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März 2022

Jo, wir san mit'm Radl do!

Daniela und Reinhold Degenfellner legen seit drei Jahren ihre Wege im Alltag größtenteils mit dem Fahrrad zurück. Trotz mehrerer Ärgernisse ist es für die junge Familie das ideale Verkehrsmittel.

Früher war ich hauptsächlich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, aber als ich vor etwa drei Jahren meinen Job wechselte, stieg ich auf das Rad um", erzählt Reinhold Degenfellner. "Die neue Arbeitsstätte ist zwar grundsätzlich zen­tral in Linz gelegen, aber trotzdem nicht so einfach mit Öffis zu erreichen. Damals dachte ich mir, ich probiere es einfach mal aus, mit dem Fahrrad zu fahren. Dabei ist es bis heute geblieben."

Etwa sechs Kilometer sind es von seinem Zuhause in Puchenau in Oberösterreich bis zu seiner ­Arbeitsstätte. Dafür braucht er rund 20 Minuten: "Auf dem Weg in die Arbeit bin ich eher gemütlich unterwegs, damit ich nicht ins Schwitzen komme. Und trotzdem bin ich schneller als mit Zug, Straßenbahn oder Bus – und manchmal sogar schneller als mit dem Auto, denn auf der Rohrbacher Bundesstraße, der B127, staut es häufig", so der IT-Spezialist.

Einen Teil der Strecke legt er am Radweg zurück, der direkt neben der Donau und parallel zur Bundesstraße verläuft. "Dieser Radweg wurde vor ein paar Jahren gebaut und ist wirklich super, da er baulich getrennt zur vielbefahrenen Bundesstraße verläuft", so Degenfellner.

Sobald dieser Weg endet, wird es ungemütlich: In den Morgenstunden treffen Autolenker/-innen auf Radfahrer/-innen und Fußgänger/-innen – und das ohne bauliche Trennung. Der Fußweg ist nur durch eine Markierung am Boden ersichtlich. Konfrontationen unter den Verkehrsteilnehmer sind daher vorprogrammiert.

Um einem weiteren gefährlichen Abschnitt aus dem Weg zu gehen, nimmt Degenfellner sogar eine längere Route in Kauf: "Der kürzeste Weg für mich wäre, die Donau über die Nibelungenbrücke zu queren. Aber sowohl die Fahrt zur als auch über die Brücke mag ich nicht. Deswegen fahre ich einen Umweg von etwa einem Kilometer über die neue Donaubrücke. Das kostet zwar ein paar ­Minuten, ist aber für mich der sicherere Weg", so der begeisterte Alltagsradler.

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Positiv- und Negativ-Beispiel

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1 Reinhold und Daniela Degenfellner sind seit drei Jahren begeisterte Alltagsradler. © ÖAMTC

2 Positiv: Der Radweg von Puchenau nach Linz verläuft baulich getrennt zur vielbefahrenen Bundesstraße. © ÖAMTC

3 Negativ: Danach wird es ungemütlich – da treffen Radfahrer/-innen und Autos aufeinander, der Fußweg ist nur durch einen unterschiedlichen Belag ersichtlich. © ÖAMTC

Auch Reinholds Frau Daniela ist mittlerweile täglich mit dem Rad unterwegs. Ihr Weg ist ähnlich dem ihres Mannes, nur muss sie nicht über die ­Donau, um zum Arbeiter-Samariter-Bund in Linz-Urfahr zu gelangen.

"Mich ärgert vor allem, dass wir Radfahrer/-innen bei der Planung von Verkehrsflächen zu wenig mitbedacht und berücksichtigt werden", sagt sie. "Es gibt auf meinem Weg mehrere gefährliche Stellen, die aus meiner Sicht einfach entschärft werden könnten, beispielsweise durch eine Vorfahrt für Radfahrer/-innen. 2019 waren wir in Holland auf Urlaub und viel mit dem Rad unterwegs. Das Radwegenetz dort ist echt super. So etwas Tolles gibt es bei uns nicht einmal im Ansatz. Die Sicherheit für Radfahrer/-innen wird dort groß geschrieben und es gibt sogar eigene Radschnellrouten. Auf meinen Wegen trennen mich manchmal von überholenden Autos nur wenige Zentimeter, das ist schlichtweg gefährlich und solche Situationen sind auch ­sicherlich der Grund dafür, dass sich ­viele nicht trauen, auf das Fahrrad umzusteigen", berichtet Daniela Degenfellner.

Besonders mulmig wurde der Mutter einer Tochter kürzlich, als sie eine Freundin im Linzer Süden besuchen wollte – mit dem Rad. "Ich habe im Vorfeld online nach einer idealen Route gesucht, schon das war etwas mühsam. Der Weg war dann an ein paar Stellen so gefährlich, dass ich öfters vom Rad abstieg und den Gehsteig nutzte. Manchmal hörte der Radweg auch einfach auf und es war nicht ersichtlich, wo es weiterging. Da bin ich fast schon verzweifelt", erzählt die ambitionierte Alltagsradlerin.

Toll fände sie, neben Verbesserungen der Infrastruktur für Radfahrer/-innen, eine Online-Radkarte auf der Website der Stadt Linz, auf der alle sicheren Radwege in und rund um die Landeshauptstadt verzeichnet wären.

"Die Ausrüstung muss einfach passen, dann gibt es kein schlechtes Wetter mehr."

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Daniela Degenfellner fährt bei jedem Wetter mit dem Rad.

Trotz der Hürden sind und bleiben beide begeisterte Alltagsradfahrer. Auch ihre fünfjährige Tochter ist bereits fleißig mit ihrem Bike unterwegs: "Auch mit ihr fahren wir bei jedem Wetter in den nahegelegenen Kindergarten", erzählt die ­stolze Mama.

Die Tochter war übrigens ein weiterer Grund, warum Mama und Papa auf das Rad im Alltag kamen: "Wir waren früher an den Wochenenden viel auf den Bergen unterwegs und machten generell viel Sport. Das wurde dann etwas weniger. Die Bewegung fehlte uns als Ausgleich, somit war der Weg in die ­Arbeit mit dem Rad ideal", erzählt Daniela Degenfellner.

Großen Wert legt das Ehepaar übrigens nicht unbedingt auf kostspielige Bikes, sondern mehr auf die persönliche Ausrüstung. "Unsere Fahrräder sind für Diebe nicht wirklich attraktiv. Mein Arbeitgeber stellt zwar einen eigenen Radkeller zur Verfügung, zu dem man nur mit der Mitarbeiter/-innen-Karte Zugang hat. Da wir aber auch andere Wege mit dem Rad zurücklegen, hätten wir mit teuren Rädern ständig die Angst, dass sie gestohlen werden", so Reinhold Degenfellner.

"Sehr wichtig ist uns aber die Sicherheitsausstattung der Räder sowie funktionelle Kleidung. Anfänglich kamen wir ab und zu durchnässt, verschwitzt oder durchgefroren an. Mittlerweile gibt es für uns kein schlechtes Wetter mehr. Die Ausrüstung muss einfach passen. Wir achten auch sehr darauf, gesehen zu werden. Ich habe mir extra einen reflektierenden und wasserabweisenden Rucksack gekauft, auf unserer Kleidung befinden sich einige zusätzliche Reflektoren."

Selbst die Lebensmittel-Einkäufe er­ledigen die beiden jetzt mit dem Fahrrad, nur noch Großeinkäufe werden mit dem Auto gemacht.

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