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April 2016

L17: Endlich Auto fahren!

Mit 17 Jahren den Führerschein machen – das ist einfach megacool. Der Weg bis dahin soll gut überlegt sein. Zehn Tipps, wie Sie die L17-Zeit gut überstehen – egal ob als Führerscheinwerber oder als Begleiter.

Die allerersten L17-Fahrten mit meinem damals 16-jährigen Sohn Paul waren nicht sehr schön", erinnert sich Michael Sternath und denkt an zwei brenzlige Situationen auf der Straße. "Ich war anfangs wirklich skeptisch. 3.000 Kilometer gemeinsam fahren ist doch auch ein Zeitaufwand. Heute bin ich sehr froh darüber und werde auch mit meiner Tochter die L17-Führerscheinausbildung machen." Sternath weiß, dass er seinen Sohn überall hinfahren lassen kann, denn er kennt nun dessen Fahrkünste. "Das ist ein sehr gutes Gefühl für meine Frau und mich. Nach nur zwölf verpflichtenden Fahrstunden und ein paar weiteren Übungseinheiten hätte ich meinen Sohn nicht ohne Bedenken auf die Straße geschickt."

Paul konnte es kaum erwarten, den Führerschein zu bekommen, und ist zur Fahrprüfung gleich ein paar Tage nach seinem 17. Geburtstag angetreten. Er wohnt in Altenmarkt im Pongau und freut sich, nun endlich mobil zu sein: "Die Distanzen kommen mir jetzt mit dem Auto nicht mehr so weit vor."

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Ich bin die 3.000 Kilometer größtenteils in Wien gefahren. Der dichte Verkehr am Gürtel war schon eine Herausforderung.

Olivia Lenz (18), L17-Absolventin aus Wien

"Ich habe kurz vor meinem 16. Geburtstag das blaue L17-Ausbildungstaferl bekommen", erinnert sich die Wienerin Olivia Lenz. Die heute 18-Jährige ist zwar in der Großstadt nicht auf ein Auto angewiesen, hat den vorgezogenen Führerschein aber aufgrund der intensiveren Fahrausbildung gewählt und ist mit ihrer Mutter hauptsächlich in der Stadt gefahren. Das ist natürlich auch ein Zeitaufwand, denn wer die 3.000 Kilometer im Schnitt mit 50 km/h zurücklegt, ist 60 Stunden unterwegs. 

Roland Frisch, Chefinstruktor der ÖAMTC-Fahrtechnik, betont: "Das Autofahren lernt man nur durch das Fahren." Im Zuge des verpflichtenden Mehrphasen-Trainings erkennt der Fahrtechnik-Profi während des Trainings anhand der Fahrweise und der Vertrautheit mit dem eigenen Gefährt, ob ein Führerscheinneuling bereits Tausende von Kilometern zurückgelegt hat oder nicht.

"Mein Vater ist berufsbedingt viel unterwegs, ich habe ihn während meiner L17-Ausbildung fast überall hingebracht und bin in dem Jahr sogar 5.000 Kilometer gefahren", erzählt Paul. "Ich wohne am Land und kann nur jedem empfehlen, auch viel Erfahrung in der Stadt zu sammeln. Denn auf Verkehr, Straßenbahnen und auf Ampeln gleichzeitig zu achten, ist nochmal etwas ganz anderes." 

Nervenaufreibende Zeit

Die Ausbildungszeit verläuft für Eltern und auch für ihren Schützling sicherlich nicht immer einfach und reibungslos. "L17-Begleiter müssen ihr Kind einerseits auf die Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam machen, aber dürfen andererseits keine übertriebene Angst in ihm auslösen", betont ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. 

"Mein Vater war neben mir so nervös. Er hat sich festgehalten, mitgebremst und so getan, als würde er in Lebensgefahr schweben", erinnert sich die L17-Absolventin Sarah Priller. "Er hat mit seinem Verhalten auch mich richtig nervös gemacht." Sarah ist die restliche Zeit nur noch mit ihrer geduldigen Mutter gefahren.

Psychologin Seidenberger weiß, dass sogar Eltern, die vieles unter Kontrolle haben, während einer Übungsfahrt mit ihrem Kind auch einmal nicht alles optimal hinbekommen. "Sie haben dann das Gefühl, dass sie in ihrer gesamten Elternschaft versagen, keine guten Vorbilder abgeben, zu sehr bevormunden und sich auch emotional nicht im Griff haben." Als Elternteil muss man viel Geduld aufbringen und sollte nicht gleich verzagen, wenn das Gelernte nicht gleich auf Anhieb funktioniert. Die Verkehrssicherheit hat natürlich oberste Priorität. 

Übungsfahrten am sicheren Gelände

Die Wienerin Olivia hat ihre erste L17-Ausfahrt als sehr stressig in Erinnerung: "Wir sind gleich über den Gürtel gefahren und ich musste dort auch das Einparken üben. Das war sehr anstrengend und mir etwas zu viel." Deswegen ist es wichtig, sich für die ersten Ausfahrten ruhigere Übungszonen aussuchen. Der ÖAMTC-Verkehrsübungsplatz im Fahrtechnik Zentrum Teesdorf bietet dafür das passende Umfeld. 

Verkehrsuebungsplatz_Houdek_H1069_CMS.jpg.jpg  ÖAMTC/Christian Houdek © ÖAMTC/Christian Houdek
Vom Kreisverkehr bis zur Kreuzung: Am…
Verkehrsuebungsplatz_Houdek_H1074_CMS.jpg.jpg  ÖAMTC/Christian Houdek © ÖAMTC/Christian Houdek
… Verkehrsübungsplatz Teesdorf bei Baden (NÖ) kann der L17-Fahrer mit…
Verkehrsuebungsplatz_Houdek_H1081_CMS.jpg  ÖAMTC/Christian Houdek © ÖAMTC/Christian Houdek
… seinem Begleiter zwischen 10 und 18.30 Uhr praxisnah üben.

Das L17-Training hilft noch vor der ersten Übungseinheit. "Begleiter des Führerscheinwerbers sollten in ihrem Übungs-Auto ausprobieren, wie es reagiert, wenn sie während der Fahrt die Handbremse ziehen bzw. die Taste der elektrischen Feststellbremse betätigen", empfiehlt ÖAMTC-Fahrtechnik-Chefinstruktor Roland Frisch und betont: "Das muss natürlich in einem sicheren Umfeld getestet werden, wo nichts passieren kann". Im Ernstfall hat der L17-Begleiter auf der Straße nämlich nur einen Versuch. 

Die vorgezogene Fahrprüfung gibt es seit 1999, seit drei Jahren darf man bereits im Alter von 15,5 Jahren mit dem Theorie-Block beginnen. Die theoretische Führerscheinprüfung wurde übrigens nach 30 Jahren komplett überarbeitet und ging am 7. März aktualisiert an den Start. Neue Fragen wie etwa zu Ablenkung durch Mobiltelefone und Navis sind ebenfalls enthalten, auch die Fotos wurden runderneuert.

Zehn Life Hacks, wie Sie die L17-Zeit mit ihrem Schützling gut überstehen

Zehn Tipps vom Fahrschulinhaber ­Oliver Köck an die Eltern – aber auch für den Führerschein-Anwärter ist der ein oder andere Wink dabei.

  1. L17 mit dem eigenen Kind? Es muss nicht zwingend ein Elternteil sein. Oft ist etwas Distanz zum Kind sehr gut, damit es nicht frech zurückreden kann. Ein guter Mix: ein Elternteil und ein sehr guter Bekannter – mit einem Naheverhältnis zum Kind. 
  2. Haben Sie Zeit für Übungsfahrten? Ausbildungsfahrten auf einer Strecke von insgesamt 3.000 Kilometer zu absolvieren, bedeutet nicht, dass man zweimal die Strecke Wien–Bregenz–Wien fährt und danach drei Mal um den Häuserblock. Reine Autobahn-Kilometer sind wertlos. Ihr Kind profitiert von einem ausgewogenen Verhältnis: Stadt, Land und Autobahn.
  3. Haben Sie Geduld? Ein stabiles Nervenkostüm ist für einen L17-Begleiter sehr wichtig.
  4. Richtig sitzen. Hat Ihr Schützling die Sitzposition richtig eingestellt und auch die Seitenspiegel und den Rückspiegel? Und Sie? Bedenken Sie, dass Sie nicht nur den Verkehr beobachten müssen, sondern auch Ihren Schüler. Oft hilft es, relativ weit vorne und etwas schräg zu sitzen, damit Sie auch das Gesicht des Fahrers sehen.
  5. Langsam herantasten. Es gibt für alles den richtigen Zeitpunkt: Vermeiden Sie den Stoßverkehr in den ersten Fahrten.
  6. Wenn L17-Begleiter während der Fahrt nervös sind, machen sie auch ihren Schützling nervös.

    Oliver Köck, Fahrschulinhaber

    Nicht mitbremsen.
    Lieber Beifahrer! Sie haben kein Bremspedal, somit können Sie auch nicht mitbremsen, versuchen Sie es erst gar nicht. Wenn Sie nervös sind, wird Ihr Schützling auch nervös. Passen Sie die jeweilige Übungsfahrt dem Können Ihres Kindes an. Vorausschauendes Fahren, große Sicherheitsabstände von mindestens zwei Sekunden schaffen einen notwendigen Sicherheitspolster.
  7. Geben Sie Ihrem Kind Sicherheit!  Es soll das Gefühl haben, selbstständig Entscheidungen zu treffen und zu wissen, was in der jeweiligen Situation zu tun ist. Zu viele Kommandos sind schlecht, etwa: bremsen, blinken, links abbiegen. Der L17-Fahrer soll nicht funktionieren wie ein Roboter.
  8. Reden ist wichtig. Sie können nicht Gedanken lesen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über den Verkehr: "Beschreibe mir, was du siehst." Denn es ist anfangs so sehr mit der Technik beschäftigt, dass es vielleicht den Radfahrer übersieht. Oder es verfällt auf der eintönigen Landstraße in einen Tagtraum.
  9. Immer schauen! Achten Sie darauf, dass Ihr L17-Fahrer den Spiegel-Spiegel-Schulter-Blick (3-S-Blick) auch in Situationen durchführt, in denen kein Verkehrsteilnehmer da ist, den er übersehen könnte. Hier geht es um das Automatisieren von Handlungen, denn nur wer etwas oft macht, verinnerlicht es auch.
  10. Loben Sie Ihr Kind. Das Kind soll nicht ständig Kritik hören. Viel Lob ist wichtig, denn der L17-Fahrer soll selbst seinen Fortschritt mitbekommen.

Ab 15,5 Jahren kann's losgehen

Voraussetzungen:

  • Für den Führerscheinwerber: Gesundheitliche Eignung zum Lenken von Kfz, spätestens bis zur theoretischen Prüfung: Erste-Hilfe-Kurs
  • Für die Begleiter: Es sind maximal zwei Begleitpersonen mit einem Naheverhältnis zum Führerscheinwerber möglich. Mindestens sieben Jahre Besitz der Lenkberechtigung der Klasse B und in den letzten drei Jahren tatsächlich ein Kfz gelenkt und keine gröberen Verstöße.

Anmeldung:

  • Amtlicher Lichtbildausweis
  • Meldezettel
  • EU-Passbild

Grundausbildung:

  • 32 Theorielektionen (20 allgemeines Grundwissen, 12 klassenspezifisch)
  • 12 Fahrlektionen mit dem Fahrlehrer in einem Fahrschulauto
  • Theoretische Einschulung (eine Lektion): Führerscheinwerber und L17-Begleiter in der Fahrschule

Theoretische Prüfung:

Nach dem Besuch des gesamten Theoriekurses kann bereits die Computerprüfung abgelegt werden. Vorausgesetzt, es liegt bereits ein positives ärztliches Gutachten der Führerscheinuntersuchung vor. Wenn die Theorieprüfung bestanden wurde, muss der Bewerber innerhalb von 18 Monaten die praktische Prüfung bestehen. Sonst wäre die Theorieprüfung zu wiederholen.

Führerschein App mit digitalem Fahrtenbuch

Mit der kostenlosen ÖAMTC-App für iOS und Android kann die offizielle Führerscheinprüfung für die Klassen A und B simuliert werden. Aber auch der Kurztest zum Führerschein-Grundwissen hilft in der Lernphase. Verfügbar in den Sprachen Deutsch, Englisch, Türkisch, Kroatisch und Slowenisch.

Wie Sie Ihr L17-Taferl ­bekommen

Nach der Grundausbildung, der Abgabe des ärztlichen Gutachtens und des behördlichen Antrags in der Fahrschule kann der Bescheid bei der jeweiligen Bezirkshauptmannschaft abgeholt werden. Die besondere Kennzeichnung des Ausbildungsfahrzeuges erfolgt mit einem blauen, quadratischen L17-Taferl vorne und hinten und einer zusätzlichen Tafel mit der Aufschrift "Ausbildungsfahrt".

Ausbildungsfahrten:

Begleiter und Bewerber führen Ausbildungsfahrten (3.000 Kilometer) durch. Während der Ausbildung sind nur Fahrten in Österreich zulässig. Jede Fahrt muss im Protokoll wahrheitsgetreu vermerkt werden. Der Bewerber kann mit verschiedenen Fahrzeugen fahren, sie müssen nur gekennzeichnet sein. Die Bewilligung und ein Lichtbildausweis sind immer mitzuführen.

Broschure_CMS.jpg  ÖAMTC © ÖAMTC
Die ÖAMTC-Infobroschüre "Ich will den Schein" gibt es gratis an allen Stützpunkten.
Schild_HE_CMS.jpg  Helmut Eckler © Helmut Eckler
Jedes Ausbildungsfahrzeug muss mit dem L17-Taferl vorne und hinten gekennzeichnet sein.
Fuehrerschein_CMS.jpg  ÖAMTC © ÖAMTC
Die Fahrprüfung kann frühestens mit Vollendung des 17. Lebensjahres absolviert werden.

Begleitende Schulung:

  • Fahrstunde mit dem Fahrlehrer nach 1.000 Kilometern im privaten Auto, anschließende Besprechung (2 Lektionen). 
  • Nach insgesamt 2.000 Kilometern findet erneut eine Fahrt mit dem Fahrlehrer im eigenen Auto statt (2 Lektionen). 
  • Nach insgesamt 3.000 Kilometern absolviert der Bewerber im Fahrschulauto seine Perfektionsschulung mit dem Fahrlehrer (3 Lektionen), anschließende Prüfungsvorbereitung. 

Praktische Prüfung:

Die Fahrprüfung kann frühestens mit Vollendung des 17. Lebensjahres absolviert werden. Die Fahrt erfolgt entweder im privaten Auto (nur wenn in der zweiten Sitzreihe eine Türe vorhanden ist) mit dem Begleiter als Beifahrer oder im Fahrschulauto mit einem Fahrlehrer. Der Prüfer sitzt jeweils auf der Rückbank.

Die 2. Ausbildungsphase für L17 

Nach dem vorgezogenen Führerscheinerwerb B ist ebenfalls eine weitere Ausbildungsphase zu absolvieren. Sie umfasst:

  • Das Mehrphasen-Training: Frühestens drei, spätestens neun Monate nach Erhalt des Führerscheins ist das eintägige Fahrsicherheitstraining in Verbindung mit einem verkehrspsychologischen Gruppengespräch zu absolvieren. Egal in welcher Fahrschule der Führerschein gemacht wird, beim Fahrsicherheitstraining hat man freie Wahl. Das Training kann somit auch in den Fahrtechnik Zentren des ÖAMTC absolviert werden.
  • Eine Perfektionsfahrt in der Fahrschule. Zeitraum: 6 bis 12 Monate nach Erhalt des Führerscheins.

Gut zu wissen:

  • Vor dem 18. Lebensjahr gilt der L17-Führerschein in Österreich, Deutschland, Dänemark, Nordirland und Großbritannien. 
  • Mit Vollendung des 18. Lebensjahres gilt die vorgezogene Lenkberechtigung automatisch als eine normale der Klasse B. 
  • Die Probezeit gilt bis zur Vollendung des 20. Lebensjahres!
 Mehrphasen_HH_DSC_6711_CMS.jpg  Heinz Henninger © Heinz Henninger
Beim Mehrphasen-Training der Fahrtechnik…
 Mehrphasen_HH_DSC_6790_CMS.jpg  Heinz Henninger © Heinz Henninger
… üben Führerscheinneulinge das richtige Fahrverhalten…
 Mehrphasen_HH_DSC_6412_CMS.jpg  Heinz Henninger © Heinz Henninger
… in kritischen Situationen.

Gratis ÖAMTC Mitgliedschaft

Für alle von 15 bis 19 Jahren gibt es die volle ÖAMTC Mitgliedschaft gratis. Zusätzlicher Bonus: Gratis Privat-Haftpflicht Unfallversicherung!

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