Tokyo Motor Show 2017

Japans Beitrag zur Zukunft des Autos: elektrifiziert, selbstfahrend, mit künstlicher Intelligenz ausgestattet und immer auch ein wenig skurril.

Von Peter Pisecker,

Stimmt schon: Die alle zwei Jahre stattfindende Automesse in Japan ist vor allem eine Bühne für die dortigen Hersteller – von Honda und Mazda über Mitsubishi und Nissan bis Suzuki und Toyota. Aber auch europäische Autokonzerne waren früher immer wieder für Überraschungen in Tokio gut.

Nicht heuer allerdings. Die europäischen Aussteller – Audi, BMW, Mercedes-Benz, Porsche, die PSA-Gruppe mit den drei Marken Citroën, DS und Peugeot, Renault, Volkswagen und Volvo – verzichteten samt und sonders auf Messepremieren und zeigten mehr oder weniger bereits bekannte Modelle. Stark vertreten waren in Tokio allerdings europäische Zulieferer, von Continental über Schaeffler bis Bosch.

Dieses freundliche Konzeptauto heißt Flesby II und stammt von Toyoda Gosei, einem Zulieferunternehmen des Toyota-Konzerns. Seine weiche, flexible Außenhaut soll nicht nur Fußgänger im Fall eines Unfalls schützen, sondern ermöglicht auch einen veränderbaren Radstand – so kann sich Flesby kürzer machen, um in kleine Parklücken zu passen. © Peter Pisecker

Toyota

Bleiben wir gleich bei Toyota. Am größten Messestand der TMS 2017 waren nicht nur die angekündigten Designstudien zu sehen – der Hybrid-Sportwagen GR HV Sports und der Freizeitpanzer Tj Cruiser –, sondern auch drei Elektrofahrzeuge der Concept-i-Serie und der Brennstoffzellen-Luxusliner Fine Comfort Ride, der Toyotas Vision einer künftigen Reiselimousine verkörpern soll. Aber schauen wir uns die Exponate im Einzelnen an:

Nissan

Ob ein Elektroauto wirklich eine Sportversion braucht? Nissan zeigt die Studie Leaf Nismo, also eine sportliche Variante der zweiten Generation dieses Elektroautos – wohl wissend, dass gerade bei E-Autos der zurückhaltende Gasfuß entscheidend ist, um Reichweite  zu gewinnen.

Daneben zieht vor allem dieses fesche Gefährt die Aufmerksamkeit auf sich:

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  • Nissan IMx zero-emission. Man darf sich darunter so etwas Ähnliches wie einen SUV-Verwandten des Leaf vorstellen, vielleicht auch eine Art elektrischen Qashqai-Nachfolger.  © Peter Pisecker
  • Zwei Elektromotoren, je einer vorn und hinten, machen aus dem IMx jedenfalls einen Allradler, der über seine vier Räder immerhin 700 Nm maximales Drehmoment auf den Boden zu bringen hat. © Peter Pisecker
  • Wesentliches Element jedoch auch hier: AI, die künstliche Intelligenz, die diesem Vehikel die selbstständige Parkplatzsuche ermöglicht.  © Nissan

Mitsubishi

Ganz ähnlich sieht auch Mitsubishis Beitrag zur diesjährigen Tokyo Motor Show aus. Die Studie e-Evolution Concept ist ebenso schnittig gezeichnet wie der IMx von Nissan, hat ebenfalls Allradantrieb, diesfalls aber durch einen E-Motor vorn und deren zwei an den Hinterrädern. Mitsubishi hat sich dafür die Bezeichnung Triple Motor 4WD einfallen lassen.

Und auch hier wird wieder das AI-System betont, "dessen künstliche Intelligenz die Möglichkeiten von Fahrer und Fahrzeug sinnvoll erweitert" (Pressetext). Eine Coaching-Funktion, die mit dem Fahrer kommuniziert und laut Mitsubishi dessen Fähigkeiten "optimieren" kann, und ein sprachgesteuerter Personal Assistant sollen vermutlich die innige Verbindung zwischen Mensch und Auto vertiefen – es könnte jedoch auch sein, dass sich erstere nicht so gern von zweiterem belehren lassen. Man wird sehen.

© Peter Pisecker

Mazda

Mazda lässt nicht nur mit zwei Studien aufhorchen – von denen die eine das wohl schönste Autos des ganzen Salons war –, sondern auch durch eine neue Technik: den Verbrennungsmotor Skyactiv-X. Dahinter steht ein hochverdichteter Benzinmotor, der laut Hersteller die Vorzüge von Benzin- und von Dieselmotoren vereinen soll: dynamisch wie ein Benziner, sparsam wie ein Diesel. 

Erreicht wird das durch eine homogene Kompressionszündung. Vereinfacht gesagt, wird die Zündung in den Zylindern nicht direkt durch einen Funken aus der Zündkerze, sondern dadurch kontrolliert eingeleitet, dass das Kraftstoff-Luft-Gemisch viel höher verdichtet wird als bei herkömmlichen Benzinmotoren und dadurch so hohe Temperaturen erreicht, dass es von selbst zündet. Mazda verspricht durch dieses System eine um bis zu 30 Prozent höhere Effizienz gegenüber seinen heutigen Skyactiv-Benzinmotoren, die ihrerseits schon als recht sparsam gelten.

In ein Serienauto eingebaut wird dieser Motor zum ersten Mal im neuen Mazda 3, der 2018 erscheint. Wie er aussehen könnte, zeigt die Studie Kai, während die Studie Vision Coupé – wie bei Mazda schon fast üblich – erste Ausblicke auf die Weiterentwicklung des Gesamtdesigns der Marke gewährt.

Honda

Nach dem aufsehenerregenden Debüt des Urban EV Concept (im Bild unten ganz rechts) auf der IAA in Frankfurt legt Honda nun nach und präsentiert den Sports EV Concept (Mitte). Nachdem inzwischen bestätigt wurde, dass der Urban EV realisiert werden wird – der Verkaufsstart in Europa ist für Ende 2018 geplant –, stehen die Chancen für das kleine Coupé auch gar nicht so schlecht. Das wird aber noch länger dauern.

Auch ob aus dem rollenden Würfel namens NeuV (gesprochen nju-vii, links im Bild) jemals ein Serienauto wird, harrt noch der Entscheidung.

Für den europäischen Markt jedenfalls wichtiger ist der neue CR-V, den Honda hier präsentiert hat und der im 2. Halbjahr 2018 – dann auch als Hybrid – in Österreich verfügbar sein wird.

© Honda

Die neue Honda Gold Wing

Die Tokyo Motor Show ist insofern kein reiner Autosalon, als dort traditionell auch neue Motorräder präsentiert werden. Eines der Highlights 2017 war die Weltpremiere der neuen Gold Wing, des legendären Tourenmotorrads von Honda mit dem seidenweichen Sechszylinder-Boxermotor.

Der Dampfer wurde schnittiger, leichter (je nach Ausstattung um bis zu 48 Kilo) und kompakter. Es gibt künftig zwei Varianten: Einfach Gold Wing heißt die bisherige "Bagger"-Version (F6B), während das bisherige Grundmodell mit dem bequemen Sozius-Fauteuil und dem geräumigen Topcase ab nun Gold Wing Tour genannt werden will.

Der 1,8-Liter-Boxer erhielt vier Ventile pro Zylinder, macht insgesamt 24, dazu kommen Throttle-by-Wire (elektronischer Gasgriff), vier Riding Modes, Traktionskontrolle und Berganfahrhilfe. Das bisherige Fünf- muss einem Sechsganggetriebe weichen und auf Wunsch gibt's 7-Gang-DCT, also das formidable Doppelkupplungsgetriebe (Dual Clutch Transmission).

Auch auf der Fahrwerksseite hat sich einiges getan: Das neue Chassis der Gold Wing und Gold Wing Tour verfügt über einen Aluminiumrahmen, eine Doppel-Querlenker-Vorderradaufhängung und elektrisch verstellbare Dämpfer. Smart-Key-System, Apple Car Play und ein elektrisch höhenverstellbares Windshield zählen zu den Komfortfeatures der neuen Wing.

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  • Nach wie vor das einzige Motorrad, das mit Fahrer-Airbag bestellt werden kann: Honda Gold Wing Tour. Am Bild gut zu erkennen: die neu entwickelte Double-Wishbone-Vorderradaufhängung, LED-Scheinwerfer. © Peter Pisecker
  • Das Gerät im Vordergrund heißt künftig einfach Gold Wing. Beide Versionen haben Stopp-/Start-Automatik, der Fahrmodus kann unter den vier vorgegebenen Möglichkeiten Tour, Sport, Econ und Rain gewählt werden. © Peter Pisecker
  • Großes Display, auf Wunsch Navigationssystem und Apple Car Play. Der Rückwärtsgang ist beim Schaltgetriebe wie bisher serienmäßig, beim DCT heißt das nun Rangierfunktion. © Peter Pisecker

Suzuki

Der Überlebende: Suzuki E-Survivor.
Ernsthafte Geländewagenstudie mit Leiterrahmen und Elektroantrieb, der durch vier E-Motoren in den einzelnen Rädern realisiert wird. © Peter Pisecker
Die Cross-Biene: Suzuki Xbee.
Kleinwagen mit maximaler Raumausnutzung. Gezeigt in den Varianten Outdoor Adventure (Bild) und Street Adventure. © Peter Pisecker

Yamaha

Motorradhersteller Yamaha überraschte mit einem Pick-up namens Cross Hub Concept und einem vierrädrigen Motorrad. Aber sehen Sie selbst:

© Mazda