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November 2015

Moto Guzzi Garage

Mit der V7 ist es Moto Guzzi gelungen, italienischen Charme in ein kompaktes, nicht allzu teures Motorrad zu komprimieren. Mit dem Custom-Kit ist es jetzt sogar möglich, das erfolgreiche Vintage-Modell individuellen Wünschen anzupassen.

Die italienische Kleinstadt Mandello del Lario bedient fast alle Klischees, die wir von "Bella Italia" haben: Enge, romantische Gässchen, alte Gemäuer mit losem Verputz in Terrakotta-Farben, der Geruch von Pasta und Pizza und Wäscheleinen, die sich von Fenster zu Fenster, von Balkon zu Balkon spannen. Fehlt nur noch, dass Sophia Loren mit Marcello Mastroianni streitet und in Deckung geht, als dieser einen Blumentopf nach ihr wirft. Selbst die Glocken der Kirche San Lorenzo klingen hier anders als die Kirchenglocken bei uns – melodiöser, atmosphärischer. Und wieder entsteht ein Bild im Kopf: Diesmal von Don Camillo, der an den Glocken-Seilen zieht, um seinen Rivalen Peppone zu ärgern. Wie die Italiener das machen, bleibt ihr Geheimnis.

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Glocken läuten für Guzzi-Pilger

Das kleine Städtchen am Comer See hat weit mehr zu bieten als Dolce Vita: Hier wurde Motorradgeschichte geschrieben. Als der Flugzeugtechniker Carlo Guzzi im März 1921 mit seinem Partner, dem Piloten Giorgio Parodi, die Aktiengesellschaft "Moto Guzzi" gründete, hätte wohl niemand gedacht, dass das der historische Beginn einer  jahrzehntelangen Erfolgsgeschichte sein sollte. In den 1920er- und 30er-Jahren  legendär im Rennsport, 1934 größter Motorrad-Hersteller Italiens, ist Moto Guzzi vor allem auch durch die legendäre California bis heute ein Begriff bei Motorrad-Liebhabern. Zur Fabrik, der auch ein Museum angeschlossen ist, pilgern heute viele Motorrad-Enthusiasten. Die meisten davon kommen auf ihrer Moto Guzzi angerollt.

Mandello del Lario

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1 Die Schiffsanlegestelle in Mandello del Lario ist ein beliebter Treffpunkt für Senioren zum  Austauschen von Neuigkeiten. © Wilhelm Bauer

2 Typisch italienisch: Wäscheleinen von Fenster zu Fenster, von Balkon zu Balkon. © Wilhelm Bauer

3 Marina von Mandello del Lario. Alte Gemäuer mit losem Verputz in Terrakotta-Farbe. © Wilhelm Bauer

Als in den 60er-Jahren der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung auch Italien erfasste, Autos leistbar und gefragter als Motorräder wurden, geriet Moto Guzzi so wie der gesamte italienische Motorradmarkt in eine existenzielle Krise. Nach mehreren Besitzerwechseln und durch verworrene Modellpolitik in Verruf gekommen, schreibt der Hersteller, der mittlerweile zum Piaggio-Konzern gehört, mit der V7 an einer Fortsetzung seiner Erfolgsgeschichte. 

Mit der V7 ist es Moto Guzzi im Jahr 2007 gelungen, das italienische Dolce Vita zu materialisieren und in ein kleines, nicht allzu teures Motorrad zu komprimieren. Wer nach dem Genuss eines Cappuccino neben einer Caffè Bar den Startknopf drückt, das tiefe Bollern des V2 hört und die Vibrationen spürt, die das Bike hin und her schütteln, der weiß, was echte Motorradliebe ist. 

Moto Guzzi V7 Due

Mit der V7 II oder Due, wie die Italiener sagen, wurde das Retro-Bike nun modernisiert, zum Glück aber nicht auf Kosten seines Flairs. Ein neues Sechsganggetriebe, serienmäßiges ABS und eine abschaltbare Traktionskontrolle tun dem Zauber der Marke keinen Abbruch. Die Vibrationen des Motors bleiben auch bei höherer Drehzahl vor allem in den Fußrastern deutlich spürbar. Diese sind nun etwas tiefer montiert und sorgen für ein noch lustvolleres Cruisen bei unserer Testfahrt rund um den Comer See. Mit vier neuen Umbau-Kits kann die V7 Due sogar personalisiert und den jeweiligen Vorlieben angepasst werden. Damit ändert sich ihr Charakter: Es entsteht Dapper (ein Café Racer), Dark Rider (ganz in Mattschwarz), Legend (im Stil der Militärmotorräder) oder Scrambler (für unwegsames Gelände). Die Preise beginnen bei rund 9.000 Euro (V7 Stone), der komplette Umbau zur Scrambler kostet rund 4000 Euro extra.

Info: Moto Guzzi Garage

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Moto Guzzi V7 Dapper: Café Racer im 70er-Jahre-Stil mit polierten Aluminiumteilen.
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Moto Guzzi V7 Dark Rider: Bike mit mattschwarzen Elementen.
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Moto Guzzi V7 Scrambler: Straßenbike im Off-Road-Stil, mit grobstolligen Offroad-Reifen und 70er-Jahre-Vintage-Sattel.
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Moto Guzzi V7 Legend: Im Retro-Stil der Militärmotorräder aus den Vierzigern, wahlweise in mattem Olivgrün oder Camouflage.

Wer das Werk hinter dem Bahnhof von Mandello del Lario besucht, kann den Hauch der Geschichte nicht nur fühlen, sondern auch erleben, denn die alten Werkshallen aus den Fünfzigerjahren sind zum Teil noch erhalten. Auch der alte Windkanal, der 1950 auf dem Fabrikgelände errichtet wurde, kann besichtigt werden. Und wieder entsteht ein Bild im Kopf – wie Carlo Guzzi 1956 die Vollverkleidung der 350 Monocilindrica aerodynamisch optimierte und Bill Lomas damit den Sieg in der 350er-Klasse-Weltmeisterschaft von 1956 ermöglichte. Wie die Italiener das machen, bleibt ihr Geheimnis.

Info: Moto Guzzi Museum

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