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Wir packen unsere Koffer und nehmen mit in unserem großen Nissan NV300: den Hund, die Transportbox, das Futter, den Heimtierausweis, das Spielzeug, die lange Leine, die Freude…

© Alexander Fischer

Wir packen unsere Koffer und nehmen mit in unserem großen Nissan NV300: den Hund, die Transportbox, das Futter, den Heimtierausweis, das Spielzeug, die lange Leine, die Freude…

© Alexander Fischer
April 2021

Einfach nur Wau

Ein Sommerurlaub mit Hund ist eine Riesen-Hetz, keine Frage, sollte im Vorfeld aber sorgfältig geplant werden. Weil Transportbox, weil Impfungen, weil Heimtierausweis, weil Sonnencreme, weil… 

Der Sand fliegt, beidseits in hohem Bogen zwischen den Beinen hindurch. Fontänengleich verteilt sich das eben noch Unterirdische ringsum und formiert sich überirdisch rasant zu immer größer werdenden Hügerln, die ihrerseits ganze Flip-Flops verschwinden lassen.

"Den Sandhaufen in Anläufen beim Anhäufen zu­sehen", könnte es einem da beim Zuschauen philosophierend in den Sinn kommen – bloß von Idylle keine Spur. Ein beinharter Wettkampf tobt vor unseren Augen: Hund gegen Erstgeborenen, zwei Pfoten gegen zwei Hände, Neun­monatige gegen Neunjährigen – wer gräbt schneller? Wer kommt tiefer?

Unter vielen Sommerurlaubs-Eindrücken haben jene aus dem Vorjahr vom weitläufigen Strand in Dänemark für uns einen ganz besonderen Stellenwert, eine ganz besondere emotionale Intensität. Denn wenn wir daran zurückdenken, dann sind es eben diese Bilder der beiden tief geduckten und emsig wühlenden Sandflöhe, die beinahe automatisch vor unserem geistigen Auge erscheinen.

Vielleicht, weil's damals einfach nur so wunderschön anzusehen und unterhaltsam war. Vielleicht aber auch deshalb, weil wir zum ersten Mal zu fünft den Strand bevölkerten. Es war unser erster gemeinsamer Sommerurlaub mit Brownie im Anhang.

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1 Die Hetz – im Urlaub am Strand mit Kind und Hund.  Zwei Pfoten gegen zwei Hände, Neun­monatige gegen Neunjährigen – wer gräbt schneller? Wer kommt tiefer? © Alexander Fischer

2 Die Neugier – sind wir schon da? Ja, aussteigen bitte. Wobei diese Zurückhaltung eher unüblich ist ;) © Alexander Fischer

3 Das Feriendomizil. Hundefreundlich sollte es sein, groß genug, und den Strand in Gehweite haben. Check. © Alexander Fischer

Einen Hund zu haben, …

… diese Entscheidung haben wir nicht über Nacht getroffen, sondern, wie es so schön heißt, nach reiflicher Überlegung. Denn abseits aller fröhlichen Momente, abseits aller putziger Tapserei und niedlicher Neugier, ist die Aufnahme eines Welpen in den Familienverbund zunächst vor allem eines: intensiv.

Kurze Nächte, die Er­ziehung, noch nicht stubenrein, Gassi gehen – alles Themen, die vor allem Aufmerksamkeit verlangen und Zeit erfordern. Beides Dinge, die schon in einem normalen Familienalltag nicht unbedingt in Hülle und Fülle vorhanden sind.

Darum prüfe, wer wirklich vor hat, sich so für die nächsten 10 bis 15 Jahre zu binden. Wer steht früher auf und geht die Morgenrunde, wer die letzte Runde am Abend? Wo werden Futternapf und Wasserschale stehen, wer kümmert sich um den Hund untertags? Ist das finanziell überhaupt alles machbar und die emotionale Komponente schaffbar? Wie steht's generell um die Bereitschaft, das eigene Leben jenem des Hundes anzupassen (Stichwort Freizeitaktivitäten)? Was ist mit Urlaub? Und wie steht's um das Familienauto – bietet es genug Platz für einen zusätzlichen Mitfahrer?

Als Familie klärten wir im vorvergangenen Winter diese Fragen und sagten schließlich bewusst Ja. Die Vernunft war dafür, der Bauch sowieso, kurz: Der Moment schien einfach der passende zu sein.

Hand aufs Herz, in den weiteren Wochen haben wir diese Entscheidung schon auch einige Male hinterfragt. Etwa als der Wohnzimmerteppich zum wiederholten Male der juvenilen Blasenschwäche als Kompensationszone ­diente. Mmh. Oder das Antrainieren mancher Befehle auch mit den köstlichsten Leckerlis und trotz Hundeschulen-Coachings partout nicht klappen wollte. Arrrrgh.

All diese Dinge dürfen auch nerven, nur die Nerven verlieren sollte man halt nicht so leicht – sagen einem die Experten, ja, eh.

Trotz allen gelegentlichen Grolls: Unendlich öfter hat sich die Entscheidung pro Hund einfach nur als goldrichtig, als emotionaler Volltreffer erwiesen. Ein Leben ohne Hund, ohne unsere Brownie? Für uns, vor allem aber für die Kinder, ist das mittlerweile unvorstellbar geworden.

Ihre Wiedersehensfreude, auch wenn man nur kurz weg war – wohohoo. Ihre Schmusigkeit, ihr Familiensinn, ihre un­bedingte Zuneigung.

Ach, so schön.

_B3A2898 Kopie_CMS.JPG Alexander Fischer © Alexander Fischer

Wir verreisen – und haben Fragen, viele Fragen.

Der Hund muss so verwahrt werden, dass er den normalen Fahrbetrieb nicht stört und selbst bei Brems- und Ausweichmanövern eine ruhige und sichere Position beibehalten kann.

Mag. Alexander Letitzki, ÖAMTC-Jurist

Beantwortet werden viele davon hier im Überblick.

Natürlich nehmen wir für uns nicht in Anspruch, nun Hundeprofis zu sein. Wir ver­suchen so viel wie möglich richtig zu machen, aber: Brownie ist unser erster Hund, mit ihr lernen wir täglich neu dazu. Die Schilderungen hier sind geprägt von unseren persönlichen Erlebnissen, die wir hier mit neuen oder baldigen Hundebesitzern teilen.

Wo wir dabei den veterinärmedizinischen Themen-Raum betreten, rechtliche Aspekte ansprechen oder technische Ergebnisse an­führen, verlassen wir uns auf Aussagen und Tipps von Experten, namentlich genannt sind das Tierarzt Dr. Michael Leschnik von der Veterinärmedizinischen Universität Wien, ÖAMTC-Jurist Alexander Letitzki sowie Club-Techniker Steffan Kerbl.

Unserer Urlaubs-Entscheidung gingen viele Fragen voraus, wir betraten Neuland, ohne einen Schritt über die Landesgrenze gemacht zu haben. Wohin, welches Quartier, wie viel Stauraum bleibt im Auto für unser Gepäck? Wie transportieren wir Brownie, wieviel Futter nehmen wir mit? Welche Impfungen benötigt sie noch vor der Abfahrt?

Wir machen's kurz: Geworden ist es ein Ferienhaus mit Strand in akzeptabler Geh­distanz, in dem Haustiere erlaubt und passende Infrastruktur (Haustierbedarf, Tierarzt) in automobiler Reichweite waren. Mehrkosten für den mitgereisten Hund waren in unserem Fall nicht fällig, es kann aber durchaus vorkommen, dass bei Buchung und für End­reinigung ein Aufschlag verrechnet wird.

Für die Einreise nötig waren ein gültiger und für jede Auslandsreise obligatorischer EU-Heimtierausweis, der als Beleg für die Kennzeichnung via Mikrochip sowie die notwendige Tollwut­impfung gilt. In diesem Fall war's ­Dänemark, doch das gilt für alle EU-Länder.

Wären wir hingegen nach Großbritannien, Irland, Malta, Finnland oder Norwegen gereist, hätten wir zusätzlich ein bis fünf Tage vor der Einreise eine Bandwurm-Behandlung bei Brownie durchführen müssen. Wer einen sogenannten Listenhund (vulgo Kampfhund) sein Eigen nennt, muss teilweise mit weiteren Einschränkungen und Verboten rechnen. Alle diesbezüglichen Informationen können übrigens wunderbar einfach und schnell auf der ÖAMTC-Website nachgelesen werden (www.oeamtc.at/laenderinfo, auf dieser Seite Kontinent, Land sowie die Kategorie Hunde & Katzen auswählen).

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© Alexander Fischer

Im Auto reduzierte sich derweil der frei verfügbare Stauraum spürbar, weil wir uns angesichts der geplanten längeren Autofahrt für eine sichere, stabile und ausreichend große Hundebox entschieden. In gewisser Weise wachrüttelnd war die diesbezügliche Schlussrechnung von ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl, wonach ein 19-Kilo-Hund bereits bei einem Unfall mit 50 km/h zu einer 400-Kilo-Gefahr wird (die dann freilich besser ordentlich gesichert ist als frei im Auto herumfliegt).

Was übrigens die richtige Größe der Box betrifft, meint Tierarzt Dr. Michael Leschnik im Interview: "Der Hund muss die Gelegenheit haben, sich hinzulegen, sich umzudrehen und aufzustehen." Genau so haben wir die Box ausgewählt und sie anschließend fest im Kofferraum verzurrt, was dem Reisegepäck doch einiges an Platz wegnimmt.

Was Brownies sonstige Utensilien betraf: Für den Strand hatten wir eine extra lange Leine dabei (Leinenpflicht und Verwendung eines Beißkorbs werden lokal und saisonal unterschiedlich gehandhabt) plus eine Strandmuschel als Schattenspender sowie eine Kühlmatte für besonders heiße Tage bzw. wenn wir nicht am Strand waren. Da Hunde ihre Körpertemperatur nicht so wie wir Menschen durch Schwitzen regulieren können, sind innere (Hecheln und viel Trinken) und äußere Abkühlung für sie das Um und Auf.

Außerdem erweiterten wir unser Reise­apotheke im Hinblick auf Brownie um Sonnencreme (für die weniger behaarten Stellen), Pfotensalbe und Desinfektionsmittel (siehe Packliste für den Hund). so ein tag am Strand mit viel Sand, Salz und Gischt gibt nicht nur unserer Haut, sondern auch dem Fell etwas Krustenartiges. Ferienhäuser in Strandnähe haben meist einen Süßwasseranschluss an der Außenseite – perfekt für eine improvisierte Hundedusche, falls es am Strand keine Möglichkeit dazu gab.

Für unsere wasserverliebte Brownie jedenfalls war die allabendliche Fellwäsche (Ohren nicht vergessen) bald lieb gewonnenes Ritual, das abschließende Wassertropfen-Abschütteln ein Gaudium für die Kinder.

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