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© Erich Reismann
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Oktober 2020

Ein Quantum Grau

Trotz grauer Wolken und einer Lackierung namens Quantumgrau: Beim Test des Audi A4 Avant schien dennoch (fast) immer die Sonne.

Langweilig, unsexy, ja sogar spießig, meinen die einen. "Der versprüht den Charme eines gebügelten Hemdes, ein klassisches Vertreterauto halt", meint ein SUV-Fahrer. Stimmt überhaupt nicht, wie ich finde. Denn die meisten Kombis schauen heute schnittig aus und können nahezu alles besser als die meisten weichgespülten Soft-Geländewagen. Und sie sind vor allem eines nicht: fad.

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AUDI_A4_40TDIquattro_er062_CMS.jpg Erich Reismann 1
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1 Den Audi A4 und seinen Vorgänger Audi 80 gibt es seit mittlerweile 38 Jahren. Im Vergleich zur Limousine ist der Kombi, der bei Audi Avant heißt, immer schon fescher gewesen. © Erich Reismann

2 Das Facelift tat dem A4 offensichtlich gut, vor allem die Front ist markanter als je zuvor. Über den riesigen Kühlergrill lässt sich freilich streiten. Die Scheinwerfer sind auch mit LED-Matrix-Technik zu haben. © Erich Reismann

3 Von hinten ist eine Unterscheidung zum größeren Audi A6 fast unmöglich – zu ähnlich sind sich beide Modelle im Laufe der Jahre geworden. © Erich Reismann

Kleine Retuschen, große Wirkung

Es war zwar nur ein Facelift, das Audi im letzten Jahr einem seiner wichtigsten Modelle verpasste – aber das veränderte den A4 Avant in die richtige Richtung. Die Designer nutzten das Update und formten fast jedes Blechteil neu. Ein breiterer Grill (okay, über den lässt sich streiten), markante LED-Scheinwerfer und größere Lufteinlässe lassen den A4 sportlicher erscheinen. Und die Chromleiste am Heck, die die beiden Heckleuchten verbindet, macht das Auto optisch breiter. Eine Unterscheidung zum größeren A6 ist dadurch allerdings kaum noch möglich.

Innen haben einige Tester den wegratio­nalisierten Dreh-Drück-Knopf in der Mittelkonsole zum Steuern des Infotainment-Systems vermisst. Diese Aufgabe hat ein 10,1 Zoll großer Touchscreen übernommen, dessen Bedienung aber wunderbar einfach im Stile eines iPad mittels Wischen, Scrollen oder Ziehen funktioniert.

Sämtliche Instrumenten-Anzeigen werden im optionalen "Virtual Cockpit" hochauflösend dargestellt. Einige Male versagte der Bildschirm aber seinen Dienst, blieb schwarz und erwachte erst nach erneutem Motorstart wieder zum Leben.

Der A4 ist hochwertig, agil, alltagstauglich und trotz seiner Leistung erfreulich sparsam. Aber leider auch teuer.

Christian Stich, Redakteur

Wohlfühl-Atmosphäre

Gut leben lässt es sich im A4 Avant aber trotzdem. Die Sitzposition ist hervorragend, die Sitze sind bequem und langstreckentauglich, das Platzangebot vorne ist tadellos. Spürbar enger – vor allem für die Beine – wird's für Großgewachsene dahinter.

Der Kofferraum ist akzeptabel groß, kompakte Kombis à la VW Golf oder Hyundai i30 stecken aber dennoch mehr weg.

Einstecken kann dafür das Fahrwerk. Das erntete für seinen soliden Abrollkomfort immer wieder viel Lob von den Testern. Gleiches gilt für das agile Handling und die direkte Lenkung sowie das sanft schaltende Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe.

Absolut so­lide: der Verbrauch von durchschnittlich 6,5 l Diesel/100 km auf den knapp 10.000 abgespulten Kilometern.

Premium-Tarif

Fazit: Günstig ist Audi-Fahren freilich nicht, denn statt des ohnehin happigen Grundpreises von knapp über 50.000 Euro werden mit ein paar zusätzlichen Extras schnell einmal gut 70.000 Euro fällig. Für einen Mittelklasse-Kombi ein stolzer Tarif.

Klar, die Linien und Proportionen der Karosserie sind stimmig und zeitlos, das Interieur qualitativ ausgesprochen hochwertig und der Langstrecken-Komfort enorm hoch. Aber: Ein Über-Drüber ausstaffierter Škoda Octavia Combi ist in Summe nicht ganz so hochwertig, macht aber auch vieles richtig und einiges sogar deutlich besser. Und ist um den Preis eines Kompaktklasse-Autos günstiger. Nur beim Image hapert's halt noch. 

AUDI_A4_Navi_ZeillingerCMS.jpg Kurt Zeillinger 1

1 Wo bin ich? Elektronik-Wirrwarr beim Navi. Das Wetter ist perfekt, das Ziel eingegeben. Wir fahren seit zwei Stunden Richtung Süden. Plötzlich verschwindet die Straße komplett vom Bildschirm. Wir sehen in der Seitenleiste weiterhin die errechnete Ankunftszeit, die Distanz zum Ziel, den nächsten Rastplatz eingeblendet. Auch ein Verstellen des Karten-Maßstabs bringt nichts. Die Topografie ist weiterhin auszumachen, das Display gaukelt uns vor, dass wir schweben. Umschalten auf einen anderen Bildschirm-Inhalt und wieder zurück? Bringt auch nichts. Der angekündigte Rastplatz ist erreicht. Wir schalten den Motor ab, verriegeln das Fahrzeug, starten alles neu – und freuen uns, die Straße wieder zu sehen.  © Kurt Zeillinger

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