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Sie sehen: die meistverkauften E-Autos Österreichs auf Winter-Testfahrt.

© Heinz Henninger

Sie sehen: die meistverkauften E-Autos Österreichs auf Winter-Testfahrt.

© Heinz Henninger
Februar 2018

Kalter Alltag unter Strom

Die Angst des E-Automobilisten vor der Reichweite im Winter – gilt sie auch noch für die aktuellsten Versionen von BMW i3 und Renault Zoe, die meistverkauften E-Autos in Österreich?

Viele Zahlen schwirren umher, wenn es um die Reichweite von E-Autos geht. Normreichweite, NEFZ, Praxisreichweite im Sommer, realistische Reichweite im Winter. Und alle unterscheiden sich gewaltig – etwa am Beispiel des meistverkauften E-Autos in Österreich, des Renault Zoe in der Version mit großem Akku: 403 Kilometer lautet die Normangabe, aber selbst Renault spricht fairerweise von einer Praxisreichweite von 300 km im Sommer und 200 km im Winter. Vor allem die Heizung des Innenraums kostet Strom und damit Reichweite. Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ist die Wärme ja ein Abfallprodukt.

Sinken die Temperaturen gegen null, steigt bei einem ungeübten E-Auto-Mobilisten die Nervosität, wenn eine längere Strecke in Angriff genommen werden soll. Ist das noch berechtigt? Wir haben eine 146 Kilometer lange Strecke bei zwei Grad Außentemperatur mit den beiden meistverkauften E-Autos Österreichs in Angriff genommen: dem Renault Zoe (1.391 Stück wurden 2017 neu zugelassen, Akku mit 41 kWh, Normreichweite 403 km) und dem BMW i3 (1.030 Stück, Akku mit 33 kWh, 290 km). Die Strecke: einem typischen Wochenend-Ausflug nachempfunden. Durch die Stadt (die Oma abholen), über die Autobahn und auf Landstraßen (auch mit ordentlichen Steigungen) zum Ausflugsziel, dann wieder zurück zum Ausgangspunkt.

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Die Test-Route

eAuto_Route.jpg Grafik: Andreas Kaleta 1

1 Start und Ziel ist das ÖAMTC Mobilitätszentrum in Wien-Erdberg. Zuerst geht es die Schüttelstraße und Brigittenauer Lände in Richtung Spittelau. Danach: den Gürtel entlang rund um die Innenstadtbezirke, nach dem Hauptbahnhof auf die Tangente Richtung Donauufer Autobahn (A 22). Hier geht es mit Tempo 80 Richtung Stadtgrenze. Von Strebersdorf (ab hier gilt Tempolimit 130) über Stockerau auf der S5 nach Tulln. Dann Landstraße über Tulbingerkogel und Dopplerhütte Richtung Klosterneuburg. Weiter nach Wien und über die A 22 wieder zum Ausgangspunkt. © Grafik: Andreas Kaleta

Die Vorgabe an die beiden Test-Teams: normales Tempo (also nicht extrem sparsam). Auf Landstraßen bis zum erlaubten Tempo 100, auf der Autobahn im Bereich zwischen 110 und 120 km/h. Die Heizung lassen wir an und stellen sie auf wohlige 22 Grad, es soll ja ein Praxistest sein. Beide Fahrzeuge haben übrigens eine Wärmepumpen-Heizung, die über 50 Prozent weniger Energie benötigt (und im Sommer auch die Klimatisierung übernimmt) und damit die Reichweite erhöht. Beim Zoe ist sie serienmäßig, beim i3 kostet sie 666 Euro Aufpreis.

11:40 Uhr: Start beim ÖAMTC-Mobilitätszentrum in Wien-Erdberg

Abfahrt. Die Akkus sind voll aufgeladen. Am Tag zuvor haben wir beide E-Autos "eingefahren", um eine gleichwertige, realistische Reichweitenangabe zu erhalten. Hintergrund: Die Restkilometer, die ein E-Auto anzeigt, hängen nicht nur vom Ladezustand der ­Akkus ab, sondern orientieren sich auch an der Außentemperatur (kälter = weniger) und am Fahrstil der letzten Fahrt (starke Beschleunigungen = geringere Reichweitenanzeige).

Start eAuto_Verbrauch_HEN_3005_CMS Display.jpg Heinz Henninger © Heinz Henninger

Bis 12:25 Uhr: Stadtverkehr

Gürtelrunde. Um die Mittagszeit ist der Verkehr noch erträglich. Beide Autos fahren im Eco-Programm, das die Heizung etwas reduziert und die Motorleistung zurücknimmt. Für das flotte Mitschwimmen reicht es vollkommen aus. Beim Start hatte der BMW eine Reichweite von 171 km angezeigt. Wird das für die gesamte Runde reichen? Immerhin liegen ja auch energiefressende Autobahn­kilometer und zwei "Bergetappen" vor uns. 

Interessant, wie viele E-Autos einem auffallen, wenn man im E-Auto unterwegs ist. Nach 21 km Stadtverkehr hat der BMW nur 14 km Reichweite "aufgebraucht", beim Zoe sind es 40 km. Oha. 

eAuto_Verbrauch_HEN_3085_CMS Display.jpg Heinz Henninger © Heinz Henninger

Bis 13:15 Uhr: Stadtautobahn, Autobahn

Dahinrollen. Ein Blick auf das Leergewicht kann den größeren Reichweitenschwund beim Renault erklären: Der Zoe wiegt 1.517 kg, der i3 nur 1.245 kg. Das wirkt sich vor allem im Stadtverkehr aus. Beim gleichmäßigen Dahinrollen auf der Stadt-Autobahn mit Tempo 80 reduziert sich der Reichweitenverlust des Renault auf ein normales Maß, der BMW zeigt sogar eine steigende Reichweite an. Seine Anzeige ist wirklich auf der konservativen, sicheren Seite. Ab Strebersdorf ist Tempo 130 erlaubt, der Eco-Modus des Zoe muss deaktiviert werden, der erlaubt maximal 95 km/h. Abfahrt von der Autobahn bei Tulln: nur mehr 46 km Reichweitendifferenz zwischen i3 und Zoe.

eAuto_Verbrauch_HEN_3155_CMS Display.jpg Heinz Henninger © Heinz Henninger

Bis 15:20 Uhr: Landstraße, Bergstraße

Königsetappe. Zuerst lockeres Dahinrollen, dann Anstieg auf den Tulbinger Kogel, dann noch rauf zur Doppler-Hütte. Mittlerweile ist klar, dass wir unseren Ausgangspunkt auch bei den niedrigen Temperaturen wieder locker erreichen, ohne dahinzuschleichen oder zu frieren.

Ja, die Bergetappen machen richtig Spaß. Dann rollen wir gemütlich Richtung Wien. Die Differenz der Reichweitenanzeige beider Autos schrumpft weiter, Eco-Modus ist nicht mehr notwendig. Beim BMW gibt es übrigens sogar einen Modus EcoPro+, der die Heizung vollkommen deaktiviert und (laut Handbuch) sogar das Abblendlicht dimmt. Wir erkannten keinen Unterschied.

eAuto_Verbrauch_HEN_3443_CMS Display.jpg Heinz Henninger © Heinz Henninger

Die Tempo-Diskussion

Bei der Vorbereitung zur Testrunde mit BMW i3 und Renault Zoe entspann sich eine interessante Diskussion zum passenden Autobahntempo. Einige Redakteure plädierten für 130 km/h (wie bei jedem "normalen" Auto), andere argumentierten für Tempo 100 ("angepasst" an die E-Mobilität). Einigung für die Testrunde: zwischen 110 und 120 km/h.

Aber wie viel macht der Unterschied zwischen 100 und 130 auf der Autobahn aus? Ein zusätzlicher Test auf 91 Kilometer Autobahn mit dem Renault liefert die Fakten: Mit Tempo 100 benötigt der Zoe 21,4 kWh/100 km (inklusive Ladeverlusten). Maximales Autobahntempo lässt den Verbrauch auf 27,8 kWh/100 km ansteigen, also exakt um 30 Prozent. Das ist ein erheblich größerer Mehrverbrauch als bei einem herkömmlichen Auto und verringert im gleichen Ausmaß die Reichweite.

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