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© Roland Fibich/auto touring
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Februar 2020

Mein erster Camping-Urlaub

Nudeln kochen statt YouTube-Videos. Schwimmen im See anstelle von Instagram. Und was ein voller Abwassertank mit der Mathematik-Schularbeit zu tun hat. Unterwegs mit einem Zwölfjährigen im Reisemobil Van Ti von Knaus.

Das hat mir gerade noch gefehlt! Da möchte ich dem Kind zeigen, was für ein cooler Typ ich doch bin und wie super das Campen insgesamt ist – und jetzt das. Das Wichtigste für Kinder am Campingplatz funktioniert schon. Erraten, das Internet. Und auch der Flachbild-Fern­seher ist wunschgemäß auf Knopfdruck sanft aus seiner Ruheposition hinter der Sitzgarnitur vor das Seitenfenster geglitten. Doch jetzt dreht und dreht sich die Satellitenschüssel am Dach unseres tollen Wohnmobils scheinbar orientierungslos im Kreis, sie findet und findet einfach kein passendes Signal und der Bildschirm bleibt enttäuschend schwarz. 

Doch dann die rettende Idee. Wir fahren einfach zwei Meter weiter nach vorne, etwas hinaus aus dem ausladenden Schatten des Baumes, der unseren schönen Stellplatz krönt. Und siehe da! Die Antenne findet, was gefunden werden muss. Und so haben wir endlich auch den "SpongeBob Schwammkopf", die "Teenage Mutant Ninja Turtles" und wie sie sonst alle auf Super RTL heißen mit auf unserer gemeinsamen Reise. 

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Video: Mein erster Camping-Urlaub

Es gibt immer was zu tun

Aber von Anfang an. Für Hamza, den zwölfjährigen Buben aus einer befreundeten Familie, ist es der erste Campingurlaub. Die erste große Sensation ist da natürlich in erster Linie einmal das Gefährt an sich. Schon für einen Erwachsenen hat es beeindruckende Ausmaße. Der Van Ti Plus 700 LF von Knaus ist satte siebeneinhalb Meter lang, über zwei Meter breit und fast drei Meter hoch. Eine mobile Luxus-Behausung mit 140 PS, die dem Kind ein aufrichtiges "O-ha!" entlockt, als es ihrer erstmals ansichtig wird.

Noch aufregender wird es beim Einsteigen. Über eine Trittstufe, die elektrisch betrieben ausfährt, gelangt man in einen großen Innenraum, der von ­einer gemütlichen Sitzgarnitur, der Küchenzeile, dem großen Kühlschrank, dem Doppelbett und dem Zugang zu Toilette und Dusche beherrscht wird. Rund ums Mobil finden sich zahlreiche hoch interessante Klappen, hinter denen sich bei näherer Begutachtung Stauräume, Frisch- und Abwassertank, der Diesel-Tank sowie – für Kinder tabu – Stromanschluss und Gasanlage verbergen. 

Nachdem wir mit sehr viel Glück einen Parkplatz vor unserem Zinshaus mitten in Wien ergattert haben, machen wir uns gleich ans Einräumen. Geschirr muss natürlich mit. Und der Scooter! Die Tennisschläger, kein Problem. Wäsche kommt in die praktischen Ablagefächer, auch das Bettzeug. Vorräte und Zutaten werden eingekauft, damit wir ­ordentlich aufkochen können. Und wir brauchen genügend USB-Kabel, damit ja alle internetfähigen Geräte gleichzeitig aufgeladen werden können. Also schnell noch ein Abstecher zum Elektronik-Markt. Fix!

Unser erstes Ziel ist der Campingplatz in Purgstall an der Erlauf in Niederösterreich. Rasch gewöhne ich mich daran, den für seine Ausmaße erstaunlich wendigen Van Ti zuerst auf der Autobahn und dann über kurvige Landstraßen zu pilotieren. 

Das auf dem Chassis eines MAN-TGE-Kastenwagens aufgebaute Mobil ist ein kräftiger Fronttriebler, der willig alle Manöver mitmacht. Dass man ihn besonders defensiv fahren muss, versteht sich von selbst. Dem ­Buben gefällt vor allem die erhöhte Perspektive, von der aus wir auf den Großteil des anderen Verkehrs gnädig herabschauen können. 

Fußball spielen, Hunger bekämpfen

Aktiv Camping Purgstall ist ein familiärer Campingplatz mit großen Stellplätzen unter schattigen Bäumen, einem riesigen Spielplatz und einem Naturbadeteich. Das Schöne am Campen mit Kindern ist, dass immer etwas zu tun gibt. Hamza darf daher noch schnell checken, ob sich das iPad eh mit dem Internet des Campingplatzes verbinden lässt (zum Glück, ja). Dann aber heißt es: Frischwassertank auffüllen, Stromkabel anschließen, Gasanlage in Betrieb nehmen (gemeinsam mit mir, dem Gas-Chef), Warmwasser checken, Nassräume und Restaurant des Campingplatzes erkunden, Einkaufen, Kühlschrank auffüllen, Campingsessel rausstellen, Luftmatratze suchen, Scooter heraus kramen, Kassetten-Toilette checken, Hunger bekämpfen (also Nudeln kochen), Fernseher in Betrieb nehmen, Satellitenanlage einstellen, ganz kurz zwischendurch hinsetzen, uff.

Mittlerweile ist es schon fast Abend. Aber es bleibt auch noch genug Zeit für ein Fußballspiel und erfrischendes Planschen im Badeteich. Dann bin ich so richtig erschöpft. Der Bub aber kann sich nun endlich Instagram & Co. widmen. Platz zum Ausspannen und Schlafen ist mehr als genug: Ich habe das Doppelbett für mich, Hamza kann sich auf der zur Doppelliege umgebauten Sitzgarnitur breit machen.

Das schöne an den Ferien ist ja, dass man am frühen Morgen nicht aus den Federn und in die Schule muss. Noch besser ist freilich das Campen, denn da gibt's gegen zehn Uhr von mir vorbereitetes Frühstück im ­Freien samt Gratis-WLAN.

Eine mittlere Katastrophe produzieren wir freilich beim Drehen fürs Online-Video zu dieser Reportage. Hamza will das Fahrerfenster öffnen, damit ich ihn am Lenkrad filmen kann. Das geht nur bei eingeschalteter Zündung. Dummerweise habe ich vergessen, dass das externe Stromkabel angeschlossen ist. Ich starte den Motor, die Alarmanlage geht los. Nichts hilft. Motor aus, Alarm geht weiter. Kabel abstecken, Alarm geht weiter. Stromversorgung ausschalten, Alarm geht weiter. Erst als ich in die Heckgarage klettere und die Wohnraumbatterie ausschalte, herrscht endlich Ruhe. Und ich brauche eine Pause. Hamza findet's super, denn jetzt gibt es wirklich was zum Erzählen für zu Hause.

Zum Glück war den anderen Campern unser Missgeschick ziemlich wurscht. Wir machen uns also wieder auf die Fahrt – jetzt ins schöne Salzburg. Genauer gesagt nach Obertrum im Salzburger Seenland, wo See-Camping Oitner am glasklaren Obertrumer See mitten in der Hochsaison zum Glück noch einen Stellplatz frei hat. Hier parken wir nahe am Seeufer.

Es wird ein wunderbarer Sommertag mit Schwimmen, Ballspielen und zwei großen Pizzarädern samt Cola vom Lieferservice. ­Einen aufblasbaren Plastiksessel, der auch schwimmt, nutzen wir dann zum Ausruhen am Wasser. Sogar das mitgebrachte Zwei-Mann-Zelt bauen wir im Teamwork schnell auf. Den ursprünglichen Plan, auch darin einmal zu übernachten, geben wir aber rasch wieder auf. Zu verlockend sind die weichen Matratzen im vergleichsweise riesigen Mobil.

 

Und der Abwassertank?

Ungern verlassen wir diesen schönen Platz und machen uns auf den Weg nach Bayern, wo wir noch eine weitere Nacht im Donautal in der Nähe von Passau verbringen wollen. Das Mobil fahre ich mittlerweile genauso routiniert wie meinen privaten Pkw. Erstaunlich, wie rasch man sich an die Ausmaße gewöhnt und einfach entspannter und ausgeglichener fährt, während die Pkw rundum auf der Straße umherdrängeln.

Dreiflüsse-Camping mit der schönen Adresse "Am Sonnenhang" in Irring (etwas oberhalb von Passau im Donautal) verfügt sogar über ein kleines Hallenbad, das wir gerne ausprobieren. Noch wichtiger aber ist die praktische Entsorgungsstation an der Auffahrt, denn hier können wir unser "Grauwasser" loswerden, wie man im Camper-Jargon zu den Abwässern aus Dusche und Kassetten-Toilette sagt. Der Abwassertank fasst 73 Liter. Angenommen er ist voll – wie lange müssen wir noch blöd herumstehen, bis der Tank leer ist, wenn in einer Sekunde ungefähr ein Deziliter herausrinnt?

Hamza überlegt, ich krame in meinen ­alten Gehirnwindungen nach der Sektion fürs Kopfrechnen. Dann lassen wir es bleiben. Wir sind ja nicht bei der Mathematik-Schularbeit, sondern in den Ferien. Check!

Viele nützliche Informationen rund ums Campen hat der ÖCC, der Österreichische Camping Club, zu dem es hier geht.

Und dann war da noch...

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