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© Kurt Pinter
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Dezember 2017

Schifahren und was noch alles Spaß macht

Schifahren ist zwar nicht out, ganz im Gegenteil – es herrscht ein regelrechter Schi-Boom auf den heimischen Bergen –, trotzdem sind auch heuer wieder neue Funsportarten dazugekommen. 

Höher, schneller, weiter, größer –  das ist das Motto vieler Schigebiete in den Alpen. Durch die neue Verbindung zwischen Zürs und Stuben/Rauz können Wintersportler seit letztem Jahr alle Orte am Arlberg einfach auf Schiern erreichen. Vor wenigen Wochen wurde die neue Verbindung der Schigebiete Maiskogel und Kitzsteinhorn für den Winter 2019 angekündigt. Und das sind nur zwei der Neuerungen.

Schipisten und Langlauf-Loipen sind den Wintersportlern heutzutage nicht mehr genug. Gäste wünschen sich zusätzliche Freizeitaktivitäten. Je ausgefallener, umso besser. Auf der diesjährigen Internationalen Sport-Messe (ISPO) in München wurden Inline Skates für den Schnee vorgestellt, das sind leichte Schischuhe, mit denen man über den Schnee skaten kann. Dazu gibt es spezielle "Socken", damit der Schuh auch am Asphalt gleitet.

Oder wie wäre es mit Golfen am Eis oder im Schnee? Greens werden dann zu Whites. Die Golfbälle dazu sind natürlich farbig. 

Sehr beliebt bei den Jugendlichen und Junggebliebenen ist Snowkiten. Ob am Snowboard oder auf Schiern – Snowkiter lassen sich von einem großen Lenkdrachen mithilfe der Windkraft über verschneite Wiesen oder zugefrorene Seen ziehen. Wer gerne windsurft, könnte dies auch auf einem Board im Schnee probieren. Das sogenannte "Snowfen" wurde zwar auf der ISPO vorgestellt, ist in den österreichischen Wintersportgebieten aber noch unbekannt. 

Die Fatbikes sind jedoch bereits hier angekommen: Mit dicken Reifen geht es statt auf asphaltierten Radwegen durch Schnee und Matsch. 

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TV_0747.jpg Silvretta-Montafon Daniel Hug 1
TirolWerbung_(c)Snowkite Achensee.jpg Snowbike Achensee 2
kids2web_alpinefatbikecom.jpg Alpine Fatbike 3

1 Pistenraupen fahren: Als Fahrer oder als Co-Pilot mit 530 PS und 12 Tonnen über die Pisten walzen. Auch Kleinkinder können mit Begleitperson mitfahren. © Silvretta-Montafon Daniel Hug

2 Snowkiten: Adrenalin pur. Kiter benötigen dazu: einen Lenkdrachen (Kite), Schnee, Wind, eine weite Fläche und natürlich Schier oder ein Snowboard. © Snowbike Achensee

3 Fatbiken: Vom gemütlichen Almenausflug bis zum anspruchsvollen Freeride-Abenteuer – auf den Fatbikes strampelt es sich leicht durch Schnee und Matsch.  © Alpine Fatbike

Das Angebot am Berg ist schier unendlich: Von einer Fackelwanderung über Schneeschuh-Wandern bis zum Iglu-Bauen können Wintersportler auf vielfältige Art und Weise die frische Bergluft genießen. "Wichtig ist dem Österreicher das Naturerlebnis", erzählt der Tiroler Schitourismus-Forscher Günther Aigner (siehe Interview am Ende des Artikels). Und damit das so bleibt, wird jährlich kräftig Geld investiert, vor allem für Beschneiungsanlagen.

"Pro Jahr werden derzeit rund 500 Millionen Euro für den Komfort, die Qualität und die Sicherheit der heimischen Seilbahnen aufgewendet", sagt Erik Wolf, Fachverbandsgeschäftsführer Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich. Die jährlichen Preiserhöhungen liegen seinen Angaben nach, nimmt man den Durchschnitt der Regionen, zumeist in der Nähe des Verbraucherpreisindex'.

Die Betonung liegt aber auf dem Wort Durchschnitt. Denn auch heuer wieder haben viele, vor allem kleinere Schigebiete die Preise überhaupt nicht erhöht, andere hingegen kräftig. Laut dem deutschen Schi-Portal Snowplaza liegt der Durchschnittspreis für einen Sechs-Tages-Schipass in einem österreichischen Top-Schigebiet bei € 252,20.

Noch einmal Wolf: "Es ist völlig klar, dass es für eine fünfköpfige Familie am Arlberg andere Preise gibt als in einem kleineren Schigebiet in der Steiermark. Aber die Mercedes-S-Klasse kostet eben auch mehr als ein Kleinwagen. Dass sich das Schifahren schon bald niemand mehr leisten können werde, wurde schon vor 30 Jahren geschrieben."

FranzGERDL_Ski Alpin.jpg Franz Gerdl © Franz Gerdl
Schikurs für die Kleinen am Nassfeld in Kärnten.

Angebote für Familien am Berg

Viele Schiregionen unternehmen einige Anstrengungen, Familien mit Kindern anzulocken – oder zurückzugewinnen. Beliebt sind neuerdings Ermäßigungen für Kinder an Samstagen (dem traditionellen An- und Abreisetag für Wochenurlauber). Im "Skicircus Saalbach Hinter­glemm Leogang Fieberbrunn" und gleich ums Eck in Zell am See/Kaprun gibt es für ­alle unter 19 Jahren den Samstag-Tagesschipass um € 10,–. 

Preisbeispiele: In den Schigebieten Hinterstoder und Wurzeralm benötigen Kinder bis zehn Jahre nur eine Schneemannkarte um € 3,–, wenn Eltern einen Schipass kaufen. Bei zwei Eltern-Schikarten und zwei Kindern bis zehn Jahren kann man bis zu 30 % sparen. 

In Bad Kleinkirchheim/St. Oswald fahren Kinder bis zwölf Jahre von 6. Jänner bis 9. März um € 1,– pro Tag beim Kauf eines Sechs-Tages-Passes. Voraussetzung: Zumindest ein Elternteil kauft ebenfalls ein Ticket.

Und die Senioren?

Es gibt auch abgesehen von Seniorenermäßigungen Bemühungen, nicht mehr ganz so junge Schifreunde zurückzugewinnen oder sie zu motivieren, wieder genussvoll mit dem Schivergnügen zu beginnen. In der Tiroler Karwendelregion etwa kann man zu gewissen Terminen an Gratis-Schikursen für "50+" teilnehmen, wenn man mindestens fünf Nächte in der Region wohnt. Wer ein bisschen Berührungsängste mit dem Schiwinter hat, für den ist vielleicht auch der Schischnuppertag am 13. Jänner in ganz Niederösterreich ein Tipp: drei Stunden-Grundkurs mit einem Schilehrer von 10 bis 13 Uhr und vielen Extras um € 54,–.

Wer nichts von Größe hält und es lieber klein und gemütlich hat, ist etwa im steirischen Schigebiet Niederalpl richtig. Hier kostet die Tageskarte mit € 32,– gleich viel wie im Vorjahr. Und auch die besondere Kinderermäßigung gibt es wieder: Zwei Kinder bis 15 Jahre in Begleitung von einem zahlenden Elternteil fahren gratis.

Im Prinzip kann also alles auch recht einfach sein.

MichelleHirnsperger 2.jpg Michelle Hirnsberger

Freeriden und Schitourengehen liegen im Trend. Es geht wieder zurück zu den Wurzeln – mit neuem Equipment.

Günther Aigner, Schitourismus-Forscher

© Michelle Hirnsberger

"Das Naturerlebnis ist dem Österreicher sehr wichtig"

Interview mit Günther Aigner, Schitourismus-Forscher.

—  Warum können sich immer weniger Österreicher einen Winterurlaub leisten?

Günther Aigner:Der durchschnittliche Österreicher, der gerne in ein Premium-Schigebiet – wie die Zillertal Arena oder den "Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn" – fährt, hat drei Probleme: Erstens sind die Schiticket-Preise in den letzten 20 Jahren dort schneller angestiegen als sein Gehalt. Zweitens sind seine Lebenshaltungskosten noch viel stärker angestiegen. Das individuelle Budget gerät somit von beiden Seiten unter Druck und das hat zur Folge, dass die Anzahl der Schifahrer im Verhältnis zur Bevölkerung leicht gesunken ist, wenn auch nicht in absoluten Zahlen. Drittens haben sich die Ansprüche der Wintersportler in den letzten Jahren sehr verändert. Österreichs Schiangebot ist voller günstiger Angebote, aber offensichtlich werden diese Angebote viel zu wenig in Betracht gezogen, weil sie nicht mehr den Bedürfnissen entsprechen.

—  Können Sie ein paar dieser günstigen Angebote nennen?

Günther Aigner:Im Heutal in Unken im Salzburger Land kann eine ganze Familie um € 62,– am Tag Schi fahren. In Kitzbühel gibt es eine Reihe von Schleppliften im Bereich der Ortszentren, welche von jedem Wintersportler umsonst genützt werden können. Wer kleine Kinder hat, kann auf den Übungshängen beginnen und nach ein paar Tagen auf den Berg fahren. In einigen Wintersportgebieten muss man sich keine Liftkarte für den Schigroßraum kaufen, es gibt auch Tickets für kleine Teilgebiete. Ich bin zum Beispiel gerne am Kitzbüheler Horn. Die Pisten sind nicht überfüllt, die meisten Wintersportler drängeln sich im Hauptschigebiet bei den 6er- und 8er-Sesselliften.

Kitzsteinhorn_MoserPeter.jpg Artisual Peter Moser © Artisual Peter Moser
Im Snowpark am Kitzsteinhorn können sich Kinder und Jugendliche austoben.

—  Suchen Schifahrer gezielt das Erlebnis am Berg?

Günther Aigner:Genau. Schifahren ist quasi nur Mittel zum Zweck. Wichtig ist das grandiose Naturerlebnis. Deswegen boomt jeglicher Outdoor-Sport extrem. Denn: Der Megatrend heißt "Urbanisierung" und der Subtrend "Zurück zur Natur". Deswegen zählen das Free­riden und Schitourengehen zu den großen Trends im Wintersport. Wenn man sich die Schitouren-Karawanen anschaut, dann muss man sich keine Sorgen um den Wintersport in Österreich ­machen. Und Tiefschneefahren ist heutzutage so beliebt, weil es leichter geworden ist. Das Material hat sich verändert: Die Schi sind viel breiter und dynamischer geworden, geben mehr Auftrieb.

—  Und das Snowboard ist out?

Günther Aigner:Das Snowboarden war eine Trendsportart in den 90ern und Anfang der 2000er-Jahre, die sehr wichtige Impulse für den Wintersport gesetzt hat. Der Carving-Schi hat das Schifahren in den letzten Jahren wieder attraktiver gemacht und von der Idee her ist Carven ja vom Snowboard-Fahren abgeleitet. Die Snowboard-Welle war für den Wintersport somit ein Segen.

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TineSTEINTHALER_KaerntenWerbung_Goldeck.jpg Martin Steinthaler / Kärnten Werbung 2
freeride.jpg TVB St. Anton am Arlberg/Josef Mallaun 3

1 Air Boarding: Diese Trendsportart ist eine der schnellsten und spektakulärsten Arten, die Schipiste runterzubrettern. Bremsen nicht vergessen! © Outdoor Consulting Team

2 Schitourengehen: Auf speziellen Fellen geht es mit Schiern den Berg hinauf. Tourismusverbände bieten zahlreiche geführte Touren und Lawinenkurse für Einsteiger an. © Martin Steinthaler / Kärnten Werbung

3 Freeriden: Snowboarden oder Schi fahren im freien Gelände durch unberührten Schnee – das ist nicht nur eine sportliche Herausforderung, sondern auch ein Naturerlebnis. © TVB St. Anton am Arlberg/Josef Mallaun

—  Suchen Jugendliche den Kick durch Funsportarten wie Snow Biken oder Air Boarding?

Günther Aigner:Ja, aber ich glaube, dass diese Bedürfnisse von der Industrie künstlich erzeugt werden. Denn die Ausdrucksformen der Teenies auf Schiern sind unbegrenzt: Sie können sich von den Eltern ideal abgrenzen, indem sie ihre eigenen Räume einnehmen, wie etwa in den Funparks. Dort können Kinder und Jugendliche ungestört sein. Das ist sehr wichtig in der pubertierenden, rebellierenden Zeit. Sie brauchen ihre eigene Spielwiese, wo sie sich gegenseitig beweisen und zeigen können, was sie drauf haben. Das ist auch wichtig für die Entwicklung ihrer Persönlichkeit.

—  Um den Wintersport muss man sich somit keine Sorgen machen?

Günther Aigner:Wir Menschen fahren seit mehr als 5.000 Jahren Schi. Diese Faszination, das mühelose Gleiten auf Schnee, ist also ähnlich zeitlos wie das Wellenreiten (Surfen) im Meer, das auf den polynesischen Inseln seit Jahrtausenden betrieben wird. Aus welchem Grund sollte sich das in Zukunft ändern?

Wintersport mit dem ÖAMTC

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€ 70,– spart man mit Schipass-Gutscheinen in verschiedenen Schigebieten in ganz Österreich – erhältlich ab Dezember.
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Exklusiv können ÖAMTC-Mitglieder auch an den Schi Austria Camps des Österreichischen Schiverbandes teilnehmen. 
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