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Heimisches Quartett, von links nach rechts: Lohner Stroler (3.990 Euro), KTM Macina Flite (3.690 Euro), MyEsel E-Tour (3.490 Euro) und Geero City Classic Vinyl (2.890 Euro).

© Sebastian Weissinger

Heimisches Quartett, von links nach rechts: Lohner Stroler (3.990 Euro), KTM Macina Flite (3.690 Euro), MyEsel E-Tour (3.490 Euro) und Geero City Classic Vinyl (2.890 Euro).

© Sebastian Weissinger
September 2019

Pedelecs aus Österreich '19

Wir haben's schon einmal gemacht – und weil es so schön war, machen wir es gleich noch einmal: Wir schauen uns hierzulande nach Alternativen zur klassischen Elektrofahrrad-Mainstream-Ware um. Seht die Selektion!

Dies ist kein Vergleichstest. Aber ein Vergleich schon. Ein Vergleich, der zeigen soll, wie bunt und vielfältig das Angebot an Elektro-Fahrrädern mittlerweile ist. Und mit welch spannend-innovativen Produkten die heimische Fahrradbranche gleichzeitig in diesem Spiel mitspielt. So einen Vergleich haben wir bereits einmal angestellt (hier kann der Artikel aus dem Vorjahr nachgelesen werden) – und heuer eben wieder.

Wir legen los mit der audiovisuellen Aufarbeitung der vier Fahrräder, ein bisserl Look & Feel in Video-Form – und danach vertiefen wir uns in den Details.

Push Play, please! Wohl bekomm's.

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Nun zu unserer Selektion, die inkludiert einen echten Zweisitzer, ein Reise-Rennrad, ein Holz-Rahmen-Bike sowie ein Stadtrad. Oder beim Namen genannt:

Lohner Stroler | KTM Macina Flite | MyEsel E-Tour | Geero City Classic

Aus Wien: das Lohner, ein echter Zweisitzer

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1 Zweisitzer #1: Die Fahrradverordnung schreibt für den Passagierbetrieb eine entsprechende Sitzfläche (bzw. einen separaten Sitz), eine Festhaltemöglichkeit sowie eine Trittfläche vor. Der Lohner erfüllt alle genannten Kriterien.   © Sebastian Weissinger

2 Zweisitzer #2: Das Staufach fasst Kleinzeugs im Raummaß von rund 8 Litern (oder beispielsweise das Ladegerät). Praktisch: ein integrierter USB-Anschluss.  © Sebastian Weissinger

3 Zweisitzer #3: Dieses Schaltwerk ist weder von Shimano noch von SRAM, sondern von der taiwanesischen Firma Microshift. Das verwendete Mezzo-Schaltwerk ist eigentlich für Mountainbikes gedacht, funktionierte im Test problemlos und unauffällig. © Sebastian Weissinger

Eines gleich vorweg: Planen Sie auf Ihren Wegen mit dem Lohner sicherheitshalber immer ein paar Minuten mehr ein. Sie werden sie brauchen. Nicht jedoch weil der Antrieb so lasch agiert, sondern neugierige Nachfragen nicht selten in mehr oder weniger langen Gesprächen münden (Ist das ein Fahrrad oder ein Moped? Echt, ein Lohner, den gibt's wieder? Die Antworten darauf lauten übrigens: Beides möglich und ja).

Was nun den Stroler betrifft: Die Motor-Unterstützung kann per Hand via Gasgriff geregelt werden, was sich vor allem bei langsamer Fahrt im Soziusbetrieb bewährt.

Praktisch: In das Staufach vorne passt nicht nur das Ladegerät, sondern auch diverses Kleinzeug.

Toll: die mögliche Zuladung von 190 Kilogramm, damit mutiert der Stroler beinahe schon zum Lastrad. Strahlend gut: die rahmenfest montierte Lichtanlage.

Aus Oberösterreich: das KTM, die raketoide Pendler-Alternative

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1 Pendler-Rakete #1: Achtung, der vermutlich längste Fahrrad-Produktname ever ;-)
KTM Macina Flite LFC 11 CX5 SRAM Apex © Sebastian Weissinger

2 Pendler-Rakete #2: Nett, arbeitet aber nicht besonders sensibel – die Headshock-Federung des Macina Flite. © Sebastian Weissinger

3 Pendler-Rakete #3: Wer ausdauernd mit dem Macina unterwegs ist, wird sich über den vorhandenen Cross-Lenker mit den vielen möglichen Griffpositionen freuen. © Sebastian Weissinger

Fahrräder wie jenes hier sind momentan gewissermaßen die Nische in der Nische, ergo: Nachfrage gering. Vermutlich ist das mit ein Grund dafür, dass es das Macina Flite in dieser Form im nächsten Modelljahr nicht mehr geben wird.

Wie dem auch sei: Ein Blick auf dieses Zwitter-Pedelec mit Rennrad- und Reiserad-Genen lohnt sich unserer Meinung nach trotzdem, denn: Zum täglichen Kilometer-Abspulen ist das Macina Flite eine echte Alternative zu allem Herkömmlichen. Die Sitzposition ist zwar eher sportlich tief, aber längst nicht so extrem wie bei einem echten Racer. Dank der breit abspreizenden Lenker-Enden bieten sich zudem eine Vielzahl Griffpositionen an.

Gut ins Bild passt der kräftige Bosch-Motor (es handelt sich dabei um die stärkste CX-Version mit 75 Nm Drehmoment), der angenehm sanft die Leistung beisteuert. Gut: brauchbare Reichweiten dank des 500-Wh-Akkus. Sauber: Die aufgeräumte Optik gefällt, speziell der Heckträger, der sich am Kotflügel mit integriertem Rücklicht abstützt.

Aus Oberösterreich: das MyEsel, Holzrahmen mit Akku-Kern und Hinterradantrieb

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1 Holy Wood #1:  Das MyEsel E-Tour trägt den Akku im Rahmen und den Antrieb im Hinterrad. Davon abgesehen: sehr stimmiges Gesamtkonzept, von der Geometrie bis zum Fahrverhalten. © Sebastian Weissinger

2 Holy Wood #2: Schlank und schlicht – die Bedieneinheit des MyEsel hat die Größe eines Fitness-Trackers.   © Sebastian Weissinger

3 Holy Wood #3: Der Rahmen besteht aus mehreren, miteinander verklebten Holz-Schichten (großteils ist's Eschenholz). Wir finden: Das sieht nicht nur gut aus, sondern fühlt sich auch gut an.  © Sebastian Weissinger

Schon im Vorjahr haben wir einen intensiven Blick auf eine elektrifizierte Variante des charismatischen Pedelecs mit Holzrahmen geworfen. Damals waren Motor und Akku in die Hinterradnabe integriert, die Bedienung erfolgte ausschließlich per App.

Das ist nun anders: Der Akku (Kapazität: 400 Wh) wurde im Unterrohr platziert, die Bedienung erfolgt via dezent gehaltener Infoeinheit vom Lenker aus. Nur der Motor sitzt nach wie vor in der Hinterradnabe, stammt jedoch von einem anderen Anbieter. Was uns tatsächlich gut gefallen hat, ist das extrem stimmige Gesamtkonzept, beginnend bei der sportlichen Sitzposition, fortgeführt bei der aufgeräumt-athletischen Optik und endend beim überaus knackigen Handling.

Wer einen komfortablen Gleiter sucht, ist beim E-Tour jedoch fehl am Platz (und sollte stattdessen sein Augenmerk eventuell auf das gefederte E-Cross richten). Top: das geringe Gewicht (nur 19 Kilo).

Aus der Steiermark: das Geero, schwarz, schlicht, elegant

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1 Black Beauty #1: Junge, stilvolle Marke setzt auf Understatement pur – das ist Geero. © Sebastian Weissinger

2 Black Beauty #2: Gepäckträger mit Auflagefläche aus Holz und Gummi-Gurten zur Fixierung des Ladeguts – eine unkonventionelle, aber durchaus gefällige Lösung. © Sebastian Weissinger

3 Black Beauty #3: Den eindeutigsten Hinweis auf den vorhandenen Elektroantrieb gibt das Steuerpaneel in Bankomatkartengröße am linken Lenkerende. © Sebastian Weissinger

Es gibt Elektro-Fahrräder, die erkennt man auf den ersten Blick: dicker Rahmen, klar ersichtlicher Motor, hohes Gewicht. Das KTM auf der linken Seite beispielsweise ist so ein Exemplar.

Es gibt aber auch Elektro-Fahrräder, die wesentlich dezenter und leichter auftreten. Zu dieser Gattung gehört definitiv das Geero City Classic Vinyl. Zwar ist der Akku ebenso im Unterrohr platziert wie bei vielen anderen Modellen, im Geero allerdings ist er nicht ganz so groß, hat weniger Kapazität (420 Wh nämlich), benötigt also auch nicht so viel Platz. Außerdem ist der Motor nicht im Tretlagerbereich untergebracht, sondern platzsparend in die Hinterradnabe integriert. Laien erkennen das Pedelec noch am ehesten an der Bankomatkarten-großen Steuereinheit am Lenker.

Sehr gut: Trotz der sehr kompletten Ausstattung (Kotschützer, Gepäckträger sowie die StVO-konforme Sicherheitsausrüstung sind serienmäßig dabei) wiegt das Geero lediglich knapp 19 Kilogramm – ein Top-Wert.

Zahlen zum Abschluss, klärende Worte plus ein hoffnungsvoller Kommentar

Die Zahlen. Von rund 457.000 im Vorjahr verkauften Fahrrädern war rund jedes dritte Modell bereits ein Elektro-Fahrrad. Wow. Gleichzeitig: Win-win. Weil: Einerseits füllt diese florierende Situation die Handelskassen (Tendenz nach wie vor steigend), andererseits freut sich der Radler, weil ständig neues vergnügliches Gerät auf den Markt kommt.

Klärende Worte. Wenn von Elektro-Fahrrädern gesprochen wird, fallen häufig auch die Begriffe Pedelec bzw. E-Bike – doch was ist was? 

Das Wort Pedelec setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe Pedal Electric Cycle zusammen, gemeint sind damit jene Fahrräder, die über ­einen elektrischen Hilfsmotor zur Tretunterstützung verfügen. Im Unterschied dazu steht eigentlich das E-Bike, dessen Elektromotor auch nur per Gasgriff angesteuert werden kann und das Treten somit eigentlich überflüssig macht.

Im täglichen Sprachgebrauch werden die beiden Begriffe mittlerweile allerdings recht synonymhaft verwendet.

Hoffnungsvoller Kommentar. Unserer Selektion zeigt zwei Dinge ganz eindeutig auf. Erstens: Die heimische Fahrradbranche treibt herrlich bunte Blüten, ist technisch und preislich absolut auf Augenhöhe mit der internationalen Konkurrenz. Zweitens: In beinahe allen Radsparten gibt es mittlerweile Elektro-Substitute zu den herkömmlichen Modellen.

Das stimmt zwar zuversichtlich (weil das Radeln mit E-Antrieb ein ungemein vergnüglicher Zeitvertreib sein kann), macht aber auch nachdenklich. Vor allem dann, wenn es um Fahrkönnen und Selbsteinschätzung mancher Hobbyradler geht. Ja, die scheinbare Leichtigkeit hat so ihre Tücken. Wer plötzlich zu Berghütten hochfahren kann, sollte sich vielleicht schon während der Fahrt hinauf Gedanken machen, ob er da auch wieder heil runter kommt. Wie beim Wandern gilt nämlich: Bergab ist oft anstrengender als bergauf. 

Und wer plötzlich innerstädtisch locker mit 25 km/h (dem Geschwindigkeits-Limit für Elektrofahrräder) unterwegs ist, wo er früher aber vielleicht nur etwa halb so schnell war, der möge sich bitte auch darüber Gedanken machen, wie dieser Geschwindigkeitsüberschuss im Notfall kompensiert wird. 

Ja, diese Zeilen wurden mit symbolisch erhobenem Zeigefinger geschrieben. Nein, wir wollen den vergnüglichen Elektroboost nicht madig schreiben. Aber es geht um Fairness. Und um Rücksicht. Miteinander statt Gegeneinander, vor allem auf dem Radweg, dann haben alle etwas davon. Mit Ausnahme der Notfall-Ambulanzen – denn die hätten dann weniger Unfallopfer.

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© Sebastian Weissinger

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