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Juli 2019

Wir packen das

Okay, verführerische Autos schauen anders aus. Hochdachkombis wie der VW Caddy und der neue Opel Combo sind aber eine preiswerte Alternative zu Kompakt- oder Mini-Vans. Und nicht nur das.

Sie werden schnell einmal be­lächelt. Manchmal sogar etwas mitleidig betrachtet. Nicht immer ganz ernst genommen. Dabei sollte man das. Ernsthaft. Moderne Hochdachkombis sind nämlich mehr als nur rustikale Lieferwagen. Ein Image, das sie längst abgelegt haben. Aktuelle ­Modelle sind immer öfter preiswerte Alternativen zu Mittelklasse-Kombis, vor allem aber zu den empfindlich teureren Mini-Vans. Wer viel Platz braucht, ist hier genau richtig.

Hochdachkombis bieten bei kompakten Karosserie-Abmessungen von rund 4,4 Metern ein Kofferraumvolumen bei umgelegten, versenkten oder ausgebauten Rücksitzen von bis zu drei Kubikmetern. Zahlreiche Modelle werden darüber hinaus optional auch als Siebensitzer angeboten.

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Zimmer, Küche, Kabinett

Ein weiterer, nicht unwesentlicher Vorteil ist die deutlich besser nutzbare Innenhöhe. Sperrige Gegenstände wie ein Kühlschrank, eine Waschmaschine oder unhandliche Möbelstücke passen – auch dank der großen Ladeöffnungen – locker hinein. Und, nicht zu vergessen, man sitzt wegen der erhöhten Karosserie höher als in einem Kombi. Unterm Strich ist der Platzbedarf eines Hochdachkombi nicht größer als der eines VW Golf, dessen Praktikabilität aber um ein Vielfaches höher.

Wir haben uns zwei Modelle zum Vergleich herausgepickt: Den VW Caddy, unangefochtener Platzhirsch unter den Hochdachkombis, und den neuen Opel Combo, Technikbruder der PSA-Konzernmodelle Citroën Berlingo und Peugeot Rifter (ehemals: Partner). Beide haben vernünftig motorisierte Diesel mit 102 PS unter der Haube, beide kosten gut 26.000 Euro.

Quadratisch, praktisch, gut

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1 Moderne Hochdachkombis wie der Opel Combo (links) und der beliebte VW Caddy sind wegen ihrer Höhe vor allem beim Transport von sperrigen Gegenständen in ihrem Element.  © Erich Reismann

2 Dank der großen Türöffnung ist der Einstieg in den Combo überaus einfach. © Erich Reismann

3 Die serienmäßigen Schiebetüren des Caddy erweisen sich vor allem beim Ein- und Aussteigen in engen Parklücken als sinnvoll. © Erich Reismann

VW Caddy

Der Topseller ist schon in die Jahre gekommen, bei Agilität und Platz aber immer noch up to date.

2 Großer Kofferraum, solide Verarbeitung, magere Aus-stattung, viel Platz.

Den VW Caddy kennt man. Vor allem unter Handwerkern. Man muss allerdings kein Gewerbe betreiben, als Kaufgründe reichen Familie und Platzbedarf. Und seit der ­optischen Überarbeitung vor knapp einem Jahr schaut der Caddy dank modifizierter Front und Scheinwerfern im Konzernstil sowie einem glatt gebügelten Heck auch wesentlich moderner aus. Auch im Innenraum hat man aufgeräumt, sämtliche Bedienelemente sind VW-typisch übersichtlich und einfach zu bedienen. Lediglich bei den verwendeten Materialien lässt sich die Nutzfahrzeug-Herkunft des Caddy nur schwer leugnen, schließlich erstreckt sich Hartplastik so weit das Auge reicht. Dafür gibt’s jede Menge Ablagen: ein großes Handschuhfach, ein sinnvolles Fach an der Oberseite des Armaturenträgers sowie oberhalb der Frontscheibe unter dem Dach eine Ablage, die sich über die gesamte Wagenbreite erstreckt.

Fünf Insassen haben im Caddy übrigens genug Platz, die Sessel in der zweiten Reihe können im Verhältnis 2:3 geteilt vorgeklappt oder ganz ausgebaut werden. Alle Sitze sind straff gepolstert, aber bequem, die Schenkelauflage hinten ist aber zu kurz. Variabilitäts-Nachteil: keine verschiebbaren Sitze. Immerhin können zwei zusätzliche Sessel für die dritte Reihe optional (rund 850 Euro) bestellt werden. Sinnvoll: leichter Einstieg dank großer Türen, zwei seitliche Schiebetüren, große, aber schwere Heckklappe.

Beim Fahrwerk setzt VW weiterhin auf eine hintere Starrachse. Die ist ausreichend komfortabel und hoch belastbar, poltert lediglich auf schlechten Straßen. Erstaunlich: das insgesamt agile Fahrverhalten.

Opel Combo

Der praktisch veranlagte Combo soll vor allem Familien glücklich machen. Das könnte klappen. 

1 Solide Ausstattung, viel Platz, variabel, sinnvolle Ablagen, Plastik.

Wer Prestige sucht, sollte weiterblättern. Wer Platz braucht, dafür genauer hinschauen. Unter den Hochdachkombis spielte der Combo bisher nur eine Nebenrolle. Während der Vorgänger auf dem Fiat Doblò basierte und wenig erfolgreich war, hat der neue Combo den Charme eines Nutzfahrzeuges dagegen spürbar abgelegt. Von seinen Schwestermodellen Citroën Berlingo und Peugeot Rifter unterscheidet er sich nur im Design. Für Familien, denen die robuste Plastiklandschaft im Innenraum nichts ausmacht, ist der praktische Combo durchaus eine Alternative zum deutlich teureren Zafira. Die vielen brauchbaren Ablagemöglichkeiten für jegliche Art von Kleinzeugs sind ident zum Caddy. Und bis auf einzelne ungenau eingepasste Plastikteile stimmt auch die Verarbeitung.

Anders, und zwar effektiver als im Caddy, lassen sich im Combo die Sessel umklappen. Die sind zwar ebensowenig verschiebbar wie im VW, die drei Einzelsitze können aber nach Vorklappen der Lehnen nahezu eben im Boden verstaut werden (die Sitzfläche senkt sich gleichzeitig mit ab). Das ist insofern praktisch, da die meisten Besitzer mit ausgebauten Sesseln wegen fehlender Abstellmöglichkeiten nichts anfangen können. Zwei zusätzliche Sitze für die dritte Sitzreihe können nur für die mittlere Ausstattungsstufe "Edition" um rund 850 Euro geordert werden.

Weniger straff und fühlbar komfortabler als der VW rollt der Opel auch über schlechte Straßen, fahrsicher sind beide Kandidaten. Der 1,5-l-Diesel ist laufruhig, sparsame Verbräuche von unter sieben ­Litern sind die Regel. Vorteil Combo: die bessere Serienausstattung.

Erich Reismann

Mein Fazit

Hoch hinaus. Der modernere Opel Combo gewinnt den Vergleichstest. Er bremst gut, ist geräumig, fahraktiv und gut ausgestattet. Auch der VW Caddy ist agil und hat viel Platz, in einigen Details aber in die Jahre gekommen und mager ausgestattet. Eine Alternative zu Kombis und SUV sind aber definitiv beide.

OPELCombo_VWCaddy_er344_CMS.jpg Erich Reismann
© Erich Reismann

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