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Juni 2022

Vollstrom in Kroatien

Jedes Jahr im Frühsommer versammeln sich Elektroauto-Fans aus aller Welt in Kroatien, um an der Nikola Tesla EV Rally teilzunehmen. Der auto touring war diesmal mittendrin statt nur dabei. 

Drei Jahre sind vergangen, seit ich mit unserem Fotografen Markus zum ersten Mal an der Nikola Tesla EV Rally teilgenommen habe – die Story dazu können Sie hier nachlesen. Seitdem war (für uns zumindest) erst einmal temporär Schluss mit solchen Einsätzen.

Vielen lieben Dank, Pandemie.

Drei Jahre aber auch, in denen sich in Sachen Elektromobilität unglaublich viel getan hat. Sind wir damals etwa noch mit einem Hybridauto – einem VW Golf GTE – angereist, um unsere im Vergleich zu den Teilnehmer/-innen mehr als doppelt so vielen Kilometer zu schaffen (für Foto-Location-Suche zum Beispiel), war das bei unserer Planung diesmal kein Thema mehr. Schließlich saßen wir in einem Hyundai Ioniq 5, mit dem die viel diskutierte Reichweitenangst schlicht nicht mehr existiert. Mehr dazu später.

Nicht geändert hat sich das Wesen dieser Veranstaltung: Mit Gleichgesinnten eine Woche lang durch eines der schönsten Länder der Welt zu cruisen – und zwar lokal emissionslos.

Noch wichtiger: Auch wenn das Wort "Rally" vermuten lässt, dass es im Folgenden um kompetitives Gegeneinander geht, könnte der Gedanke nicht falscher sein. Vielmehr stehen das Miteinander und der gemeinsame Genuss der kroatischen Landschaft im Vordergrund…

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Vom Damokles-Schwert 'Lade-Wirrwarr' habe ich unterwegs abermals nichts bemerkt.

Christoph Löger, Redakteur

Worum geht's?

Die Nikola Tesla EV Rally fand 2014 zum ersten Mal statt und wird vom (sprichwörtlichen) Power-Ehepaar Tina und Igor Kolovrat organisiert – mit Unterstützung des kroatischen Tourismus-Verbands HTZ

Damals gab es in Kroatien erst drei E-Ladestationen, wie uns Tina lachend erzählt. Heute sind es über 300, und bei 75 Prozent davon hatten sie und ihr Mann die Finger im Spiel. Denn: Alle Ladestationen, die für die Rally benötigt und installiert werden, bleiben danach für die Öffentlichkeit bestehen – das ist weltweit einzigartig.

Teilnehmen können an der Veranstaltung alle reinen Elektrofahrzeuge jeglichen Herstellers – egal, ob elektrifizierter Youngtimer oder High-Tech-Tesla. Der Name der Rally stammt übrigens von Nikola Tesla, dem kroatischen Erfinder, und bezieht sich nicht auf die US-Marke. Allerdings: 2015 gab es hohen Besuch. Maye Musk, die Mutter von Tesla-CEO Elon Musk, schaute damals in Istrien vorbei.

Übrigens: Wer die Rally am Ende gewinnt, ist für die internationalen Teilnehmer/-innen traditionell zweitrangig. Viel wichtiger sind Spaß, Entspannung und der Genuss des mediterranen Lebensgefühls.

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Das Power-Paar: Tina und Igor Kolovrat.

Anreise aus Wien

Am Vorabend der Abfahrt lade ich mir die "Charge My Hyundai"-App aufs Handy und sehe beim Planen der Route nach Rovinj, dass ich mit dem Ioniq 5 für die rund 600 Kilometer wohl mit zwei sehr kurzen Ladestopps auskommen werde. Fein. Als leidenschaftlicher E-Auto-Nutzer, der seit einigen Jahren selbst Langstrecken lieber elektrisch fährt, ist das für mich aber nichts Neues.

Und dennoch überrascht mich das Auto auf dem Weg in den Süden…

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1 Das Ziel: Rovinj an der Westküste Istriens. Wegen des Verkehrs auf der Südautobahn und potentieller Staus an den Grenzen wähle ich eine längere Route über kleine Grenzübergänge. Das ist auch landschaftlich interessanter. Distanz: exakt 629 Kilometer. © markuszahradnik.com

2 Unterwegs: Auch wenn es so aussieht, gelangweilt bin ich unterwegs nicht. Meine bisher übliche 115-km/h-Einstellung auf dem Tempomat ist im Ioniq 5 nicht notwendig. 130 km/h Autobahn-Tempo sind kein Problem. © markuszahradnik.com

3 Kabel, los! Bis zum Ziel halte ich unterwegs zweimal für rund 10 Minuten an Schnell-Ladestationen – einmal in der Südsteiermark, dann noch einmal in Slowenien. Die Lader pumpen irre schnell Strom in die Akkus des Hyundai, da bleibt mittlerweile nicht einmal mehr Zeit für Kaffee und Nikotinlaster. Beweis für die Aussage, dass die Zeit eines Verbrenner-Tankvorgangs mittlerweile auch bei E-Autos möglich ist. © markuszahradnik.com

Kurz vor dem Ziel

Weil wir einen Tag vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung anreisen, weiß ich nicht, ob die für die Teilnehmer/-innen vorgesehene Lade-Infrastruktur beim Hotel-Parkplatz in Rovinj schon in vollem Umfang funktioniert.

Also stoppen wir an der Stadtgrenze und laden zur Sicherheit noch einmal auf 80 Prozent – das ist jener Akku-Kapazitätsbereich, von dem Elektroauto-Fahrer/-innen wissen, dass er im Alltag nicht einschränkt, langfristig aber die Batterie schont.

Apropos Stadtgrenze: Wer noch immer glaubt, dass man in beliebten Urlaubsländern wie eben Kroatien mit einem E-Auto verloren ist – das ist schlicht falsch. Erstens sind die Ladestationen mittlerweile wirklich gut verteilt, zweitens habe ich zum wiederholten Mal nichts vom Damoklesschwert "Lade-Wirrwarr" bemerkt: Ich hatte nur eine einzige Ladekarte von Hyundai dabei, die dank unzähliger Vertragspartner auch im Ausland an jeder angesteuerten Station völlig problemlos funktioniert hat.

Nun ist aber Zeit, unser Auto, mit dem wir die nächsten Tage an der Nikola Tesla Rally 2022 teilnehmen werden, genauer unter die Lupe zu nehmen…

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In einem Vorort von Rovinj: Es gibt schlimmere Lade-Umgebungen. 

Kultur und Genuss

Ein wesentlicher Aspekt der Nikola Tesla EV Rally ist auch, den internationalen Partizipienten das Land Kroatien in all seinen wunderbaren Ausprägungen zu vermitteln.

Das mag zwar sehr werblich klingen, als absoluter Kroatien-Fan kann ich aber nicht anders. Schließlich fällt mir keine nur sechs Stunden Autofahrt von meinem Wohnort entfernte Umgebung ein, in der ich mich seit vielen Jahren so wohl fühle wie dort.

Während der Rally werden deshalb auch zahlreiche regionale Highlights abgedeckt…

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1 Zwischenstopps. Entlang der Route besuchen die Teams immer wieder tolle Sehenswürdigkeiten – etwa Grimani Castle im istrischen Landesinneren. © markuszahradnik.com

2 Fleischeslust. Kroatien ist für veganes oder vegetarisches Volk kein einfaches Land. Lukullisch geht's hier sprichwörtlich um die Wurst (und allerlei anderes gegrilltes Getier). Während der Rally halten wir immer wieder bei Konobas, die allesamt unfassbar köstlich auftischen. © markuszahradnik.com

3 Mittelmeer. In den kroatischen Häfen und Buchten ist das Wasser fast immer klar und schreit danach, sich eine kurze Abkühlung zu gönnen. © markuszahradnik.com

Fahrkönnen gefragt

So sehr die Gemütlichkeit im Vordergrund stehen mag: Irgendjemand muss die Rallye am Ende der Woche auch gewinnen. Entschieden wird das während mehrerer "Skill exams" – also Geschicklichkeitsprüfungen.

Dabei handelt es sich um Handlingkurse, die auf abgesperrten Arealen wie etwa Flugplatz-Runways per Pylonen abgesteckt werden.

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Ihr Autor am Start.
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Jetzt zählt ÖAMTC E-Power.
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Tesla in Schräglage.

Geheimrezept Ioniq 5

Dass ich mit dem Hyundai auf dem Handling-Parcours vielleicht gar nicht so schlecht abschneiden könnte, hatte ich insgeheim schon bei der Planung unserer Teilnahme gehofft.

Wobei: Als Gäste fahren wir selbstverständlich nur inoffiziell mit. Sprich: Meine gefahrenen Zeiten werden zwar gemessen, sind für die Gesamtwertung aber nicht relevant. Schließlich möchte ich als professioneller Motorjournalist mit Rennsport-Erfahrung keinem Teilnehmer eine gute Platzierung vermiesen, sollte ich tatsächlich allzu flott um die Pylonen kurven.

Aber klar: Die Challenge im Kopf ist natürlich da. Vor allem auch, weil ich weiß, dass es mit dem Hyundai gegen die teils doppelt so leistungsstarken Tesla schwierig wird.

Allerdings: Ich kann zwei Trümpfe ausspielen – Allradantrieb und das geringere Gewicht…

Information und Buchung

Die nächste Nikola Tesla EV Rally startet am 19. Mai 2023. Interessierte können sich auf der Website des Veranstalters schon jetzt vorab registrieren:

Nikola Tesla EV Rally 2023

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