Euboea_Maerz16_CB_1101_neu_CMS.jpg  © Jörg Redl
© Jörg Redl
© Jörg Redl
Februar 2016

Auf ins ursprüngliche Hellas

Euböa und Peloponnes – zwei Geheimtipps in der Nähe von Athen, selbst unter Griechenland-Kennern: Hier erleben Urlauber noch das authentische Hellas – kaum Massentourismus, dafür antike Kultstätten, Naturschönheiten und idyllische Badebuchten. 

Marathon. Wo liegt das Dorf eigentlich? Wir verlassen den Flughafen Athen und kommen am Weg nach Euböa an mehreren Tafeln mit der Aufschrift "Athens Classic Marathon Course" vorbei. Joggen ist nicht unsere Sportart. Daher erkunden wir den Geburtsort des klassischen Marathonlaufs mit dem Bus. Die Originalstrecke ist 42,2 Kilometer lang. Das Dorf ist einerseits weltberühmt, andererseits sehr unscheinbar: ein paar Bauernhäuser, umgeben von einer weiten Ebene mit Feldern und Schafen.

Zeitreise in die Antike: Die Athener gewannen trotz klarer Unterzahl 490 v. Chr. die Schlacht bei Marathon gegen die Perser. Ein Bote soll nach Athen gelaufen sein, um den Sieg zu verkünden, dann brach er tot zusammen. Am 13. November findet im Gedenken an ihn der Athen-Marathonlauf statt.

Werbung
Euboea_Maerz16_CB_8584_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
Die Originalstrecke des Marathonlaufs ist 42,2 km lang.
Euboea_Maerz16_CB_8581_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
Die Fähre bringt uns auf Euböa.
Euboea_Maerz16_CB_8535_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
Möwen begleiten uns während der einstündigen Fahrt.

Euböa – ein echtes Stück Griechenland

Mit der Fähre geht es auf die Insel Euböa, die 220.000 Einheimischen nennen sie Evia. Das Eiland ist etwa so groß wie das Burgenland und auch so langgezogen. "Um den Tourismus hat man sich nie besonders bemüht, weil ohnehin so viele Athener hier ihre Ferien verbracht haben", erzählt Ioanna, unsere Reiseleiterin, in perfektem Deutsch. 

Auf Euböa haben hauptsächlich Athener ihren Urlaub verbracht.

Ioanna, Reiseleiterin

Seit ein paar Jahren ist das anders: Die Finanzkrise bringt immer weniger Athener auf die Insel. "Einheimische sind nun sehr bemüht und heißen Urlauber aus ganz Europa herzlich willkommen", erzählt Ioanna. Euböa ist für all jene eine Reise wert, die den Massentourismus scheuen, das Ursprüngliche suchen – vielleicht auch das Einfache. 

Wer in überteuerten Boutiquen stöbern, danach in einem sehr schicken Strandrestaurant essen möchte, für den ist Euböa nicht das Richtige. Die niedrigen Preise sind uns sehr positiv aufgefallen: Ein Griechischer Salat kostet € 5,50, ein großes Bier € 2,80, ein Cola und ein Espresso je € 1,–.

Euboea_Maerz16_CB_8212_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
Traditionelle Köstlichkeiten: ein griechischer Salat,…
Euboea_Maerz16_CB_8358_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
… ein echter griechischer Kaffee und…
Euboea_Maerz16_CB_8450_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
… die Sesamringe Koulouri aus Hefeteig.

Viele Touristen kommen nach Euböa, um die Drachenhäuser zu besichtigen. "Ich nenne sie die Unterkünfte der Schwiegermütter", zwinkert mir die Reiseleiterin zu. Die Häuser sind ganz ohne Mörtel gebaut. Mehrere Tonnen schwere Steine sorgen für Stabilität.

Die alte Seefahrerstadt Kymi im Osten der Insel, mit netten Cafés und Geschäften, liegt auf 250 Metern über dem Meer und wird auch der Balkon der Ägäis genannt. 23.000 Feigenbäume prägen das Landschaftsbild rund um die Stadt. Die Früchte werden in der Sonne getrocknet, aufgeschnitten und durch Schwefeldampf gezogen, danach gewaschen, wieder getrocknet und ohne Konservierungsstoffe verkauft. 

Griechenland authentisch

Grüne Hügel im Norden, ägäisches Flair im Süden – hier befinden sich auch die meisten Hotels. Der Busfahrer hupt kräftig vor jeder engen und unübersichtlichen Kurve. Ich schaue aus dem Fenster: Granatäpfel hängen an den nur etwa ein Meter hohen Bäumen wie rote Christbaumkugeln, wilder zart lila Thymian und Oleander wachsen am Straßenrand wie Unkraut. Die Rebstöcke werden aufgrund des starken Windes nicht hochgebunden. Das erschwert die Weinlese enorm.

Euboea_Maerz16_CB_8479_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
Zitronen blühen und fruchten besonders üppig.
Euboea_Maerz16_CB_124749_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
Granatäpfel hängen an den Bäumen wie rote Christbaumkugeln.
Euboea_Maerz16_CB_8283_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
Olivenbäume gehören zu den wichtigsten griechischen Kulturpflanzen. 

In Marmári machen wir einen kurzen Abstecher in ein kleines Heimatmuseum: Jede Menge Antiquitäten, Häkeltischdecken und Porzellangeschirr erinnern an anno dazumal. 

Reine Olivenölseife ist sehr gut für Allergiker.

Ioanna, Reiseleiterin

In einem kleinen Innenhof zeigen uns zwei Griechinnen, wie sie handgemachte Seife aus reinem Olivenöl herstellen. Es sieht einfach aus: Pottasche (Kaliumkarbonat) wird in Wasser aufgelöst, mit dem Öl gut verrührt und in eine Form gegossen. Nach ein paar Stunden kann man die Masse schneidenDie einzelnen Seifenstücke werden an einem luftigen Ort für zwei Monate zum Trocknen aufgelegt, in dieser Zeit vervollständigt sich auch der Verseifungsprozeß und die Seife wird milder – auch der pH-Wert sinkt noch etwas.

Euboea_Maerz16_CB_8254_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
Das Heimatkundemuseum: viele Antiquitäten und alte Gebrauchsgegenstände.
Euboea_Maerz16_CB_8244_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
Ioanna zeigt uns eine Glasglocke, die beim ältesten Naturheilverfahren "Schröpfen" verwendet wurde.
Euboea_Maerz16_CB_8267_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
In wenigen Minuten haben die beiden Griechinnen reine Olivenölseife aus Olivenöl und Pottasche hergestellt.

Während das Gemisch rastet, kosten wir griechisches Joghurt mit Honig und Nüssen, Pasteli – ein Sesam-Honig-Riegel, der so schön zwischen den Zähnen klebt – und Lokum, eine traditionelle Süßigkeit der türkischen Küche aus Wasser, Zucker und gelierter Stärke. Ich verziehe das Gesicht, das schmeckt mir nicht.

Euboea_Maerz16_CB_8384_CMS.jpg Cornelia Buczolich 1
Euboea_Maerz16_CB_8278_CMS.jpg Cornelia Buczolich 2
Euboea_Maerz16_CB_8277_CMS.jpg Cornelia Buczolich 3

1 ​Wundervoller Blick über die neun winzigen Petalii-Inseln. © Cornelia Buczolich

2 ​Traditionelle griechische Süßigkeit: Pasteli, der Sesam-Honig-Riegel. © Cornelia Buczolich

3 ​Rohkostplatte: Feigen, Dörrzwetschken, Nüsse und Lokum. © Cornelia Buczolich

Wir fahren weiter in den Süden und genießen die Aussicht auf die neun winzigen Petalii-Inseln, alle im Privatbesitz – angeblich gehört eine der Picasso-Familie. Gleich um die Ecke liegt Kárystos. Die Stadt sprüht in der Hauptsaison voller Leben: Hafentavernen, nette Bars. Ein weiterer Anziehungspunkt: der lange Kiesstrand mit einer Tauchschule. Wir gehen am venezianischen Wehrturm Burdzi aus dem 14. Jahrhundert vorbei und halten nach einer kleinen Taverne Ausschau. "Kommt, schaut in die Töpfe!", ruft die Reiseleiterin Ioanna. Im Restaurant wird die typisch griechische "Topfkultur" gepflegt: Jeder Gast geht in die Küche und schaut quasi dem Koch über die Schulter. "Eine der vielen Spezialitäten auf Euböa ist Zicklein", erzählt Ioanna. Mich lacht jedoch das Oktopus-Gulasch an.

Euboea_Maerz16_CB_8304_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
Auf der langen Promenade kann man Fischer im Hafen beobachten.
Euboea_Maerz16_CB_8324_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
Der Wehrturm Burdzi stammt aus dem 14. Jahrhundert.
Euboea_Maerz16_CB_1098_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
Ein Genuss: das Oktopus-Gulasch.  

Das etwas andere Inselhüpfen

Wir verlassen Euböa und fahren weiter auf den Peloponnes – eine künstliche Insel. Künstlich? Erst seit 1893, mit Fertigstellung des Kanals von Korinth, ist der Peloponnes vom Festland abgetrennt. Offiziell spricht man jedoch von einer Halbinsel, da der Kanal als Bauwerk gilt. Von der Brückenmitte hat man einen freien Blick auf den 23 Meter breiten und sechs Kilometer langen Kanal. 

Peloponnes_Maerz16_CB_8586_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
Der 23 Meter breite… 
Peloponnes_Maerz16_CB_8594_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
… Kanal von Korinth trennt… 
Peloponnes_Maerz16_CB_8596_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
…den Peloponnes vom Festland.

Die Akropolis von Mykene zählt zu den bedeutendsten antiken Denkmälern Griechenlands – "Akro" heißt übrigens übersetzt Spitze und "Polis" Stadt. Der Archäologe und Troja-Entdecker Heinrich Schliemann entdeckte 1876 die Überbleibsel der Festungsanlange. Ich wandere den Hügel hinauf, vorbei an den 3.500 Jahre alten Rundgräbern. Auch die Aussicht ist beeindruckend. Hinter dem Löwentor, dem Eingang in die Burg, verbirgt sich die Grabstätte von König Agamemnon, dem Anführer der Griechen im Trojanischen Krieg.

Peloponnes_Maerz16_CB_8619_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
​Die Akropolis von Mykene zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Peloponnes_Maerz16_CB_8608_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
Von hier überschaute und kontrollierte man einst die Landwege.
Peloponnes_Maerz16_CB_8602_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
Die Rundgräber sind 3.500 Jahre alt.

Gut shoppen und speisen

Der Peloponnes erinnert von der Form her an eine ausgestreckte Hand mit Daumen und drei Fingern, die Richtung Süden zeigen. Ich fahre Richtung Daumen und Zeigefinger und besuche Náfplio, die erste Hauptstadt Griechenlands. Über 999 Stufen gelangt man auf die Festungsanlage Palamídi, die über der schmucken Stadt thront. 

Peloponnes_Maerz16_CB_8673_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
Die Festungsanlage Palamídi…
Peloponnes_Maerz16_CB_8633_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
… thront über der Stadt Náfplio, …
Peloponnes_Maerz16_CB_8670_CMS.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
… Griechenlands erster Hauptstadt.

Wir bevorzugen heute Nachmittag aber das Bummeln durch die engen Gässchen, denn Náfplio ist eine Stadt zum Verweilen. Neben venezianischen Bauten findet man klassizistische Häuser. Wir entdecken kleine Plätze mit netten Cafés und Boutiquen. Die Hafenpromenade gibt den Blick auf die vorgelagerte Insel mit der Festung Burdzi frei. Wir kaufen uns ein Frozen Yogurt und einen Smoothie und schlenderen weiter.

Farbtupfer am "Mittelfinger"

Obwohl es monatelang nicht geregnet hat, ist der Peloponnes wunderschön grün – eine wahre Augenweide. Auf der Halbinsel gibt es weder gigantische Hotelburgen noch überfüllte Strände. Von tiefblau bis türkisfarben schillernd blitzt mir das Meer entgegen. Das Rosarot der Bougainville leuchtet unter der Mittelmeersonne besonders intensiv, und riesige Zypressen stechen wie Bleistifte hervor. Wir lassen die antiken Kultstätten hinter uns und fahren die Halbinsel Mani entlang – der "Mittelfinger" des Peloponnes. 

Besonders schön sind die Natursteinhäuser. Auch neue Appartements und Villen der Deutschen und Engländer werden in diesem traditionellen Stil gebaut. Der kleine Ort Limeni liegt direkt am Meer in einer hübschen Bucht mit sehr klarem Wasser. Im schicken Restaurant Tákns kosten ein gegrillter Schafkäse mit Pfefferoni und Tomaten € 4,20, ein Tzatziki € 2,80 und ein Steak € 8,–.

Adio! Es geht heimwärts.

Wenn ich wiederkomme, möchte ich länger bleiben, um am wunderschönen Strand Voidokilia im Südwesten zu faulenzen, mit der Fähre auf die kleine Insel Elafonisos zu fahren und etwas Karibik-Feeling zu schnuppern – die Strände sind hier wirklich weiß – und um in der kleinen Stadt Monemvasia, die am Fuß eines etwa 300 Meter hohen Felsens im Osten der Halbinsel liegt, das ursprüngliche Griechenland zu genießen.

Alle Infos und Buchungen bei den Reisebüros des ÖAMTC und unter Tel. 0810 120 120.

Kommentare (nur für registrierte Leser)