Ja, es gibt nicht nur nur die etwas höheren SUV – auch wenn Verkaufszahlen und manche Berichterstattung etwas anderes suggerieren. Ja, der Erfolg von SUV ist beinahe schon erdrückend – fast jedes zweite Neufahrzeug, das in Österreich in den ersten sieben Monaten des Jahres zugelassen wurde, fällt in diese Kategorie.
Mit Abstand und knapp 15 Prozent Anteil an den Neuzulassungen folgt in der Klasseneinteilung aber die Kompaktklasse, also Golf und Co.
Wir haben sechs prominente Vertreter zum Vergleichstest antreten lassen: Der brandneue Opel Astra fordert den arrivierten VW Golf und den gerade aufgefrischten Ford Focus heraus, stellt sich seinem Konzernbruder Peugeot 308, dem ebenfalls frisch gelifteten Kia Ceed sowie dem Toyota Corolla.
Betrachten wir die Verkaufszahlen, ist der VW Golf zwar nicht mehr – so wie jahrzehntelang – das meistverkaufte Auto Österreichs. Klassenprimus ist er aber allemal: In den ersten sieben Monaten des aktuellen Jahres wurden knapp 2.200 Gölfe erstmals angemeldet. Mit rund 1.200 Exemplaren folgen gleichauf Ceed und Focus, dahinter platzieren sich 308, Corolla und Astra mit jeweils rund 600 bis 700 Fahrzeugen. Aber Achtung: Der Opel Astra ist brandneu, er wird beim Verkauf erst so richtig in die Gänge kommen.
"Die Platzhirsche müssen den Platz räumen. Das rundeste Paket bietet ein anderer."
Günter Rauecker, Redakteur
Beim Vergleichstest haben wir uns jeweils für Benzin-Motorisierung und Automatik entschieden und mit der in dieser Kombination günstigsten Ausstattungsvariante kombiniert. Diesel sind – nachdem sie bei den Kleinwagen ausgestorben sind – auch bei den Kompakten auf dem Rückzug. Bei Golf, Focus und 308er hat zwar noch jedes zweite verkaufte Exemplar einen Selbstzünder unter der Motorhaube, beim Astra aber nur mehr jedes fünfte, beim Ceed beträgt der Anteil nur mehr ein Siebtel. Und den Corolla gibt es sowieso nur mit Hybrid-Benziner.
Ganz im Gegensatz zum Dieselmotor ist die Getriebeautomatik im Vormarsch. So hat Volkswagen angekündigt, etwa den Passat ab 2023 nur mehr mit Automatik anzubieten. Und dieser Trend sickert schön langsam auch in die kleineren Fahrzeugklassen ein. Verständlich: Wer einmal mit einer gut abgestimmten Automatik gefahren ist, will sie oft nicht mehr missen.






Spannend im Vergleichstest: Die sechste Generation des Opel Astra ist die erste, die unter dem Dach des Stellantis-Konzerns entwickelt wurde. Zu Stellantis gehören etwa Peugeot, Citroën, Fiat, Alfa Romeo, Chrysler oder Jeep. Und eben auch Opel. Und da stellt sich die Frage: Ist der Opel Astra jetzt nur noch ein Klon des technisch identen Peugeot 308 oder kann er sich eine ausreichende Eigenständigkeit bewahren?
Nächste grundlegende Frage: Kann ein moderner Benziner – sei es mit Hybrid-Komponenten oder ohne – beim Verbrauch an einen Diesel herankommen oder ist es verbrauchstechnisch ein Fehler, immer mehr auf die Selbstzünder zu verzichten? Mit der auto touring-Verbrauchsrunde können wir diese Frage auch beantworten: Vor allem ein Testkandidat erweist sich als wahrer Verbrauchskünstler. Und ja: Der Astra ist – im besten Sinne – immer noch ein Opel.
Opel Astra
Der Kompakte ist kaum wiederzuerkennen. Fast alles ist neu. Wie gelungen ist die Typveränderung?
Komplett runderneuert, innen wie außen modernisiert und fesch wie nie. Da die Marke Opel mittlerweile zum Stellantis-Konzern gehört, teilt sich die sechste Astra-Generation die Technik mit den Konzernbrüdern Peugeot 308, Citroën C4 und DS4. Auffallend ist das charakteristische und kantige Design, sowohl an der Front wie auch am Heck.
Auch im Innenraum blieb kein Stein auf dem anderen. Markant ist jetzt das große, durchgehende Touchdisplay, dessen Menüführung etwas schlüssiger als im Peugeot von der Hand geht. Lediglich der unterschiedliche Mix an Materialien, die teilweise nicht gerade hochwertig erscheinen, fallen ins Auge. Immerhin gibt es aber etliche große und brauchbare Ablagen.
Das Platzangebot ist für vier Insassen solide, die Innenbreite aber ebenso gering wie im Peugeot. Die Sitze bieten dafür den besseren Langstreckenkomfort.
Der zum 308er baugleiche 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner ist vor allem unter Last brummig und verlangt nach Drehzahlen, um bei Laune zu bleiben. Immerhin liegt der Verbrauch mit akzeptablen 5,7 l/100 km im Rahmen. Gut gelungen: der sanfte Abrollkomfort, auch auf schlechten Straßen. Die indirekte Lenkung passt dagegen weniger zum insgesamt agilen Handling.
Neben dem VW Golf ist der Opel Astra übrigens der teuerste im Vergleichstest, punktet dafür aber mit der umfangreichsten Serienausstattung. Zwei Jahre Garantie sind allerdings eindeutig zu kurz.
Unser Fazit
Auf hohem Niveau. Kompakte zählen neben Kleinwagen und SUV nach wie vor zu den beliebtesten Fahrzeugen auf dem österreichischen Automarkt. Entsprechend gespannt waren wir auf die Performance der einzelnen, zum Teil völlig neuen Modelle.
Sieger im großen auto touring-Vergleichstest – und das mit deutlichem Vorsprung – wird der Kia Ceed. Er leistet sich so gut wie keine Schwächen. Platz zwei geht an den überaus geräumigen und einfach bedienbaren Ford Focus. Dritter wird der Toyota Corolla, keiner verbraucht annähernd so wenig Benzin wie der Japaner. Zudem ist er günstig. Abstriche müssen dafür beim Platzangebot gemacht werden.
Der immer noch überaus agile und geräumige VW Golf wird Vierter. Sein größtes Manko: die umständliche Bedienung. Platz fünf geht an den optisch auffälligen, hochwertig verarbeiteten und fahraktiven Peugeot 308. Wie im Golf stört die mühsame Bedienung, der Verbrauch könnte auch niedriger ausfallen. Knapp dahinter landet der fesche Opel Astra. Er ist alltagstauglich, bietet einen geräumigen Kofferraum und einen soliden Fahrkomfort. Dem gegenüber steht ein höherer Anschaffungspreis und, wie bei Peugeot und VW, eine kurze Garantielaufzeit.



