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© Dagmar Schwelle
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Juni 2017

Fünf Wege nach Berlin

Wie reist man am schnellsten, am billigsten, am bequemsten? Wien–Berlin auf fünf verschiedene Arten.

Alle wollen nach Berlin! Die Jungen, weil Bezirke wie Kreuzberg, Friedrichshain und einzelne Grätzel um Rosenthaler-, August- und Torstraße so erfrischend unspießig sind. Die Generation ab 30 liebt die Markthalle neun, das Streetfood im Thaipark im Preußenpark und die coolen Dachbars wie die am Bikini-Haus gegenüber der Gedächtniskirche und die Älteren das tolle Museums-Angebot. 

Doch wie kommt man am schnellsten, am billigsten oder am einfachsten in Deutschlands pulsierende Hauptstadt? Vier auto touring-Redakteure und eine Kollegin der ÖAMTC-Touristik haben fünf verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, in die Boomtown zu reisen: Bahn, Bus, Mitfahrzentrale, Flug und Auto. Lesen Sie, was sie dabei erlebt haben, was die Reise kostete und wie viel Zeit sie beanspruchte.

Die Vorgaben waren für alle gleich: Zwei Wochen vor Abreise waren, wenn nötig, die Tickets zu buchen. Ausgangspunkt der Reise war stets die ÖAMTC-Zentrale in Wien-Erdberg. Und das Ziel war immer das Brandenburger Tor mitten in Berlin.

Zur guten Vorbereitung gehörte auch der Download des ÖAMTC-City Guide aufs Smartphone, die Mitnahme des ÖAMTC-Schutzbriefs sowie die Info über Reiseversicherungen. All das findet sich auf der Website des Clubs.

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© Cornelia Buczolich

Wien–Berlin per Mitfahrzentrale

Ich reise gerne alleine, da lerne ich immer sehr schnell Menschen kennen und es ergeben sich interessante Gespräche. Daher buchte ich meine Reise nach Berlin über eine Mitfahrplattform.

"Du reist mit einem Fremden?" war der einheitliche Tenor während der Redaktionssitzung. Ich hatte aber keine Bedenken, denn die Plattform Blablacar ist auf Bewertungen aufgebaut. So kann man vorher nachlesen, wie gut der Fahrer fährt und ob er vertrauenswürdig ist. Da die Vorgabe war, die Reise zwei Wochen vor Fahrtantritt zu buchen, musste ich meine geplante Abfahrt verschieben: Ich hatte nur ein Angebot für 9. Juni gefunden, nicht für meinen Wunschtermin 13. Juni. Auch die Rückreise konnte ich nicht wie gewünscht antreten. Ein paar Tage vor der Reise gab es dann aber mehrere Möglichkeiten. Ich habe daraus gelernt: Mitfahrgelegenheiten werden spontan angeboten – und somit auch spontan gebucht. 

Zeitaufwand: 9 Stunden und 50 Minuten (davon 7 Stunden und 30 Minuten reine Autofahrt, etwa eine Stunde Pause auf zwei Rast­stationen).

Kosten: € 37,– (Blablacar € 32,– inklusive Versicherung, der Fahrer erhält € 29,–; Öffi-Ticket: Wien € 2,20, Berlin € 2,80).

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© Dagmar Schwelle

Wien–Berlin mit dem Auto

Ich geb’s ja zu: Am liebsten reise ich mit dem Auto. Da bin ich in meinen eigenen vier Blech-Wänden, kann laute Musik hören und telefonieren, so lange ich will. Auch wenn’s manchmal mühsam ist…

Der ÖAMTC Routenplaner berät mich bei der Fahrtstrecke. Die schnellste Route von der Club-Zentrale führt auf der A5 über Brünn und Prag nach Deutschland und über Dresden nach Berlin. Die Strecke ist knapp 700 Kilometer lang. Alternativ gibt es noch zwei weitere Routen über Tschechien. Die sind zwar etwas kürzer, haben aber mehr Landstraßenanteil und die Fahrt dauert etwas länger. Wer nur über Deutschland reisen möchte, kann auch über Passau und Regensburg nach Norden über Leipzig nach Berlin fahren. Diese Strecke ist aber gut 200 Kilometer länger.

Zeitaufwand: 7 Stunden und 54 Minuten (Fahrzeit ohne Tanken, Essen,  Toiletten-Pause sowie diverser Staus rund sechs Stunden).

Kosten: € 102,80 (€ 86,– für den Sprit plus € 14,– für die 10-Tages-Vignette in Tschechien, € 2,80 Öffi-Ticket). Mit einem Diesel käme man um rund 52 Euro bis nach Berlin. Zu bedenken: jeweils Platz für bis zu fünf Insassen.

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© Dagmar Schwelle

Wien–Berlin mit dem Flugzeug

Ich bin kein begeisterter Flieger, aber dieser Flug taugte mir. Nicht nur, weil ich fast ein Geschäft gemacht hätte…

Mein erster Schritt nach Berlin war der Ticketkauf im Internet – zwei Wochen vor der Abreise. Bestbieter war Austrian Airlines mit € 48,87 für den Frühflug (einfache Strecke, nur Handgepäck, keine Wunsch-Sitzplatzreservierung, nicht umbuchbar, keine Rückerstattung). Zwei Tage vor Abflug hätte das Ticket schon € 164,87 gekostet. Achtung: Diese Preise gelten nur, wenn auch ein Rückflug gebucht wird! Meiner kostete in etwa gleich viel wie der Hinflug.

Zeitaufwand: 3 Stunden und 27 Minuten inkl. Anreise zum Flughafen Wien, Wartezeiten, Öffis in Berlin und Fußwegen (reine Flugzeit 1 Stunde 10 Minuten).

Kosten: Insgesamt € 56,67 (Flug € 48,87, Flughafenbus € 5,–, Bus in Berlin € 2,80). Bei Ticketkauf kurz vor der Reise hätte der Flug mehr als das Dreifache gekostet.

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© Dagmar Schwelle

Wien–Berlin mit dem Fernbus

Als erfahrene Busreisende habe ich mich für diese Reisevariante entschieden, die immer beliebter wird.

Von der ÖAMTC-Zentrale in Wien-Erdberg sind es nur einige Meter bis zum Busbahnhof. Ich habe eine Nachtfahrt mit Flixbus zum Fixpreis von € 22,– gebucht. Hellö bot zwar einen etwas günstigeren Preis. Aber just zum Buchungszeitpunkt übers Internet zwei Wochen vor der Fahrt wurde publik, dass Hellö verkauft werden würde. Das war mir dann doch ein zu hohes Reiserisiko.

Zeitaufwand: 10 Stunden und 15 Minuten (9 Stunden und 10 Minuten reine Busfahrt).

Kosten: Insgesamt € 23,70 (Busfahrt € 22,–, Kurzstrecken-Ticket Berlin € 1,70). Keine Öffi-Kosten in Wien, da der Busbahnhof per kurzem Fußweg von der ÖAMTC-Mobilitätszentrale in Wien-Erdberg erreichbar ist.

Aufmacher_rolandfibich02_HR_CMS.jpg Roland Fibich
© Roland Fibich

Wien–Berlin mit der Bahn

Ich reise gerne mit dem Zug. Man könnte sagen, ich bin Bahn-Fan. Daher habe ich mich für eine Reise mit der Eisenbahn nach Berlin entschieden.

Für den Nacht-Schnellzug vom Wiener zum Berliner Hauptbahnhof kann ich um € 29,– ein Sparschiene-Ticket samt Platzreservierung im Abteilwagen kaufen. Der Aufpreis fürs Sechser-Liegewagen-Abteil würde € 59,–, jener fürs Dreier-Schlafwagen-Abteil € 129,– betragen.

Zeitaufwand: 11 Stunden und 40 Minuten inkl. U-Bahn und Fußwegen in Wien bzw. Berlin.

Kosten: Insgesamt € 32,90 inkl. Öffis (Bahnfahrt € 22,–). Eine Sparschiene-Fahrkarte für einen Tagzug hätte mindestens € 59,– gekostet. Bei Buchung nicht zwei Wochen vor der Reise, sondern am Tag davor hätte die Nachtfahrt € 89,–, die Tagfahrt € 186,– gekostet.

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