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Blick auf den Himalaja: über den Dächern von Nagarkot.

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Blick auf den Himalaja: über den Dächern von Nagarkot.

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Februar 2020

Himmelskönig

So nennen die Nepalesen den Mount Everest – auf Sanskrit "Sagarmatha". In dem kleinen Land zwischen Indien und Tibet liegen acht der zehn höchsten Berge der Erde. Eine inspirierende Reise zu den Königsstädten und den Panzernashörnern im Chitwan-Nationalpark. Namasté Nepal.

Om Mani Padme Hum" ist das wichtigste und stärkste buddhistische Mantra, drückt auf Sanskrit Liebe und Mitgefühl aus und wird auch mit "innerer Friede" übersetzt. Buddhisten wiederholen immer wieder diese sechs Silben, manchmal auch mit Musik untermalt. Ich stehe mit Pilgern und Touristen vor dem uralten weißen Stupa Swayambhunath auf einem Hügel im Westen von Kathmandu. In dem über 2.000 Jahre alten UNESCO-Welterbe werden Reliquien von Buddha aufbewahrt. Von der Spitze der Stupa flattern, an Seilen befestigt, unzählige bunte Gebetsfahnen.

"Diese Flaggen sieht man auch entlang von Wegen auf Bergpässen im Himalaja", erzählt mein Reiseleiter Indra. "Wenn der Wind die Fahnen bewegt, werden die darauf gedruckten Gebete an die Götter geschickt."

Wir sind nicht allein: Freche Affen klettern und springen auf Swayambhunath herum, der gerne auch als Affentempel bezeichnet wird. Wer kein Essen auspackt, wird von ihnen in Ruhe gelassen.

Ich drehe mich um, diese Melodie kenne ich. Das Mantra "Om Mani Padme Hum" tönt aus den Boxen ­neben den kleinen Verkaufsständen. Auf ­Tischen sind Mitbringsel ausgebreitet: Gebetsfahnen und -mühlen, Klangschalen und kleine Buddha-Figuren. 

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Wo Buddha geboren wurde…

80 Prozent der Nepalesen sind Hindus. Zum Beten suchen sie aber auch buddhistische Pilgerstätten auf. "Der Buddhismus ist eine Lebensphilosophie und offen für jede Religion", betont der Guide. "Nepalesen sind oft beides: Hindus und Buddhisten." 

Eine der wichtigsten historischen Stätten des Landes ist Buddhas Geburtsort in Lumbini – mit archäologischen Funden, die bis ins 3. Jahrhundert zurückreichen. Auch in Bodnath, einem Vorort von Kathmandu, steht ein weißer Stupa mit den "allsehenden Augen Buddhas".

Eine besonders schöne Stimmung fängt man zu Sonnenuntergang von einem der vielen Cafés auf den zahllosen Dachterrassen ein. Von dort kann man gemütlich das Treiben beobachten. Und wer doch in die nepalesische Kultur eintauchen möchte, der geht im Uhrzeigersinn um den Stupa mit seinen vielen Gebetsmühlen. Mein Reiseleiter zeigt es vor: Indra dreht im Uhrzeigersinn mit der rechten Hand die Mühlen und betet. Dazu singt er das Mantra "Om Mani Padme Hum". Ich gehe ihm nach und bewege auch die Gebetsmühlen.

Klangschalen-Massage bei Stress & Migräne

Beruhigend, entspannend: Traditionelle Klangschalen sind im Fernen Osten – in Japan, China, Thailand sowie dem Himalaja-Gebiet – beheimatet. Obwohl die meisten Klangschalen nicht aus Tibet kommen, werden sie häufig generell als "tibetische Klangschalen" bezeichnet.

In Nepal findet man diese Metallschalen an jeder Ecke in Souvenir-Geschäften. Der Klangschalen-Meister Sudeep Lamsal hat seine Schmiede samt Heilzentrum in der Königsstadt Bhaktapur und fertigt sie per Hand an. "Wir nennen diese Schalen Healing Bowls und verwenden sie bei Meditationen, beim Yoga und als Therapie – zum Beispiel bei Migräne, Rückenschmerzen, Stress oder bei Schlafstörungen", erzählt der Meister. Zur Demonstration setzt er die Klangschale einer Kundin auf den Kopf und schlägt anschließend mit einem Klöppel sanft auf das Metall. Sudeep Lamsal hat auch große Klangschalen, in die man sich hineinstellt und die Vibration über die Füße spürt. "Die Schwingungen übertragen sich auf den Körper, der ja zu 70 Prozent aus Wasser besteht."

Klangschalen-Therapie im Video

Fünf Jahre nach dem Erdbeben

Das Erdbeben vor fünf Jahren am 25. April in Nepal war das schlimmste seit mehr als 80 Jahren. Der Tourismus hat sich mittlerweile erholt, sehr viele der historischen Bauwerke wurden wieder aufgebaut. Besonders getroffen hat es die drei Durbar-Plätze samt den Königspalästen in den Städten Kathmandu, Bhaktapur und Patan.

Nepals Hauptstadt: Kathmandu

Der historische Kern von Patan ist bereits zur Gänze restauriert. Auch in Kathmandu ist die Wiederinstandsetzung vorangeschritten. Die Pagoden und Tempel stammen aus dem 15. bis 18. Jahrhundert. "Der Königspalast hat sehr feine Holz-Schnitzereien. Die Restaurierung und Rekonstruktion ist teilweise sehr aufwendig“, betont mein Reiseleiter. Vor dem Erdbeben konnten Urlauber zum Beispiel auch die Innenräume besichtigen. Diese sind heute jedoch noch geschlossen. Ein Besuch lohnt sich trotzdem. Die UNESCO-Welterbestätten sind im gesamten Kathmandu-Tal verteilt. 

Nagarkot: Dem Himalaja so nah

Keine zwei Stunden Fahrt von Kathmandu entfernt, in Nagarkot, gibt es tolle Mountainbike- und Wandermöglichkeiten und einen atemberaubenden Panoramablick auf den Himalaja. Zahlreiche ­Hotels haben eine große Sonnenterrasse, von der Urlauber die Aussicht samt der frischen Bergluft genießen können. Eine Wohltat nach dem schmutzigen und lauten Kathmandu.

Wir fahren mit dem Auto auf 2.200 Meter Höhe. Der Fahrer Nintenji – er sitzt natürlich rechts, denn es herrscht Linksverkehr – ist Sherpa.

Sherpa? Das sind ja die Träger im ­Himalaja. Mein Guide klärt mich auf: Sherpa kann man nicht als Synonym für Lastenträger verwenden. Diese werden im Land "Porter" genannt. Sherpa heißt übersetzt "Menschen aus dem Osten". Dieses Volk ist vor über 600 Jahren über hohe Pässe aus Tibet in die Gebirgsregionen Nepals eingewandert. "Sie sind auf über 3.000 Metern geboren, sind die Höhe somit gewöhnt, meist körperlich sehr fit und schaffen 8.000 Meter ohne zusätzlichen Sauerstoff", erzählt der ­Guide Indra. Sherpa kann man nicht werden, als Sherpa wird man geboren.

Die ersten Bergsteiger, die den Gipfel des Mount Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff erreicht haben, waren Reinhold Messner und Peter Habeler am 8. Mai 1978. Die Nepalesen nennen den höchsten Berg der Welt im Sanskrit "Sagarmatha", das heißt soviel wie "Kopf des Himmels" und wird auch gerne als "Himmelskönig" übersetzt. 

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1 Nagarkot liegt auf 2.195 Metern Höhe im Osten des Kathmandu-Tals. Von den zahlreichen Hotels und Terrassen aus können Urlauber auch ohne Wanderung das Berg-Panorama genießen. © Cornelia Buczolich

2 Und wer doch ein bisschen spazieren geht, der kann eintauchen in das Leben der Nepalesen. © Cornelia Buczolich

3 Sonnenaufgang oder -untergang: In Nagarkot hat man einen herrlichen Ausblick. © Cornelia Buczolich

Weihnachtssterne blühen auch im Sommer

Obwohl der Staat viel Geld in die Erneuerung der Straßen investiert, sind doch einige noch sehr schlecht. Farbenfrohe Lkw kommen uns während der Fahrt entgegen, einer sogar ohne Windschutzscheibe. Auf der Fahrbahn liegen plötzlich Äste. Dahinter steht ein Auto. Auch aus dessen Seitenfenster ragen Äste samt deren Blätter heraus. Und unter die Scheibenwischer wurden sie auch gesteckt. "Wohl eine Autopanne", so der Reiseleiter. Ein paar Kilometer entfernt liegt ein ganzer Baumstamm auf der Straße. Gestürmt hat es die letzten Tage nicht. "Diese Straße ist gesperrt", sagt Indra. Das ist hier so Brauch: Äste dienen als Warnsignal und Bäume als Absperrung.

Ich bestaune die riesengroßen Weihnachtssterne am Straßenrand, die im ganzen Land wachsen. In Nepal blühen sie meterhoch. Auch der Rhododendron, die Nationalblume, ist sehr widerstandsfähig und bis zu einer Höhe von 4.000 Metern zu finden. Besonders schön blüht die Magnolie im Frühjahr. Aber auch Eukalyptus- und Eichenbäume wachsen hier. Und natürlich Salbäume. Deren Holz wird für die Schnitzereien in den Palästen verwendet. Es zählt zu den widerstandsfähigsten Hölzern der Welt. 

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Blühende, meterhohe Weihnachtssterne.
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Blick auf die Achttausender von Nagarkot.
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Ein entwurzelter Baum als Straßensperre.

Chitwan-Nationalpark: Dschungelabenteuer in Nepal

Die Luftfeuchtigkeit steigt, die Temperatur ebenso. Wir sind im Chitwan-Nationalpark im Süden des Landes angekommen. Im Herzen des Dschungels, so die genaue Übersetzung. Vor 47 Jahren wurde Chitwan zum ersten Nationalpark des Landes erkoren. Und einige Jahre später zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Der Park wird überwacht und Wilderei bestraft. Die Population der Panzernashörner hat sich wieder erholt. Der Park zählt nun rund 600 Stück. Die Chance, diese Dickhäuter zu erspähen, ist groß. "Es gibt einen Trick", zwinkert der Guide. "Panzernashörner verrichten ihre Notdurft immer an der selben Stelle – zumindest für ein paar Tage." Tiger sind hingegen sehr scheu und noch dazu nachtaktiv. "Wenn wir Glück haben, sehen wir einen."   

Auf geht's – ins Einbaum-Boot aus Sal. Wir sehen Reiher, Kormorane, Kiebitze, Eisvögel und Krokodile. Danach steigen wir in den Jeep. "Bitte keine bunte oder grelle Kleidung tragen", erklärt der Guide. Das mögen die Nashörner gar nicht. "Wisst ihr, dass sie sehr gute Schwimmer sind?" Immerhin müssen die Tiere auch während der Monsunzeit zwischen Juni und September vorankommen und Nahrung finden. 150 Kilo Gräser, Äste und Früchte verdrückt ein Nashorn täglich.

Auf Vogel-Safari gehe ich am Phewa-See in Pokhara, 170 Kilometer von Chitwan entfernt. Kormorane, Eisvögel und Schlangenhalsvögel bestaune ich während der Bootsfahrt ans andere Ufer zur Weltfriedens-Stupa, von der man einen traumhaften Blick auf den See und die Achttausender Annapurna 1 und Dhaulagiri hat.

Pokhara ist das erste Ziel, das Urlauber meist nach dem Kathmandu-Tal ansteuern – vor allem Trekking- und Abenteuerreisende. Vom Raften bis zum Gleitschirmfliegen wird hier einiges geboten. In Pokhara kann man sich aber auch sehr gut entspannen. Die Luft ist frisch, es gibt nette Geschäfte, Cafés und Restaurants.

"Om Mani Padme Hum"

Bevor es nach Hause geht, besuche ich eine traditionelle Mandala-Schule in Bodnath. Diese Kreisbilder sind geometrische Schaubilder und erzählen meist die Geschichte Buddhas. Was gemalt werden darf, wird von den Meistern streng vorgegeben. Mit Bleistift zeichnen die Schüler akribisch exakt das Bild vor und messen die Abstände und Winkel aus. Ich kaufe ein kleines Mandala für meine Wohnung: "Innerer Friede" heißt das Bild.

Da ist er wieder – der Ohrwurm "Om Mani Padme Hum". Namasté Nepal. 

Nepal: Gut zu wissen!

  • Namasté oder Namaskar sagt man zur Begrüßung und Verabschiedung – mit aneinandergelegten Handflächen.
  • Im Winter nach Nepal reisen. Das ist möglich, für all jene, die nicht Trekken gehen. Denn wer eine Kultur-Rundreise macht, bewegt sich unter 1.300 Meter Seehöhe. Man kann ohne weiteres mit Sommer-/Herbstkleidung bis in den Winter hinein ins Land reisen. Für die kalten Nächte ist eine dünne Daunen- oder Softshelljacke von Vorteil. In den Städten gibt es an jeder Ecke Outdoor-Geschäfte. Und Kaschmir-Schals ab zehn Euro. Der eiskalte Winter im Hochgebirge (!) dauert von November bis Februar, die Monsunzeit von Juni bis September.
  • Himalaja heißt übersetzt Schneeort. Es ist das höchste und jüngste Gebirge der Erde und liegt zwischen dem indischen Subkontinent im Süden und dem Tibetischen Hochland im Norden.
  • 147.181 km2: Nepal ist so groß wie Österreich und Bayern zusammen.
Nepal_Karte.jpg Peter Scharnagl © Peter Scharnagl

Angebot von ÖAMTC Reisen

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Die Reportage ist auch in der März-Ausgabe 2020 von auto touring erschienen.

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