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Großbritannien: Was bedeutet der Brexit für Reisende?

Brexit steht für „British Exit“ und bezeichnet den Austritt Großbritanniens bzw. des Vereinigten Königreichs (England, Schottland, Wales und Nordirland) aus der Europäischen Union (EU).

Der Austritt Großbritanniens (GB) ohne einen Vertrag aus der EU, dem EWR und aus der Zollunion mit der EU wird als „hard Brexit“, „harter Brexit“ oder „no deal“ bezeichnet.

Bei einem „weichen“ oder „geordneten Brexit“  würde Großbritannien (GB) zwar aus der EU austreten, aber Themen wie Zugang zum europäischen Binnenmarkt, Zollunion oder die Nordirlandfrage wären geregelt. Die Auswirkungen eines harten Brexit, der nach wie vor im Raum steht, wären gravieren. Hier finden Sie Antworten auf die Frage: Was ändert sich nach einem "Harten Brexit" für die Konsumenten? 

Brexit-Hotline

Für spezielle Anfragen hat die Bundesregierung eine eigene Brexit-Hotline eingerichtet:
+43 (0) 800 222 666 (gebührenfrei aus ganz Österreich)
Servicezeiten: Montag bis Freitag, 8 bis 16 Uhr (werktags)
oder per E-Mail: service@bka.gv.at

Außerhalb dieser Zeiten wird für dringende Anfragen die Hotline des Bürgerservice empfohlen, der sich rund um die Uhr um Notfälle von ÖsterreicherInnen im Ausland kümmert: +43 (0) 50 11 50-4411

Einreise

Was ist für die Einreise nach Großbritannien zu beachten?

Da GB kein Mitglied des Schengener Abkommens ist, das unter anderem die Abschaffung der Grenzkontrollen an den Binnengrenzen regelt, benötigten EU-Bürger schon bisher für die Einreise nach Großbritannien einen gültigen Personalausweis oder Reisepass und sie mussten durch die Grenzkontrolle.

Auch im Falle eines harten Brexit werden EU-Bürger bis Ende 2020 kein Visum für die Einreise in das Vereinigte Königreich benötigen. Diese könnte sich jedoch ab 1.1.2021 ändern.

Autoreise

Darf man in Großbritannien nach dem Brexit noch mit einem EU-Führerschein Auto fahren?

Bislang werden gültige nationale Führerscheine anderer EU-Staaten in Großbritannien anerkannt. Die britische Regierung möchte diese Regelung auch nach dem Brexit beibehalten. Für EU-Bürgerinnen und -Bürger ist daher der Führerschein aus dem jeweiligen EU-Land ausreichend. Es besteht keine Verpflichtung, bei Fahrten im Vereinigten Königreich einen internationalen Führerschein oder eine Übersetzung mitzuführen.

Und wenn ich in Großbritannien einen Mietwagen buchen möchte?

Rei­sende sollten sich vor der Reise zur Sicherheit bei der Mietwagenfirma erkun­digen, ob sie einen inter­na­tio­naler Füh­rer­schein brauchen.

Was passiert nach einem Autounfall mit einem britischen Unfallgegner?

Großbritannien ist Mitglied des „Grüne-Karte-Systems“. Die Grüne Karte gilt im Ausland als Nachweis darüber, dass für das Fahrzeug Haftpflicht-Versicherungsschutz besteht. Da Großbritannien wahrscheinlich weiterhin diesem internationalen Versicherungsabkommen angehören wird, wird sich bei einem Unfall mit einem Briten z.B. in Österreich nicht Wesentliches ändern.

Und wie ist es, wenn ein Österreicher einen Unfall in Großbritannien hat?

Nach einem harten Brexit ist bei Fahrten im Vereinigten Königreich mit einem in der EU zugelassenen Kraftfahrzeug die Grüne Karte als Nachweis ihrer Versicherungsdeckung mitzuführen. Jedenfalls sollte man vor einer Reise mit dem eigenen Auto bei der Versicherung bezüglich des Ver­si­che­rungs­schutzes (Haftpflicht, Kasko, und Rechtsschutz) für GB nachfragen. Mehr Infos unter Unfall im Ausland.

Es ist wichtig, alle relevanten Daten des Unfallgegners zu sammeln; die Polizei ist nur bei Personenschäden zu rufen. Jedenfalls sollte der Unfall so rasch wie möglich der eigenen Versicherung (Haftpflicht, Kasko und Rechtsschutz) gemeldet werden.

Flugreise

Was müssen Flugreisende beachten?

Die EU hat für den Fall eines „no deals“ eine befristete Regelung zur Aufrechterhaltung der Flugverbindungen zwischen der EU und Großbritannien geschaffen. Daher sollte es zu keinen Unterbrechungen der Flugverbindungen kommen.

Gelten die EU-Fluggastrechte weiter?

Laut der EU-Fluggastrechte-Verordnung 261/2004 haben Passagiere bei Flugverspätungen, Annullierungen oder Überbuchung Anspruch auf Verpflegung, Unterkunft und teilweise auch finanzielle Entschädigung. Voraussetzung dafür ist, dass die Flüge in der EU, Island, Norwegen oder der Schweiz starten. Oder dass sie auf einem Flughafen in der EU, Island, Norwegen oder der Schweiz landen und die Fluggesellschaft ihren Sitz in einem EU-Land hat.

Demnach gelten die Bestimmungen teilweise jedenfalls weiter: z.B. können Flug-Passagiere, die von einem österreichischen Flughafen aus z.B. nach London fliegen, ihre Ansprüche weiterhin geltend machen, da der Flug in der EU startet.

Für Flüge von Großbritannien in die EU – also z.B. nach Österreich - bestehen die Ansprüche nach der Fluggastrechte-Verordnung (ohne entsprechenden Deal) gibt es die Zusage von UK, die Fluggastrechte bis auf Weiteres zu gewähren.

Bus- Bahn- und Schiffreise

Rechte von Bahnreisenden

Gemäß der britischen Regierung bleiben die bisherigen Bahngastrechte (Entschädigungen bei Verspätungen oder Zugausfällen) auch nach dem Brexit erhalten. Und zwar sowohl für Fahrten innerhalb von Großbritannien als auch für grenzüberschreitende Bahnfahrten. Wer also z.B. den Hochgeschwindigkeitszug Eurostar nutzt oder durch den Eurotunnel anreist, kann weiterhin seine Ansprüche geltend machen und das bestehende Beschwerdeverfahren nutzen.

Rechte von Bus-Reisenden

Die Busgastrechte gelten nach dem Brexit auch weiterhin. Und zwar für Fahrgäste, die mit die mit dem Fernbus (sogenannten Linienverkehrsdiensten, die über feste Haltestellen und Fahrpläne verfügen) nach Großbritannien einreisen oder die von dort aus in die EU reisen.

Voraussetzung: Der Abfahrts- oder Ankunftsort liegt in der EU und die Fahrstrecke beträgt 250 km oder mehr. Gemäß der englischen Regierung sollen die Busgastrechte nach dem Brexit in britisches Recht umgesetzt werden.

Rechte von Schiff-Reisenden oder Kreuzfahrt-Passagieren

Nach Informationen der britischen Regierung bleiben die EU-Rechte von Fährpassagieren auch nach dem Brexit bestehen. Die Regelungen werden in britisches Recht überführt.

Auch Kreuzfahrer, die in einem britischen Hafen an Bord gehen, seien laut der britischen Regierung ebenfalls weiterhin durch die EU-Regeln geschützt, die ins britische Recht übernommen werden.

Reisen mit Tieren

Reisen mit Haustieren
Der EU-Heimtierausweis ist nach einem „harten Brexit“ vermutlich nicht mehr gültig und es könnten für eine Reise mit dem Haustier zusätzliche veterinärmedizinische Dokumente not­wendig sein. Vor der Reise sollten sich Haustierbesitzer daher bei der britischen Botschaft erkundigen, welche Dokumente nötig sind.

Finanzen

Währung

Großbritannien ist kein Mitglied der Eurozone und hat eine eigene Währung, das Britische Pfund. Daran wird sich nach einem Hard Brexit nichts ändern. Allerdings könnte es eventuell sogenannte Bargeldobergrenzen geben (für Zahlungen mit Bargeld) oder die Vorschriften zur Anmeldung von Bargeld bei der Ein- und Ausreise könnten sich ändern.

Gibt es Änderungen bei Abhebungen mit Maestro-/Kreditkarte? Benötigt man einen extra PIN-Code?

Hier sind keine Änderungen zu erwarten.

SEPA-Zahlungen ins Ausland

Ein Austritt Großbritanniens aus dem gemeinsamen Zahlungssystem SEPA (Single European Payment Area) gilt unter Finanzexperten als unwahrscheinlich, da dies den Handel mit den EU-Mitgliedstaaten erschweren würde.

Wird der Urlaub in Großbritannien nun teurer?

Da das Britische Pfund an Wert verloren hat, könnten die Nebenkosten im Urlaub günstiger werden.

Gesundheit

Gesetzliche Krankenversicherung

Bleibt Großbritannien nach dem Brexit Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), sollte die Europäische Krankenversicherungskarte weiterhin akzeptiert werden. Diese findet sich meist auf der Rückseite der eCard und regelt, dass EU-Bürger während ihres Urlaubs in allen EU-Mitgliedstaaten sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz zum Arzt oder ins Krankenhaus gehen können und die gleichen Leistungen bekommen wie Bürgerinnen und Bürger des Reiselandes. Bei einem harten Brexit wäre die Europäische Krankenversicherungskarte nicht mehr gültig.

Private Krankenversicherung

Für alle, die privat krankenversichert sind, ändert sich nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union voraussichtlich nichts. Die private Krankenversicherung ist weltweit gültig - also auch weiterhin in Großbritannien - gültig. Dennoch empfiehlt sich vor einer Reise eine Rücksprache mit der Versicherung (zur Gültigkeitsdauer und zum Deckungsbereich). Clubmitglieder sind mit einem ÖAMTC-Schutzbrief bei Krankheit oder Unfall gut abgesichert.

Digitales: Internet, Roaming, Datenschutz & Co.

Roaming-Gebühren in der EU

Die EU hat Roaming-Gebühren für mobiles Telefonieren und Surfen innerhalb der EU abgeschafft. Nach einem „Hard Brexit“  müssen wahrscheinlich Reisende wieder Roaminggebühren bezahlen. Die Mobilfunkbetreiber der EU sind jedoch verpflichtet, ihre Kunden über allfällig anfallende Roaming-Kosten bei Reisen nach Großbritannien zu informieren. Um teure Überraschungen zu vermieden, sollten sich Reisende bereits vorab bei ihrem Mobilfunkanbieter über die Kosten erkundigen und das Daten-Roaming deaktivieren.

Dürfen britische Unternehmen nach dem Brexit österreichische Online-Käufer blocken?

Die Geoblocking-Verordnung verbietet Online-Händlern aus der EU, Kunden aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit, ihres Wohn- oder Unternehmenssitzes zu diskriminieren. Das gilt auch für Online-Händler in Drittländern, die ihre Waren in die Europäische Union verkaufen, so dass die Vorteile beim Online-Kauf auch nach einem "Hard Brexit" gelten würden.

Zoll und Einfuhrbestimmungen

Zoll

Bei einem "No-Deal"-Szenario ist die Einführung von Zollkontrollen wahrscheinlich. Außerdem dürfen Flugreisenden aus Großbritannien nach Österreich nur mehr Waren im Wert von 430 Euro (mit anderen Verkehrsmitteln 300 Euro, für Jugendliche unter 15 Jahren 150 Euro) eingeführt werden bzw. sind andere Waren (wie Tabakwaren und Alkoholika) strenger beschränkt. Und Achtung: Am Flughafen muss man dann wieder den „grünen“Ausgang durch die Zollkontrolle wählen.

Umgekehrt könnten im Falle eines harten Brexit für Reisen nach Großbritannien die Einfuhrbeschränkungen für Staatsangehörige aus einem Drittstaat gelten. Demnach dürften nur noch 200 Zigaretten und 1 Liter Alkohol von Österreich nach Großbritannien eingeführt werden.

Mehr Infos im Artikel Einreise nach Österreich und Zoll & Brexit (www.bmf.gv.at).

Ist Duty-free-Shopping nach dem Brexit wieder möglich?

Bleibt Großbritannien in der Zollunion, wird es kein Duty-free-Shopping geben. Im Falle eines harten Brexits könnte Duty-free-Shopping wieder eingeführt werden.

Weiterführende Informationen

Weiterführende Informationen finden Sie auf der Webseite des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie unter https://www.bmvit.gv.at/ministerium/recht/brexit/index.html sowie auf der Webseite des Bundeskanzleramts unter https://www.bundeskanzleramt.gv.at/themen/brexit.html.

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