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© Erich Reismann
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März 2020

Klein gegen hoch

SUV aller Klassen verkaufen sich wie die warmen Semmeln. Besonders beliebt sind die Kleinen. Welche Vor- und Nachteile haben sie gegenüber Kleinwagen? Vier Paare im Vergleich.

Der Trend ist ungebrochen – SUV sind die mit Abstand meistgekaufte Fahrzeugklasse. 2019 fielen bereits 38 Prozent der Neuwagen in diese Kategorie. Denkt man dabei nur an große wuchtige Gelände­wagen, liegt man jedoch falsch: Vier von fünf neuen SUV sind mittelgroße oder sogar kleine Fahrzeuge. Mit Fahrten im Offroad-Gelände haben die meist überhaupt nichts am Hut, sind dementsprechend auch nicht mit Allradantrieb zu haben.

Aber was macht den großen Erfolg der SUV aus? Ist es nur ein Modetrend oder stimmen die Vorteile, die von Herstellern und Käufern immer wieder betont werden: höheres Sitzen und damit eine gute Übersicht sowie ein besseres Platzangebot? Oder stimmen die Argumente der SUV-Gegnerschaft: alles unnötige Spritschlucker und enorme Platzverschwender?

Wir haben vier kleine SUV gegen ihre technisch identen Geschwister aus der Kleinwagenklasse antreten lassen: den Ford Fiesta gegen den brandneuen Puma, Škoda Fabia gegen Kamiq, auto touring-Vergleichstest-Sieger und Marcus-Gewinner Peugeot 208 gegen 2008 sowie Re­nault Clio gegen Captur.

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PEUGEOT2008GTLine_208GTLine_er035PEUGEOT2008GTLine_208GTLine_er035_CMS.jpg Erich Reismann 1
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1 Welches Konzept hat unterm Strich die Nase vorn? Der über Jahrzehnte bewährte Kleinwagen oder doch das technisch idente, aber neumodische SUV? Vier Paare im direkten Gegencheck. © Erich Reismann

2 Nichts wird dem Zufall überlassen. Wir ermitteln die jeweilige Sitzhöhe sowohl in der niedrigsten als auch in der höchsten Position. © Erich Reismann

3 Penibel werden die Höhenunterschiede notiert. Überrschend: Nicht in jedem SUV sitzt man deutlich höher als im vergleichbaren Kleinwagen-Pendant. © Erich Reismann

Gleiche Voraussetzungen

Alle Paare haben jeweils identische Motor-Getriebe-Kombinationen und die gleiche Ausstattungsstufe. Trotzdem sind die Preisunterschiede teilweise ziemlich happig. Da stellt sich die Frage: Zahlt sich das in erster Linie für die Hersteller aus oder ist der Aufpreis auch für den Kunden gerechtfertigt?

Ford Puma versus Ford Fiesta

FORDPumaFORDFiestaSTLine_er034_4cFORDPumaFORDFiestaSTLine_er034_4c_CMS.jpg Erich Reismann © Erich Reismann

Hoch der Puma! Der Rest ist Geschmackssache. Einen Puma gab's schon einmal. Ein zweitüriges Coupé mit unter vier Meter Länge auf Basis des Kleinwagen Fiesta. Auch jetzt ist der Fiesta wieder Technikspender, ansonsten ist aber alles anders. Jetzt ist der Puma nämlich ein knapp 4,2 Meter langes und über 1,5 Meter hohes SUV.

Erstaunlich: Trotz des fast zehn Zentimeter längeren Radstandes und der gut 14 Zentimeter längeren Außenlänge bietet der Puma nur hauchdünn bessere Platzverhältnisse für die Insassen als der Fiesta. Nachteil, vor allem auf längeren Fahrten: die in beiden Modellen etwas zu kurz geratenen Schenkelauflagen in der zweiten Reihe, speziell im Puma. Dafür hat er aber den größten Kofferraum aller kleinen SUV im Test. Und, als sinnvollen Clou, ein zusätzliches, 80 Liter fassendes Staufach unterhalb des Ladebodens.

Wer gerne höher sitzt, wird vom Puma ebenfalls nicht enttäuscht. Stellt man die Fahrersitze in beiden Fords auf die niedrigste Sitzposition ein, sitzt man im Puma 51 Zentimeter über dem Asphalt und damit um neun Zentimeter höher als im Fiesta.

Das deutlich agilere Auto von beiden ist eindeutig der Fiesta. Der Puma ist zwar auch überraschend handlich und im vernünftigem Maß komfortabel, dem leichtfüßigen Fiesta kann er aber nicht das Wasser reichen. Lob gebührt außerdem dem kräftigen und gut gedämmten Einliter-Dreizylinder mit 125 PS. Beim Verbrauch überzeugen beide: Sowohl die niedrigen 5,6 Liter/100 km des Fiesta als auch der um knapp einen Liter höhere Verbrauch des Puma können sich sehen lassen.

Höher sitzen und mehr Platz fürs Gepäck kostet im Puma Geld. Alles andere kann der Fiesta zumindest genauso gut.   

Christian Stich, Redakteur

Technische Daten und Messwerte

Tabelle Ford.jpg auto touring/ÖAMTC © auto touring/ÖAMTC

Škoda Kamiq versus Škoda Fabia

SKODAKamiq_Fabia_er021SKODAKamiq_Fabia_er021_CMS.jpg Erich Reismann © Erich Reismann

Ordentlicher SUV-Aufschlag bei Škoda. Gleich nach dem Octavia ist der Fabia das bestverkaufte Škoda-Modell. Der neue Kamiq ist das bislang kleinste SUV-Modell des tschechischen Herstellers unter dem Dach des VW-Konzerns. Er verkauft sich prächtig – ohne dem Fabia großartig Marktanteile abzuknabbern.

Eine höhere Sitzposition bietet der Kamiq nicht. In der niedrigsten Position ist die Fahrersitzfläche bei beiden Škoda 46 cm über dem Asphalt. Dafür bietet der Kamiq dem Fahrer drei Zentimeter mehr Innenhöhe und vorne ordentlich mehr Innenbreite (plus sechs Zentimeter). Speziell in der zweiten Reihe ist der Fabia ein typischer Kleinwagen: Kurze Sitzflächen und weniger Knieraum summieren sich gegenüber dem Kamiq zu einem beachtlichen Minus von 13 Zentimeter.

Fahrdynamisch liegen beide Škoda auf Augenhöhe. Der 95 PS starke Benzin-Dreizylinder ist bei höheren Drehzahlen akustisch präsent, bietet aber guten Durchzug. Beim Fabia ist er übrigens die stärkste Motorisierung, beim Kamiq die schwächste (nur die Erdgas-Variante hat fünf PS weniger).

Dass SUV einen viel höheren Verbrauch haben, widerlegt der Kamiq. Mit 6,4 Liter/100 km auf der auto touring-Verbrauchsrunde liegt er nur 0,4 Liter über dem Fabia. Beim Preis schaut’s dafür schon anders aus: Der Kamiq hat zwar eine leicht bessere Ausstattung (z. B. serienmäßige LED-Scheinwerfer), aber über 7.000 Euro Mehrpreis für das kleine SUV sind happig, zumal der Combi mit großem Kofferraum beim Fabia nur zwischen 160 und 470 Euro Aufpreis (je nach Motorisierung und Ausstattung) kostet.

Wer auf das Platzangebot des Kamiq in der zweiten Reihe verzichten kann, spart mit dem Fabia viel Geld.

Günter Rauecker, Redakteur

Tabelle Skoda.jpg auto touring/ÖAMTC © auto touring/ÖAMTC

Peugeot 208 versus Peugeot 2008

PEUGEOT2008GTLine_208GTLine_er045PEUGEOT2008GTLine_208GTLine_er045_CMS.jpg Erich Reismann © Erich Reismann

Fahraktiver 208 gegen 2008 mit viel Kofferraum. Nicht nur in der Höhe, auch bei den Verkaufszahlen hat der Peugeot 2008 seinen Technik-Spender 208 schon überflügelt. Das SUV ist nicht nur höher (plus zehn Zentimeter), es bietet auch sechs Zentimeter mehr Sitzhöhe. Die Platzverhältnisse für Fahrer und Beifahrer sind vergleichbar, sogar in der zweiten Reihe liegen keine Welten zwischen den beiden Peugeot, wiewohl der 208 enger geschnitten ist.

Richtig spürbar wird der Unterschied im Kofferraum: Hier befindet sich der 208er im typischen Kleinwagen-Bereich (265 Liter), das SUV 2008 hingegen schon in der Liga der Kompaktklasse (405 Liter).

Die Fahrdynamik liegt bei beiden Peugeot auf einem hohen Niveau, wobei der niedrigere 208er im direkten Vergleich aber doch das eindeutig fahraktivere Auto ist. Speziell die Lenkung zeigt sich bei ihm noch um einen Hauch exakter. Der Dreizylinder-Benziner mit 131 PS sorgt bei beiden für gute Fahrleistungen bei gleichzeitig ordentlicher Laufkultur, die Automatik schaltet ruckfrei.

Verbrauch: Im Test lag der 2008er nur 0,2 Liter/100 km über dem kleinen Bruder, hatte aber (als einziger im gesamten Testfeld) den Vorteil von Sommerreifen. Bei gleicher Bereifung wird sich der Unterschied bei einem halben Liter einpendeln. Der Preisunterschied: Gleiche Motorisierung und Ausstattungsstufe ergeben einen Mehrpreis von 4.700 Euro für das SUV. Wer hohe Sitzposition und großen Kofferraum schätzt, wird das investieren. Aktive Fahrer werden eher zum 208er greifen.

Für den SUV-Aufschlag gibt es eine hohe Sitzposition und ausreichend Platz für das Urlaubsgepäck.

Christian Stich, Redakteur

Technische Daten und Messwerte

Tabelle Peugeot.jpg auto touring/ÖAMTC © auto touring/ÖAMTC

Renault Clio versus Renault Captur

RENAULTCapturRenaultClio_er045RENAULTCapturRenaultClio_er045_CMS.jpg Erich Reismann © Erich Reismann

Der Verbrauch des SUV überrascht im Test. Nach dem VW Polo und dem Škoda Fabia ist der Renault Clio mit über 4.400 verkauften Modellen 2019 noch immer einer der beliebtesten Kleinwagen in Österreich. Auch der Captur schlägt sich erstaunlich wacker und lässt mit etwas über 3.000 verkauften Autos sogar den kompakten Opel Astra knapp hinter sich.

Bei keinem anderen Testpärchen sind die Unterschiede bei der Sitzhöhe größer als zwischen Clio und Captur: Satte 15 Zentimeter trennen beide in der niedrigsten Position. Und in keinem anderen SUV thront man höher als im Captur. Ein gewichtiger Faktor, wenn man bedenkt, dass viele Kunden ein SUV gerade aus diesem Grund kaufen. Das Platzangebot für die Insassen ist dagegen sehr ähnlich, in beiden Autos geht's auf beiden Sitzreihen luftig zu. Besonderes Lob verdienen die dank ihrer langen Schenkelauflage langstreckenfreundlichen Sessel in der zweiten Reihe des Captur. Den deutlich geräumigeren Kofferraum hat im Vergleich ebenfalls das SUV.

Spürbar anders ist es beim Fahren. Da hat eindeutig der handlichere Clio die Nase vorn. Der 130 PS starke Vierzylinder hängt wesentlich spontaner am Gas und liefert zudem die besseren Fahrleistungen. Das Fahrwerk des Captur fühlt sich steifer an, auch durch den höheren Schwerpunkt bedingt. Zudem ist sein Komfort, vor allem auf schlechten Straßen, spürbar schlechter. Überraschend ist, dass der Clio mit 6,8 Liter/100 km als einziger Kleinwagen des Quartetts mehr verbrauchte als sein SUV-Pendant.    

Der Clio ist fahraktiver und günstiger, aber nicht ganz so geräumig. Der Captur punktet mit richtig guter Übersicht.

Günter Rauecker, Redakteur

Technische Daten und Messwerte

Tabelle Renault.jpg auto touring/ÖAMTC © auto touring/ÖAMTC
Endbild neu2.jpg Erich Reismann
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