Hyundai_ix35_FuellCell_HH_7427_CMS.jpg  © auto touring / Heinz Henninger

Tankt Wasserstoff. Erzeugt damit Strom für einen Elektro-Motor. Hinten kommt nur Wasserdampf raus. Hat 600 Kilometer Reichweite und ist in drei MInuten wieder aufgetankt. Nennt sich Hyundai ix35 FCEV.

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Tankt Wasserstoff. Erzeugt damit Strom für einen Elektro-Motor. Hinten kommt nur Wasserdampf raus. Hat 600 Kilometer Reichweite und ist in drei MInuten wieder aufgetankt. Nennt sich Hyundai ix35 FCEV.

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April 2015

Der Stoff, aus dem die Träume sind

Mit dem Hyundai ix35 FCEV steht zum ersten Mal ein Brennstoffzellen-Auto ganz normal auf einer Preisliste.
 

Der Wasserstoff. Die Brennstoffzelle. Das Auto. Hyundai. Vier Zutaten für ein Auto der Zukunft, das es schon heute zu kaufen gibt. Um stolze 78.000 Euro.

Wasserstoff (chemisches Zeichen H) ist das häufigste chemische Element im Universum. In einer Brennstoffzelle lässt sich damit Strom gewinnen, der einen Elektromotor antreibt. Und Hyundai ist der erste Hersteller, bei dem Du und ich so ein Fahrzeug einfach kaufen können. Es gab zwar schon andere, die Brennstoffzellen-Autos in Kleinserie produzierten, etwa Honda mit dem FCX Clarity. Der wurde aber nur an eine handverlesene Kundschaft in Kalifornien verleast. Ein Flottenversuch in freier Wildbahn sozusagen.

Unter dem Karosserieblech eines gewöhnlichen ix35 versteckt Hyundai die revolutionäre Antriebstechnik, die das Kürzel FCEV, Fuel Cell Electric Vehicle (Brennstoffzellen-Elektro-Auto), trägt. Damit wird die Premiere zumindest optisch sehr unspektakulär.

Technisch gesehen ist der ix35 FCEV eigentlich ein normales Elektroauto. Auch eine Batterie ist mit an Bord, die aber eher als Puffer fungiert. Die eigentliche Stromquelle für den E-Motor ist eine Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff betrieben wird. Die Vorteile gegenüber einem normalen E-Auto: größere Reichweite (rund 500 statt 150 Kilometer) und ein schneller Tankvorgang. Nach rund drei Minuten sind die beiden Wasserstoff-Tanks wieder voll und bereit für die nächsten 500 Kilometer. Theoretisch.

Einen Auspuff gibt es auch, aber aus dem entfleucht nur Wasserdampf. Oder beim Abschalten der Brennstoffzelle ein ordentlicher Wasserstrahl, um den Abgasstrang trockenzulegen und möglicher Korrosion vorzubeugen.

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Wie funktioniert so eine Brennstoffzelle eigentlich? Das Prinzip ist schon seit fast 180 Jahren bekannt: Brennstoffzellen wandeln die Energie, die bei der Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff entsteht, direkt in elektrische Energie, Wasser und Wärme um. Bei den Apollo-Missionen etwa versorgten Brennstoffzellen die Raumschiffe mit elektrischer Energie.

Also liegt die schöne neue Welt direkt vor uns? Alle Probleme gelöst, Klimawandel abgesagt? Noch nicht wirklich.

Problem eins: Wasserstoff kommt auf der Erde nur in gebundener Form vor, etwa in Wasser. Das muss man erst in Wasserstoff und Sauerstoff aufspalten. Etwa durch Elektrolyse, für die elektrischer Strom benötigt wird. Oder man gewinnt Wasserstoff aus Erdgas. Die OMV produziert schon jetzt pro Jahr über 100.000 Tonnen Wasserstoff, der in der Industrie gebraucht wird – aber zur Gänze aus Erdgas.

Richtig umweltfreundlich wird Wasserstoff also erst, wenn er mit regenerativen Stromquellen erzeugt wird, etwa mit Sonnen- und Windstrom. Hier liegt gleichzeitig die langfristige Möglichkeit, den überschüssigen Strom sinnvoll für die Produktion von Wasserstoff zu nutzen. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik.

Problem zwei: Eine Wasserstoff-Infrastruktur ist nicht vorhanden. Derzeit gibt es in Österreich lediglich in Wien und in Innsbruck jeweils eine Tankstelle. Die Pionier-Anlage in Wien ist mehr oder weniger noch ein Prototyp, wie wir schmerzlich während des Tests des Hyundai erfahren mussten – wegen technischer Probleme konnten wir erst nach einer Woche den ersten Tankvorgang starten. Der nachvollziehbare Erklärungsversuch des Tankwarts: „Die Wasserstoffzapfsäule gibt’s jetzt seit zwei Jahren – und nie ist einer tanken gekommen. Dass das Werkl jetzt ziemlich eingerostet ist, darf einen nicht verwundern…“

In einigen Jahren soll es in jeder Landeshauptstadt eine Wasserstofftankstelle geben. Bis dahin bleibt also noch genügend Zeit, die Henne-Ei-Problematik zu bemühen: Ohne Wasserstoffzapfsäulen keine Brennstoffzellen-Autos und vice versa.

Technisch funktioniert der Hyundai ix35 FCEV aber bereits jetzt klaglos. Das Fahrgefühl entspricht einem Elektro-Auto. Die Brennstoffzelle stellt den benötigten Strom zur Verfügung, überschüssiger Strom wird in der Lithium-Polymer-Batterie zwischengespeichert. Bei Vollgas fließt der Strom gleichzeitig von Brennstoffzelle und Batterie zum E-Motor. Die zwei Wasserstoff-Tanks, in denen der Treibstoff mit 700 bar Druck gebunkert wird, schränken den Kofferraum etwas ein – 465 Liter Stauraum sind um 126 Liter weniger als bei einem herkömmlichen ix35. Testverbrauch: rund 1,2 Kilogramm Wasserstoff pro 100 Kilometer. Ganz exakt konnte der Verbrauch aufgrund der Tankstellenprobleme nicht ermittelt werden. Ein Kilogramm Wasserstoff kostet neun Euro.

Problem drei: Um zum Wasserstoff-Pionier zu werden, sind derzeit 78.000 Euro nötig. Soviel kostet der Hyundai. Aber man muss ihn nicht kaufen, auch mieten ist möglich. Für 1.816 Euro monatlich ist man dabei. Trotzdem: Kostendeckend sind diese Preise für Hyundai derzeit sicher nicht. Dazu sind die Stückzahlen noch zu gering. Aber Konkurrenz könnte das Geschäft beleben: Noch heuer wird Toyota ebenfalls ein Brennstoffzellen-Auto nach Europa bringen. Der Mirai wird sich preislich etwa im Bereich des Hyundai bewegen.

Zwei Jahre ist keiner tanken gekommen – jetzt ist das Werkl ziemlich eingerostet.

Der Tankwart an der Wiener Wasserstoff-Tankstelle

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