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Yasmin "Yasmo" Hafedh auf der Bühne des Wiener Jazz- und Musik-Clubs Porgy & Bess. Hier präsentiert sie mit der Klangkantine am 25. und 26. März ihr neues Album "Prekariat und Karat". 

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Yasmin "Yasmo" Hafedh auf der Bühne des Wiener Jazz- und Musik-Clubs Porgy & Bess. Hier präsentiert sie mit der Klangkantine am 25. und 26. März ihr neues Album "Prekariat und Karat". 

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Februar 2019

Yasmo ohne Klang-Kantine

Die rappende Poetin Yasmin Hafedh (a.k.a. Yasmo) über Schiller, Fettes Brot, das neue Album und die zunehmende Oberflächlichkeit der Menschen.

Sie ist am Punkt mit dem Beat und am Puls der Zeit mit den Inhalten ihrer Texte. Meinungsfreiheit ist das, was sie fordert und fördert, denn sie performt nicht nur als Rapperin und Poetry Slammerin, sondern kümmert sich genauso engagiert um den kreativen Nachwuchs wie sie einseitigen Meinungs-Wildwuchs in ihren Texten kritisiert. Sie ist geradeaus, sprachversiert, sprachverliebt und hat mit der Klangkantine den perfekten Partner auf der Bühne, um ihrer Stimme noch mehr Ausdruck zu verleihen.

Doch zunächst einmal Bühne frei für dich, liebe Yasmo, wir machen das zunächst im Poetry-Slam-Style – du hast eine Minute Zeit für dein persönliches Intro.

Wer mehr von ihr hören, lesen oder sehen will, tut dies idealerweise hier (Website)hier (Facebook), hier (Instagram), hier (Soundcloud)hier (Spotify)hier (Twitter) oder hier (YouTube).

 

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Nach Yasmo im O-Ton: Yasmo, aufgeschrieben

— Du bist unglaublich vielschaffend und vielseitig – darf ich dich daher bitten, dich und dein Tun einfach selbst zu charakterisieren?

YASMO:Ich bin Poetin und Autorin. Und Rapperin. Habe mit 12, 13 Jahren zu schreiben begonnen, bin über Gedichtwettbewerbe und Poetry Slams sehr schnell zu Hip Hop gekommen. Ich bin manchmal ein wenig verpeilt, immer auf Höflichkeit bedacht, weil mir persönlich das sehr wichtig ist – und ich komme oft zu spät, was mir auch wirklich immer leid tut. Darüber hinaus bin ich fleißig, fröhlich und sehr stur.

Irgendwann keimte dann in mir der Gedanke, ah, ich werde jetzt lieber wie Schiller.

Yasmo, rappende Poetin

— Ich habe gelesen, dass du dir Sorgen über deine Zukunft gemacht und deswegen so früh mit dem Schreiben begonnen hast. Das ist nicht unbedingt typisch für eine 12-Jährige…

yasmo:Wir haben ja früher nichts gehabt, außer die Zukunft (lacht). Im Ernst: Sorgen über die Zukunft ist vielleicht ein bisserl übertrieben formuliert, aber ich habe damals schon sehr intensiv darüber nachgedacht, was ich später einmal werden will. Keine Ahnung, warum ich mir das dachte, ich hatte auch überhaupt keinen Druck von meinen Eltern. Was ich jedenfalls wusste, war, dass ich keinen geregelten Nine-to-Five-Job haben wollte.

Das Einzige, was mir damals einfiel, das nicht geregelt war, war der Beruf Künstler – also gut, dachte ich mir, ich werde Künstlerin. Ich begann dann zu malen, denn der Begriff Künstler war für mich gleichbedeutend mit Malersein. Allerdings hatte ich überhaupt kein Talent fürs Malen. Vermutlich weil ich nebenbei immer schon viel las, vor allem Schiller, keimte dann irgendwann in mir der Gedanke, ah, ich werde jetzt lieber wie Schiller.

— Aber wo kam dein frühes Interesse für Kultur und Literatur her?

yasmo:Weiß ich nicht genau. Meine Mutter war schon kulturell interessiert, mein Vater hingegen überhaupt nicht. Der Freundeskreis meiner Mutter hörte viel Ö1, meine Freunde viel FM4. Wir fanden einfach Interesse an der Alternativ-Kultur, trugen auch Converse und so.

fettes B_6950.JPG Yasmo © Yasmo
Das deutsche Hip-Hop-Trio Fettes Brot und Yasmo. 

Deutscher Sprechgesang dank German Hip Hop

— Zu deutschem Sprechgesang bist du über die deutschsprachige Hip-Hop-Band Fettes Brot gekommen – welches Lied war der Auslöser?

Yasmo:(lacht) Yasmin. Eigentlich waren sie ja gerade mit dem Song Emanuela draußen, den fand ich fürchterlich, aber wegen des neuen Songs spielten sie ein Live-Konzert für MTV, den Musiksender, den gab es damals noch. Ich sah das im Fernsehen und dachte mir noch, oh, das ist ja lustig, oh, das ist ja cool, oh, die meinen ja mich, die reden nur über mich. Daraufhin kaufte ich mir alle ihre CDs, weil ich mich immer schon durch die Geschichte einer Band gearbeitet habe, wenn sie mir gefiel. So bin ich natürlich ganz schnell zu Deutsch-Rap insgesamt gekommen, weil die ja auch früher immer überall ihre Features gemacht haben. Und dann dachte ich mir eben, ja, das will ich auch machen.

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© Kidizinsane

Nun aber ins Jetzt: Yasmo & die Klangkantine

— Dein bzw. euer neues Album „Prekariat und Karat“ wirkt poppiger, gleichzeitig zorniger als die bisherigen – Kalkül oder Weiterentwicklung?

Yasmo:Für mich ist das Album voller, es macht alles mehr Sinn, musikalisch wie textlich. Es war freier in der Produktion, wir haben uns davor also nicht überlegt, jetzt mehr so und so oder mehr Hip Hop zu machen; oder ob sich das live überhaupt umsetzen lässt. Stattdessen dachten wir uns nur, wir machen jetzt einfach. Deswegen haben wir nun sogar einen Gospel-Chor dabei, my dream (lacht).

Ich bin vor allem aber gespannt, wie dieses Album ankommt. Gefühlsmäßig kann ich das überhaupt nicht einschätzen, das ist ganz anders als bei den bisherigen Alben, die ich gemacht habe. Es ist wirklich auch so, dass ich mir denke, hm, was wird die Presse dazu eigentlich sagen? Und wenn du beispielsweise sagst, es klingt zorniger, oder poppiger, dann denke ich mir wiederum, warum sagt er das jetzt? Was meint er damit?

— Das kann ich dir gerne beantworten. Du verwendest in deinen Texten z.B. das Wort "Oida" wesentlich häufiger und gezielter… 

Yasmo:Ah, stimmt! 

— … und im Song "Hör zu", der sexuelle Belästigung zum Thema hat, sagst du…

Yasmo:JAAA, da sage ich "F*** dich". 

— "Hör zu" ist meiner Meinung nach ein wirklich starker Song, weil auch die musikalische Begleitung sehr gut passt. Da tat das Zuhören fast schon weh, inhaltlich wie melodisch…

Yasmo: Genau so soll es auch sein, der soll piksen, gut so (lacht). Danke für das Feedback.

— Welcher Song ist denn dein persönlicher Lieblingssong auf diesem Album? 

Yasmo: Momentan ist es "Aura", aber das ändert sich ständig.

— Du wetterst in deinen Texten gegen die zunehmende Oberflächlichkeit der Menschen, gegen Geschlechter-Klischees, das Patriarchat…

Yasmo: Ich möchte schon Dinge aufzeigen und anregen, dass wieder mehr nachgedacht wird. Meine Erfahrung ist, dass wenn man jemandem auf Augenhöhe und mit Respekt begegnet, dann wird einem meist auch so zurückbegegnet. Das ist schon ein wichtiger erster Schritt für ein ordentliches Miteinander.

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1 Das neue Album von Yasmo und der Klangkantine namens "Prekariat und Karat". Erschienen bei Ink Music, kaufbar ist es u.a. hier. Eine Vinyl-Version gibt's übrigens auch. © Ink Music 110

2 Single-Auskoppelung Nr. 1.: Popsong © Ink Music 110

3 Single-Auskoppelung Nr. 2.: Mach, mach, mach © Ink Music 110

Warum mit Big Band auf die Bühne gehen?

— Worin liegt für dich als Rapperin der Reiz, mit einer Big Band wie der Klangkantine ins Studio und auf die Bühne zu gehen?

Yasmo:Ich habe ja zu Beginn noch mit DJ gespielt, habe die Beats bei meinem zweiten Album "Kein Platz für Zweifel" teilweise eh auch schon mitproduziert – aber eine Live-Band ist halt immer cool. Bei einem Jazz-Slam (Anm.: Da treten die Poeten zusammen mit drei Musikern auf, die den vorgetragenen Text mit ihren Instrumenten untermalen) habe ich dann den Ralph kennengelernt. Und weil die Zusammenarbeit gar so gut geklappt hat, wir so gut zusammengepasst haben, war dann relativ rasch die Idee da, gemeinsam Musik zu machen. Ralph meinte damals nur, dass wir doch gleich eine Band zusammenstellen könnten, tja, und das haben wir dann auch gemacht. 

Aber zurück zur Frage. Mit den einzelnen Instrumenten einer Live-Band kann man bei einem Konzert einfach mehr berücksichtigen, auch mehr Rücksicht auf den Text nehmen. Die beiden Komponisten beispielsweise denken schon von Beginn an mit, was ich da versuche zu sagen bzw. mitzuteilen. Und auch die Band denkt bei den Proben mit und nimmt sich, wo es erforderlich ist, bei einzelnen Song-Passagen zurück. Wir versuchen immer ein Symbiose herzustellen, so, dass es sich für alle ausgeht, und so, dass es zusammen einfach noch viel, viel cooler klingt als eben allein. 

Was bei uns auf jeden Fall ist, dass wir eine richtig zusammengewachsene Familie sind. Und das ist echt schön. Wir kennen uns alle gut, wir schätzen uns alle sehr, wir sind alle auf einer ähnlichen Wellenlänge, und wenn es Differenzen gibt, dann werden die ausdiskutiert. Wenn man natürlich drei Tage lang gemeinsam im Auto sitzt, dann kann es schon einmal passieren, dass man sich auf die Nerven geht (lacht). Aber, wie gesagt, wenn es Probleme gibt, dann reden wir die aus – und danach gehen wir auf ein Bier und alles ist wieder leiwand.

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Yasmo gewann 2009 als erste…
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… Österreicherin die deutschsprachige…
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… U20-Poetry-Slam-Meisterschaft.

In Zeiten wie diesen ist diese Künstlerin unverzichtbar. Meine Damen und Herren – Yasmo.

Conchita Wurst, Künstlerin und Sängerin, als Host bei den Amadeus Austrian Music Awards 2018

Alte Tour-Erlebnisse und neue Tour-Daten

— Du hast vorhin kurz das Thema Auf-Tour-Gehen angeschnitten – wie wäre es mit einer kleinen diesbezüglichen Anekdote? Ein besonderes Erlebnis, eine Panne…?

Yasmo:Ja, Pannen hatten wir bereits mehrmals, bei einer half uns sogar der ÖAMTC. Wir waren mit zwei Autos von Linz nach Südtirol unterwegs, 10 Stunden Fahrt in der prallen Hitze. Mittendrin hat das zweite Auto zu dampfen begonnen. Wir sind jedoch nicht gleich stehen geblieben, sondern noch eine Zeit lang weiter gefahren. Irgendwann haben wir aber doch angehalten und den ÖAMTC gerufen. Der hat's repariert und weiter ging's. War in Wirklichkeit natürlich viel lustiger und aufregender, als das hier nun klingt, weil wir nicht unmittelbar hintereinander unterwegs waren, weil sich eines der Autos verfahren hat, weil da die Sorge war, dass wir unseren Auftritt verpassen und so weiter. 

— Wo führt euch denn die aktuelle Tour hin – wann spielt ihr wo?

Yasmo:Also…

  • am 08.03. spielen wir in Salzburg (ARGEkultur),
  • am 13.03. in Innsbruck (Treibhaus), 
  • am 14.03. in Dornbirn (Spielboden),
  • am 15.03. in München (ClubMilla),
  • am 16.03. in Linz (Posthof-Zeitkultur am Hafen),
  • am 25. & 26.03. in Wien (Porgy & Bess Jazz & Musicclub), 
  • am 27.03.2019 in Graz (p.p.c.) 
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In Abwandlung eines Robert-Redford-Klassikers (nach der Romanvorlage von Norman Maclean): Aus der Mitte entspringt ein Rede-Fluss ;-)

— Abschließende Frage, wenn du gestattest: Kannst du von der Musik und deinem kulturellen Schaffen leben?

Yasmo:Ja, das geht sich aus. Ich sage aber immer auch dazu, dass ich kein Auto habe und keine Familie, die ich ernähren muss. 

— Tun zu können, was einem Spaß macht, ist ein wundervolles Privileg…

Yasmo:Voll, es ist aber auch sehr viel Arbeit. Ich bin mir des Privilegs jedenfalls voll bewusst, bin auch wahnsinnig froh darüber. Angesichts der 60-Stunden-Woche-Debatte habe ich mir letztes Jahr über zwei Wochen lang angesehen, wie viel ich eigentlich arbeite, mitgeschrieben, wie lange ich wofür gebraucht habe. Und da waren schon auch Tage dabei, wo ich auf meine 14 oder sogar 16 Stunden Arbeit gekommen bin. Aber ja, ich mache das alles wahnsinnig gerne, kann mir auch nicht vorstellen, etwas anderes zu machen – so gesehen passt das. 

Yasmin "Yasmo" Hafedh, Rapperin & preisgekrönte Poetry-Slammerin

  • Geboren am 27. Oktober 1990 in Wien
  • Gewinnt 2009 als erste Österreicherin die deutschsprachige U20-Poetry-Slam-Meisterschaft
  • 2003: Erster Rap gemeinsam mit Schriftsteller Thomas Raab (war damals noch ihr Musiklehrer)
  • Spielt mit 19 Jahren ihr erstes Konzert
  • 2011 folgt das Debütalbum "Keep it realistisch"
  • 2013 gewinnt sie die Poetry-Slam-ÖM, bringt ihr 2. Album heraus
  • Seit 2015 übernimmt die Klangkantine die musikalische Begleitung
  • März 2019: Das neue Album "Prekariat und Karat" ist am Start

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