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Ufo im Landeanflug: eine ganz normale Sternennacht in der Wüste von Nevada.

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Ufo im Landeanflug: eine ganz normale Sternennacht in der Wüste von Nevada.

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März 2017

Area 51: Die Wahrheit ist da draußen

Mysteriöse Flugbewegungen am Himmel, endlose Staubstraßen und Regierungsmitarbeiter, die auf neugierige Besucher schießen dürfen: Wir haben uns in Area 51, dem geheimsten Ort der Erde, umgesehen. Dies ist unsere Akte X.

Wir bleiben stehen und warten, bis sich die Staubfahne unserer Reifen verzogen hat. Ich blicke in den Rückspiegel: Er ist immer noch da. Ein weißer Ford F-150 mit abgedunkelten Scheiben, der uns seit einer Viertelstunde folgt, aber geschätzt einen Kilometer Abstand zu unserem Mietwagen hält. Weit und breit sind keine anderen Menschen zu sehen, es würde also niemandem auffallen, wenn wir jetzt einfach so vom Erdboden verschwänden. Nervosität macht sich an Bord breit, und wir fragen uns, ob es wirklich so gescheit war, hier her zu kommen. Aber langsam…

Vor fünf Stunden haben wir Las Vegas verlassen, vor zwei Stunden die letzte Tankstelle passiert. Wir befinden uns mitten in den endlosen Weiten der Wüste von Nevada, und unser Ziel lautet: Area 51. Es ist jene sagenumwobene Region im tiefsten Westen der USA, wo die Regierung Verschwörungstheoretikern zufolge an außerirdischer Technologie tüfteln soll und die Gegend deshalb zur allergeheimsten Sperrzone unseres Planeten erklärt hat. Je nach Richtung der Kompassnadel ist das nächste Zeichen von Zivilisation zwischen 90 und 200 Kilometer entfernt, und was das Militär hier überhaupt nicht gern sieht, sind neugierige Besucher. Also solche wie wir.

(Lese-Hinweis: Wir haben diese sehr lange Reportage als Foto-Roman konzipiert. Der rote Faden erschließt sich in vollem Umfang nur dann, wenn Sie auch die Bildstrecken konsultieren.)

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area51_2017-04_MZ_3er1_3.jpg  markuszahradnik.com © markuszahradnik.com
Und wir dachten, sie wären grün.
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Alien Highway: Nevada State Route 375.
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Zur Sicherheit: Der Autor trägt Aluhut.

Was und wo ist Area 51 überhaupt?

Area 51 (auch "Dreamland" genannt, wegen des so lautenden Funkrufs zwischen Tower und den dort fliegenden Militärflugzeugen) ist ein rund 100 Quadratkilometer großes Sperrgebiet im südlichen Nevada und im Besitz der United States Air Force und des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums. Die Basis ("Groom Lake") liegt innerhalb des riesigen Luftwaffen-Übungsgeländes Nellis (s. Karte unten) als eigene, zusätzlich gesicherte Anlage.

Die Existenz von Area 51 wurde von der Regierung der Vereinigten Staaten lange geheim gehalten und erst im August 2013 vom US-Geheimdienst CIA endgültig bestätigt. Area 51 ist Gegenstand unzähliger Verschwörungstheorien, vor allem zur Erforschung außerirdischer Lebensformen auf der Militärbasis. Und während Informationen darüber, ob hier tatsächlich abgestürzte Ufos samt Insassen gehortet werden, natürlich nicht gesichert (und auch höchst unwahrscheinlich) sind, gilt eines als unumstritten: Die US Air Force entwickelt und testet hier seit Jahrzehnten sämtliche neuen Waffensysteme, die die USA zur wahrscheinlich militärisch schlagkräftigsten Nation der Welt machen.

Der Grat zwischen 'Tourist' und 'Terrorist' ist hier nicht nur lautmalerisch ein sehr, sehr schmaler.

Christoph Löger, Redakteur

Kurz zur Größeneinordnung: Möchte man das gesamte Areal der für Zivilisten gesperrten Nellis Air Force Range mit dem Auto umrunden, würde das etwa 10 Stunden dauern. Wegstrecke: knapp 800 Kilometer.

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Area 51: der kleine gelbe Fleck in der Mitte des Sperrgebiets.

Startpunkt unseres Abenteuers: Las Vegas

Vorweg: Diese Reportage verfolgt ein Ziel mit "Mehrwert", wie der Anzugträger es formulieren würde. Sollten nämlich Sie, liebe Leserinnen und Leser, aus unerfindlichen Gründen einmal in die Lage kommen, sich nach Area 51 zu verirren (zum Beispiel im Zuge eines ausgedehnten US-Westküsten-Roadtrips), dann zeigen wir Ihnen im folgenden alle spannenden Schauplätze, Tipps und Gefahren-Hotspots samt exakter GPS-Koordinaten, die Sie, ein bisschen Abenteuerlust vorausgesetzt, halbwegs beruhigt besuchen können, ohne im Gefängnis (oder gar auf dem Friedhof) zu landen. Der Grat zwischen "Tourist" und "Terrorist" ist hier nämlich, ohne Übertreibung, nicht nur lautmalerisch ein sehr, sehr schmaler… 

Grundsätzlich gilt: Für das volle "Alien adventure" in der Wüste sollte man im Optimalfall zwei ganze Tage und die Anmietung eines Mietwagens (zum Beispiel online über das ÖAMTC-Reisebüro) mit Allradantrieb und sehr großem Tank (wir empfehlen für alle Eventualitäten mindestens 80 Liter) einplanen.

Als perfekte Basis bietet sich Las Vegas an, denn (was viele nicht wissen) Area 51 beginnt im Prinzip schon hier in der "Sin City". Warum das so ist? Begleiten Sie uns ab hier, dann werden Sie's hautnah erfahren…

Rachel, Nevada. 97 Einwohner.

Keine Frage: Wen es freiwillig in diese gottverlassene Ortschaft verschlägt, der tickt meist nicht ganz richtig. Denn einen erholsamen Urlaub kann man in der unwirtlichen Gegend eher nicht verbringen. Es sind fast ausschließlich Ufo-Pilger, die hierher, knapp 200 Kilometer von Las Vegas entfernt, kommen, um Begegnungen der dritten Art zu erleben – angespornt von Filmen wie "Akte X", "Independence Day" oder "Paul – ein Alien auf der Flucht" (sehr empfehlenswert, hier der Trailer), die teilweise in Rachel gedreht wurden.

Die Siedlung hat schon bessere Zeiten gesehen: Bevor 1988 die Wolfram-Mine in der Nähe geschlossen wurde, lebten hier bis zu 500 Einwohner vom Abbau des Schwermetalls. Ein kleiner Supermarkt und die Tankstelle haben 2007 zugesperrt. Seitdem ist die Bevölkerung sukzessive geschrumpft. Die knapp 100 Menschen, die bis heute blieben, sind auf durchreisende Touristen angewiesen – und eben die "Believer", denen im Souvenirshop des "Little A'Le'Inn" erfolgreich (und zu Recht, wie wir finden) allerhand überteuerter Unsinn angedreht wird. Sogar nächtigen kann man hier, und zwar in einem von fünf eher im bodenständigen Landstil designten Container-Trailern, die mangels TV-Empfang im Ort stattdessen mit VHS-Rekordern (!) samt einer Auswahl von Kassetten ausgestattet sind.

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1 Der Name des Orts stammt von Rachel Jones, die am 15. Februar 1978 hier im Wohnwagen ihres Vaters geboren wurde. Sie war das erste und bislang auch einzige Kind, das in der Siedlung zur Welt kam. Nur zwei Jahre später starb das Mädchen an einer Lungenkrankheit. Jeden zweiten Samstag im Mai feiern die Einwohner ihr zu Ehren den "Rachel Day" mit einer (naturgemäß) kleinen Parade. © markuszahradnik.com

2 Am Schild auf dem Parkplatz des "Little A'Le'Inn" unschwer zu erkennen: Ganz Rachel steht im Zeichen der fliegenden Untertassen. Fragt man Connie, die Lokalbesitzerin, ob sie selbst schon einmal ein Alien gesehen hat, gibt sie allen Besuchern die gleiche Antwort. Auch uns: "Natürlich, jeder der hier reinkommt, ist schließlich eines" (Anm.: Im Englischen lässt sich das Wort "Alien" auch als "Fremder" übersetzen). © markuszahradnik.com

3 Kaffeepause an der gemütlichen Bar: Manchmal kämen auch Security-Personal oder Soldaten vorbei, die in Area 51 arbeiten, erfahren wir. Immerhin sei die Einfahrt ja direkt ums Eck. Das wollen wir uns jetzt aber genauer ansehen… © markuszahradnik.com

Zum Schluss: das Kerngelände im Detail

area51_2017-04_map2.jpg Screenshot/Google Maps

Area 51 von oben

Die Basis "Groom Lake" befindet sich um die GPS-Koordinaten 37,2345 (Breitengrad) und -115,8133 (Längengrad). Gut zu erkennen: die drei Runways, dutzende Hangars, mehr als 30 Wohngebäude. Sie möchten sich nun selbst in Ruhe umsehen? Dann…

© Screenshot/Google Maps

Making of

Als Epilog zu dieser Reportage möchten wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, noch ein bildliches Kleinod zeigen, mit dem wir wohl die Mystik des oben Geschriebenen ein wenig entzaubern müssen. 

Nun ist Ihnen als klugen Medienkonsumenten in diesen Zeiten der "Fake News"-Pest bestimmt sofort klar geworden, dass wir in der Wüste natürlich kein echtes Ufo entdeckt haben (– wie wohl bislang auch sonst niemand). Weil wir unsere Geschichten aber trotzdem gerne authentisch haben, wollten wir uns auch nicht auf allzu einfache Bildbearbeitungs-Spielereien einlassen. Das kann nämlich jeder.

Lange Rede, kurzer Sinn: Das ist unser Ufo (links), bestehend aus zwei zusammengeklebten Wegwerf-Grilltellern mit einer vollen Cola-Dose im Inneren als Gewicht. Fliegen gelernt hat es mit einem hellen Band, das Foto-Markus (rechts) an seinem Kamera-Stativ befestigt hat. Wir haben's übrigens nur sehr wehmütig übers Herz gebracht, es bei der Abreise am Flughafen von Los Angeles im Mistkübel der Mietwagen-Firma zurückzulassen. Das hatte es eigentlich nicht verdient. Vielen Dank, Ufo, du warst uns ein treuer Diener.

area51_2017-04_MZ_show3_20.jpg markuszahradnik.com © markuszahradnik.com
Unser Foto-Markus, zur Abwechslung einmal vor der Linse.

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