Opel_Mokka_Frankreich_Kanalinseln_Fib_5299_CMS.jpg  © Roland Fibich
© Roland Fibich
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Oktober 2015

Trendsetter

Ein Jahr und 44.000 Kilometer lang zeigte uns der Opel Mokka, warum er für viele Konkurrenten zum Maßstab für kompakte SUV wurde.

Kompakte SUV, also handliche Autos in Geländewagen-Optik, sind nichts Neues. Bis vor drei Jahren waren die meisten von ihnen rund 4,40 Meter lang oder auch länger – beste Beispiele dafür sind die Klassen-Bestseller VW Tiguan (4,43 m), Hyun­dai iX35 (4,41 m) oder Nissan Qash­qai (4,38 m). Dann kam der Mokka: Nur 4,28 Meter lang, somit noch besser für den Stadtverkehr geeignet und doch ausgestattet mit allen beliebten Attributen der Sport Utility Vehicles (SUV): hohe Sitzposition, bequemer Einstieg, gute Rundumsicht. Die anhaltende Beliebtheit gibt dem Mokka recht, ist er doch seit seiner Markteinführung das Zugpferd im Opel-Stall. Und es dauerte nicht lange, da folgte die Konkurrenz dem neuen SUV-Längen-Trend. Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit sind der Mazda CX-3 (4,27 m), der Jeep Renegade (4,26 m) und der Suzuki Vita­ra, der gar nur 4,18 m kurz ist.

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Die erste Begegnung mit dem Mokka: ein bleibender Eindruck. Da stand ein kleines, bullig wirkendes SUV breitbeinig vor mir. Die Überraschung innen: unerwartet viel Platz, obwohl der Mokka wegen seiner Höhe optisch ja noch kürzer wirkt, als er mit seinen 4,28 Metern eigentlich ist. Der Fahrtenbuch-Eintrag eines Kollegen nach gut 5.000 Kilometern quer durch Frankreich bis auf die Kanalinseln beschreibt den Gesamteindruck: „Angenehm, praktisch, übersichtlich, einfach, kein Schnick-Schnack.“

Plus: Die Innenraumgestaltung ist gelungen. Schlichte, klare Linien, der übliche Krimskrams verflüchtigt sich in den vielen brauchbaren Ablagen und in den zwei (!) Handschuhfächern. In die Türfächer passen sogar 1,5-Liter-Flaschen. Da wackelt nichts, da scheppert nichts, die verwendeten Materialen sind hochwertig. Manko: die weiche Kunstledertürverkleidung ist anfällig für Kratzer. Mehrfach im Fahrtenbuch vermerkt: alle Sitze straff und absolut langstreckentauglich. In Österreich sinnvoll: das Winterpaket. Für 320 Euro gibt’s eine ultraschnell ansprechende, dreistufige Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer sowie die angenehme Lenkradheizung, die klamme Finger verhindert und somit die Verkehrssicherheit erhöht.

Der Mokka ist dank seiner direkten Lenkung handlich – manchen Testerinnen und Testern war sie sogar zu direkt. "Agil und sicher in Kurven, für ein SUV erstaunlich neutral mit wenig Seitenneigung", ist da in den Aufzeichnungen zu lesen. Und dank seiner Kürze ist das Einparken auch kein Problem. Kurzer Radstand, hoher Karosserie, das macht die Fahrwerksabstimmung schwierig. Einige empfan­den sie gelungen, anderen war sie zu hart – wohl auch wegen der 18-Zoll-Räder. Kurze Stöße kommen jedenfalls zu stark durch, da waren sich alle einig. Die Schaltung gefällt durch ihre Leichtgängigkeit. Fünfter und sechster Gang liegen jedoch auffallend weit rechts und erfordern bewusstes Schalten. Dafür passt die relativ kurze Abstufung der Gänge, man bekommt immer den richtigen Anschluss. Im Testtagebuch ebenfalls mehrfach vermerkt: der zu große Wende­kreis mit einem Durchmesser von 11,8 Metern. 

Auch der Allrad-Mokka fährt standardmäßig mit Vorderradantrieb. Bei Bedarf wird der Antrieb der Hinterräder stufenlos dazu geschaltet. Das kann auch so abrupt erfolgen, dass die mustergültig arbeitende Traktionskontrolle beherzt eingreifen muss. Praktisch die Descent Control: Sie hält beim Bergabfahren auf Knopfdruck die per Gaspedal eingestellte Geschwindigkeit. Der kleine 1,4-Liter-Benziner mit Turboaufladung ist angenehm leise und reicht zumindest fürs gemütliche Dahingleiten.

Minus: Das größte Manko unseres Mokka war sein Verbrauch. So ein kleiner aufgeladener Benziner braucht Drehzahlen – unter 3.000 Umdrehungen tut sich wenig, somit ist viel Gasgeben angesagt. Auch zurückhaltend bewegt, waren kaum unter 7 Liter Super je 100 Kilometer erreichbar. Der Durchschnittsverbrauch auf insgesamt 43.611 Kilometern lag bei 8,4 Liter. Eindeutig zu hoch, auch wenn viel städtischer Stop-and-go-Verkehr, Autobahn-Langstrecken und winterliche Bergfahrten dabei waren – aber das ist eben Alltagsbetrieb über ein ganzes Jahr. Nicht umsonst sind bei den kompakten suv hauptsächlich Dieseltriebwerke im Einsatz.

Zweiter Grund für Kritik: das Multimedia-System. „Das Handy-Koppeln ist unlogisch, Radiosenderwechsel und Zieleingabe ins Navi sind kompliziert“, wurde vermerkt – und an die Bedienung per Dreh- und Drück-Knopf muss man sich erst einmal gewöhnen. Die Grafik im kleinen Bildschirm oberhalb der vielen Tasten in der Mittelkonsole ist okay – die Kartendarstellung des optionalen Navis zeigt sich gegenüber früheren Opel-Navigationssystemen stark verbessert. Das kleine Display zwischen Drehzahlmesser und Tacho in Orange/Schwarz wirkt allerdings antiquiert, gefiel keinem und ist wegen kleiner Schrift und greller Farbe schlecht ablesbar. 

Die kompakte Außenlänge ist im Innenraum nicht zu merken, wohl aber im Kofferraum, der rund 25 Prozent kleiner als der des Tiguan ist. Aber zumindest stören keine hineinragenden Radkästen. Für Reisen zu viert reicht seine Kapazität durchaus – und zu fünft sind längere Fahrten im Mokka sowieso wegen der begrenzten Innenbreite unzumutbar. Der mittlere Sitz hinten ist maximal ein Notsitz. Daher wurden wohl auch nur die beiden äußeren Plätze mit den mustergültig großen und weit ausziehbaren Kopfstützen bestückt.

Opel_Mokka_HH_9327_CMS.jpg Heinz Henninger © Heinz Henninger

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