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Reges Treiben im Sukhumvit Road im Nachtviertel Nana.

© Cornelia Buczolich

Reges Treiben im Sukhumvit Road im Nachtviertel Nana.

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September 2017

Eine Nacht in Bangkok? Reicht nicht!

Uralte, sagenumwobene Feigenbäume, hupende Tuk-Tuks, brodelnde Garküchen und funkelnde Sky Bars: Kontrastreicher kann eine Stadt nicht sein. Bangkok, ich komme!

Warum lächeln Thais so oft? "Das ist ganz normal", sagt mein Guide und seine Mundwinkel ziehen sich bis zum Ohr. "Das heißt, dass alles in Ordnung ist." Lachen Sie also mit, auch wenn Sie müde vom Langstreckenflug ankommen. Ich habe es probiert, es wirkt. Ich fühle mich wohler, frischer.

Bangkok kann sehr laut sein, sehr geschäftig. So manche Besucher, die zum ersten Mal in Thailands Metropole kommen, wollen gleich wieder raus aus diesem Moloch. So ging es mir auch vor 15 Jahren. Ich gebe dieser pulsierenden Stadt aber eine zweite Chance.

Zugegeben: Auf den ersten Blick ist Bangkok reines Chaos. Vielspurige Highways, Baustellen in der Größe einer Kleinstadt, verstopfte Straßen. Mopedrikschas, sogenannte Tuk-Tuks, drängen sich mit Mopedfahrern zwischen Pkw um die Wette und Menschenmassen schieben sich über den Gehsteig. Ich wage einen zweiten Blick.

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Bangkok_3B3A3146_CMS.JPG  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
Der Guide mit dem ungewöhnlichen Namen Top.
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Buntes Treiben auf den Märkten in der Stadt.
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Das berühmte Lächeln der Thais. 

Bangkok kennen lernen

Das thailändische Leben in seiner ganzen Vielfalt entdecken Reisende erst, wenn sie sich unter die Menschen mischen.

Natürlich finden Urlauber in Bangkok viele Sehenswürdigkeiten, die ein touristisches Muss sind: den Königlichen Palast, den Wat Phra Kaeo – den Tempel des Smaragdbuddha – oder das Kloster Wat Pho mit seiner 45 Meter langen, liegenden Gold-Buddha-Statue.

Ich schaue am Blumenmarkt Pak Klong Talad einer Frau beim Knüpfen der Kränze zu. Gewissenhaft nimmt sie Blüte für Blüte. In den Straßenküchen brodelt es und an den Ständen nebenan gibt es exotische Früchte.

Bangkok ohne Garküchen wäre wie Wien ohne Würstelstände. Nein, viel schlimmer. Klitzekleine Stände reihen sich dicht aneinander. "Sie sind so klein, dass der Koch mit Sack und Pack davonlaufen kann, falls Kontrolleure kommen", lacht mein Guide mit dem ungewöhnlichen Namen Top.

Die Stadtverwaltung versucht die Straßenküchen zu verbannen, damit auf den Gehsteigen mehr Platz ist. "Garküchen sollen dann nur noch in den Nebenstraßen aufgebaut werden", erklärt der Fremdenführer. "Das wird aber nicht überall passieren, denn wir brauchen diese Stände." Top erzählt von den Schuhkarton-Siedlungen: "Diese winzigen Wohnungen sind meist ohne Herd ausgestattet, sogar ohne Fenster. Nur eine kleine Balkontüre existiert." In Bangkok gibt es so gut wie keine Arbeitslosigkeit, auch keine Slums. "Kochen können wir Thais, und so kann sich jeder mit seiner noch so winzigen Garküche ein paar Baht dazuverdienen", so Top.

Wer sich so wie ich etwas verloren in diesem ­Tumult fühlt, kann eine geführte Tour in Chinatown buchen. Gemeinsam probieren wir kleine Spezialitäten: von der pinkfarbenen Suppe mit Tomaten über knusprigen Schweinsbraten bis zum Dessert Tang Yuan, den süßen Knödeln gefüllt mit schwarzem Sesam. Zugegeben: Um den Stand mit den Innereien mache ich einen Bogen.

Bei dem Night Foodie Walk besuchen wir auch ein Restaurant: Das Canton House hat eine große Auswahl an Dim Sum. Die Shrimps-Knödel mit giftgrünen Nudeln sind nicht nur eine Augenweide. Die dreistündige Food-Tour kostet 1.350 Baht, das sind ungefähr 34 Euro.

Tausende Menschen schwärmen auf der Thanon Yaowarat in Chinatown – und am Wochenende noch mehr. Der Boden ist sauber, an jeder Ecke hängen Mistsäcke. Der Müll wird getrennt. Und das in einer, von meinem Guide geschätzten, 15-Millionen-Einwohner-Metropole. Ich bin sprachlos.

Geisterhäuser in Bangkok

Zwischen den Garküchen und vor jedem Haus stehen in der ganzen Stadt kleine Vogelhäuschen auf einem Pfosten. Anfangs dachte ich, dass es kleine buddhistische Tempel sind, dabei sind es Geisterhäuser, San Phra Phum genannt. Der Glaube an Geister ist bei den Thais tief verwurzelt. Und damit die Geister nicht heimatlos herumschwirren, muss ihnen ein Haus gebaut werden.

Mit täglichen Opfergaben sollen die unsichtbaren Nachbarn besänftigt und geehrt werden, damit sie kein Unheil stiften. Diese Spiritualität bestimmt das tägliche Leben in Bangkok. In kleine, aus Palmblättern geflochtene Körbchen wird etwa Reis, Chili, eine Orchideenblüte und ein Räucherstäbchen gefüllt. Ich habe sogar eine Zigarette entdeckt oder eine Fanta-Flasche – natürlich geöffnet und mit Strohhalm. Thailänder denken wirklich an alles.

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Garküchen und tolle Tempel an jeder Ecke.
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Eine Opfergabe für die Götter – sogar mit Zigarette.
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Geisterhäuschen sind mit Blumen geschmückt.

Eine Zeitreise in ein noch authentisches Bangkok

Das ursprüngliche Bangkok erlebe ich auf einer entspannten Longtailboat-Fahrt im Stadtteil Thonburi auf den Kanälen der Stadt. Bangkok war einst ein Hüttendorf. Ein Sumpfgebiet mit über 1.000 Kanälen – sogenannten Klongs. Nach und nach wurden Straßen darüber gebaut.

Ein paar dieser Klongs gibt es heute noch. Ich fahre vorbei an hübsch verzierten Tempeln, auf Pfählen gebauten, schindelgedeckten Holzhäusern. Manche sind liebevoll mit zahlreichen Pflanzen in Tontrögen geschmückt, manche nur sehr einfach mit Wellblech versehen. Palmen werfen dazwischen ihre Schatten.

Schließlich steige ich im Künstlerviertel Baan Silapin – The Artist’s House – aus. Ich beobachte einen Maler mit langen, zu einem Dutt gesteckten Haaren. Mit Pinsel und Farbe porträtiert er einen Jungen. Nach den quirligen Stunden im Zentrum bin ich froh, entspannte Menschen und Natur zu sehen. Kinder füttern Fische und Urlauber schlürfen gemütlich ihren Kaffee, genießen die Ruhe.

Ayutthaya: das Gegenstück zu Bangkok

Einen Kontrast zur Großstadt finde ich auch im UNESCO-Weltkulturerbe Ayutthaya vor, der ehemaligen Hauptstadt des Königreichs Siam – eineinhalb Stunden von Bangkok entfernt. Nach der Verwüstung durch die birmanischen Armeen im Jahr 1767 ging die Königsstadt unter. Besonders mystisch sind heute nicht nur die Mauerreste der Ruinenstadt, sondern auch der uralte, heilige Feigenbaum im Wat Phra Mahathat.

Warum fotografiert jeder genau diesen Baum? Ich entdecke zwischen dem knorrigen Geäst einen fest eingewachsenen Steinkopf des Buddha. Burmesische Truppen enthaupteten Statuen, um ihre Macht zu demonstrieren. Gläubige Buddhisten vergruben den Kopf, um ihn vor den Feinden zu schützen. Viele Jahre später – so die Legende – brachten die kräftigen Wurzeln des Baumes das Buddha-Antlitz wieder hervor.

Auf den Dächern von Wolkenkratzern

Bangkok hat mich überzeugt. Ich bin noch immer am Lächeln, diesmal aber aus Überwältigung. Mein Herz pocht. Ich stehe in der Sky Bar im 63. Stock des Lebua State Towers – bekannt aus dem Film "Hangover 2". Unter mir breitet sich ein Lichterregen aus. So schön habe ich Bangkok noch nie gesehen.

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Vertigo and Moon Bar in the Banyan Tree Hotel

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