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© Peter Pisecker
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Oktober 2019

Tokyo Big Sight

So heißt das Ausstellungsgelände auf der künstlichen Insel Odaiba der japanischen Hauptstadt, in dem alle zwei Jahre die Tokyo Motor Show stattfindet. 

Futuristische Studien? Check. Serienreife oder fast serienreife Volumensmodelle? Check. Autos, die auch nach Europa kommen werden? Naja… ein paar zumindest. Seltsamkeiten und Skurrilitäten, für die diese Tokyo Motor Show immer berühmt war, wie übermotorisierte Dreiradler oder elektrisch angetriebene Acht-Rad-Autos? Nicht mehr zu sehen. Schade.

Die Verspieltheit ist der japanischen Automesse abhanden gekommen. Nur am Toyota-Stand spielt ein mit Armen und Händen ausgerüsteter Roboter-Torso mit dem Publikum "Schere, Stein, Papier". Er ist nicht besonders gut darin, weil er die Gesten des Gegenübers nur nachahmt. So geht jede Runde zwangsläufig unentschieden aus.

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Bleiben wir gleich bei Toyota.

Da sticht zunächst einmal die Studie des Nachfolgers von Toyotas Brennstoffzellen-Auto hervor, das seit 2014 gebaut wird und das es zwar theoretisch seit 2017 auch bei uns zu kaufen gibt, das aber praktisch niemand kauft. auto touring hat vor zwei Jahren in dieser Reportage probiert, mit dem Mirai durch ganz Österreich zu fahren; mangels ausreichender Infrastruktur an Wasserstoff-Tankstellen ist das Vorhaben nur teilweise gelungen.

Nun feiert der Toyota Mirai Concept als Ausblick auf die zweite Generation dieser Brennstoffzellen-Limousine in Tokio Premiere. Nun mit Heck- statt Frontantrieb, 30 Prozent mehr Reichweite und deutlich ansprechenderer Optik. Der Marktstart ist in Japan, Nordamerika und "ausgewählten europäischen Märkten" für Ende 2020 geplant; dass Österreich dazu zählt, darf bezweifelt werden.

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1 Aus dem Mirai wird in zweiter Generation eine elegante Oberklasse-Limousine, ungefähr so lang wie ein 5er-BMW. © Toyota

2 Aus dem bisher viersitzigen Brennstoffzellen-Toyota wird ein Fünfsitzer, der Innenraum wirkt aufgeräumt, 12,3-Zoll-Display inklusive. © Toyota

3 Der Mirai Concept steht auf der neuen TNGA-Plattform (Toyota New Global Architecture) mit Hinterradantrieb. Der Brennstoffzellenantrieb wurde überarbeitet, um ein besseres Ansprechverhalten und höhere Reichweiten zu erzielen. © Toyota

Der Toyota LQ ist ein Concept Car für die Zukunftsdisziplinen automatisiertes Fahren und künstliche Intelligenz. Wir haben sie so ähnlich schon vor zwei Jahren auf der Tokyo Motor Show gesehen, da hieß die Studie noch Concept-i.

Yui, ein persönlicher Assistent, soll im LQ mittels künstlicher Intelligenz (AI, artificial intelligence) ein "emotionales Band zwischen Fahrer und Fahrzeug" herstellen, sagt Toyota. Der Trick dabei ist, dass Yui angeblich den Gemütszustand des Fahrers erkennt und darauf reagiert, indem er Klimatisierung, Sitzbelüftung, Innenraumbeleuchtung, Musikangebot usw. anpasst oder auch Duftstoffe in die Kabine bläst. Ob das hilft oder nervt, wird man erst sehen, wenn so etwas in ein Serienauto einfließt.

Der Toyota LQ soll sich auch selbstständig einen Parkplatz suchen können, nachdem er die Insassen an ihrem Fahrtziel abgesetzt hat. Außerdem weist er eine spezielle Katalysatorbeschichtung auf (das weist auf einen Antrieb mittels Verbrennungsmotor hin), die bodennahes Ozon in Sauerstoff umwandeln können soll. So könnte man beim Fahren die Luft reinigen, feine Sache. Wenn's stimmt.

Honda – Autos, Motorräder, Rasenmäher

Das wichtigste Fahrzeug auf dem Honda-Stand der Tokyo Motor Show ist – nicht dieser Rasentraktor (großes Bild) und auch nicht die neue CRF1100L Africa Twin und Africa Twin Adventure Sports (obwohl: nicht unwichtig), sondern die neueste Generation des Kleinwagens Honda Jazz, der in Japan Honda Fit heißt. Nach Österreich kommt der Jazz im Sommer 2020 ausschließlich mit Hybridantrieb.

Außerdem werden nächstes Jahr alle Autos der Marke zügig elektrifiziert, denn Honda ist fest entschlossen, keine Strafzahlungen wegen Verfehlung der von der Politik vorgegebenen CO2-Flottenziele zu leisten. Bis 2022 sollen alle Volumensmodelle Hondas auf dem europäischen Markt über elektrischen oder zumindest elektrifizierten Antrieb verfügen.

Beim Jazz ist man besonders stolz auf eine stark verschlankte A-Säule, die die Sicht nach schräg vorne verbessert. Erstmals wird es auch eine Crosstar-Version in etwas rustikalerer Optik geben – deutlichstes Erkennungsmerkmal sind die Kunststoff-Radläufe und ein anderer Kühlergrill.

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TokyoMotorShow19_Honda_Jazz_Crosstar_CMS.jpg Honda 3

1 Sitzprobe in virtuellem Garten. © Peter Pisecker

2 Der neue Honda Jazz verfügt wie bisher über ein besonders großzügiges Innenraumkonzept und die klugen "Magic Seats" im Fond, die sowohl um- als auch hochklappbar sind. © Peter Pisecker

3 Neu: der Jazz Crosstar für alle, denen SUV gefallen, die aber keines fahren wollen. © Honda

Mazda: das neue Elektroauto MX-30

Kein Concept Car, kein "erster Ausblick", nein, serienreif steht Mazdas Elektroauto auf der Bühne. Sein Name wurde erst hier in Tokio verkündet: MX-30 heißt der neue Stromer. Über die Reichweite schweigt Mazda sich noch aus, die Batterie hat jedenfalls eine Kapazität von 35,5 kWh. Das sei die optimale Größe, sagt Mazda-Österreich-Geschäftsführer Heimo Egger.

Der Mazda MX-30 kann ab sofort online reserviert werden, für Schnellentschlossene gibt es eine limitierte "Edition One" zu 34.990 Euro.

Egger verspricht, dass Kunden, die sich jetzt entscheiden, im September 2020 in ihren MX-30 einsteigen können. Im Edition-One-Paket ist auch eine Webasto-Wallbox für zu Hause inbegriffen.

TokyoMotorShow19_Mazda MX-30_Side_CMS.jpg Mazda 1
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1 Das Türkonzept des MX-30 erinnert an den letzten Wankel-Mazda, den RX-8. Die hinteren Türen können erst geöffnet werden, wenn die vorderen offen sind, und erleichtern den Einstieg nach hinten. © Mazda

2 Der MX-30 ist 4,4 Meter lang und 1,6 Meter hoch. Wie weit er mit der serienmäßigen 35,5-kWh-Batterie kommt, sagt Mazda nicht, spricht aber im Pressetext von "genügend Pendler-Reichweite". © Peter Pisecker

3 Innen: typisches Mazda-Feeling mit nachhaltigen Materialien, z.B. Kork (Mazda war in seinen Anfängen Korkproduzent). © Mazda

Zwischenspiel: Das Zellulose-Auto

Professor Hiroyuki Yano von der Universität von Kyoto zeigt stolz auf den coolen Sportwagen NCV, der mit Unterstützung des japanischen Umweltministeriums entwickelt wurde. Die Abkürzung steht für Nano Cellulose Vehicle. Seine Karosserie besteht nicht aus Blech, sondern enthält Bauteile, die aus leichten Zellulose-Fasern gepresst sind. Sie sollen fünfmal so stark sein wie entsprechende Teile aus Stahlblech, und das bei nur einem Fünftel des Gewichts. Die Zellulose wird auf die selbe Weise gewonnen wie für die Papiererzeugung – aus Holz.

Wer mehr darüber wissen will: Hier zum besseren Verständnis ein erklärendes Video (keine Sorge, wenn Sie nicht japanisch können – es hat englische Untertitel).

TokyoMotorShow19_PP_DSC_0037_CMS.JPG  Peter Pisecker © Peter Pisecker
TokyoMotorShow19_PP_DSC_0048_CMS.JPG  Peter Pisecker © Peter Pisecker
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Suzuki verspricht Erregung für alle

"Excitement for you, excitement for everyone" lautete das Motto auf dem Suzuki-Stand, oder auch: "Waku Waku Switch for everyone". Man muss nicht alles verstehen, obwohl es sich am Ende ganz leicht aufklärt, aber dazu kommen wir gleich.

Neben würfelförmigen Kleinbussen in geschrumpftem Mini-Format, die nie und nimmer auf außerjapanischen Märkten vertrieben werden, fand sich bei Suzuki auch ein kleiner Mini-Crossover, der wirklich spaßig ausschaut und besonders mit bunter Folierung auf österreichischen Straßen möglicherweise ebenso viel Aufsehen erregen könnte wie ein Supersportwagen. Hustler heißt das Gefährt, wird aber wohl nicht nach Europa kommen, genauso wenig wie das Raummobil Hanare, dem der Hersteller selbst den Stil eines freistehenden Häuschens attestiert. Wie bei einem Häuschen weiß man auch beim Hanare nicht genau, wo vorn und wo hinten ist.

Der Dritte im Bunde, der kompakte, sympathisch geformte Zweitürer mit Plug-in-Hybridantrieb schließlich heißt Waku SPO, und hier zeichnet sich die Lösung des rätselhaften Mottos von Suzuki auf der diesjährigen Tokyo Motor Show ab: Er verfügt über einen "Waku Waku"-Schalter, den oben erwähnten Waku Waku Switch, mit dem die Frontmaske, die Instrumententafel und sogar die Karosserieform auf Knopfdruck verändert werden können. Warum? Na, so halt. Weil's geht.

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Hustler Concept.
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Hanare.
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Waku SPO.

Mitsubishi, Nissan: Design oder Nichtsein.

Bei diesen beiden Herstellern dominierte jeweils ein Auto die Bühne: Der Mitsubishi MI-Tech Concept ist eine SUV-Studie, die des besseren Blickfangs wegen als mächtiges Cabrio im Stile eines Strandbuggys ausgeführt ist. Eine ausgefallene Form, die ihre Wirkung nicht verfehlt. Das Statement dazu lautet "elektrisches SUV, das unter allen Bedingungen und auf jedem Terrain außergewöhnlichen Fahrspaß und hohe Sicherheit bietet".

Eckpunkte sind ein Allradsystem mit vier Elektromotoren ("Quad Motor") und aktiver Giermoment-Regelung sowie ein kompakter, leichter Plug-in-Hybrid-Antriebsstrang, bei dem der Elektroantrieb nicht durch einen herkömmlichen Verbrennungsmotor, sondern vielmehr durch einen Gasturbinen-Generator zur Stromerzeugung ergänzt wird.

Blickfang bei Nissan und wohl das schönste Auto dieser Motorshow ist der Ariya Concept. Man liegt nicht falsch, wenn man dieses Auto schon im kommenden Jahr in den Verkaufsräumen der Nissan-Händler zu sehen erwartet, und das Beste ist: Es wird ziemlich genau so ausschauen wie es hier auf der Tokyo Motor Show 2019 gezeigt wird. Der Ariya ist enorm elegant, 4,6 Meter lang, hat je einen Elektromotor an Vorder- sowie Hinterachse und daher logischerweise Allradantrieb.

TokyoMotorShow19_PP_DSC_0159_CMS.JPG Peter Pisecker © Peter Pisecker
Auf Wiedersehen im Jahr 2021.

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