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Audi A4 Avant
2,0 TDI quattro S tronic sport.

© Heinz Henninger

Audi A4 Avant
2,0 TDI quattro S tronic sport.

© Heinz Henninger
Oktober 2017

Touren-Wagen

Kombi, Sportwagen und Reisemobil: Im Dauertest spielte der Audi A4 Avant viele Rollen. Ein besonderes Interesse hatten wir an seinen Sicherheitsassistenten.

In der ewigen Bestenliste der beliebtesten Dauertest-Wagen des auto touring wird der Audi A4 Avant für lange Zeit einen Spitzenplatz einnehmen. Souverän spulte er innerhalb eines Jahres 45.000 km ab, ohne besondere (negative) Vorkommnisse. Lediglich ein einziges Mal gab es eine unangenehme Überraschung: Ein Marder hatte an der Gummidichtung des Schiebedaches Geschmack gefunden und diese zerfetzt, aber da kann der Audi nix dafür.

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Was uns gut gefiel.

Allrad, Automatik und der 190 PS starke Dieselmotor ergeben eine Kombination, die für die Langstrecke prädestiniert ist. Insbesondere das Doppelkupplungsgetriebe verrichtet gute Arbeit. Anzukreiden ist ihm ­lediglich eine ausgepräge Anfahrschwäche und Schaltrucke bei kaltem Getriebe. Mit durchschnittlich 6,8 l/100 km über die gesamte Distanz bleibt der Verbrauch im grünen Bereich. 

Interessant ist die Auswertung des AdBlue-Verbrauchs für den SCR-Kat. Durch die Einspritzung der wässrigen Harnstofflösung in den Kat werden ja die schädlichen Stickstoffoxide (NOx) reduziert. Im Schnitt alle 8.000 km waren zehn Liter AdBlue aufzufüllen. Der vergleichsweise hohe Verbrauch weist darauf hin, dass der Euro 6-Motor ordentlich NOx-entgiftet wird. 

Der Fahrkomfort ist auf der straffen Seite zu suchen, dafür liegt der Audi hervorragend auf der Straße. Lob gibt es für die gute und rasch ansprechende Klimatisierung (sowohl bei Hitze als auch bei Kälte). Durch die Drei-Zonen-Klimaautomatik können auch die hinten Sitzenden die ihnen genehme Temperatur wählen.

Als ausgesprochen hochwertig sind die Materialien im Innenraum und vor allem ihre einwandfreie Verarbeitung zu bezeichnen. Während manche Autos nach ­einem Jahr Intensiv-Test schon etwas ächzen und scheppern, sieht (und hört) man dem Audi die Testdistanz und den Einsatz in ganz Europa nicht im mindesten an. 

Was uns weniger gut gefiel.

Das alles hat seinen Preis: Schon ohne Inanspruchnahme der Aufpreisliste knabbert der Audi an der 50.000-Euro-Grenze. Empfehlenswert: das Komfortpaket mit LED und beide Assistenzpakete (Test siehe weiter unten). Erhöht den Preis um weitere 8.300 Euro.

Sonst muss man das Testtagebuch sehr aufmerksam durchblättern, um kritische Einträge zu finden. Manche Testfahrer wurden mit der niedrigen Sitzposition, die das Einsteigen erschwert, nicht glücklich. Und auf der Rücksitzbank ist die Beinfreiheit ausreichend, allerdings steht die Sitzlehne sehr steil – unangenehm für lange Strecken. Die Form des Schalthebels mit dem Druckknopf für die Parkposition, der bewusst lange gedrückt werden muss, fand auch nicht nur Fans.

Video: Bilanz zu einem Jahr Dauertest

Audi A4 Avant: Assistenz-Einsatz

Sicherheits-Assistenten. Keines unserer bisherigen Dauertest-Autos war mit einer solchen Anzahl an Sicherheitsassistenten ausgestattet. Wir testeten ihre Funktionen nicht nur im Alltag, sondern auch in den Fahrtechnik Zentren des ÖAMTC in Teesdorf und am Wachauring.

Prinzipiell konnten die Sicherheitssysteme die Erwartungen erfüllen. Lediglich der Test des Abbiege-Assistenten sorgte für eine Überraschung – und in Folge zu ausführlichen Diskussionen mit den Audi-Entwicklern in Ingolstadt.

Eine schmale Gasse

Der Abbiegeassistent soll beim Linksabbiegen eine Kollision mit dem Gegenverkehr verhindern. Schon bei der Vorbereitung fällt auf, dass die Voraussetzungen für ein Eingreifen des Assistenten sehr eng gefasst sind: So muss der Audi exakt zwischen 2 und 10 km/h schnell sein.

Mit einem entgegenkommenden Testfahrzeug versuchen wir, den Assistenten zum Auslösen zu bringen. Trotz mehrfacher Wiederholung: keine Notbremsung, keine optische oder akustische Warnung.

Nach vielen Mails und Telefon-Konferenzen wiederholen wir den Test bei Audi in Ingolstadt gemeinsam mit Audi-Technikern – erfolgreich. Der Audi legt eine Vollbremsung hin. Die Erklärung von Markus Erlacher, Entwicklung Notbremssysteme: "Unser Prinzip lautet, Fehlauslösungen von Sicherheits-Assistenten so gut wie möglich zu vermeiden. Daher ist der Auslöserahmen sehr eng gefasst. So darf das Fahrzeug nach der Bremsauslösung auf keinen Fall in der Gegenfahrbahn stehen."

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Voll in die Eisen

Der Notbremsassistent ist Teil des serienmäßigen Pakets "pre sense city" und ist bis 85 km/h aktiv. Zuerst wird der Fahrer optisch und akustisch gewarnt. Erfolgt trotzdem keine Reaktion, führt der Audi eine Vollbremsung durch. Bis 45 km/h schafft es unser Testfahrzeug zuverlässig, vor dem Hindernis stehen zu bleiben. Bei höheren Geschwindigkeiten kommt es dank der automatischen Notbremsung nur zu einem leichten Aufprall. Übrigens: Während der Bremsung werden offene Fenster automatisch geschlossen.

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Er bremst natürlich auch für Menschen

Der Notbremsassistent soll nicht nur Fahrzeuge, sondern auch querende Fußgänger erkennen. Bei unseren Fahrversuchen – bei denen wir das Risiko minimal halten wollen – reagiert der Audi nicht immer mit einer Notbremsung. Teilweise warnt er den Fahrer nur optisch und akustisch.

Dazu halten wir ebenfalls Rücksprache mit der Audi-Entwicklungsabteilung und erhalten die Antwort: "Das System ist so programmiert, dass es möglichst keine Falschauslösungen produziert. Die Funktionen sind für den realen Straßenverkehr entwickelt und sollen keine unnötigen Auffahrunfälle produzieren."

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Gefahr von links und rechts

Der Querverkehrassistent hilft beim Rückwärts-Ausparken. Autos, die links und rechts parken, verhindern die Sicht auf den Querverkehr, während sich das Fahrzeug-Heck schon Richtung Fahrbahn bewegt. Radarsensoren überwachen in beide Richtungen. Warnung erfolgt per Anzeige am Bildschirm, Warnton und schließlich mit einem Bremsruck. Funktioniert sehr zuverlässig. 

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Die Gefahr von schräg hinten

Der Spurwechselassistent "Audi side assist" ist der bereits weit verbreitete Totwinkel-Assistent. Die Warnung des Fahrers erfolgt vorbildlich durch besonders großflächige LED-Leuchten im Außenspiegel. Befindet sich ein Fahrzeug im toten Winkel, leuchten sie auf, betätigt man dann den Blinker, etwa um trotzdem auszuscheren, blinkt die LED mehrmals kurz hintereinander hell auf. Löst bei jedem Fahrversuch aus. 

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Video: Die Assistenzsysteme im auto touring-Test

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