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© Heinz Henninger
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März 2019

Inselhupfer: Von Rijeka nach Krk

Eine Frühlingstour von der Kvarner Bucht auf die von Österreich am schnellsten erreichbare Insel Kroatiens.

Jetzt schnell hin, bevor sich die Urlauberströme im Sommer auf den Weg machen! Ein Kurztrip nach Rijeka und auf die Insel Krk ist jetzt wirklich entspannend. Und, ein ganz gewichtiges Argument: Der Frühling ist schon ein bisserl weiter als bei uns. Bougainvillea, Mohnblumen und Ginster sind in voller Blüte und überziehen die eher karge Landschaft mit einem bunten Schleier. Überall riecht es nach Blüten, Macchie und Meer, und abends zirpen die Zikaden. Wir sind im Süden angekommen. Der besitzt hier zwar noch nicht ganz jene touristische Infrastruktur, die wir aus Istrien oder Opatija kennen – aber ist nicht genau das das Reizvolle? Nach dieser Tour wissen wir es: Ja, genau das ist's.

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Wir starten in Rijeka

Die Hafenstadt mit ihren knapp 130.000 Einwohnern ist Kroatiens Tor zur Welt – und blickt auf eine turbulente Geschichte zurück. Allein im 20. Jahrhundert gehörte sie zu sechs Staaten: zuerst bis 1918 zum Königreich Ungarn (und damit zur Doppelmonarchie der Habsburger), 1919 nach einem faschistischen Staatsstreich unter Führung des Schriftstellers D'Annunzio zu dessen "Italienischer Regentschaft am Quarnero", 1920 bis 1924 zum Unabhängigen Freistaat Fiume, bis 1941 zum Königreich Jugoslawien. Darauf folgten bis 1945 die Besatzung durch deutsche Truppen, danach die Volksrepublik Jugoslawien und schließlich 1991 Kroatien. 

Die meisten noch heute sichtbaren Spuren hinterließ die k&k-Monarchie. Doch bevor wir zu einem Rundgang ins Häusermeer eintauchen, fahren wir hinauf zur Festung von Trsat, um uns einen Überblick zu verschaffen. Trsat? Das ist nicht nur eine Burg, deren Anfänge bis in die Römerzeit zurückreichen, das ist auch ein Berg, ein Stadtteil und ein Gnadenort, deren Marienkirche sogar "kroatisches Nazareth" genannt wird. Von ganz oben genießt man die beste Aussicht auf Rijeka.

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1 Blick hinunter von der Festung Trsat auf den Fluss Rječina und die Stadt. © Heinz Henninger

2 Die Festung selbst ist heute ein beliebter Treffpunkt für einen Aperitif zum Sonnenuntergang. © Heinz Henninger

3 Auch Wallfahrer kommen auf die Trsat-Anhöhe. Vor der Kirche (ein Marien-Heiligtum) erinnert eine Statue an den Besuch des Papstes Johannes Paul II. im Juni 2003.  © Heinz Henninger

Nun also runter nach Rijeka. Gar nicht so einfach mit dem Auto, die Parkplätze im Zentrum sind knapp und auch der riesengroße Parkplatz zwischen Hafen-Kanal und Fluss ("Delta") ist schon frühmorgens ziemlich voll. Leitsystem? Fehlanzeige. Hat man endlich einen freien Platz gefunden, heißt es viele, viele kleine Münzen einwerfen und den Parkschein sichtbar im Auto deponieren. Verlängern per SMS? Ist nur mit kroatischen SIM-Karten möglich. Dafür sind es jetzt nur ein paar Schritte mitten ins Geschehen.

Rijeka hat es geschafft: Schon im nächsten Jahr wird die Stadt "Kulturhauptstadt Europas". Die Werbetrommel wird mit unzähligen "Rijeka 2020"-Plakaten schon jetzt gerührt. Und vieles, das heute noch verfallen dasteht, soll bis dahin in neuem Glanz erstrahlen – selbst wenn das im Moment nur schwer vorstellbar ist, wie etwa bei dem zentrumsnah im Osthafen vor Anker dahin rostenden Schiff, das einst der große Stolz des feudalen Herrschers der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien war. Der Name der Rostlaube: Galeb. Der Name ihres einstigen Eigners: Josip Broz Tito.

Lost Place: Titos Schiff

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Ein Schiff mit Geschichte(n)

Das einst so stolze Schiff, das seit bald zehn Jahren in Rijeka vor Anker liegt, gehört heute der Stadt, die es für 150.000 Dollar von einem griechischen Reeder erwarb. Dieser wiederum hatte es 2001 von der Regierung von Montenegro gekauft, vor dessen Küste die Galeb seit der Jugoslawienkriege vor Anker lag. Bis dato wurde nur sehr wenig Geld in die einstige Staatsyacht investiert, gerade einmal so viel, um einen weiteren Verfall zu stoppen. So wurde am Oberdeck eine dünne Zementschicht aufgetragen, um den wertvollen Teakholzboden zu schützen. Das Thema Restaurierung und Umwandlung in ein Museum kam erst ins Spiel, als Rijeka zur Kulturhauptstadt 2020 erklärt wurde. Was darin gezeigt werden soll oder ob das Schiff selbst und seine wechselvolle, aber ziemlich spannende Geschichte im Mittelpunkt stehen sollen, steht im Moment noch nicht fest.

Fix ist jetzt nur eines: Die Galeb ist zwar von vielen Punkten der Stadt zu sehen, besichtigt werden kann sie – bis zum Abschluss der ausstehenden Restaurierungsarbeiten – nicht. Wir hatten uns um eine Sondergenehmigung bemüht und bekamen diese tatsächlich bewilligt.  

Als das einst so stolze Schiff 1938 in Genua vom Stapel lief, dachte niemand, dass es einmal eine offizielle Staatsyacht werden sollte. Sein Bestimmungszweck war, die in den italienischen Kolonien in Afrika frisch geernteten Bananen möglichst rasch und gut gekühlt ins Mutterland zu bringen.

Schon nach zwei Jahren erfolgte der kriegsbedingte erste Umbau – in einen Hilfskreuzer, der 1941 vor Bengasi in Libyen durch ein britisches U-Boot torpediert wurde und in Folge zu sinken begann. Doch die italienische Marine barg das Schiff und schleppte es nach Triest. Dort wurde es von den deutschen Truppen beschlagnahmt, als Truppen-Transporter und zum Minenlegen in der Adria eingesetzt – was ihm zum Verhängnis werden sollte: Es fuhr auf eine selbst gelegte Mine auf, wurde schwer beschädigt und schaffte es im Rückwärtsgang bis in den Hafen von Rijeka. Doch schon am Tag nach seiner Ankunft wurde es von amerikanischen Bomben getroffen und versank.

Nicht endgültig. Tito, mittlerweile Staatschef Jugoslawiens, ließ es heben, instandsetzen und mit einem neuen Namen versehen: Galeb (Möwe). Tito soll unter Flugangst gelitten haben und legte insgesamt 86.000 Seemeilen mit der Yacht zurück. Die Galeb kreuzte im Mittelmeer, vor Afrika und sogar auf der Themse in London, an Bord waren so illustre Gäste wie das sowjetische Staatsoberhaupt Leonid Breschnjew, Äthiopiens Kaiser Haile Selassie, Queen Elizabeth, Elizabeth Taylor und Sophia Loren.

Hinüber nach Krk

Weil Rijeka zwar nett zum Flanieren ist, aber nicht das Ziel unserer Reise, fahren wir am nächsten Morgen gleich hinüber. Die Stahlbeton-Bogenbrücke wurde 1980 erbaut, ist mit allen Zufahrten 1.450 Meter lang und mautpflichtig. Sie erspart den Reisenden eine Fährverbindung, die doch erheblich mehr Zeit in Anspruch genommen hätte. Fähren steuern die Insel auch heute noch an – von den Inseln Cres und Rab. Aber um auf diese zu gelangen, sind wiederum Fährverbindungen nötig.

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Krk ist nach jüngsten Messungen exakt so groß wie Cres – die beiden Inseln sind damit die größten in der Adria. Krk ist touristischer als Cres, die Auswahl an Hotels und Quartieren ist viel, viel größer und sogar einen Flughafen gibt es, der auch die Stadt Rijeka bedient.

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Den Flughafen lassen wir links liegen, als wir das Innere der Insel ansteuern.

18.000 Menschen leben auf Krk in und um 68 Ortschaften, umgeben von oft karger, aber praller Natur – von 1.300 verschiedenen Pflanzenarten, 852 Schmetterlings- und 22 Vogelarten. Auf die wollen wir auf unserer Durchquerung der Insel allerdings nicht eingehen, wir konzentrieren uns auf die Menschen, die Bauten, die sie erschufen, das, was sie anbauen und was sie ihren Gästen offerieren. 

Eines gleich vorweg: Unsere Erwartungen wurden übertroffen.

Nach so viel Natur, Landschaft und Ausblicken aufs Meer wollen wir uns wieder der Kultur widmen, pittoreske Städtchen ansteuern und – der Appetit ist schon seit Stunden da, der Hunger ruft jetzt immer lauter – auch ein paar Spezialitäten verkosten. Von Stara Baška geht es in einer halben Autostunde 20 Kilometer über Punat nach Krk, in die von Mauern umgebene 3.800-Einwohner-Stadt, die der Insel ihren Namen gab.  Das Meer, so schön es sich hier präsentiert, lassen wir erst einmal hinter uns.

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Die Stadt Krk lässt keinen Zweifel daran, dass sie der schönste Ort der Insel ist. Die Stadttore, die engen Gassen der Altstadt, der Hafen, der sich an die Innenstadt anschmiegt – all das hat was. Deshalb wird der Ort Krk im Sommer auch von Tagesgästen, die in einem der Strandhotels Quartier genommen haben, aufgesucht. Und am Abend spielt sich in den vielen urigen Tavernen, in den Fischrestaurants und den Bars das pralle Leben ab. Wer mit dem Auto kommt, sollte gar nicht erst versuchen, ins Zentrum zu gelangen, sondern lieber gleich einen der Parkplätze in den Villenvierteln ansteuern. Unser Tipp: der beim Autobusbahnhof am Yachthafen.

Wenngleich die Szene der Produzenten kulinarischer Spezialitäten auf der Insel Krk noch längst nicht so ausgeprägt ist wie etwa in Istrien, so tut sich doch einiges: Beim Olivenbauern, der sein eigenes Öl herstellt, waren wir ja bereits. Pršut (die kroatische Variante des bei uns bekannten Prosciutto, die um einen Hauch kräftiger im Geschmack ist und traditionell etwas dicker aufgeschnitten wird) stellen viele Bauern selbst her – aber meistens nur für den Eigenbedarf. Doch in dem kleinen Ort Vrh (ein paar Kilometer außerhalb der Stadt Krk) lebt jemand, der es geschafft hat, die Pršut-Produktion nach der traditionellen Methode der Insel wieder aufzunehmen und zu vermarkten – in seinem Prosciutto-Haus. Ihn wollen wir besuchen.  

Mittlerweile ist es später Nachmittag geworden, in ein paar Stunden wird die Sonne untergegangen sein. Und wir haben noch einen aufstrebenden Weinbauern in Vrbnik auf unserem Terminkalender, dem wir noch einen Besuch abstatten möchten. Von der Südseite der Insel geht es nun weiter auf die Nordseite, in einer Viertelstunde sind wir dort.

Wir geben zu: Satt geworden sind wir hier nicht. War ja auch nicht Sinn und Zweck, wir haben nur ein paar klitzekleine Vorspeisenportionen probiert. Wirklich genießen konnten und wollten wir die feinen Weine nicht an Ort und Stelle, schließlich müssen wir ja noch weiterfahren – zu unserem letzten Date heute. Wir haben ein Rendezvous mit Herrn Branimir in seiner Konoba Ivinčić in Skrpčići. Nach einer halben Stunde Fahrt sind wir dort.

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1 Kochen im offenen Feuer, in der Peka, einer Art Pfanne mit Deckel. Letzterer wird auch mit glühender Holzkohle bedeckt. © Heinz Henninger

2 In die Pfanne kommen Fleisch, Kartoffeln, Zwiebel, Pfefferoni und Kräuter. © Heinz Henninger

3 Guten Appetit! © Heinz Henninger

Gerne hätten wir den Abend in diesem urigen Wirtshaus noch gemütlich ausklingen lassen. Krk im Zeitraffer ist zwar intensiv, was die dabei gewonnenen Eindrücke betrifft, aber definitiv nicht erstrebenswert: Wir empfehlen eine Woche oder zur Not ein verlängertes Wochenende.

Um in unser Quartier zu gelangen, müssen wir wieder über die Brücke zurück aufs Festland. Als wir das Hotel Kvarner Palace erreichen, ist es schon tiefe Nacht. Hell erleuchtet erstrahlt das Traditionshaus – übrigens in österreichischem Besitz – über der Bucht von Crkvenica. Das Hotel stammt noch aus der Habsburgerzeit und war damals schon ein begehrtes Reiseziel.

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