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November 2016

Advent in Krakau

Polens zweitgrößte Stadt bietet jetzt Romantik mit Bodenhaftung: Weiße Fiaker in der Altstadt, Deftiges am Weihnachtsmarkt und Krippen, die völlig anders sind als bei uns.

Viele sagen, Krakau sei das neue Prag: Romantik auf Schritt und Tritt und Wochenende für Wochenende Tausende Menschen, die einfliegen, um durch die wunderschöne Altstadt zu schlendern. Darunter viel junges Volk aus aller Herren Länder – wahrscheinlich auch deshalb, weil unter den 760.000 Bewohnern von Polens zweitgrößter Stadt an die 160.000 Studenten sind.

Wir haben die relative Nähe zu Österreich genutzt und sind mit dem Auto bequem in viereinhalb Stunden angereist, 400 der 460 Kilometer sind ja als Autobahn ausgebaut. Haben den Wagen in der Garage des Hotels abgestellt und machen uns nun auf den Weg in die von Parkanlagen und Teilen der Mittelalterlichen Stadtmauer umgebene Innenstadt. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein – Kunststück, hier fielen im Krieg keine Bomben und danach, im Kommunismus, ging alles Geld in den Wiederaufbau Warschaus. Was sich in Krakau heutzutage als Segen für Flaneure erweist.

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Immer im Mittelpunkt: die Marienkirche

Das Raster der Straßen in Krakaus Altstadt ist fast ausschließlich rechteckig. Die meisten Gassen führen auf den großen Marktplatz, den Hauptmarkt, polnisch Rynek Glówny, zu. Er gilt dank seiner Fläche von 40.000 Quadratmetern als einer der größten Plätze in Europa – und als Mittelpunkt der Stadt.

Der quadratische Platz ist von Palästen, bis zu tausend Jahre alten Kirchen und Patrizierhäusern umrahmt, in seiner Mitte befindet sich die 1555 im Renaissancestil wiederaufgebaute Tuchhalle. Früher trafen sich in ihr Händler aus ganz Europa, heute wird in kleinen Läden Handwerkskunst aus Polen angeboten – oft auch ganz schön kitschige Dinge.

Am Rynek trifft sich ganz Krakau das ganze Jahr über in den vielen Cafés und Bars. Selbst im Winter, wenn es – der weiter östlichen Lage geschuldet – früher als in Österreich dunkel wird. Da sind dann die Schanigärten mit dicken, durchsichtigen Plastikfolien und Heizlampen vor der Kälte geschützt. Zwischen Marienkirche und Tuchhalle erwartet die Besucher bis 26. Dezember ein großer Weihnachtsmarkt, der sich in vielen Dingen von den Christkindlmärkten im deutschen Sprachraum unterscheidet.

Der etwas andere Weihnachtsmarkt

Kekse, Lebkuchen, Kletzenbrot? Oder vielleicht gar der süßliche Duft von Zuckerwatte und kandierten Früchten? Fehlanzeige. Wer durch die 70 Stände des Weihnachtsmarkts am Hauptmarkt schlendert, fühlt sich – vor allem, was den Geruch betrifft – in ein deftiges Wirtshaus versetzt: Schon ab 11 Uhr vormittags werden die Grills in den Holzhütten angeheizt, und spätestens Mittags dient der Rynek dann als Kantine für die Beamten der Bezirksverwaltung, die Angestellten der vielen Büros und Geschäfte sowie für tausende Studenten der nahen Jagellonen-Universität, der zweitältesten in Mitteleuropa. Aber alles nichts gegen das Treiben und Sich-treiben-Lassen am Abend.

Die etwas anderen Krippen

Krippen, so wie wir sie kennen, findet man überall am Krakauer Weihnachtsmarkt. In den Auslagen der umliegenden Geschäfte aber gibt es Krippen ganz anderer Art zu sehen. Ganz ohne Stall, fast bombastisch anmutend, metallisch glänzend und bunt. Es handelt sich um die ganz speziellen Weihnachtskrippen, die für Krakau so typisch sind.

Eine Ausstellung im Historischen Museum der Stadt Krakau am Rynek zeigt die schönsten Stücke der letzten Jahrzehnte. Denn seit 1937 findet Jahr für Jahr ein großer Wettbewerb zum Bau dieser Art von Krippen statt.

Die Geschichte dieser besonderen Krippen reicht zurück bis ins 18. Jahrhundert. Damals entstanden die ersten Krippen mit beweglichen Figuren, die dann auch prompt für Weihnachtsspiele verwendet wurden. Diese Weihnachtsspiele wurden mit der Zeit immer öfter außerhalb der Kirchen aufgeführt, was zur Folge hatte, dass die Krippen immer größer wurden und sich von der Stall-Atmosphäre immer weiter entfernten – sie nahmen immer öfter die Gestalt einer Kirche an.

Einen weiteren Entwicklungsschub gab es zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Da konnte man erstmals Metallfolien kaufen, ungefärbte Alufolien und bunte. Es waren vorwiegend im Winter arbeitslose Maurer, die diese Folien auf Pappe klebten und daraus Krippen bauten, oft mannshoch. Die Krakauer Krippen wiesen ab da stets eine Ähnlichkeit mit der Marienkirche auf, tragen jedoch drei Türme an Stelle von zwei. Wer sich mit Krakauer Bauwerken auskennt, wird sie in den Krippen oft in Details zitiert finden. Die Palette der Vorbilder reicht dabei vom Rathausturm über das noch heute zu sehende Florianstor im letzten Rest der Stadtmauer bis hin zum feuerspeienden Waweldrachen, jenes berühmten Sagen-Ungetüms, das seine Höhle unter dem Burgberg haben soll.

Bummel durch die Altstadt

Krakau im Advent ist aber mehr als der Rynek mit dem Weihnachtsmarkt. Auch die Straßen, die zum großen Platz führen, sind festlich – aber nicht zu üppig – geschmückt, und die Auslagen sowieso. Es lohnt sich, vom Hauptmarkt in Richtung Weichsel zu gehen, einen Schlenker durchs Uni-Viertel zu machen und abschließend den Burgberg mit der ehemaligen Residenz der polnischen Könige in Krakau, dem Wawel, zu besteigen.

Der Weihnachtsmarkt in Krakau ist noch bis 26. Dezember in Betrieb. Die Krippenausstellung im Historischen Museum ist noch bis in den Jänner zu besichtigen, am 1. und 6. Jänner ist das Museum jedoch geschlossen.

Hotel-Angebote samt Flügen zu tagesaktuellen Preisen nach Krakau hat das ÖAMTC-Reisebüro unter der Hotline Tel. 0810 120 120.

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