier, der bronzene Löwe, ist eine Kopie – der echte aus dem 12. Jahrhundert ist gleich nebenan im gotischen Schloss Dankwarderode zu bewundern. Im Herzog Anton Ulrich-Museum, einer der größten Sammlungen Alter Meister, lassen sich Werke von Rubens, Rembrandt und Vermeer betrachten. Das wiederaufgebaute, spätklassizistische Residenzschloss hingegen verbirgt heute gekonnt ein Einkaufszentrum. Braunschweig ist auch eine grüne Stadt, deren Kern vom Fluss Oker mit einem Wassergraben samt Bootsverleih und ausgedehnten Parks umschlossen wird.
4. Wernigerode: Ein Märchen aus Fachwerk
Wie in einer Illustration aus einem Märchenbuch thront das Schloss über der Stadt Wernigerode und sorgt für eine malerische Kulisse für das darunter liegende, urbane Kleinod mit seinen Hunderten bunten Fachwerkhäusern. Das rosarote Rathaus mit seinen beiden, aus den Erkern hervorgehenden Türmchen dominiert den Marktplatz. Nicht nur für Hochzeitspaare ist es ein beliebtes Fotomotiv – es ist gleichzeitig Tourismusbüro und der ideale Ausgangspunkt für einen Rundgang. Aber Achtung: Allzu leicht verirrt man sich im Gassen-Gewirr. Alles ist hier noch im Original erhalten, selbst das „Schiefe Haus“: Die schrägen Böden und windschiefen Wände der ehemaligen Wassermühle wurden nie begradigt – auch nicht während der Restaurierung zum Museum, in dem man nebenbei auch sein Gleichgewicht testen kann.
Von Wernigerode aus lassen sich bequem Ausflüge in den Harz unternehmen. Das 110 Kilometer lange Mittelgebirge, das seinen Namen vom mittelalterlichen Flurnamen "Harth" (Bergwald) hat, ist ein Naturschutzgebiet, das sich die Bundesländer Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen teilen. Eine Erlebnisfahrt mit der Harzquerbahn hinauf auf den höchsten Berg im Harz, den Brocken (1.141 Meter), ist ein unvergessliches Erlebnis. Zwar fährt die Bahn ab Wernigerode, aber wer sich das Umsteigen am Bahnhof Drei-Annen-Höhe ersparen möchte, nimmt ab da die Brockenbahn hinauf zum Scheitelstück und ist in 50 Minuten am Gipfel.
5. Quedlinburg: Weltkulturerbe mit Flair
Rund um den Schlossberg, auf dem die Stiftskirche St. Servatius thront, ist Romantik pur angesagt. Kirche und Altstadt gehören zum Weltkulturerbe. Gutes Schuhwerk ist erforderlich, um den Hügel zu erklimmen und anschließend durch die Gassen mit ihrem Kopfsteinpflaster zu streifen. Das lohnt sich, denn Quedlinburg bietet neben unzähligen – man spricht von rund 2.000 – Fachwerkhäusern nette Lokale, schöne Reste der Stadtmauer, einen Mühlgraben als Teil des mittelalterlichen Wasserlaufsystems, viele Schaufenster wie anno dazumal, einen großen Marktplatz und ein Rathaus, an dem sich flächendeckend Efeu emporrankt. Auf dem Marktplatz befindet sich auch das Tourismusbüro.
6. Wittenberg: Auf Luthers Spuren
Fest entschlossen steht er als Denkmal auf dem Marktplatz von Wittenberg, mitten vor dem Renaissance-Rathaus, und präsentiert den Vorbeigehenden die aufgeschlagene und von ihm übersetzte Bibel: Martin Luther, der in den ersten Jahren, die er hier verbrachte, vom Mönch zum Reformator wurde. Das geschah 200 Meter weiter: Am 31. Oktober 1517, so sagt es die Überlieferung, schlug er an der Schlosskirche seine 95 Thesen gegen Ablasshandel, Papst und viele Praktiken der katholischen Kirche an und brachte sie damit in Umlauf. Seit 1760 sind sie in die bronzene Thesentür eingraviert. Heute ist Wittenberg Lutherstadt. Guides im Mönchsgewand führen vom gegenüberliegenden Tourismusbüro aus durch die schnurgeraden Straßenzüge zum Lutherhaus, das einst ein Augustinerkloster war, in dem er 35 Jahre lang lebte, zur Stadtkirche St. Marien, in der er predigte, zum Haus, in dem sein Mitarbeiter Philipp Melanchthon lebte, und zu den Höfen der Malerfamilie Cranach – Juwelen der Renaissance.
7. Magdeburg: Metropole an der Elbe
Magdeburg, die Großstadt an der Elbe, bietet – weltkriegsbedingt – keinen Stadtkern wie aus dem Bilderbuch, punktet dafür aber mit perfekt restaurierten Gebäuden aus ihrer Geschichte, etwa dem riesigen Dom mit seinen hundert Meter hohen Türmen. In seiner heutigen Form aus dem Jahr 1209 war er die erste gotische Kathedrale Deutschlands. Otto der Große, der erste Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, ist hier begraben. Seit 1567 ist der Dom eine evangelische Kirche. An seiner Ostseite lässt es sich am Fürstenwall, einer von Linden gesäumten Promenade auf einer ehemaligen Stadtbefestigung, entspannt entlang der Elbe bis zum Kunstmuseum spazieren. Dort wird im ehemaligen Kloster Unser Lieben Frauen Gegenwartskunst von 1945 bis heute gezeigt – vornehmlich Skulpturen und Bildhauerzeichnungen, aber auch Malerei und Fotografie. Passend dazu, gleich ums Eck: die Grüne Zitadelle, Magdeburgs Hundertwasserhaus.
Information & Buchung
Die genannten Städte lassen sich auch im Rahmen einer vom ÖAMTC Reisebüro angebotenen Reise erleben. Das entsprechende Angebot finden Sie hier. (Linkgültigkeit endet mit der Verfügbarkeit des Reiseangebots)
Mehr Infos unter der Hotline Tel. 01 711 99 34000 und in den Filialen von ÖAMTC Reisen.
Informationen über das Reiseland Deutschland gibt es bei der Deutschen Zentrale für Tourismus
ÖAMTC-Länderinformationen: Deutschland.
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