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April 2019

Die stillste Rallye der Welt

Elektroauto-Fahrer sind (noch) eine eingeschworene Gemeinschaft. Sie versammeln sich sogar zum vielleicht schönsten Wettbewerb der Welt – der Nikola Tesla Rallye. Wir haben uns dazu geschummelt und zum x-ten Mal festgestellt: Ach, wie schön ist Kroatien.

Für alle Auto-Gattungen gibt es Rallyes, und nicht immer ist die Abgrenzung des Terminus "Rallye" für jeden klar. Da wären zum einen die hochprofessionellen Wochenend-Ausflüge von Menschen wie Sébastien Loeb samt Kollegenschaft, die in überzüchteten Serienauto-Derivaten mit 200 km/h über verschneite Kuppen durch Finnland fliegen, am anderen Ende aber auch die ergrauten Herrenfahrer, denen es im Zuge von Veranstaltungen wie etwa der heimischen "Ennstal-Classic" darum geht, ihre mitunter abenteuerlich wertvollen Preziosen bloß halbwegs unbeschadet und bei niedrigen Tempi gleichmäßig durchs Land zu chauffieren.

Die Nikola-Tesla-Rallye ist anders. Allein schon deshalb, weil sie ganz, ganz still ist. Und es vordergründig nicht wirklich um einen Sieger geht, sondern eine gemeinsame Idee – die Mobilität der Zukunft, die die Teilnehmer schon jetzt im Alltag (er)leben. Dennoch: Es ist nach wie vor eine Rallye, ein Wettbewerb von A nach B, nur halt unter anderen, neuen Prämissen. 

Analog zur Formel E, die dem großen Bruder Formel 1 in Sachen Zukunftsperspektive momentan flotter zusetzt, als ihm lieb ist, ändern sich auch bei den Fans – also den Besitzern von Autos – die Gedankengänge: Muss ein Auto stinken und V8-Sound haben? Oder ist künftig richtig, was wichtig ist?

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The present is theirs. The future, for which I really worked, is mine.

Nikola Tesla (1856-1943), kroatischer Erfinder, Physiker und Elektroingenieur.

In Kürze startet in Kroatien die fünfte Ausgabe der Nikola-Tesla-Rallye. Sie ist nicht nur ein Stelldichein für vermeintlich verkrachte Weltverbesserer, sondern auch Plattform für eine bis vor wenigen Jahren belächelte Firma wie Rimac, die als Lokalmatador den einzigen Elektro-Hypersportler der Welt baut (Nachlese: unsere erste Fahrt im Rimac Concept One) und bei der die Telefone mittlerweile heiß laufen, weil Audi, Mercedes & Co. gern auf deren Vorsprung durch Technik zurückgreifen möchten.

Schlechter Journalismus würde an dieser Stelle nun schreiben: "Was wir unterwegs erlebt haben, müssen Sie unbedingt lesen." Gut, probieren wir das mal aus…

Also, ganz profan: unsere schönsten Erlebnisse von der Nikola-Tesla-Rallye 2018.

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1.300 Kilometer zu den schönsten Hotspots Kroatiens.

Von oben: die Route in eineinhalb Minuten

In einem atemlosen Satz: Drohnenflug von Rovinj durch ganz Istrien, per Fähre rüber nach Cres, runter nach Lošinj, wieder rauf und auf die Fähre zur Insel Krk, dann ein Abstecher ins europäische "Death Valley" Pag, retour aufs Festland zur Ostseite der Kvarner Bucht nach Zadar zum schönsten Sonnenuntergang des Balkans, dann gen Norden in die Hauptstadt Kroatiens – Zagreb. 1.300 elektrische Kilometer durch eine der schönsten Landschaften, die Europa herzugeben hat. Sehen Sie selbst…

Vorweg: Ja, wir haben geschummelt

In aller Ehrlichkeit: Wir sind zur Produktion dieser Reportage mit einem VW Golf GTE an- und mitgereist, also einem (Plug-in-)Hybriden. Grundsätzlich ist allen nicht-rein-elektrischen Fahrzeugen die Teilnahme an der Nikola Tesla EV Rallye nämlich untersagt. Für uns gab's aber eine Ausnahme…

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Anreise vom Gebirgigen runter nach Istrien: unser Golf GTE rekuperiert. 

Teilnahmsloses Auto: VW Golf GTE

Sein Abschneiden als auto touring-Dauertest-Kandidat ist an dieser Stelle en detail nachzulesen, wir haben ihn für die Nikola-Tesla-Rallye aber schlicht deshalb gewählt, weil wir mit ihm, so ehrlich muss man sein, flexibler waren. Deshalb der Disclaimer: Die Route der E-Auto-Teilnehmer ist bei dieser Veranstaltung natürlich geprägt von Lademöglichkeiten, und auf die konnten wir für diese Reportage keine Rücksicht nehmen, da wir vor Ort für Foto-Location-Recherchen in etwa die doppelte Distanz der Teilnehmer brauchten. 

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1 Keine Angst, die Gummi-Donuts auf dem Asphalt stammen nicht von uns. Wir tippen auf Nachtgestaltung der lokalen Jugend. © markuszahradnik.com

2 Während die Elektro-Teilnehmer an uns vorbeiziehen, müssen wir tanken. Verbrenner-Saft. An der vielleicht schönsten Tankstelle der Welt – in Mali Losinj. © markuszahradnik.com

3 Internet-Geschichten verlangen heutzutage nach einem unvermeidlichen "Gadsen"-Foto. Bittesehr, hiermit erledigt. © markuszahradnik.com

Exkurs: Nikola Tesla

Das ist der Mann, der 70 Jahre nach seinem Tod rückwirkend für die Mobilitätsrevolution verantwortlich ist, mit der wir im Moment zu tun haben. Tesla-Boss Elon Musk war zwar noch nicht auf der Welt, als Nikola starb, hat beim zu Lebzeiten oft belächelten Kroaten aber sicherlich gut nachgelesen. Und: Der heutige Tesla-CEO hat das Geburtshaus seines Ideengebers – kaum zu glauben, aber wahr – tatsächlich noch nie besucht. Wir schon. Gar so einfach ist die erste Stätte seines Wirkens allerdings nicht zu finden im kroatischen Hinterland…

(Wikipedia-Weiterlese: Nikola Tesla)

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1 Smiljan, Kroatien. Das Haus ist ein behutsam geführtes Museum in der Festland-Pampa. © markuszahradnik.com

2 Auge in Auge, Fan zu Fan, Wechselstrom zu Gleichstrom: Danke, Nikola. © markuszahradnik.com

3 Eine Stunde entfernt: ein Öltanker in der Kvarner Bucht. Was hätte Nikola Tesla über derlei perverse Energieverschwendung wohl gesagt? © markuszahradnik.com

Anmeldung für 2020

Sie fahren ein Elektroauto, haben nun vielleicht Lust, nächstes Jahr selbst an der "Nikola Tesla EV Rallye" teilzunehmen? Dann gleich ein Tipp: schnell sein! Die Plätze sind sehr begehrt und streng limitiert.

Alle Infos unter: www.nikolateslaevrally.com

Wir verabschieden uns einstweilen mit einem Bier in einer einsamen Bucht :-)

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