Kreuzfahrtschiff Gloria
© Stephan Höckner
© Stephan Höckner
Februar 2026

Genuss im Fluss

Ein Strom, ein Schiff, 7 Städte: Welche Highlights die Seine zwischen Paris und den Klippen von Étretat zu bieten hat.

Flussreisen sind eine ausgesprochen bequeme Art, um eine Region zu erkunden. Nur einmal einchecken und dann geht es gemächlich von Stadt zu Stadt. Wenn die Sehenswürdigkeiten einmal nicht direkt am Ufer liegen, warten Busse samt sachkundiger Reiseleitung. Doch auch während der Fahrt gibt es immer etwas zu sehen.

Besonders viel gibt es auf der rund 200 Kilometer lange Strecke zwischen Paris und dem Ärmelkanal zu entdecken. Zunächst führt sie durch die Ausläufer der Metropole und die grüne Region Île‑de‑France, ehe der größere Teil der Route durch die Normandie verläuft. Sie verbindet spektakuläre Küstenlandschaften mit historischen Städten, Abteien und malerischen Flusstälern. Kulinarisch begegnen einem Camembert, Cidre, Calvados sowie vorzüglicher Fisch. Vieh- und Milchwirtschaft aber auch Apfelanbau prägen Landschaft und Küche, was sich in butterreichen Saucen, Apfelgerichten und herzhaften Spezialitäten niederschlägt. Doch die Normandie lädt nicht nur zum Schlemmen ein. Sie erzählt auch von Wikingern, den endlosen Kriegen gegen den Erzfeind England sowie von der Französischen Revolution und den Kämpfen des Zweiten Weltkriegs. So wird die Fahrt auch zu einer Zeitreise durch viele Jahrhunderte, deren Geschichte anhand von Bauwerken und Traditionen lebendig wird. Egal in welcher Region, egal in welcher Stadt: Was einen erwartet, sind Kultur und Genuss. Eine Mischung, die kaum charmanter sein könnte. Chapeau und Leinen los!

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Conflans-Sainte-Honorine – Wo sich zwei Flüsse treffen

Unseren ersten Stopp legt das Schiff in Conflans-Sainte-Honorine ein. Das Städtchen liegt am Zusammenfluss von Seine und Oise und gilt als „Hauptstadt der Binnenschifffahrt“. Hier entwickelte sich im 19. Jahrhundert ein bedeutender Flusshafen. Im Musée de la Batellerie im Schloss, das oberhalb des Ortes thront, werden Geschichte und Technik der Flussschifffahrt anschaulich präsentiert. In der Altstadt lohnt sich ein Spaziergang zur Kirche Saint-Maclou und zu einer mittelalterlichen Turmruine, die weithin sichtbar ist. Nur wenige Gehminuten entfernt bietet der Parc du Prieuré mit seinen Terrassen einen weiten Blick über das Seine-Tal. Entlang der Uferpromenade liegen zahlreiche Hausboote, Yachten und Flusskreuzfahrtschiffe, die der Stadt eine ausgeprägt maritime Atmosphäre verleihen.

Sonnenuntergang auf Deck © Stephan Höckner
Ein Fluss, ein Schiff, unzählige Stimmungen.
Flusskreuzfahrtschiff Gloria © Stephan Höckner
Die Seine ist im Mündungsbereich bei Le Havre ein Tidefluss, dessen Wasserstand durch Ebbe und Flut stark beeinflusst wird. 

Rouen – Das Herz der Normandie

Besonders viel gibt es in Rouen zu entdecken. Die Hauptstadt der Normandie gilt als „Stadt der 100 Kirchtürme“ und verbindet mittelalterliche Fachwerkhäuser mit einem lebendigen Stadtleben. Ihr Wahrzeichen ist die gotische Kathedrale Notre-Dame, einst eines der höchsten Gebäude der Welt und Motiv einer berühmten Serie von Gemälden Claude Monets. Die beeindruckende astronomische Uhr Gros-Horloge, die einen Durchgang ziert, der Platz Vieux-Marché mit der Kirche Sainte-Jeanne-d'Arc – wo Jeanne d'Arc hingerichtet wurde – und enge Gassen mit mittelalterlichen Häusern erzählen von der Geschichte der Region. Zwar wurden im Zweiten Weltkrieg ganze Teile der Stadt zerstört, doch viele historische Straßenzüge, Höfe und Kirchen blieben unversehrt erhalten oder wurden sorgfältig restauriert. Ein echter Genuss-Tipp sind übrigens die vielen Patisserien und Bäckereien, in denen Törtchen und Gebäck wie kleine Kunstwerke präsentiert werden. Zudem gibt es in Rouen jede Menge schicke Boutiquen und Antiquitätenhändler.

 Rouen © Stephan Höckner
Die Kathedrale von Rouen zählt zu den bedeutenden gotischen Kirchenbauten Frankreichs. 
Honfleur © Stephan Höckner
Enge Gassen, viel Fachwerk: Rouen begeistert mit Mittelalterflair, netten Boutiquen und einer Vielzahl an Patisserien.
Dorfplatz © Stephan Höckner
Am Platz Vieux-Marché wurde Jeanne d'Arc hingerichtet wurde. Heute steht an der Stelle eine Kirche und Delikatessen-Markt. 

Le Havre – Moderne am Meer

Die nächste Station ist Le Havre. Die größte Stadt der Normandie liegt dort, wo die Seine den Ärmelkanal erreicht. Im Gegensatz zu allen anderen Zielen der Flusskreuzfahrt ist der industrielle Mittelpunkt der Region von moderner Architektur geprägt. Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde das Zentrum vom Architekten Auguste Perret in klarer Betonarchitektur neu geplant. Ikone der Stadt ist die Kirche Saint-Joseph aus den 1950er Jahren mit einem 107 Meter hohen Turm und tausenden farbig verglasten Fenstern. Überraschend: Von innen wirkt das Bauwerk auch nach mehr als 70 Jahren mehr als futuristisch – besonders der Blick in die enorme Höhe der Kirche. Vom Zentrum geht es weiter quer durch riesige Hafenanlagen mit zahllosen Containerterminals, Raffinerien und Werften. Mehr als 20.000 Mitarbeiter arbeiten an dem Standort. Renault produziert hier Fahrzeuge und auch Windräder werden in Le Havre gefertigt. Dass die Seine Frankreichs Wirtschaftskorridor ist, zeigt sich in dieser Umgebung besonders eindrucksvoll.

Rouen © Stephan Höckner
Der Blick von Innen in den Kirchturm der Kirche Saint-Joseph aus den 1950er Jahren.
Altar © Stephan Höckner
Auch der Altar des Bauwerks aus den 50ern ist minimalistisch gestaltet.

Honfleur – Bilderbuchhafen mit Geschichte

Am Ende der kurzen Fahrt mit dem Bus liegt auf der anderen Seite der Seine-Mündung Honfleur. Und der Kontrast könnte nicht größer sein. Denn hier scheint die Zeit vor Jahrhunderten stehen geblieben zu sein. Das kleine Hafenstädtchen gilt mit seinen engen Gassen und Fachwerkhäusern völlig zu Recht als einer der malerischsten Orte der Normandie. Mittelpunkt ist das „Vieux Bassin“, das alte Hafenbecken, das von hohen, schmalen Häusern aus dem 17. Jahrhundert umrahmt wird. Direkt am Hafen steht auch die „Lieutenance“, ein Rest der alten Befestigungsanlagen und ehemaliger Sitz des königlichen Statthalters. Besonders sehenswert ist die ganz aus Holz gebaute Kirche Sainte-Catherine aus dem 15. Jahrhundert, deren Innenraum an einen umgedrehten Schiffsrumpf erinnert. Heute lebt Honfleur vor allem vom Tourismus, von Kunstgalerien, kleinen Museen und der Gastronomie. Besonders rund um den Hafen reihen sich Bistros, Crêperien und Fischrestaurants aneinander. Wer sich gestärkt in das historische Gassenwerk des Ortes begibt, kann liebevoll gestaltete Innenhöfe und kleine Läden mit Kunsthandwerk entdecken.

Honfleur © Stephan Höckner
Rund um das Hafenbecken von Honfleur reihen sich unterschiedliche Lokale aneinander.
Alte Kirche aus Holz © Stephan Höckner
Der Innenraum der Holz-Kirche Sainte-Catherine aus dem 15. Jahrhundert wirkt wie ein umgedrehter Schiffsrumpf.

Étretat – Klippen der Alabasterküste

Ein gutes Stück die Küste hinauf liegt der Badeort Étretat. Die Stadt ist berühmt für ihre weißen Kreideklippen und Felsformationen, die mit imposanten Bögen ins Meer ragen. Die markanten Formen sind das Ergebnis von Geologie und Erosion. Kein Wunder, dass sie vielfach von Malern der Normandie festgehalten wurden. Besonders eindrucksvoll ist der Blick auf die oftmals raue See vom Rand der Klippen aus. Der Aufstieg über kleine Pfade dauert keine 15 Minuten und von oben wirken die Villen, die sich vor dem Wind in den Hang zu ducken scheinen, wie Spielzeughäuser. Auf dem Abstieg besuchen wir eine Gartenanlage mit modernen Skulpturen. In der kleinen Altstadt finden sich Fachwerkhäuser, eine Markthalle mit Souvenir- und Kunsthandwerksläden sowie mehrere Museen und beeindruckende Herrenhäuser. Sie zeugen von der mondänen Vergangenheit des Ortes, der als Seebad zur Jahrhundertwende bei Frankreichs Jetset besonders beliebt war. Steine vom Strand als Souvenir mitzunehmen, ist übrigens nicht erlaubt, da es langfristig der Küste schadet.

Häuser in Etretat © Stephan Höckner
Auch im Badeort Étretat laden mittelalterliche Häuser zu einer "Zeitreise" ein.
Etratat Klippen © Stephan Höckner
Von den Klippen aus bietet sich ein beeindruckender Blick über die Küstenlandschaft.
Klippen von Etretat © Stephan Höckner
Achtung: Der Wind kann sehr stark wehen. Doch umso mächtiger Rollen die Wellen ans Ufer. 

Caudebec-en-Caux und Jumièges – Straße der Klöster

Die nächsten Stationen liegen bereits auf dem Rückweg nach Paris. Wir machen halt in Caudebec-en-Caux, einem Ort, der im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde. Heute prägen Backsteinvillen, eine sehenswerte Kirche und die Lage an der sogenannten Straße der normannischen Abteien den Ort. Dorthin geht es mit dem Bus. Er bringt uns einige Kilometer flussaufwärts nach Jumièges, wo sich eine der eindrucksvollsten Klosterruinen Europas befindet. Sie gehört zu den ältesten Benediktinerabteien Frankreichs. Im 11. Jahrhundert entstand in Jumièges die romanische Abteikirche Notre-Dame, deren mächtige, rund 47 Meter hohe Doppeltürme noch heute die Ruine prägen. Denn das Kloster wurde in seiner Geschichte mehrfach zerstört, unter anderem durch Wikingerüberfälle im 9. Jahrhundert und während der Französischen Revolution, als es als Steinbruch diente. Doch selbst die Überreste sind gewaltig. Der Schriftsteller Victor Hugo bezeichnete Jumièges als „schönste Ruine Frankreichs“. Heute können Besucher durch das dachlose Kirchenschiff und den weitläufigen Park spazieren. Die Atmosphäre der Ruine gilt als besonders romantisch, wodurch Jumièges zu einem beliebten Ausflugsziel wurde.

Junieges © Stephan Höckner
Kein Dach, meterdicke Mauern: Jumièges wurde immer wieder als Steinbruch benutzt. 
Junienges © Stephan Höckner
Die 47 Meter hohen Türme kündigen von der einstigen Pracht der gewaltigen Klosteranlage. 
Junieges © Stephan Höckner
Victor Hugo bezeichnete Jumièges als „schönste Ruine Frankreichs“.

Vernon und Giverny – Monets Zaubergarten

Ein ganz besonderes Highlight steht am nächsten Tag an. Das Städtchen Vernon begrüßt uns mit einer malerischen Flusspromenade und einer uralten Mühle, die auf dem letzten Bogen einer mittelalterlichen Brücke ruht. Auch sie ist ein vielfach gemaltes Motiv. Doch noch spannender ist Giverny, wohin es mit dem Bus geht. Dort tauchen wir in das Universum Claude Monets ein und erkunden sein Haus, den bunten Blumen-Garten und den Seerosenteich mit seinen Brücken und Spiegelungen. Claude Monet entdeckte das kleine Dorf Giverny 1883 und zog dort mit seiner Patchworkfamilie in ein ehemaliges Bauern- und Presshaus ein. Hinter dem Haus legte der Maler einen üppigen Blumengarten an, in dem er mit Farben und Pflanzenkompositionen experimentierte. Später erwarb er ein weiteres Grundstück und schuf dort den berühmten Wassergarten mit Seerosenteich und japanischer Brücke, der zum Hauptmotiv seiner späten impressionistischen Bilder wurde. Nach Monets Tod 1926 verfiel das Anwesen zunächst, kam aber als Stiftung an die Académie des Beaux-Arts und wurde restauriert. Seit 1980 sind Haus und Garten für Besucher geöffnet.

Den krönenden Abschluss der Flussreise bilden zwei Tage in Paris, die viel zu schnell vergehen. Wir besichtigen in Rundfahrten den Eiffelturm, Notre‑Dame, den Arc de Triomphe, aber auch das Künstlerviertel Montmartre mit der berühmten Basilika Sacré‑Cœur. Zwischendurch genießen wir natürlich jede Menge Croissants, Macarons und Moules-frites. Und schon heißt es leider „Au revoir“. Doch wir sagen lieber Bis bald!

Garten © Stephan Höckner
Hinter seinem Haus hat Monet einen farbenprächtigen Garten angelegt, der heute Besuchern offen steht.
Giverny © Stephan Höckner
Das Haus des Malers ist liebevoll restauriert worden und bietet einen intimen Einblick in sein Leben und Wirken. 
Flusskreuzfahrtschiff Gloria © Stephan Höckner
Bilder, Bilder, Bilder: Das gesamte Wohnhaus Monets zeigt seine Liebe zur Kunst. 

6 Tipps

  1. Wetter und Kleidung: Das Wetter entlang der Seine und in der Normandie kann rasch wechseln – am besten immer Sonnenbrille und Regenschirm dabeihaben. Bequeme, rutschfeste Schuhe sind für Deck, Städte und Klosterruinen ideal, dazu eine windfeste Jacke für die Küste.
  2. Vorher fasten: Die Küche an Bord ist ausgezeichnet und reichlich. Zudem machen die Bäckereien Frankreichs Ruf als kulinarische Hochburg alle Ehre. In den Städten gibt es viele Möglichkeiten, regionale Spezialitäten zu verkosten.
  3. Nicht schrecken: In Häfen liegen Schiffe oft parallel nebeneinander, sodass Sie morgens manchmal statt des Flusses gegen die Bordwand eines anderen Schiffs blicken und zum Landgang über andere Schiffe gehen müssen.
  4. Wasser und W-Lan: Wasserstationen und Kaffeemaschinen zur Selbstbedienung stehen auf dem Schiff kostenlos bereit. Auch gratis Internetzugang steht zur Verfügung.
  5. Alle da? Ein Check-in/Check-out-System beim Verlassen und Betreten des Schiffes stellt sicher, dass niemand „vergessen“ wird. Die Ausflüge und das Programm sind generell so gestaltet, dass auch auf Gäste mit sehr gemächlichem Tempo Rücksicht genommen wird.
  6. Informiert und unterhalten: Beiträge von Musikern, Vorträge und Informationsveranstaltungen der Reiseleitung sorgen für Unterhaltung an Bord und liefern Hintergrundwissen zu Orten, Geschichte und Kultur.

Information & Buchung

Zum aktuellen Flusskreuzfahrt-Seine-Angebot von ÖAMTC Reisen (Linkgültigkeit endet mit der Verfügbarkeit des Reiseangebots).

Mehr Infos unter der Hotline Tel. 01 711 99 34000 und in den Filialen von ÖAMTC Reisen.

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