Uganda_2014-11_CB_1523_CMS.jpg  © Cornelia Buczolich
© Cornelia Buczolich
© Cornelia Buczolich
März 2015

Auf Augenhöhe mit den Gorillas

Gorilla-Trekking in Uganda: Ein unvergessliches Erlebnis. 

Meine Hose ist gatschig. Meine Hände sind feucht. Der Weg im dichten Dschungel des Bwindi Impenetrable National Parks im Südwesten Ugandas ist schwierig und steil. Immer wieder rutsche ich aus. Plötzlich sehe ich einen schwarzen, behaarten Arm im Dickicht. Er sieht so lang aus. So unwirklich. Sind wir schon bei den Gorillas?

Jetzt ist der Moment da. So lange habe ich darauf gewartet. Hinter mir höre ich schnelles, tiefes Atmen, dazwischen ein leises "Wooooow" – meine Mitreisenden sind genauso aufgeregt wie ich. Nun ist unser Traum wahr geworden. Vor uns sitzt ein zwei Meter großes Gorilla-Männchen im Gebüsch und frisst. Das Tier macht einen friedlichen Eindruck.

Die Berggorillas sind vom Aussterben bedroht: Im Bergland zwischen Uganda, Ruanda und der Republik Kongo leben nur noch 880 Gorillas. Das sind die letzten weltweit", erzählt unser Guide Pandu. Nur 880! Die Hälfte davon leben im ugandischen Regenwald. Die Permits werden fast Jahr für Jahr teurer. Vor ein paar Jahren hat es € 300,– gekostet, die Gorillas besuchen zu dürfen, jetzt kostet es € 600,–, und Pandu erzählt, dass bereits von € 900,– die Rede ist. Im benachbarten Ruanda liegen bereits jetzt die Preise etwa auf diesem Niveau. Wer die Möglichkeit hat, sollte die Menschenaffen so bald wie möglich aufspüren.

Ja, genau: aufspüren! Eine Tour zu den Berggorillas muss man sich hart erarbeiten. Sie werden uns nicht am Silbertablett serviert, wir müssen sie suchen im Regenwald.

Werbung

Auf zum Gorilla-Trekking

Wir sind erst 35 Minuten unterwegs, doch mir läuft der Schweiß schon den Rücken herunter: Es geht immer höher in die Berge, auf bis zu 2.000 Meter Höhe. Manche in der Gruppe fluchen, sie ringen um Luft und gehen an ihre Grenzen. Für mich ist es auch anstrengend, aber die Vorfreude überwiegt. Ich rutsche am Hosenboden und ziehe mich an Lianen hinauf, halte mich an Ästen mit Dornen fest. Die Aufregung ist nicht mehr zu spüren. Jeder kämpft um jeden Meter – jeden Meter, den wir uns den Berggorillas nähern. Wir ziehen uns über meterhohe Wurzeln empor, steigen über große Steine. Plötzlich ein Laut aus dem Dschungel. Das sind sie! Wir lächeln einander zu. Jetzt ist es so weit. Die Schmetterlinge im Bauch machen sich bemerkbar. Jetzt kommt gleich der Moment, für den wir alle in Uganda sind. 

Fehlalarm. Gorillas geben keine Laute von sich. Das waren andere Primaten. 

Unser Guide bleibt stehen. Er späht ins Dickicht. Er ist per Funkgerät mit seinen Kollegen in Kontakt. Sie sind bereits bei den Gorillas und lotsen uns hin. Wir verlassen den Pfad und kämpfen uns weiter durch den Dschungel. Der Weg wird immer mehr zur Herausforderung. Mit Buschmesser und Machete bewaffnet schlagen uns die Gruppenführer den Weg frei. Eine weitere Stunde geht es bergab und bergauf. Teilweise klettern wir in bis zu 45 Grad steilem Gelände. Zum Glück habe ich meine Fahrradhandschuhe angezogen. Ich kann mich sehr gut an den Sträuchern und Lianen festhalten, meine Handballen sind vor Dornen geschützt, die Fingerkuppen jedoch nicht.

Immer wieder sage ich mir vor: Bitte kein Regen! Der Boden ist ohnehin sehr rutschig. Es regnet hier fast täglich, etwas mehr im April und Mai. Deswegen ist der Dschungel auch so üppig und saftig grün. Ich kann mich nicht satt sehen.

Ich genieße die Laute des Urwaldes, er ist voller Leben. Aber Vorsicht: Tückisch sind die Waldameisen. Deswegen tragen wir lange Socken über unsere Hose. Ich habe mir Schisocken angezogen.

Direkter Kontakt mit den sanften Riesen

Gorillas haben ihre Reviere. Sie wandern ausschließlich, um Fressen zu finden.

Thomas Edlfurtner, Reiseleiter

Plötzlich bricht aus dem Dickicht ein schwarzer Schatten hervor. Blätter fressend und neugierig vor sich hin kauend sitzt sie plötzlich vor uns – unsere erste Berggorilla-Dame. Ein kleines schwarzes Knäuel springt auf ihr herum: ein neun Monate altes Baby. Ist das süß! Es macht seine ersten Kletterversuche. Es sieht glücklich aus. Ich bin glücklich. Die Situation ist jetzt entspannter. Wir haben einen halbwegs komfortablen Platz zum Stehen gefunden. Ich gebe die Kamera zur Seite, um den Moment zu genießen. Die Mutter liegt etwa sieben Meter von uns entfernt auf dem Boden und das Junge turnt noch immer zwischen ihr und dem Baum herum. Sie sind uns wirklich sehr ähnlich. Oder wir ihnen? Nur zwei Prozent unserer DNA unterscheiden sich.

Plötzlich raschelt es im Gebüsch. Der Silberrücken. Er ist direkt hinter mir! Hilfe! Was mache ich? Ist er eh nicht wütend, weil ich im Weg stehe? Ich vertraue ganz unserem Guide. Schließlich ist er jeden Tag mit einer Gruppe bei den Gorillas. "Jeden Tag dürfen acht Touristen zu einer Gorilla-Familie", erzählt Pandu. Die Verweildauer ist auf eine Stunde begrenzt, damit die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung so wenig wie möglich gestört werden.

Der Silberrücken ist nun da. Er ist riesig. Pandu deutet nach links. Tatsächlich, der Silberrücken geht rechts vorbei. Auf allen Vieren. Jetzt wirkt er wenigstens nicht so groß. Er setzt sich zwei Meter vor uns hin. Pandu hatte uns eingeschärft, sieben Meter Abstand zu halten. Jetzt lacht er und sagt, dass es egal ist. Die Gorillas müssen sich nicht daran halten, nur wir. Jetzt sind wir wirklich nahe.

Ich sehe dem Silberrücken direkt in die Augen. Direkt in seine schwarzen Kulleraugen. Meine erste Reaktion: Ich schaue weg. Ich schaue wieder hin. Er sieht mich noch immer an. Pandu hatte uns versichert, dass es kein Problem ist, wenn wir den Primaten in die Augen schauen. Ich tue es, ich möchte nicht den Moment verpassen. Er sieht etwas traurig aus. Naja, lächeln kann er ja nicht. Er sieht ernst aus. Nein, ich glaube, er sieht zufrieden aus. Er ist jetzt hier, um seine Weibchen und seine Jungen zu beschützen. Glaube ich zumindest. Und er ist hier, um weiter zu fressen. Genüßlich. Er legt sich auf den Rücken und stopft sich Blätter in den Mund. Dazwischen steht er auf. Streckt seine Arme nach oben und zupft sich Blätter vom Baum. Jetzt wirkt er richtig groß. Seine Arme sind fast so lang wie sein Rumpf. Ein Riese mit 200 Kilo.

Aber er ist faul. Und setzt sich wieder hin. Und frisst. "Berggorillas sind fast reine Vegetarier, nur Termiten und Ameisen fressen sie noch", erklärt Pandu.

Der Rücken von Gorilla-Männchen verfärbt sich im Alter von 15 Jahren silbergrau.

Pandu, Guide

Ich hätte den Silberrücken noch ewig beobachten können. Es ist ein ganz anderes Gefühl, als vor einem Löwen oder Elefanten zu stehen. Ich hätte mich zu ihm setzen können. Er ist Menschen gewöhnt. Neben einen Elefanten oder Löwen könnte ich mich nicht setzen. Diese Verbundenheit habe ich gespürt. Gorillas sind unsere nächsten Verwandten. Wir sind einander ähnlich.

Ich beobachte, wie die Mutter ihr Baby im Arm hält. Es beschützt, es trinken lässt. Ich würde es nicht anders machen. Ich würde mein Kind genauso halten. Das macht mich nachdenklich: zu sehen, wie ein zwei Meter großes, behaartes, wildes Tier mir ähnelt.

Uganda: Die Perle Afrikas

Uganda ist etwa dreimal so groß wie Österreich und hat 35 Millionen Einwohner.Viele Touristen fliegen quer durch Afrika, um in einer Reise alle Highlights des Kontinents zu besuchen. Ihr letzter Stopp sind meist die schwarzen Riesen in Uganda. "Völlig fertig kommen sie dann im Bwindi Impenetrable National Park an. Sie können sich kaum erholen, bevor die große Tagestour zu den Gorillas beginnt", erzählt Reiseleiter Thomas Edlfurtner und verdeutlicht, dass man sich Zeit für das ganze Land nehmen sollte.

Uganda selbst birgt bereits eine große Vielfalt an Attraktionen: Das Spektrum reicht von den Tierherden der Savanne des Queen Elizabeth National Parks über dichte tropische Wälder mit Schimpansen und zahlreichen anderen Primaten bis hin zu den Berggorillas. Auch Unterkünfte werden für jedes Budget angeboten – vom einfachen Zelt bis zum Luxuscamp.

Sir Winston Churchill, ehemals britischer Premierminister, rühmte nicht umsonst Uganda in seinen Reiseaufzeichnungen einst als "die Perle Afrikas"! Dem kann ich nur zustimmen. Die großartige Landschaft macht die teilweise sehr holprige Fahrt auf den sehr schlechten Straßen wieder wett.

Top-Angebot des ÖAMTC-Reisebüros

Wer selbst die letzten Berggorillas im Regenwald Ugandas erleben will, kann das mit dem ÖAMTC-Reisebüro tun. Der Club bietet zu den Terminen 5. bis 16. August 2015, 18. bis 29. November 2015 und 10. bis 21. Februar 2015 geführte Pauschalreisen mit vielen Extras ab € 4.990,– pro Person im Doppelzimmer inklusive Flug mit Brussels Airlines an. 

Uganda_CMS.JPG Peter Scharnagl © Peter Scharnagl

Mehr Infos unter der Hotline Tel. 0810 120 120, in den Filialen und auch auf www.oeamtc.at/reisen. Hier geht's zum Angebot

Kommentare (nur für registrierte Leser)