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Januar 2016

Detroit Auto Show 2016

Trotz gängiger Klischees ist die „Motor City USA“ nicht jener Moloch, als der sie immer hingestellt wird. Wir sind diesmal also nicht nur durch die Messehallen der Autoshow gewandert, um die spannendsten Neuheiten zu begutachten, sondern auch durch die Stadt Detroit – auf der Suche nach ihrer Butterseite.

Pleitemetropole, Häuserruinen, rauchende Kanaldeckel, Mord und Totschlag. In jeder dunklen Gasse erwartet einen Ungemach, der Detroiter Rapmusiker Eminem liefert dazu den düsteren Soundtrack. So stellt man sich Amerikas Automobil-Zentrum im Jahr 2016 vor, wenn man Medienberichten Glauben schenken will, die – stets bebildert mit den ewig gleichen Fotos verfallener Abbruchhäuser – ein futuristisches Endzeit-Szenario malen, das schlimmer nicht sein könnte.

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USA: Big is beautiful! Ob Army-Hummer, …
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… traumhafte Oldie-Heckflosse oder…
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… postpubertäre Messepräsentation. 

Aber: Wir wollen in diesen Kanon nicht einstimmen. Bevor wir also die Messehallen der heurigen Detroit Auto Show betreten, suchen wir noch etwas: das andere Detroit nämlich, das schöne Detroit. Begleiten Sie uns zum Auftakt doch zuerst bei einem Spaziergang zu den eigentlich gar nicht so gut versteckten Reizen der Motor City USA…

Im Westen was Neues

Nun aber los in die heiligen Hallen der Detroit Auto Show, genannt NAIAS (North American International Auto Show).

Was es heuer an demnächst Erwerbbarem zu sehen gibt? Wir haben uns fünf Rosinen aus dem Blechkuchen herausgepickt: Da wären zum Beispiel neue Oberklasse-Modelle von Mercedes-Benz (E-Klasse) und Volvo (S90), von denen uns vor allem der große Schwede beeindruckt hat. Außerdem sehen wir zwei deutsche Kraftpakete in Form von BMW M2 und Porsche 911 Turbo. Und: Chevrolet zeigt den kompakten Stromer namens Bolt, der mit echten 300 Kilometern Reichweite den kalifornischen Kollegen von Tesla das Leben bald ein bisschen schwerer machen wird…

Exkurs: die Pick-up-verrückten USA

Wer schon einmal in den Vereinigten Staaten war, kennt das Alltagsbild auf den Straßen: Gefühlsmäßig jedes zweite Auto ist ein Pick-up-Truck. Warum? Erstens kosten sie – angesichts der gebotenen Masse an Metall – fast nichts. Zweitens haben diese Ungetümer in ihrem Land sehr, sehr viel Platz, sind dort also mitnichten unhandlich. Und drittens sind sie wirklich praktisch: Wer schon einmal eine US-Familie nach dem Monatseinkauf auf dem Supermarkt-Parkplatz beim Einräumen beobachtet hat und sieht, in welchen Gebindegrößen allein die Milch daherkommt, lernt zu verstehen. Kein Wunder also, dass sich die Pick-ups "drüben" wie die warmen Semmeln verkaufen. Und weil man dieses einträgliche Geschäft nicht nur den US-Marken überlassen will, probiert's auch immer wieder mal ein anderer Hersteller…

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1 Der Neue: Optisch und technisch aufgefrischt, versucht Honda mit dem Ridgeline abermals, in der Pick-up-Sandkiste ein bisschen mitspielen zu dürfen. Wir prophezeien: Daraus wird wieder nix. Denn: Die US-Liga der gewöhnlichen Gentlemen greift in diesem Segment gern auch einmal zum Brachial-Design. Und dafür sieht der Ridgeline einfach zu brav aus. © Markus Zahradnik

2 Der König: Der Ford F-150 steht seit Jahrzehnten unangefochten an der Spitze der Pick-up-Nahrungskette. Und nicht nur das: Er ist traditionell überhaupt das meistverkaufte Auto der USA.  © Markus Zahradnik

3 Der Verfolger: Als ewiger Zweiter hinter dem Ford hat sich der Chevrolet Silverado in der US-Zulassungsstatistik festbetoniert. Auf Platz 3 folgt ein weiterer Pick-up (Dodge Ram) und erst danach mit dem Toyota Camry ein normaler Pkw. © Markus Zahradnik

Blick in die Zukunft

Keine Autoshow ohne Studien, Konzepte und Technik-News: Wir entdecken in Detroit Neues in Sachen Brennstoffzelle, sehen in Form eines Buick womöglich schon jetzt den wiederbelebten Opel Calibra, staunen über das aktuelle Selbstbewusstsein der Korea-Marken und lassen uns von einem Kia daraufhin gleich unsere Vitalwerte messen…

Fazit

Das Thema Nummer 1 in Detroit, wenn man in das Gemurmel des anwesenden Fachpublikums hineinhört: noch immer der VW-Abgasskandal. Fakt ist: Das Krisenmanagement des Konzerns muss in den USA weiterhin so gläsern sein wie das Golf-Modell, vor dem wir hier mit skeptischem Blick stehen. Sonst hat man die Gunst der verärgerten US-Kundschaft längerfristig verspielt – ob gerechtfertigt oder nicht, ist dabei unerheblich.

Dabei könnten sich die heimischen Marken auch selbst an der Nase nehmen: Ausgerechnet auf der wichtigsten US-Messe des Jahres ist der Output der Neuen Welt nämlich eher mau – vom elektrischen Chevrolet Bolt einmal abgesehen. Unser Messe-Favorit? Ganz klar der Volvo S90. Die Schweden haben mit ihm ein Auto aus dem Hut gezaubert, das nicht nur wunderschön, sondern vor allem auch eines ist – ein echter Volvo mit allem, was Fans damit verbinden: Sicherheit, Komfort und Platz. Bravo.

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