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September 2019

Zwei Herzen

Der Honda CR-V und der Toyota RAV4 verfolgen die selben Ziele, unterscheiden sich aber dennoch deutlich. Wir sagen Ihnen, worin. 

Elektroautos sind aktuell in aller Munde. Viele wollen eins, andere brauchen keins. Die Mehrheit ist unsicher. Noch gibt es zu viele Fragezeichen. Wie geht es mit den Akkus weiter? Woher kommt der Strom? Wie steht's um die Ladeinfrastruktur? Wie teuer wird's? In einem Punkt sind sich allerdings viele einig: Bis zum rein elektrischen Fahren wird es noch dauern.

In Japan sieht man das deutlich gelassener. Vor allem die Hersteller Honda (kommen erst 2020 mit dem ersten vollelektrischen Kleinwagen) und Toyota bieten attraktive ­Alternativen zu reinen E-Stromern. Beide setzen auf die ausgereifte und bewährte Technik ihrer Hybridmodelle CR-V und RAV4. Beide japanischen Hersteller gehen sogar so weit, dass sie Dieselmotoren komplett aus ihrem Sortiment streichen.

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Hybrid statt Diesel

Platz zum Sparen

Die beiden jeweils exakt 4,6 Meter langen SUV (der viertürige Toyota RAV4 ist seit seiner Einführung vor etwa 25 Jahren immerhin um gut einen halben Meter gewachsen) haben auf den ersten Blick einige Gemeinsamkeiten. Sie sind nahezu ident in den Abmessungen, bieten einer vierköpfigen Familie reichlich Platz und locken trotz ihrer Größe mit niedrigen Verbräuchen. Technisch gehen die zwei Hy­brid-SUV aber unterschiedliche Wege. Die Systemleistung des Honda liegt bei 184 PS, der Toyota kommt auf 222 PS.

Im Vergleichstest treten der CR-V und der RAV4 mit Allradantrieb und in der jeweiligen Top-Ausstattung um rund 50.000 Euro an. In der Hybrid-Einstiegsvariante mit Vorderradantrieb geht's aber auch wesentlich günstiger. Der Honda startet dann bei 34.990 Euro, der Toyota bei 36.890 Euro.

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1 Optisch haben der Toyota RAV4 (links) und der Honda CR-V wenig Gemeinsamkeiten. Dennoch verbindet die beiden SUV erstaunlich viel.  © Heinz Henninger

2 Der günstigste CR-V Hybrid mit Allradantrieb kostet 42.290 Euro, begnügt man sich nur mit Vorderradantrieb, ist man um 35.790 Euro dabei. © Heinz Henninger

3 Der optisch weniger auffällige RAV4 Hybrid ist in den vergleichbaren Varianten immer etwas teurer als der Honda. Dieselmotoren gibt es für keines der beiden SUV mehr. © Heinz Henninger

Honda CR-V

Der geräumige Japaner fällt nicht nur optisch auf. Auch technisch ist er alles andere als langweilig.

2 Geräumig, fahrsicher, toll ausgestattet, Bedienschwächen. Mit seinen Abmessungen ordnet sich der CR-V eindeutig in die Klasse der kompakten SUV ein. Die wuchtige Optik lässt den alles andere als unauffällig gestylten Japaner (in der mittlerweile fünften Auflage) aber wesentlich größer erscheinen.

Weniger wuchtig, dafür aber luftig geht's innen zu. Vor allem in der zweiten Reihe verstauen selbst Großgewachsene ihre Beine ganz entspannt hinter den Vordersitzen. Die beiden Sessel vorne sind bequem und angenehm konturiert, lediglich die Schenkelauflage ist etwas zu kurz. Trotz des großen und serienmäßigen Panorama-Glasschiebedaches haben die Insassen auch genügend Platz nach oben. ­Familientauglich: der geräumige Kofferraum. Ein Honda-Plus: der ebene Ladeboden, selbst nach Umlegen der Rücksitzlehnen.

Anders als bei einem klassischen Hybridantrieb, bei dem der Verbrenner von einem schwächeren E-Motor unterstützt wird (siehe Kasten unten: "So funktioniert Hybrid"), läuft's im CR-V. Hier ist der Stromer das stärkere ­Aggregat, der Vierzylinder-Benziner fungiert primär als Stromerzeuger und treibt einen Generator an. Dieser Generator versorgt das ­eigentliche Triebwerk, den E-Motor.

Rekuperierte Energie wandert in eine 1,4 kWh fassende Lithium-Ionen-Batterie, die als Pufferspeicher fungiert. Nur im idealen Wirkungsgrad-Bereich zwischen 80 und 100 km/h greift der Benziner direkt ins Antriebsgeschehen ein. Die Fahrleistungen sind jedenfalls mehr als überzeugend. Gewöhnungsbedürftig ist nur die Akustik, da der Benziner fast immer entkoppelt von den Gaspedalbefehlen agiert. Der Verbrauch von exakt sieben Litern Benzin ist für ein Auto mit über 1,7 Tonnen Eigengewicht okay.

Toyota RAV4

Optisch gibt's spannendere SUV. Bei Komfort, Platz und Technik legt er die Latte aber hoch. 

1 Viel Platz, komfortabel, sparsam, üppig ausgestattet, teures Topmodell. Ja, der RAV4 kann durchaus als Urvater des aktuellen SUV-Booms bezeichnet werden. Rund 25 Jahre und fünf Generationen später ist allerdings nichts mehr, wie es war. Mit dem kleinen Dreitürer von damals hat das heutige Modell fast nichts mehr zu tun.

Beginnen wir beim üppigen Platzangebot. Vier Insassen reisen ausgesprochen bequem, auch der Kofferraum ist ordentlich groß. Viel Lob verdienen darüber hinaus die bequemen, vielfach verstellbaren und langstreckentauglichen Sessel in der ersten Reihe.

Auffallend: Die im Vergleich zu anderen Toyota-Modellen einfachere Bedienung, vor allem im Bereich der Klimaanlagensteuerung mit ihren großen und griffigen Drehreglern. Der Smartphone-Integration via Android Auto zeigen die Japaner dagegen immer noch die kalte Schulter.

Einen massiven Sprung nach vorne macht der aktuelle RAV4 beim Fahren. Die Abstimmung des Fahrwerks gelang den Technikern perfekt, der Federungskomfort kann – im Unterschied zum spürbar ­weniger geschmeidigeren CR-V – als hervorragend bezeichnet werden. Unüberhörbar: der deutlich geringere Geräuschpegel im Vergleich zum Honda.

Insgesamt bemüht sich der Hybrid-Antrieb des RAV4 (siehe Kasten unten: "So funktioniert Hybrid") um optimale Effizienz. Der Verbrauch von sechs Litern Benzin auf unserer Normrunde ist sehr gut. Innerstädtisch sind sogar Werte knapp über fünf Litern drin. In der 4WD-Variante darf der RAV4 übrigens 1.650 Kilogramm ziehen (als 2WD nur 800 kg). Richtig gut, wie auch im Honda: die überkomplette Serienausstattung.

Heinz Henninger

Mein Fazit

Der Toyota RAV4 geht am Ende als klarer Sieger über die Ziellinie. Warum? Er ist spürbar komfortabler, deutlich sparsamer und wesentlich laufruhiger als der Honda CR-V. Höchst familientauglich und mehr als komplett ausgestattet sind beide. Aber auch teuer.

Christian Stich, Redakteur

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© Helmut Eckler

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