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Januar 2023

Auf Augenhöhe

Der brandneue BMW X1 spielt eindeutig in der Premium-Abteilung der Kompakt-SUV mit, vor allem mit dem starken Diesel und Allrad. Wie stellt sich der VW Tiguan im Vergleich dar?

Die SUV-Welle ist ungebrochen. Beinahe jedes zweite neu zugelassene Auto in Österreich fällt mittlerweile in diese Kategorie. Daher ist der Erfolg eines neuen Modells für eine Marke von großer Bedeutung.

Die mittlerweile dritte Generation des BMW X1 will natürlich an die Verkaufszahlen des Vorgängers anschließen. Und muss sich dabei auch am VW Tiguan messen lassen. Der war vergangenes Jahr wieder einmal in den Top Ten der österreichischen Zulassungszahlen zu finden.

Im Gegensatz zu vielen anderen SUV gibt es die beiden ansonsten frontgetriebenenTestkandidaten auch mit Vierradantrieb. Damit ist ihr Aktionsradius nicht auf die Innenstadt beschränkt, wie vielen Konkurrenten oft sarkastisch vorgeworfen wird.

Zu echten Geländewagen mutieren BMW und VW mit Allrad aber auch nicht, dazu fehlt einfach die entsprechende Bodenfreiheit. Aber beim Tiguan kann man alle elektronischen Helferlein mit zwei Offroad-Programmen auch auf schwierige Bodenverhältnisse trimmen.

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1 Wichtige Volumensmodelle für beide Marken: der brandneue X1 von BMW (links) und der VW Tiguan. © Erich Reismann

2 Die dritte Generation des BMW X1 ist gegenüber dem Vorgänger nur geringfügig größer geworden. © Erich Reismann

3 Bereits 2007 wurde die erste Generation des VW Tiguan vorgestellt, das Modell ist seitdem ununterbrochen ein Bestseller. Die zweite kam 2016 auf den Markt. © Erich Reismann

Preis & Leistung

Zu unserem Vergleichstest treten die beiden mit Allradantrieb und der jeweils stärksten Dieselmotorisierung an, ein Automatikgetriebe ist dabei schon selbstverständlich.

Und da kommt es schon zur ersten Überraschung: Preislich liegt der VW Tiguan in dieser Konfiguration selbstbewusst mehr als 3.100 Euro über dem BMW X1. Ein Blick auf die Ausstattungsliste relativiert diesen Mehrpreis aber gleich wieder: Beim VW sind sinnvolle Annehmlichkeiten serienmäßig, die beim BMW extra bezahlt werden müssen, etwa die Matrix-LED-Scheinwerfer, die ­manuelles Auf- und Abblenden überflüssig machen. Oder der Abstandstempomat ACC, der automatisch den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug einhält

Video

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Erich Reismann

"Volkswagen und BMW preislich gleichauf – vor ein paar Jahren noch undenkbar."

Günter Rauecker, Redakteur

VW Tiguan

Unauffällig und erfolgreich. Das ausgereifte Kompakt-SUV spielt in der Premium-Liga mit.

2 Viel Platz, feiner Komfort, mäßiger Verbrauch, kurze Garantie.

Er ist eigentlich schon ein Klassiker. Und kaum ein Modell von Volkswagen ist so konstant erfolgreich wie der Tiguan. Bei uns in Österreich verkauft sich das Kompakt-SUV genauso gut wie der Polo. Trotzdem sticht er im Straßenbild aufgrund seines unaufdringliches Designs nicht sonderlich hervor.

Eine seiner Stärken ist das Platzangebot. Vor allem im Fond überrascht er mit viel Beinfreiheit und ordentlicher Sitztiefe. Das Kofferraumvolumen reicht auch für den Familienurlaub, allerdings erschwert eine 19 Zenti­meter hohe Stufe von Kante zu Kofferraumboden das Einladen. Top: Die Rücksitze sind um 18 Zentimeter verschiebbar.

Die Bedienung ist einfach, auch die Menüs im großen Touchscreen mit seinen großen Icons folgen einer nachvollziehbaren Logik. Auch im Tiguan finden sich zur Bedienung diverser Funktionen viele Touchflächen, etwa für die Klimatisierung. Herkömmliche "mechanische" Bedienelemente wären da oft die bessere, aber teurere Wahl.

Der Zweiliter-Diesel ist akustisch durchaus präsent und sorgt für ansprechende Fahrleistungen. Störend ist allerdings die Anfahrschwäche aus dem Stand: Eine halbe Sekunde ist einzurechnen, bis der VW so richtig in die Gänge kommt.

Verbrauch: noch akzeptabel in Anbetracht von Gewicht und Allrad, allerdings kein Ruhmesblatt. Gegenüber dem BMW ist mit einem Liter Mehrverbrauch auf 100 Kilo­meter zu rechnen.

Beeindruckend dafür die Fahrsicherheit: bis in den Grenzbereich extrem neutral. Gleichzeitig muss das aber nicht durch Abstriche beim Komfort erkauft werden.

BMW X1

Die Neuauflage des kleinsten Bayern-SUV hat viele Stärken. Schwächen finden sich trotzdem.

1 Geringer Verbrauch, agil, Bedien-Mankos, kurze Garantie .

Er ist neben dem X3 zweifellos das wichtigste SUV der Bayern. Die dritte Auflage des X1 ist in den Abmessungen nur unwesentlich gewachsen und mit exakt 4,5 Metern lediglich fünf Zentimeter länger als bisher. Die Abgrenzung zum größeren X3 bleibt somit gewahrt.

Auch beim Außendesign bedurfte es keiner Experimente, die typische "BMW-Niere" ist zwar erneut größer geworden, im Vergleich zu anderen Modellen fügt sie sich aber optisch stimmiger ins Frontdesign ein. Deutlich mehr Augenmerk wurde auf die Neugestaltung des Innenraumes gelegt. Zwei Dinge, die dabei sofort ins Auge fallen: Das praktische Dreh-Drück-Rad des bewährten iDrive in der Mittelkonsole fiel dem Kostendruck zum Opfer.

Ergebnis: Nahezu alle Funk­tionen für die Klimaanlagen- oder Radiobedienung bis hin zu den Fahrassistenz-Einstellungen werden nur noch durch Berührung am dominanten Touchscreen gesteuert. Das sorgt vor allem beim Fahren für Fehlbedienungen, speziell wegen der vielen und kleinen Icons. Nach wie vor erstklassig: die Material- und Verarbeitungsqualität.

Familientauglich: das Platzangebot für die Insassen und der Kofferraum. Die langstreckentauglichen Sitze bieten hervorragenden Halt, die Schenkelauflage auf der Rücksitzbank ist aber zu kurz. Sinnvoll: die optional um 13 Zentimeter verschiebbaren Rücksitze.

Nach wie vor eine BMW-Domäne: der Fahrspaß. Der X1 ist ausgesprochen agil und fahrsicher, das Fahrwerk aber um einen Hauch zu straff. Richtig gut: der laufruhige, kräftige und äußerst sparsame Zweiliter-Diesel mit einem Verbrauch von lediglich 5,2 l/100 km.

Erich Reismann Christian Stich, Redakteur

Unser Fazit

In einem engen Duell hat der neue BMW X1 vor allem dank seiner hervorragenden Agilität und dem niedrigen Verbrauch die Nase vorn, trotz Schwächen in der Bedienung. Der in Summe immer noch solide VW Tiguan bietet viel Platz für Insassen und Gepäck. Störend: die spürbare Anfahrschwäche. Nachholbedarf haben beide Hersteller bei der kurzen Garantie.

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