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Der neue Ford Mustang in California-Gelb.

© Heinz Henninger

Der neue Ford Mustang in California-Gelb.

© Heinz Henninger
August 2016

Sattelt die Pferde

Obwohl es ihn schon seit 52 Jahren gibt, wird der Ford Mustang erst jetzt zum ersten Mal in seiner Geschichte offiziell nach Österreich importiert.

Schaut er nicht atemberaubend aus? Retro-Design, das können die Amis. Insbesondere Ford. Dort hat schon 2002 Designchef J Mays (das J ist der Vorname, wird englisch ausgesprochen und hat keinen Punkt) mit dem viel beachteten Thunderbird gezeigt, wie man Stilelemente klassischer Ikonen aufgreift und mit modernem Touch so recycelt, dass zeitgemäße Prachtexemplare von Designerstücken entstehen. Er hat dann auch zwei Jahre später den Mustang aus der optischen Tristesse gerettet, in die ihn mäßig begabte Konzern-Designer über Jahrzehnte hineingeritten haben.

Übrigens ist J Mays auch der Mann des schwungvollen Bogens: 1992 hatte er als federführender Designer des kalifornischen Advanced Design Studios von Volkswagen einer Studie namens Concept One ein halbkreisförmiges Dach aufgesetzt: So entstand der New Beetle.

Der Mann kann also Retro-Design. Was hier in knalligem California-Gelb vor uns steht, geht auf seine – 2004 längst überfällige – Erlösung des bis dahin dramatisch hässlich gewordenen Mustang zurück. Danke, J.

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1 Überraschung! Nein, doch nicht: Der Ford Mustang wird nicht in die Pannenfahrzeug-Flotte des ÖAMTC aufgenommen, das ist nur ein Photoshop-Gag der Redaktion. Aber er wäre zweifellos ein begehrtes Dienstfahrzeug unserer Pannenfahrer. © Heinz Henninger

2 Die Cockpits amerikanischer Sportwagen sahen schon einmal ärger aus. Ergonomie, Platzangebot, Haptik (dieser diffuse Begriff, der beschreibt, wie sich das ganze Ding angreift), Sitzposition, alles gut. Die Lenkung hat sogar den größten Anteil daran, dass der Mustang sich gut anfühlt – angenehm direkt und wunderbar präzise. © Heinz Henninger

3 Bitte einsteigen! Was Sie hier sehen, sind die aufpreispflichtigen Recaro-Sportsitze, deren Verstellmöglichkeiten zwar begrenzt sind, dafür ist die Grund-Sitzposition schon ziemlich perfekt. Einsteigen nach hinten: Vergessen Sie's. © Heinz Henninger

Von 1964 bis heute

Die Geschichte des Mustang beginnt 1964, am 17. April in New York. An diesem Tag präsentiert Ford das neue Modell auf der Weltausstellung, am Abend sind bereits 22.000 Stück verkauft. Der Ford Mustang wird von Anfang an als Hardtop-Coupé oder Cabriolet angeboten, angetrieben von einem 3,3-Liter-V6- oder 4,7-Liter-V8-Motor, zu Preisen ab 2.368 US-Dollar. 

Im Laufe der Jahre kamen viele Varianten hinzu, karosserieseitig vor allem das Fastback-Coupé, das als Vorbild für den heutigen Mustang diente. Von den Motoren her sind die Muskelpakete von Carroll Shelby hervorzuheben, das ist dieser Texaner, der schon den schmächtigen englischen Sportwagen AC mittels mächtiger amerikanischer V8-Motoren zur legendären Cobra auftrainiert hatte. Der Ex-Rennfahrer baut im kalifornischen Venice schon 1965 den Mustang Shelby GT 350 mit 306 PS starkem V8.

Ford ist einfallsreich und baut die Modellreihe immer weiter aus: Spätere Mustangs heißen Cobra und Grande, Boss und Mach I. Bis Anfang der 1970er-Jahre wird der Mustang von Modelljahr zu Modelljahr immer größer, dann schrumpft er radikal.

Jetzt aber zu dem konkreten gelben Viech, das breit und geduckt vor uns steht:

Ford Mustang 2.3 Ecoboost Automatic Fastback, Listenpreis (inkl. MwSt. und 27% NoVA) 49.600 Euro. Dazu kommt das Premiumpaket um 5.858,70 Euro Aufpreis; es enthält: das Navigationssystem Sync2 mit Sprachsteuerung und Touchscreen, ein "Shaker Pro"-Premium-Soundsystem mit 12 Lautsprechern, 19-Zoll-Leichtmetallräder, Park-Pilot-System hinten, Chromdekor-Zierleisten, Soft-Touch-Türverkleidung und kontrastierende Ziernähte am Armaturenbrett.

Eigentlich haben wir auch noch heiz- und kühlbare Vordersitze in Premium-Leder-Ausführung im Testwagen erwartet (weil sie Teil des Premiumpakets sind), doch die Schalter zum Runterkühlen des aufgeheizten schwarzen Leders suchten wir vergeblich. W 59712 Z hat stattdessen Recaro-Sitze um zusätzliche 2.300 Euro eingebaut. Ebenfalls auf der Aufpreisliste: das knallende Gelb, eine von Ford so genannte TriCoat-Farbe, die noch einmal 1.810,87 Euro kostet. Haben wir schon erwähnt, dass sie California-Gelb heißt?

Macht zusammen 59.569,57 Euro.

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Nichts gegen den Vierzylinder

Falls Sie jetzt eine verbale Vernichtung des vergleichsweise kleinen Motors erwarten, nach dem Motto "Mustang geht nur mit V8", muss ich Sie enttäuschen. Der EcoBoost-Vierzylinder mit Direkteinspritzung und Turboaufladung macht seine Sache richtig gut. Über zu geringe Leistung zu klagen wäre angesichts 317 PS einfach lächerlich, und auch das höchste Drehmoment (434 Newtonmeter) ist absolut ausreichend. 

Das Angebot ist ja übersichtlich: Den Mustang gibt es wahlweise mit diesem 2,3-l-Vierzylinder und einem 422 PS starken 5-l-V8; beide Motoren sowohl mit Sechsgang-Schaltgetriebe als auch mit Sechsgang-Automatik, und gar nicht empfehlenswert ist nur eine der vier Kombinationsmöglichkeiten: diese.

Vierzylindermotor mit Automatik. Lassen Sie bloß die Finger davon.

Wirkt der Turbomotor nämlich noch quirlig und temperamentvoll, wenn man das Getriebe manuell schalten kann, mutiert er leider zur gefühlten zähen Masse, sobald sein Drehmoment von der Wandlerautomatik geshreddert wird. Zwar kann man mittels Schaltpaddles hinter dem Lenkrad ins Geschehen eingreifen, aber das hilft nicht viel: Statt spontanerer Leistungsabgabe erntet man beim manuellen Runterschalten hauptsächlich höhere Drehzahlen, ohne dass diese nennenswerten Einfluss auf das Beschleunigungserlebnis hätten.

Schade. Denn an und für sich ist der Mustang 2.3 ein gelungenes Sportcoupé. Vor allem sein Handling überrascht positiv – so leicht und genau lässt er sich mit der elektrischen Servolenkung dirigieren. Macht Spaß.

Also ja, der "kleine" Mustang ist absolut empfehlenswert – vorausgesetzt, man bringt genügend Selbstbewusstsein mit, um auf die Geräuschkulisse des Achtzylinders verzichten zu können. 10,64 Liter Super auf 100 Kilometer sind zwar unbescheiden, keine Frage, aber wer weiß, wie viel erst die mehr als doppelt so große V8-Maschine des Mustang GT konsumiert?

Wir wissen es. Bald. Zur Ergänzung unseres Eindrucks vom neuen Ford Mustang steht uns nämlich im Laufe des Septembers noch ein Mustang GT Convertible ins Haus. Keep on ridin'.

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