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Abendstimmung im herbstlichen Frankfurt: Im Main versinkt die Sonne. Und wie steht’s um die Autoindustrie?

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Abendstimmung im herbstlichen Frankfurt: Im Main versinkt die Sonne. Und wie steht’s um die Autoindustrie?

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September 2017

IAA 2017: Morgen im Jetzt

Die Frankfurter Automesse ist für die Hersteller heuer ein Spießrutenlauf zwischen konventionellen Modellen, die jetzt noch verkauft werden müssen, und Milliarden-Investitionen in die schleichende Mobilitäts-Revolution. Ein Rundgang zwischen soliden SUVs und Science Fiction. 

Irgendwie können einem die Chefs der Autohersteller derzeit ja leid tun. Auf der einen Seite gibt es nach wie vor das wichtige und lukrative Tagesgeschäft mit den Verbrennungsmotor-Produkten, an die sich sowohl der industrielle Produktionsablauf als auch wir, die Kunden, jahrzehntelang gewöhnt und angepasst haben.

Andererseits befinden wir uns speziell beim Thema Auto mitten in einer Mobilitäts-Revolution, die zum letzten Mal ähnlich massiv eingeschlagen hat, als die Menschen von der Pferdekutsche auf das stinkende Ding umstiegen, das wir so lieb gewonnen haben.

Fakt ist jedenfalls: Es tut sich etwas, das die Mobilität unserer Welt verändern wird. Und niemand (wirklich niemand) weiß dabei genau, wie unser Alltag auf der Straße in 20 Jahren tatsächlich aussehen wird. In einer Industrie, die angesichts Entwicklungs-Zyklen und Trendbeobachtung langfristig denken muss, ist das ein ziemliches Dilemma.

Der Umbruch zeigt sich auch auf der heurigen IAA in Frankfurt: In punkto aktueller Massenware konzentrieren sich fast alle Marken auf den Boom-Bereich "Kompakt-SUV" – allesamt Fahrzeuge, deren Produktion durch Maßnahmen wie Modular-Bauweise recht einfach zu bewerkstelligen ist.

Daneben stehen auf den Messeständen aber auch mehr oder weniger realistische Studien, die, jede für sich, ein wenig besser oder schlechter nach vorne schaut. Die Firma Tesla als Vorreiter dieser Revolution, an deren alltagstauglichen Serienmodellen sich gerade alle abarbeiten, um den Anschluss zu schaffen, wird allerdings nicht mehr lange den Pionierbonus haben, soviel steht fest.

Wir haben uns umgesehen – und zwar bei zwei Spaziergängen durch die Messehallen der IAA. Der erste beschäftigt sich mit all dem, was sie jetzt oder demnächst tatsächlich kaufen können. Der zweite damit, womit vielleicht erst Ihre Kinder oder Enkel mobil sein werden…

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Bis spätestens 2022 wird jedes Mercedes-Modell auch rein elektrisch erhältlich sein.

Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender Daimler AG

Vorweg: unser persönliches IAA-Highlight

Der Honda Urban EV Concept mag zwar weit in die Zukunft blicken, sieht aber aus wie eine Mischung aus zwei mittlerweile uralten Auto-Legenden: Aus europäischer Sicht entdecken Sie womöglich gleich Anleihen vom ersten VW Golf, aus der Nippon-Perspektive vielleicht den ersten Honda Civic.

Zusammengekocht entstand nun eine Studie, die – und da ist sich das gesamte auto touring-Team vor Ort einig – exakt so und nicht anders gebaut werden muss. Dem in Sachen Auto ansonsten abgebrühten Kollegen Christian Stich entfleucht sogar: "Wenn er so kommt, unterschreib ich den Kaufvertrag. Blind."

Wie sich die allgemeine Fachpresse-Zuneigung zum Honda hier erklären lässt? Nun, die Retro-Welle boomt. Fiat und BMW haben mit 500er und Mini bereits gezeigt, was möglich ist (und VW mit dem New Beetle, was nicht), im Falle des Honda kommt aber noch die Komponente des Spätgeborenen dazu: Das Ding sieht aus wie aus einem PlayStation-Spiel extrahiert, man kann sich aber im Gegensatz zu den meisten Zukunftsstudien vorstellen, dieses Auto genau so, wie es ist, unbedingt fahren zu wollen. Und ohne das getan zu haben, spürt man beim Anschauen, wie wunderbar es sich anfühlen könnte, damit eine Kurve zu nehmen.

Design allein ist aber nicht alles beim kleinen Honda…

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1 Die beste Nachricht vorweg: Honda kann sich, wie wir in Frankfurt gehört haben, sehr gut vorstellen, schon 2019 tatsächlich mit einer Serienversion an den Start zu gehen. © markuszahradnik.com

2 Grundsätzlich handelt es sich bei dem Konzept um ein No-nonsense-Elektroauto für den städtischen Bereich. Würde gut passen: kurze Karosserie-Überhänge, große Scheiben, sprich: guter Überblick. © markuszahradnik.com

3 Was den Antrieb betrifft, hüllt man sich noch in Schweigen, wir deponieren an dieser Stelle aber einen Wunsch: 200 Elektro-PS, mindestens 200 Kilometer reale Reichweite, Preis unter 30.000 Euro.  © markuszahradnik.com

Die Trends der IAA von Christian Stich

Gegenwart und Zukunft

Bevor wir uns endgültig in die Messehallen stürzen: Sachen zum Nachdenken. Eine Frage zu Ihrer individuellen Mobilität:

Können Sie sich vorstellen, dass in – sagen wir – dreißig Jahren abermals ein sendungsbewusster Milliardär auftaucht, der dann zum Beispiel nicht eine Automarke erfindet, sondern eine vollautonome Flugkugel für Solo-Reisende, die Flughäfen obsolet macht? Oder 400-km/h-Öffis? Nein? Dann schauen Sie mal, was "Mr. Tesla" Elon Musk grad tief unten im Boden der Mojave-Wüste in Nevada schon veranstaltet…

Dies nur als Denkanstoß zu dem, was Sie nun lesen und sehen werden. Zeit ist in diesen Tagen sehr relativ :-)

Special: Cars 3 – Evolution

Ab 28. September stoppt Lightning McQueen, der erfolgreichste Rennwagen der Zeichentrick-Geschichte, wieder in unseren Kino-Boxen…

Sie haben Kinder? Dann wissen Sie bestimmt, dass Lightning bei "Cars" der eigentliche Held der Kids ist. Und um beim Thema zu bleiben: Für mich als Motorjournalist ist er auf seine Art auch ein Pionier des vollautonomen Fahrens. Immerhin konnte er schon im ersten Teil 2006 selbständig seine große Liebe Sally (in Form eines süßen Porsches) zu einem (sehr sehenswerten) romantischen Roadtrip ausführen.

Wir waren in Frankfurt bei der Live-Enthüllung des lebensgroßen Film-Showcars dabei und haben uns dort einen Mann namens Benedikt Weber zur Brust genommen. Er ist Moderator der pädagogisch grandiosen Kinder-Wissens-Sendung "Woozle Goozle", hat für den Kinofilm aber eine unentschuldbare Sünde begangen: Er spricht in der deutschen Version von "Cars 3" die Synchronstimme von "Jackson Storm" – dem ärgsten Feind von Lightning McQueen.

Diese Nachricht – dass also "Beni" einem "Bösen" die Stimme leiht – könnte in den unschuldig verkabelten Gehirnen kleiner Fans nun zu Tragödien führen. Als Vater eines sechsjährigen Die-Hard-Fans ist es mir deshalb ein Anliegen, für all die Zwerge, die demnächst ins Kino strömen, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen…

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1 Benedikt Weber präsentiert auf der IAA den neuen Lightning McQueen. Auf der Leinwand hinter Lightning's Motorhaube lauernd: Jackson Storm, der Film-Bösewicht – und dessen deutsche Synchronstimme "Beni", die Storm im dritten "Cars"-Teil spricht. Wie er sich für den Faux-pas entschuldigt? Zeit für ein kurzes Interview… © markuszahradnik.com

2 "Beni, um Himmels Willen, warum? Deine kleinen Fans werden bitterböse sein!" – "Ihr werdet sehen, dass Jackson am Schluss nicht so fürchterlich ist, wie er anfangs scheint." – "Wie lang hat es gedauert, den Film einzusprechen?" – „Ich bin ehrlich: nur einen Tag." – "Bist Du selbst Autofan?" – "Aber natürlich. Ich hab einen uralten Porsche 356, den ich sehr liebe. Quasi die Oma der Film-Sally." © markuszahradnik.com

3 Detailstudie: Das lebensgroße Modell auf der IAA besteht aus 5.554 einzelnen Mattel-Spielzeugautos samt 22.216 Rädern und 11.108 Frontscheinwerfern. Arbeitszeit: gut 100 Stunden. © markuszahradnik.com

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