20190318_Autotouring_VespaElettrica_PanKurve.jpg  © Sebastian Binder
© Sebastian Binder
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März 2019

Vespa Elettrica im Test

Die erste Vespa mit Elektromotor: Was sie gut kann, was sie weniger gut kann, wieviel sie kostet und wie weit man mit ihr kommt. 

Guten Morgen, ich hole die Elettrica ab." "Ah, die Elektriker!" Und schwups, schon reiht sich die erste Vespa mit Elektroantrieb nahtlos in die Kette jener mundartlicher Adaptionen ein, deren lautmalerischer Klang nah am Original dran ist, à la "zum Bleistift", "eventunnel" und "Schlepptop". Vespa mit Elektroantrieb? Si, signore e signori, richtig gelesen.

Damit sind die Italiener der erste Großserien-Hersteller, der sich mit einem vollwertigen Elektromoped hierzulande auf den Markt traut. Kurzer Szenenapplaus.

Beginnen wir diesen Test doch mit ein paar stimmungsvollen Bildern (die ja angeblich oft mehr als 1.000 Worte sagen). Mit den Hard Facts geht es gleich danach weiter.

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Erste Impressionen: ohne Worte

Was sie gut kann. Was sie weniger gut kann. Wieviel sie kostet. Wie weit man mit ihr kommt.

Eines nach dem anderen, wir arbeiten die Antworten in Themenblöcken ab.

Block Nummer 1: Wie gut geht die Elettrica?

Knappe Antwort: sehr gut. Wir haben uns für Vergleichsfahrten eine Primavera mit klassischem 50-Kubik-Benziner geholt und können nun berichten: Die Elektro-Vespa stiehlt ihrem Benziner-Pendant in nahezu allen Belangen die Show. Sie marschiert deutlich dynamischer von der Ampel weg, bereitet auch im Fließverkehr mehr Vergnügen.

Die Elektro-Vespa stiehlt ihrem Benziner-Pendant in nahezu allen Belangen die Show.

Alexander Fischer, Redakteur

So klassisch

20190318_Autotouring_VespaElettrica_Vorne.jpg  Sebastian Binder © Sebastian Binder
Rahmen und die scheinbar ewig klassische Silhouette stammen übrigens…
20190318_Autotouring_VespaElettrica_Seitlich.jpg  Sebastian Binder © Sebastian Binder
… von der Primavera (dem 50-Kubik-Benziner-Pendant, nicht im Bild) ab,…
20190318_Autotouring_VespaElettrica_Hinten.jpg  Sebastian Binder © Sebastian Binder
… da passt vom Sitzkomfort bis zum Handling einfach alles.

Block Nummer 2: wie gut bewegt sich die Elettrica? ­

Tadellos, Fahrwerkskomfort und Handling geben keinerlei Grund zu Beschwerden, da funktioniert alles sang- und klanglos. Vespa hatte diesbezüglich allerdings so etwas wie ­eine Bringschuld, stammen doch Rahmen und Fahrwerk der Elettrica direkt von der Primavera ab, vonnöten war lediglich die Modifizierung für den E-Antrieb.

Was uns hingegen tatsächlich ein „perfetto“ entlockt, ist das Ansprechverhalten des Elektromotors. Das war bei vielen Elektro-Mopeds, mit denen wir bisher gefahren sind, meist die Achillesferse. Nicht so bei der Elettrica. Wenn man da am Gasgriff dreht, dann übernimmt der ­Motor den Beschleunigungswunsch super­sanft, ein echter Genuss ist das.Vor allem beispielsweise dann, wenn man (eventuell sogar mit gezogener Handbremse) vorsichtig am Stau vorbeirollt oder im Stop-and-go-Verkehr mitschwimmt.

Apropos Bremsen: Gebremst werden kann mit der Elettrica auf zweierlei Arten – klassisch via Handbremshebel oder via Rekuperation. Letztere ist zweistufig einstellbar, für unseren Geschmack könnte die Bremswirkung des E-Motors allerdings gerne etwas vehementer ausgelegt werden.

Bei vielen Elektro-Mopeds, mit denen wir bisher gefahren sind, war das Ansprechverhalten des Elektromotors meist die Achillesferse. Bei der Elettrica entlockt uns das Ansprechverhalten allerdings tatsächlich ein „perfetto“.

Alexander Fischer, Redakteur

So gut adaptiert

20190318_Autotouring_VespaElettrica_Frontal.jpg  Sebastian Binder © Sebastian Binder
Dass es sich hierbei um die Elektro-Vespa handelt, erkennen nur die wahren…
20190318_Autotouring_VespaElettrica_Opener1.jpg  Sebastian Binder © Sebastian Binder
… Vespa-Fans. Fakt ist: Die Batterie ist fix unter dem Helmfach platziert,…
20190318_Autotouring_VespaElettrica_Rueckseite.jpg  Sebastian Binder © Sebastian Binder
… der Elektromotor (mit Zwischengetriebe) optisch nahezu unsichtbar.

Block Nummer 3: Wie weit kommt man mit einer Akkuladung?

Rund 70 Kilometer weit. Ermittelt haben wir diesen Wert auf unserer Verbrauchsrunde bei ca. 10 Grad Außentemperatur im normalen Powermodus. Vespa gibt zwar vollmundig bis zu 100 Kilometer an, das klappt aber nur im zweiten Fahrmodus, dem Ökomodus (dann allerdings ist die Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h limitiert).

20190325_Autotouring_VespaElettrica_Openerhoch3.jpg Sebastian Binder © Sebastian Binder

Reichweite? Rund 70 Kilometer im normalen Power-Modus, etwa 100 Kilometer im Öko-Modus.

Alexander Fischer, Redakteur

Sonstiges, Plus und Minus

Kommen wir zu den weniger schönen Dingen – allen voran dem Preis. Die Elettrica kostet 6.690 Euro (in der Mopedversion), das ist echt happig, da gibt es nichts zu beschönigen. Die aktuellen Förderungen reduzieren zwar den finanziellen Schmerz auf 5.920 Euro, aber die vorhin erwähnte Primavera kostet ­immer noch rund 2.700 Euro weniger. Uff.

Außerdem hätten wir es begrüßt, wenn die Elettrica mit einer frei entnehmbaren Batterie konzipiert worden wäre. So aber ist die Batterie fix unterhalb der Helmmulde integriert. Wer aufladen will (das Ladekabel ist ebenso fix montierter Bestandteil), muss die Vespa somit nahe an einer klassischen Steckdose parken. Die Ladezeit selbst ist mit rund vier Stunden angenehm kurz.

Positiv hingegen: die durchwegs gute Verarbeitung, dass die Vespa via App mit dem ­eigenen Smartphone gekoppelt werden kann sowie das Vorhandensein eines Retourgangs.

20190318_Autotouring_VespaElettrica_Handschuhfach.jpg  Sebastian Binder © Sebastian Binder
Fach vorne: passend für diverses Kleinzeugs; nett, der USB-Anschluss.
20190318_Autotouring_VespaElettrica_Helmmulde.jpg  Sebastian Binder © Sebastian Binder
Fach hinten: Zu klein für einen klassischen Halbschalen-Helm.
20190318_Autotouring_VespaElettrica_Batterie.jpg  Sebastian Binder © Sebastian Binder
Fach hinten darunter: Unterhalb der Helmmulde ist die 4,2-kWh-Batterie platziert.

Die Elettrica kostet in der Mopedversion ohne Förderungen 6.690 Euro – uff, das ist echt happig.

Alexander Fischer, Redakteur

So modern

20190318_Autotouring_VespaElettrica_Display.gif Sebastian Binder 1
20190318_Autotouring_VespaElettrica_Handyapp.jpg Sebastian Binder 2
20190325_Autotouring_VespaElettrica_Cockpit.jpg Sebastian Binder 3

1 Die drei Fahrmodi: Power (für die alltäglichen Bedingungen), Eco (um Energie zu sparen, dann allerdings ist die Höchstgeschwindigkeit auf max. 30 km/h limitiert) und Reverse (für das Retourfahren, sehr praktisch, vor allem dann, wenn man die Elettrica Front voran auf abschüssigem Terrain eingeparkt hat). © Sebastian Binder

2 Funktioniert super: Die Kopplung von Vespa und Smartphone via App. © Sebastian Binder

3 Modernes 4,3-Zoll-Farbdisplay mit klassischer Einhausung: Nahezu jederzeit gut ablesbar in punkto Helligkeit und Kontrast, bei der Batterie-Prozent-Anzeige und dem Kilometerstand hätten die Italiener allerdings gerne eine größere Schriftart wählen können.  © Sebastian Binder

Fazit

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