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© Marienkron by Steve Haider
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September 2021

Genießen und fasten

Der Geist ist erschöpft und die letzte Ruhephase schon ewig her? Das Kurhaus Marienkron im Burgenland bietet Erholung für Körper und Seele.

Es ist so weit, die Anzeige auf der Waage lässt mich erschaudern. Die vergangenen Monate, geprägt von Covid-Sorgen, Homeoffice und Lockdowns, haben Spuren hinterlassen. Es ist Zeit, etwas Gutes für mich zu tun.

Ich denke an Ruhe und Erholung und möchte meinem Körper gleichzeitig helfen, sich von unnötigen Kilos zu verabschieden. Auf meiner Suche stoße ich auf das Kurhaus Marienkron im Burgenland, das sich dem Fastenthema und der Darmgesundheit widmet. Perfekt, denke ich.

Von Wien aus bin ich in knapp einer ­Stunde in Mönchhof, einer 2.214-Seelen-Gemeinde nahe Neusiedl am See. Gespannt betre­te ich die geräumige lichtdurchflutete Eingangshalle des Kurhauses. Die zarten Rosa­töne und das offene Ambiente geben ein wohliges Gefühl, das sich bei der freundlichen Begrüßung fortsetzt.

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1 Bei dem Umbau vor zwei Jahren wurde auf offene, helle Räume geachtet. © Marienkron by Steve Haider

2 Wasser tanken im Eingangsbereich. © Marienkron by Steve Haider

3 Viele gemütliche Zimmer, einige davon mit Blick auf den großen Park. © Marienkron by Steve Haider

Seit zwei Jahren gibt es in Marienkron ein neues Konzept. Das seit über 50 Jahren be­stehende Kurhaus war bislang vor allem für seine  Kneipp-Tradition bekannt. Nun wurde es modernisiert und ein zusätzlicher Fokus auf Fasten und die Balance des Darms gelegt. Dies bedeutet eine "Reduktion auf das ­Wesentliche ohne Verzicht auf Genuss", wie mir Geschäftsführerin Elke Müller beim kurzen Rundgang erzählt.

Diese Linie spiegelt sich sowohl am Teller als auch in der neuen Architektur wider. Außerdem erzählt sie mir mehr über die Geschichte des Hauses und der Abtei, die nach wie vor von Zisterzienserinnen geführt wird.

Zu Beginn des Aufenthalts stehen zunächst ein Arztgespräch und eine diätologische Beratung zur Abklärung des Gesundheitszustandes an.

Fasten bedeutet eine dramatische Umstellung für den Stoffwechsel und sollte medizinisch begleitet werden.

Dr. Ulrike Göschl, leitende Kurärztin

Das Gespräch mit Kurärztin Dr. Ulrike Göschl findet bereits kurz nach dem Check-in statt. Dabei erfahre ich, dass Fasten nicht für jeden geeignet ist und dies auch für mich gilt. Mein Aufenthalt ist dafür zu kurz.

Ich gebe zu, der Enttäuschung folgt Erleichterung. Denn wer wirklich fasten will, sollte sich gut darauf vorbereiten, mental wie körperlich, zudem genügend Zeit und Aufbautage einplanen.

Wichtig ist die ärztliche Begleitung, denn fasten bedeutet "eine dramatische Umstellung für den Stoffwechsel, welche zunächst zu einem Fastentief mit Kopfweh, Müdigkeit und Kreislaufproblemen führen kann", so Göschl.

Die gute Nachricht: Sobald sich der Körper auf die neue Situation eingestellt hat, ­sollte ein Fastenhoch folgen. Das Glückshormon Seratonin wird ausgeschüttet.

Worauf muss also beim Fasten geachtet werden, für wen ist es geeignet?

"Generell steht dem Fasten bei gesunden Menschen nichts im Weg, bei Kindern und Personen mit hohem Alter wird aber davon abgeraten. Zeit spielt eine Rolle und auch Vorerkrankungen", erklärt die Kurärztin.

Was bedeutet dies nun für mich? Die Ärztin empfiehlt mir leichte Voll- oder Schonkost. Das ist zwar nicht fasten, hilft aber dem Körper, eine Auszeit zu nehmen und sich an eine leichtere, gesündere Ernährung anzupassen. In Marienkron wird durchgängig vegetarisch gekocht, nur an je zwei Tagen gibt es zusätzlich Fisch oder Fleisch zur Auswahl.

Weiters bespreche ich mit Dr. Göschl, welche Therapien für mich geeignet sind. Je nach wählbarem Paket sind diverse Angebote an Massagen, Wickeln, Gymnastik und vieles mehr inkludiert. Zusätzlich gibt es auch die Möglichkeit eines Individualaufenthalts.

Nach der Ärztin folgt ein Termin bei Diätologin Christine Karner. Sie klärt mich über einen weit verbreiteten Irrtum auf: "Fasten bedeutet nicht abnehmen." Würde man nur wegen des Gewichtsverlustes fasten, wäre man enttäuscht. Ja, die Kilos würden purzeln, aber sie kommen auch wieder.

Karner ergänzt: "Abnehmen ohne Ernährungsumstellung funktioniert auf Dauer nicht." Nach der bioelektrischen Impedanzanalyse, bei der unter anderem die Körperzusammensetzung von Muskel- und Fettmasse, Wasser und Knochen gemessen wird, gibt sie mir noch Ernährungstipps. Da mich das Fastenthema nicht loslässt, informiere ich mich bei der Diätologin über die in Marienkron praktizierten Methoden: "Die strengste Form im Haus ist das Saftfasten, gefolgt von Suppen- und Gemüsefasten. Letzteres ist die mildeste Form und ideal für Einsteiger, bei der unter 650 Kalorien zu sich genommen werden. Fasten ist wie eine Reinigung für den Körper."

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Bei der bioelektrischen Impedanzanalyse erfahre ich, ob die Zusammensetzung von Fett, Wasser und Muskelmasse in meinem Körper stimmig ist.

Neues Konzept

Marienkron wurde dank der Einführung des neuen Konzepts weg vom reinen Kneippkurzentrum hin zum Fokus auf Darmgesundheit und Fasten vor zwei Jahren deutlich verjüngt und durch den Umbau modernisiert.

Dies lockt auch jüngere Gäste an. Ich bin überrascht, einige in meinem Alter und sogar jünger zu treffen. So auch das Pärchen Marie und Heinrich. Die beiden frisch Verlobten entschlossen sich zum Gesundheitsurlaub, um dem Alltagsstress zu entfliehen. Eine Woche gemeinsames Gemüsefasten, das schweißt zusammen: "Wenn wir das gut überstehen, dann schaffen wir alles", lacht Heinrich – und Marie ergänzt: "Nebenbei werden dank der Entschlackung auch noch Haut und Haare strahlend schön."

Die 30-Jährige weiß, wovon sie spricht, sie hat bereits Kurerfahrung und schätzt in Marienkron vor allem die Einbindung der Eigenverantwortung. Dies betont auch Geschäftsführerin Elke Müller: "Ohne Eigenverantwortung funktioniert es nicht, vor allem nicht daheim. Wir möchten unseren Gästen auch etwas mitgeben, das sie zu Hause umsetzen können."

Auch ich nehme mir die vielen positiven Dinge, die ich gelernt habe zu Herzen und werde versuchen, das Gelernte daheim weiterzuführen: weniger Fleisch, mehr Gemüse, mehr Variation, länger kauen und einfach auf mich achten. 

Also, mein Fazit: Ich habe nicht gefastet, aber die reduzierte Kost genossen, an meinen Ernährungsgewohnheiten gearbeitet und wieder jeden Bissen zelebriert. Und die Waage? Die hat es mir gedankt und am Ende meines Kurzaufenthalts zwei Kilo weniger angezeigt.

Eingang3(c)Lydia Silberknoll Kopie_CMS.JPG Lydia Silberknoll © Lydia Silberknoll

Abtei Marienkron

Direkt neben dem Kurhaus befindet sich die Abtei der Zisterzienserinnen. Obwohl das Kurhaus nicht mehr von ihnen betrieben wird, wirkt der ursprüngliche Geist der Gründerinnen nach. "Marienkron ist mehr als nur ein Kurhaus", erklärt mir Schwester Immaculata und ergänzt: "Viele Gäste suchen das Gespräch mit uns. Es ist ein Kraftort, an dem sie Ruhe finden."

Sie ist eine von rund sieben Zisterzienserinnen, die im Haus mitarbeiten. Im daneben angrenzenden Kloster leben insgesamt 15 Schwestern.

Die Abtei Marienkron wurde 1955, mitten im Kalten Krieg, gegründet. Ans Kneippen dachte man damals noch nicht, der eigentliche Zweck war die Errichtung einer katholischen Gebetsstätte am Eisernen Vorhang. In weiterer Folge entstand 1969 das Kurhaus mit dem Fokus, Körper, Geist und Seele zusammenzuführen. Zu diesem Zweck wurden 30 Einzelzimmer für Gäste gebaut.

In den kommenden Jahren erweiterte der Orden das Kurhaus in drei Etappen und rüstete auf 150 Betten auf. Die Schwestern widmeten sich den fünf Säulen der Kneipp-Methode, veranstalteten Ausflüge, Singabende und turnten. Später wurden Kurhaus und Kloster getrennt und das Kurhaus zu einer GmbH umgewandelt.

Der Entschluss für eine Neuausrichtung und Reduktion auf 100 Betten fiel 2017. Die Wiedereröffnung fand rechtzeitig zum 50-jährigen Jubiläum 2019 statt. Die katholische Präsenz im Haus ist wahrzunehmen, aber nie aufdringlich. Wer möchte, kann an Gebetsabenden teilnehmen oder sich mit den Schwestern gedanklich austauschen.

Marienkron Activity by Steve Haider 2019 (26)_CMS.JPG Marienkron by Steve Haider © Marienkron by Steve Haider

Fasten-Angebot & Infos

  • Saftfasten: die extreme Form.
  • Suppenfasten: Geeignet für Fasten­erfahrene und Einsteiger. Erlaubt sind klare Gemüsesuppen, Getreide- und pürierte Gemüsesuppen, Fastenweckerl und Tee.
  • Gemüsefasten: ideal für Einsteiger. Getreidebrei, Fastenweckerl, -suppe, gekochtes Gemüse und Kompott.
  • Intervallfasten für Männer: 16 Stunden Pause, 8 Stunden essen. Für Frauen: 14 Stunden Pause, 10 Stunden essen.
  • Für Nicht-Faster gibt es leichte Vollkost oder Reduktionskost. Das Essen wird vegetarisch zubereitet. Ausnahmen: Freitag Fisch, Sonntag Fleisch. Im Vordergrund steht immer der Genuss, denn Fasten bedeutet nicht nur Verzicht.
     

Angebot: 7-Tages-Fastenkur inkl. Fastenbegleitung, medizinischer und diätologischer Betreuung sowie Meditations- und Bewegungsübungen p. P. ab € 1.180,–.


www.marienkron.at

Nonnenstatue(c)Lydia Silberknoll Kopie_CMS.JPG Lydia Silberknoll © Lydia Silberknoll

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