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Erste Rast am Weissensee: Kärnten von seiner schönsten Seite. 

© Roland Fibich

Erste Rast am Weissensee: Kärnten von seiner schönsten Seite. 

© Roland Fibich
Februar 2021

Von See zu See

Wie wir im Corona-Sommer Pause von der Pandemie machten und uns zwischen Weissensee und Klopeiner See ein Stück Normalität erradelten. 

Wodurch unterscheidet sich der Frühjahrs-Ausblick auf den Sommer 2021 von den Erwartungen, die wir im März und April des Vorjahres hatten? Was die Aussicht auf Reisen und Freizeit betrifft, sind es doch nur Nuancen, die uns derzeit noch von 2020 trennen.

Wie damals ist es die Sehnsucht nach Normalität, nach Erlebnis und Entdeckungen, die uns hin­aus treibt. Als die Infektionszahlen ab dem Juni des Vorjahres deutlich zurückgingen, stand für viele der Urlaub im eigenen Land auf dem Programm. Hotels, Gasthäuser und Cafés konnten wieder öffnen, auch die Bäder sperrten auf.

Auch wir wollten das Beste aus der Lage machen, daher zog es uns zuerst einmal nach Kärnten. 

Eine Reise mit dem Fahrrad sollte es sein – diesmal eher auf die bequeme Tour, mit dem E-Bike also und mit dem praktischen Transport des Gepäcks von Hotel zu Hotel durch hilfreiche Geister. Gut also, dass ein neues Angebot zu finden war: "Kärntner Seen­biken" quer durchs Land.

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Kaernten_Seenbiken_Karte_CMS.jpg Peter Scharnagl © Peter Scharnagl

Ein erster Blick auf die Karte ließ freilich an dem schönen Plan Zweifel aufkommen. Ausgerechnet am Ostufer des Weissensees sollte unsere Tour laut Programm beginnen. An einem Ort also, der vom ersten Quartier in Spittal an der Drau nur über eine steile Bergstraße zu erreichen war.

Zum Glück jedoch stellt sich rasch heraus, dass diese Bergwertung gleich zu Beginn programmgemäß mit einem Bus-Shuttle zurückgelegt wird. Das ist die erste Erkenntnis des Tages: Die Organisatoren der Tour haben nicht einfach Etappen aneinandergereiht, sondern auch ans Urlaubserlebnis gedacht. 

Kärntner Seenbiken: das Video

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Vom Weissensee nach Millstatt

Und so laden wir an einem milden Morgen im August 2020 unsere E-Bikes auf 930 Metern Seehöhe aus dem Transporter, verabschieden uns von dem freundlichen Fahrer und entern gleich unser nächstes Transportmittel, die "Alpenperle", die auf dem türkisfarbenen Wasser des Weissensees schaukelt. Bis zu unserem Ziel, der Station "Ronacherfels“, sind die Ufer naturbelassen, erst dort beginnen Rad- und Fußweg. 

Schon diese ersten Rad-Kilometer lassen den Erholungseffekt in Richtung Höchstpunktezahl steigen. Den See zur Linken gleiten wir im sanften Morgenwind durch Blumenwiesen, das Gebirgspanorama immer im Blick. Rasch ist der geschäftige Ort Techendorf erreicht.

Jetzt verläuft der Radweg entlang der Bundesstraße in Richtung Greifenburg. Vorsichtig sein heißt es während der Abfahrt auf der steilen, viel befahrenen Straße hinunter ins Drautal, aber diese Herausforderung ist auch für weniger Geübte gut zu meistern. Es ist dies einer der ganz wenigen Abschnitte der Tour, die nicht auf einem Radweg bewältigt werden können.

Gemütlich und eben geht es dann meist entlang der Drau weiter bis nach Sachsenburg und Spittal an der Drau, von wo wir nach Bewältigung einiger kleiner Steigungen und Abfahrten Seeboden am Millstätter See erreichen. Unser erstes Nachtquartier ist das angenehme Hotel Nikolasch in Millstatt.

Der Weg dorthin führt über einen Radweg, der parallel zum Nordufer entlang der Bundesstraße verläuft. Den späten Nachmittag und Abend verschönern wir uns mit einem Besuch im "Badehaus", einem luxuriösen Wellness-Tempel direkt am See samt Restaurant, in dem man inklusive Romantik-Sonnenuntergang auf der Terrasse speisen kann.

Vom Millstätter See zum Wörthersee

Unser nächstes Ziel, den Ferienort Döbriach, könnten wir am folgenden Tag recht rasch erreichen, indem wir dem Radweg am Nordufer weiter folgen. Doch wir entscheiden uns für den Rückweg nach Seeboden.

Denn von hier gelangen wir zu einem anderen Radweg, der entlang des naturbelassenen Südufers des Millstätter Sees führt: Für den Umweg belohnt werden wir mit einer herrlichen Fahrt durch Wälder und Wiesen, den See immer zur Linken. An vielen Stellen ist es ganz einfach möglich, zu baden oder auch nur die Beine im glasklaren Wasser abzukühlen.

In Döbriach legen wir in der "Seelounge" eine kleine Pause ein, bevor wir die nächste Herausforderung angehen. Nach Radenthein folgt der Radweg der viel befahrenen Bundesstraße 98. Zunächst geht es bergauf, später Richtung Feld am See und Afritzer See wieder bergab. Kilometerlang kann man hier ohne Treten das Rad einfach laufen lassen, Teile dieser Etappe müssen wir auf der Straße zurücklegen.

Doch schon bald ist der Ossiacher See erreicht. Entlang des Nordufers geht es jetzt zwischen Bahntrasse und Seeufer bis nach Sattendorf, wo wir nach einer letzten kurzen Steigungsstrecke im Hotel "Sonnenhügel" erwartet werden. Hier wie in allen anderen vorgebuchten Unterkünften ist man auf Radler eingerichtet, die E-Biker können die ­Akkus ihrer Gefährte entweder in der Garage oder auch am Zimmer aufladen.

Ab Sattendorf könnten wir am nächsten Tag zunächst einmal den Ossiacher See umrunden. Wieder wählen wir eine Alternative, nehmen gleich Kurs auf Villach, dessen Zentrum wir aber auf einer Radroute entlang des Seebachs meiden. Östlich der Stadt stoßen wir dann wieder auf den viel befahrenen Drauradweg, den beliebten Klassiker der Kärntner Radtouren.

Auch hier hat man durchaus den Eindruck, einem Seeufer zu folgen, denn der Fluss ist auf weiten Strecken aufgestaut. Das ausgezeichnete Kartenmaterial, das uns mitgegeben wurde, sowie die tolle Beschilderung lassen keinen Zweifel daran, dass wir den Drauradweg schon bei Föderlach wieder verlassen und dem Radweg R4 entlang der Südbahnstrecke nach Velden folgen sollten.

Hier geht es auch im Pandemiesommer 2020 turbulent zu. An der Einstiegstelle zur Wörthersee-Schifffahrt herrscht ein großes Gedränge, Abstandsregeln sind hier offenbar unbekannt und Ordnungspersonal ist keines zu sehen. An Bord der "Thalia" ist man für den Transport von E-Bikes auch nicht wirklich gerüstet. Die schweren Räder müssen über eine schmale Holzstiege mühsam unter Deck gehievt werden.

Doch insgesamt ist es eine gute Idee, die Etappe Wörthersee mit einer Schifffahrt ab­zukürzen. Hat man einmal ein Plätzchen an Bord gefunden, lassen Ambiente und Panorama rasch die Illusion aufkommen, man sei in einem ganz normalen Sommer auf einem ganz normalen Urlaub im legendär schönen Ferienland Kärnten. Am frühen Nachmittag erreichen wir Klagenfurt. Ab der Anlegestelle folgen wir dem Radweg entlang der Glan und erreichen – vorbei am Wörthersee Stadion – die Bundesstraße 91.

Teils auf einem Radweg, teils auf Nebenstraßen nehmen wir Kurs auf Maria Rain, wo es durch eine Waldroute steil bergab wieder hinunter zur Drau geht. Den Fluss überquert man auf einer Staumauer, abwechselnd an Süd- und Nordufer radeln wir dann auf einem schönen Naturweg durch die ruhige Flusslandschaft.

Schlagartig sind hier im Rosental Ferientrubel und Urlaubsrummel verschwunden, die uns eben noch am Wörthersee beschäftigt haben. Selbst eine Sperre des Radweges samt Umleitung aufgrund von Bauarbeiten an ­einer Staustufe können uns nicht aus der neu gewonnenen Ruhe bringen, ist doch auch die Ausweichstrecke gut beschildert.

 

Am Klopeiner See

Der wärmste Badesee Europas: Mit diesem Prädikat wirbt der Klopeiner See um Besucher/-innen: Aber bevor wir unser letztes Etappenziel erreicht haben, müssen wir eine abschließende Steigungsstrecke aus dem Drautal hinaus hinter uns bringen. Dann ist das eigentliche Ziel erreicht, das Hotel Marko am Ortsrand von St. Kanzian.

Der Klopeiner See mag rekordverdächtig warm sein, dennoch ist ein Sprung hinein nach einer ausgiebigen Radtour ein erfrischendes Vergnügen. Den passenden Platz dafür finden wir am ­eigenen Strandzugang des Hotels, den wir nach einer letzten Kurzetappe erreichen.

Was wir in den vergangenen drei Tagen geschafft haben, ist sozusagen eine Kurzversion des buchbaren Angebotes fürs "Kärntner Seenbiken", das auch beim ÖAMTC-Reisebüro buchbar ist. Diese Tour dauert samt An- und Abreise acht Tage (sieben Nächte) und führt in einer Runde von Spittal an der Drau bis zum Klopei­ner See und wieder retour. Die Tages­etappen sind dann naturgemäß meist kürzer und können auch von weniger Geübten mit einem Rad ohne elektrische Verstärkung gut bewältigt werden, da nirgendwo größere Anstiege und Anstrengungen warten.

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